Wenn selbst in der hellsten Nacht sich die Sterne versteckt halten,
und der Mond sich nicht ganz zeigen will, 
werden die Wölfe aus der Ferne heulen ihr grausigstes Klagelied.

Denn im Schatten der Dunkelheit das Unheil naht.
Es springt, es stolziert, es wankt und marschiert.
Die dunklen Soldaten, die Skeletttiere,
vorne an der dunkelste von Allen, nur vor ihm die Späher huschen
und wispernd auf der Suche nach Opfern sind.

Er stolziert, die Gewänder flüsternd schleifen über den Boden,
die Knochenketten klimpern und knacken.
Die blasse Haut so leicht zerreisbar wie altes Pergament und doch so straf wie ein frisch, zum trocknen, gespanntes Leichentuch.
Und die Augen heller als der Mond jemals scheinen wird.

Der kühle Wind leise mitzieht und eisig haucht,
 lehrt selbst einem Geist das Schaudern.
Der Marsch erklingt so durchdringend und erschreckend,
dass Blut zu Eis wird,
und doch ist er so unwirklich wie ein Gewitter bei Sonnenschein und blauem Himmel.

Alle Fenster geschlossen sind,
kein Mensch mehr auf den Straßen rennt,
sie alle sich fürchten und verstecken vor seinem Angesicht,
genau wissend ein jeden wird es irgendwann erwischen.

Doch jemand noch draußen ist,
unwissend, nichts ahnend ein altes Brot isst.
Seine Späher haben es gefunden,
das Opfer der Nacht und hämisch kichernd
 sich auf zum Herren wird gemacht.

Bedrohlich knackend macht er sich auf den Weg.
Er hat Zeit, denn er ist derjenige, der sie enden lässt.
Im Licht einer flackernden Laterne es ist.
Er blickt auf es herab.

Sie sieht ihn nicht,
zu sehr beschäftigt mit dem Brot ist,
zu sehr beschäftigt im Kampf gegen Hunger und Not.
der eisige Wind über seine Schultern pfeift 
und das kleine Mädchen zitternd in die Knie zwingt.

Sie hustet und bibbert.
Sie wünschte ihr Leiden würde enden.
Doch es gab niemanden der half
und ihr Leben lang sie schon einsam war.

Er beugt sich etwas weiter herab,
als sie sich noch keiner unter der Last ihres Lebens macht.
Sie blickt auf, suchend nach ihren Tröstern den Sternen.
Doch keiner da.

So schaut sie in die Dunkelheit und er schaut zurück.
Er schaut in die blauen Augen,
die so voller Schmerz tränen.
Sie schaut in die ewige Finsternis,
welche so einsam und leer ist.

Da streckt er seine Hand dem Mädchen entgegen.
Sie sieht wie aus der Dunkeleit die Hand sich ihr entgegen hält.
Das erstemal man ihr die helfende Hand bietet
und auch wenn sie nicht weiß von wem sie ist,
so ergeift sie diese als sei es der letzte Rettungsring.

Er zieht sie kraftvoll auf die Beine, 
raus aus dem fahlen Licht, hinein in die Dunkelheit.
Sie überrascht etwas zur Seite fallen spürt, 
sowie ein dumpfes Geräusch als wäre etwas in den Schnee gefallen.

Doch sie achtet gar nicht drauf,
sondern blickt nur in diese wunderschönen hellen Augen, 
welche starr zurück schauen.
Aller Schmerz ist fort und keine Kälte ist mehr zu spüren.

Er streichelt ihr sanft über den Kopf und dreht sich um.
Sie zögert und stutzt, als Kinder zwischen den dunklen Soldaten auftauchen.
Sie kichern und tuscheln,
zaghaft kommt sie näher und die anderen kommen ihr entgegen,
sie nehmen das Mädchen bei der Hand
und ziehen sie lachend tiefer in des schützende Dunkelheitsgewand.

Das Mädchen überwältigt und dann freudig mitkommt in die Dunkelheit,
ihrem neuen Zuhause.
Doch sie bleibt stehen als sie wieder bei ihm ist und schaut auf.
Er blickt auf sie herab mit Schmerz in den Augen, 
doch dann lächelt er sanft und reicht ihr erneut die Hand.

Sie nimmt diese zum erneuten Mal und lächelt dankbar.
Hand in Hand gehen sie hinfort in die Stille der Dunkelheit,
als die Finsternis stumm weiter marschiert.

Im Hintergrund der leblose Körper liegt.
Mit dem Verschwinden der Dunkeltheit,
Sterne und Mond wiederkommen.
Sie leuchten ein letztes Mal auf den Körper ihrer jungen Freundin,
als der Sonnenaufgang naht.
Ein letztes Mal sie auf den Körper blicken,
der unter der kaputten und nun erloschenen Laterne liegt,
verlassen und kalt das leblose Kind langsam im Schnee versinkt.

Comments

  • Author Portrait

    Heyho! Dein liebster Stalker taucht wieder auf! XD Das Gedicht war sehr, sehr schön. :) Am Anfang hab ich schon hald die Marschmusik gehört, aber zum Ende hin hast du ja förmlich eine 180°-Drehung hinbekommen und es wurde sehr schön und traurig. Obwohl so traurig noch nicht mal, denn das Mädchen ist ja glücklich. ^^ Gefällt mri auf jeden Fall sehr gut, sowohl die unheimliche Stimmung am Anfang, die schon viel von alten Balladen hatte, als auch die Wandlung zum armen Mädchen mit den Schwefelhölzern. Ich find's gut, dass du beide Seiten vom Tod dargestellt hast. Sehr gelungenes Gedicht! (ich meine ... klar könnte man hier und da noch gucken, weil sich ein, zwei Wörter doppeln, aber das sage ich jetzt nicht, weil es wirklich so wunderschön war! D: ) LG Marvin

  • Author Portrait

    Puuh, das geht gruselig nah ... ganz schön dichte Atmosphäre, die da rüber kommt.

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media