Herz auf vier Pfoten

So ein Stress! Immer diese vielen Zweibeiner! Kommen, gucken, machen merkwürdige Geräusche und gehen doch weiter. Sie bleiben immer nur bei den kleinen, wuscheligen, süßen Kollegen stehen. Und ich?

Na gut, ich bin eben bisschen grösser, habe schwarzes, kurzes Fell, aber ganz niedliche Knickohren. Auch ein paar braune Tupfen am Kopf, Hals, an den Pfoten - aber hey ich finde, das sieht vorteilhaft aus. Wenn ich aufmerksam bin, stehen meine Ohren in die Höhe wie Radartüten.

Paar mal die Woche dieses Chaos im Tierheim, das geht mir echt auf die Barthaare! Dabei suche ich doch auch nur MEIN liebes Zweibeinerrudel, wo ich zuhause sein darf. Ein bequemes Sofa wäre auch toll, das ist eines meiner Schwächen.

Wieder eine Woche vorbei und noch eine und noch eine und noch eine...
Keiner will mich, keiner hat mich lieb, niemand adoptiert mich. Warum wollen die Zweibeiner denn immer die kleinen lockigen Wauzis? Dabei bin ich ein Hübscher und ich kann ganz herzzerreißend schauen. Ich bin nämlich Spanier. Geboren wurde ich auf den Kanaren, genauer gesagt auf Teneriffa. Meine Mama und ich sind dann nach Deutschland gekommen, wie genau weiß ich nicht mehr. dazu war ich noch zu klein. Aber ich habe schnell gemerkt, dass es jetzt kein Strandleben mehr gab. Kein Meer weit und breit, keine Wellen, die man fangen kann und am schlimmsten -  so wenig Sonne. Dabei liebe ich es, in der Sonne zu dösen und meinen schwarzen Pelz aufzuwärmen.

Irgendwie bekam ich dann ein richtiges Zuhause. Das war schön. Nun brauchte ich nur noch an meinen Napf gehen und siehe da - immer gefüllt. Wasser gleich daneben. Ist ja himmlisch! Salzwasser schmeckt jetzt auch nicht so lecker. Davon hatte ich immer so komische Gluckser im Bauch. Mein Magen rebellierte und dann musste ich...na gut, das will ich nicht weiter ausführen. Ich habe festgestellt, dass die Zweibeiner da sehr empfindlich sind. Das sehe ich an meinem Frauchen. Dann verändert sich ihr Gesichtsausdruck. Kann ich doch nichts dafür, wenn das Futter zurück will. Aber es gibt ja noch Herrchen. Der ist mein Verbündeter in solchen Situationen.

Also der Reihe nach. Mein erstes Zuhause in Deutschland war schön. Meine Zweibeiner waren schon ein älteres Rudel. Und Frauchen saß in einem Rollstuhl. So konnte ich mit ihr nicht so spielen wie ich wollte. Herrchen war auch nicht mehr so der Tober. Dafür haben sie mich richtig gut erzogen. Ich kann Kommandos ausführen - wenn ich will. Aufgewachsen bin ich auf dem Lande. war das aufregend! So viel Tiere, große schwarz weiße, daher kommt die Milch. Hab ich gehört. Aber davon wird mir schlecht, die vertrage ich nicht.
Dann gibt es ganz viele Flattermänner, die kann man super erschrecken. Leute was ein Spaß! die heißen wohl Geflügel.

Was ich aber gar nicht mag, sind diese Autos. Groß, schnell und laut. Mit wird total schwindlig, wenn ich die Bewegung der Räder verfolge mit meinen Augen. Und fangen kann man die auch nicht.einmal hab ich es versucht, war eine schmerzhafte Erfahrung.

Eines Tages lag Herrchen auf der Couch und wollte nicht mit mir spielen. Er bewegte sich auch überhaupt nicht. Als Frauchen es merkte, war es ganz schlimm. Sie weinte so viel. Ich leckte und schlabberte sie ab, aber es half nichts. Ein Tätscheln an meinem Ohr, das war alles an Reaktion von ihr. Sie war so unglücklich und ich konnte sie nicht aufheitern. Nur für einen kurzen lieben Blick aus ihren warmen, tränennassen Augen.

