Grausamkeit kennt keine Grenzen

Prolog

Ich dränge mich durch die Menschenmenge, es riecht unangenehm, nach verfaulten Früchten, Schweiß und Elend. Ich verziehe das Gesicht, dränge mich weiter, die meisten beachten mich gar nicht aber andere blicken mich entnervt an und sagen mir, dass ich gefälligst aufpassen soll, wo ich hintrete.

Endlich vorne angekommen, bleibe ich wie angewurzelt stehen und Tränen treten in meine – vor Schreck – weit aufgerissenen Augen.

Ich wollte es nicht glauben.

Ich wollte es mir nicht eingestehen.

Doch es ist wahr. Es passiert wirklich. Es ist die schreckliche Realität.

Vor mir auf dem dreckigen, heruntergekommenen Marktplatz, steht er.

Mein Vater. Seine Hände hinter seinem Rücken gefesselt, er sieht so erschöpft aus, so schwach. Sein weißes langes Leinenhemd, voller Dreck und getrocknetem Blut, seine dunkle Hose zerrissen und durch das eingerissene Loch, klafft eine offene Wunde aus der Blut sickert.

Als ich mich endlich traue, genauer in sein Gesicht zu blicken, bekomme ich Gänsehaut und mein Herz krampft sich zusammen.

Ich erkenne ihn kaum.

Wenn er nicht der einzige Mann, mit so leuchtend smaragdgrünen Augen wäre, würde ich es sogar leugnen, diesen Mann zu kennen.

Seine linke Wange ist dunkel lila verfärbt und angeschwollen, Blut läuft ihm aus der Nase und zieht eine Rote Linie bis hinunter zu seinem Kinn, wo der Bluttropfen dann runter fällt, auf den geteerten Boden des Marktplatzes.

Seine schulterlangen kupferfarbenen Haare hängen ihm zerzaust ins Gesicht.

Tränen laufen mir übers Gesicht,ich grabe meine langen Fingernägel in meine Handfläche, so fest, dass mir schlecht wird. Ich versuche verzweifelt mir einen Plan auszudenken, meinen Vater zu befreien, doch meine Konzentration wird von einer tiefen, gebieterischen Stimme unterbrochen. Der König.

„Sehr geehrte Bürger von Loucent, ich kann nun endlich mit Freude berichten, dass wir ihn fassen konnten.Den Tyrann der an all den Schrecklichen Dingen, die hier Tag ein Tag aus passieren in unserem - eigentlich so wunderschönem Land Loucent. Wir haben Jahre lang nach ihm gesucht, er hat soviel Leid und Elend über unser Land gebracht. Heute liebes Volk wird er dafür gerecht bestraft. Der Rebell wird leiden, für jeden dem er auch nur das kleinste Leid zufügte.“ Die Schaulustigen johlen und klatschen. Springen in die Luft und lachen dabei. Brüllen und jauchzen dem König entgegen.

Und ich, ich gehe unter, ertrinke in meinen Tränen. Nicht im Stande etwas zu sagen und ersticke an ungesagten Worten. Ein Soldat mit weißer Rüstung, die mit Gold verziert ist, zwingt meinen Vater in die Knie, er verzieht schmerzvoll das Gesicht und betet mit heiserer Stimme ein Gebet. Ich – wieder fähig mich zu bewegen – stürze mich nach vorne zu ihm, will ihm helfen. Ihn retten. Denke nicht nach sondern stürze mich nur auf den Soldaten der meinen Vater das Schwert an die Kehle hält. Plötzlich spüre ich einen stechenden Schmerz in meiner Schulter. Ein Eisenpfeil. Als nächstes packt mich jemand von hinten und wirft mich, als würde ich nichts wiegen, auf den Boden. Was habe ich mir nur dabei gedacht? Wie dumm ich doch bin. Hatte ich wirklich geglaubt ihn befreien zu können? Ich zierliches, dummes, einfaches Mädchen?

All diese Fragen schießen mir durch den Kopf.

Ich versuche, meine Augen zu öffnen – wenigstens einen Spalt, denke ich.

Es gelingt mir, doch ich hätte sie besser geschlossen gehalten.

Der große, blonde Soldat schneidet meinem Vater die Kehle durch und wirft ihn mit viel Schwung auf den Boden. Ich schreie, kreische, will mich aufrappeln und zu ihm laufen. So viel Blut. So unglaublich viel Blut. Und dann, noch ein Pfeil, mitten in meinen Bauch, ich falle, will aufstehen doch falle. Spucke Blut.

Das letzte was ich sehe ist etwas eingeritztes Silber glänzendes am linken unteren Handgelenk meinen Vaters. Es sind drei aneinander geordnete Schlangenlinien die in der Mitte zusammenlaufen und ein Dreieck bilden, es ist kaum größer als Marienkäfer. Was stellt das nur dar ? Vielleicht ein Symb... Ich schreie auf.

Der Schmerz überkommt mich mit einem mal und mir wird schwarz vor Augen.

Und nun, spüre ich nur noch schwarze Leere in mir, Hass, Wut. Ich hasse den König, hasse seine Soldaten. Will sie alle leiden sehen. Das ist das letzte was mir durch den Kopf geht, danach fühle ich mich auf einmal frei, spüre keinen Schmerz mehr und habe das Gefühl zu fliegen. Vielleicht tu ich das ja sogar. Fliege davon in den Tod.

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Fairy Dust

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