"...glaubst wenigstens DU mir?" (M)

Grace‘ Sicht:

Thomas… Thomas…
Ich weinte viel… was habe ich ihm da versprochen? Ich wollte die Therapie eigentlich nicht machen. Was rede ich da eigentlich? Ich weiß nicht was ich möchte. Mein Handy vibrierte.
(T) „Hey“
(G) „Thomas… was gibt’s?“  Ich wollte so normal wie möglich wirken…
(T) „Ich will dich sehen, Grace“
Ich schrieb nichts. Wieso fällt es mir so schwer ihm zu vertrauen? Ich fühle mich nicht gut bei ihm. Vielleicht war das früher einmal so aber… nein. Jetzt nicht mehr.
(T) „Grace?“
(G) „Thomas…gib mir Zeit. Ich bitte dich. Es ist alles so kompliziert. Bitte. Ich muss aufhören. Ciao.“

Ich lag in meinem Bett. Sie haben mich aus dem Krankenhaus entlassen, ich muss aber jeden Tag dort hin um mich untersuchen zu lassen. Tante Su verlangt von mir, dass ich die Therapie mache aber ich will nicht. Ich möchte mich nicht an etwas erinnern. Erinnerungen bergen Schmerz.
Und meine Theorie ist Blödsinn. Es ist einfach so, dass ich mich nur an Teile erinnere. Dass der Zufall es so wollte, dass auch genau die Erinnerungen an Thomas fehlten, ist nicht meine Schuld.
(T) „Etwas zerbricht in mir. Grace, bitte. Ich kann nicht… ohne dich“

Ich ließ ihn so stehen. Ich weiß nicht, was mich dazu bewegte, ihm zu schreiben, dass ich froh bin ihn zu haben. Das ist doch Schwachsinn.  Der Arme. Er tat mir leid aberich darf nicht so anders sein.
(T) „Grace! Bitte!“
Eine Träne kullerte über mein Gesicht, ich wischte sie mir schnell weg.
(G) „Lass mich in Ruhe“
Es tat weh aber es musste sein. Ich will nicht, dass ich ihn verletze aber er muss verstehen, dass ich nicht mehr die bin, die er kannte. Krankheit hin oder her. Es war nicht einmal eine Krankheit, das meinte mein Arzt. „Ich weiß nicht mal, was mit mir los ist“, flüsterte ich leise und stand vom Bett auf. Ich ging zu Tante Susane. Sie hat gekocht. „Ich hab‘ keinen Hunger“ Ich hatte auf nichts Lust. Ich schnappte meine Weste und rannte hinaus in die Dunkelheit. Es war schon zehn Uhr Abend. Die Luft war warm aber es wehte ein starker Wind. Ich hielt es nicht mehr aus in dem Haus. Tante Susane hat mir erzählt, ich wohne ich alleine. Das verstand ich nicht - ich wollte es nicht verstehen. Ich hab sie gefragt, warum sie nicht bei mir wohne. Sie sagte, ich wollte selbstständig werden. Und Thomas für mich haben. Als ich sie das sagen hörte, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. So wie es scheint, habe ich eine Person geliebt, dessen Anwesenheit mich stört. Also jetzt. Früher war alles anders. Wie verwirrt, lief ich die Straße entlang. Ich musste klar denken. Ich nahm mein Handy heraus, steckte mir Kopfhörer in die Ohren und schaltete ein Lied ein.
                                                       “And I know that he knows,
                                                                    I’m unfaithful
                                                             And it kills him inside
                                                        To know that I am happy
                                                            With some other guy
                                                              I can see him dying”

Ich erstarrte bei dem Text. Mein Atem wurde unregelmäßig und ich musste stehen bleiben, weil ich ein Stechen auf der Seite spürte. Ich schaltete die Musik aus und zwang mich nicht zu weinen. Ich nahm die Kopfhörer, steckte sie in meine Weste und begann wieder zu gehen. Ich wusste nicht wo ich war aber ich blieb ruhig. „Na, sieh mal wer da kommt!“ Ich sah hoch. Da stand eine kleine Horde voll Typen - sie alle starrten mich an. Der ganz vorne, hatte ein Band auf seiner Nase, es sah beängstigend aus. „Gracie, my love! Lange nicht mehr gesehen- nicht wahr?“ Der Kerl lächelte gehässig und ging auf mich zu. Ich wich instinktiv aus. „Ach… jetzt ist keiner mehr da, der dich beschützen kann, was? Wo ist denn dein kleiner Super-Hero?“ Er kam immer näher. Ich hatte aber keine Angst vor ihm. Keine richtige Angst. „Wer bist du?“ Ich trat ihm gegenüber - erschrocken über meine plötzliche Entschlossenheit trat er einen Schritt zurück. „Jetzt tut sie auch noch dumm!“ Gelächter brach aus. „Ich tu nicht dumm! Ich kann mich an nichts mehr erinnern.“ Ich wollte es ihm sagen - er sollte es hören, dachte ich. Es wurde sofort still. „Wie bitte?“ Ein Anderer trat hervor. Er hatte ein enges Shirt an und man sah die Muskeln. Ich bewunderte seinen Teint. So schön bronzefarbig. Ich konnte nicht anders, als ihn anzustarren. „Ja… ich kann mich an nichts erinnern. Problem?“ Ich machte das mit Absicht- ich wollte stark wirken. Wie lächerlich. „Oh…“ Der Hässliche mit dem Verband drehte sich zu den anderen um. Ich konnte erkennen, dass auf seiner Jacke ‘Jeremy‘ stand. Ich mochte ihn nicht. Aber der neben ihm- mit dem schönen Teint- er gefiel mir. „Frederico… was sagst du zu dieser Göre?“ Frederico hieß er also. „Wie wär’s wenn wir sie in ein Cafe mit nehmen“ Er sah zu mir und lächelte mich an. Ich lächelte zurück. „Hm… okay. Und du kannst dich an NICHTS erinnern?“ Jeremy sah mich an - er glaubte mir nicht. Man merkte es an seinem Blick. „Ja.“ Ich ging zu Frederico. „Glaubst wenigstens DU mir?“ Er lachte leise und nahm meine Hand. „Sicher doch.“ Argwöhnisch starrte Jeremy uns an. Ich fühlte mich wohl, als Frederico meine Hand nahm. Ich fühlte etwas -als hätte ich das schon ein Mal erlebt.

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media