Jetzt war alles anders, nichts mehr wie vorher. Es kamen paar Wochen später fremde Zweibeiner und nahmen mich einfach mit, ob ich wollte oder nicht. Frauchen allerdings auch. Aber wohin? Kommt Frauchen mit? Ziehen wir zusammen um? Ich will auf keinen Fall ohne sie weg.
Frauchen kam in ein Heim für ältere Zweibeiner, da durfte ich nicht mit. Mich hat man auch in ein Heim gebracht, wo viele pelzige Freunde waren. Und da saß ich nun....

Dieser Stress bekommt mir gar nicht. Ich nehme immer mehr ab. Dabei bekomme ich schon Leckerlis nebenbei. Meine athletische Figur lässt langsam nach. Wie steh ich denn bei den Hundedamen da? So einen Hänfling will doch keine. Wenn man nicht so gesund und kräftig aussieht, wollen auch die Zweibeiner nicht mal eine freundschaftliche Gassirunde gehen. Ich strahle jetzt nun nicht gerade Lebensfreude pur aus.
Während ich hier so döse und mit Schrecken an die Besuchszeiten hier im Heim denke, träume ich von der Sonne auf Teneriffa und von meinem Seniorenrudel, wo ich fünf glückliche Jahre verbrachte mit einem überaus bequemen Sofa. das waren Zeiten!
Der Korb ist hier ist ja nicht schlecht, aber so ein Sofa ist schon ein gewisser Luxus. Vielleicht meint es das Schicksal doch noch mal gut mit mir. Man soll die Hoffnung nie aufgeben!

November und richtig schlechtes Wetter. Da schickt man nicht mal einen Hund vor die Tür! Ich sag´s ja- die Sonne fehlt. Dienstagnachmittag und es naht die Besuchszeit im Tierheim. Welch Graus! Jetzt geht das wieder los. Glotzende, rufende, pfeifende Zweibeiner. Mich will ja sowieso keiner. Aber bisschen mitbellen kann ich ja mal.

Viele Besucher gucken, schauen, sehen mich ...und gehen weiter. War mir doch klar. Noch zwei, gucken auch, gehen weiter wie alle anderen auch. Er kommt nochmal zurück und bleibt vor meiner Zwingertür stehen.
Und DANN schaut er mir ganz tief in meine Knopfaugen. Der meint mich. DER MEINT WIRKLICH MICH !!!
Das ist meine Chance. So alter Junge, ganz ruhig bleiben. Jetzt bloß keine Fehler machen. Ich sag selber "SITZ" zu mir. Klappt. Er schaut auf mein Namensschild. Ich heiße nämlich CHESTER. Das kommt wohl von meiner Vorliebe zu Käse. Seine Frau ist schon weiter gegangen.
Meine liebe Pflegerin sagt zu beiden: " Wenn Ihnen einer gefällt, können Sie gerne eine Runde Gassi gehen."
Er: "Was meinst du Herzblatt, gefällt dir einer?"
Sie: "Ach ich weiß nicht, ich hab keinen gesehen, der mir zusagt."
Er: "Was hältst du denn von dem hier? Der Chester?"
Sie: "WAAAAS? so groß, so schwarz und glatt? ...na ja eine Runde können wir ja gehen."
DAS GIBT ES DOCH NICHT!!! Die wollen echt MIT MIR gehen. 3 Monate sitze ich hier und nie will jemand mit mir gehen. dabei bin ich doch echt ein Lieber. Die Zweibeiner denken immer, man bellt da so hysterisch rum. Dabei rufen wir alle nur wild durcheinander: "Nimm mich! Nimm mich! Ja ich will mit, bin auch ganz lieb!
Also gut, Leine und los.Aber irgendwie wird mir auch ganz mulmig. Ich kenn die zwei ja gar nicht. Was könnte alles passieren? Man hört so viel heutzutage.
Hunger habe ich auch, ich könnte erstmal ein halbes Schwein vertragen, na gut zwei Koteletts wären auch ok. Manchmal neige ich eben zu Übertreibungen.
Ich möchte schon gern mal durch den Wald, die Strecke rund ums Heim, aber auch gern mit meiner Pflegerin, die ist echt lieb zu mir.

Aha, die Zweibeiner verstauen gerade Leckerlis in ihren Taschen. Haben sie von meiner Pflegerin. Also unter dem Aspekt könnte ich ja mal darüber nachdenken. Ich geh einfach mit. So schlimm wird es schon nicht werden.
Na dann los, die beiden sind ja eigentlich ganz nett. Bisschen zögere ich noch, wo gehen die mit mir hin? Ah meine Pflegerin sieht mir nach und schaut ganz freudig aus. Alles ist gut. Den Weg kenne ich. Hier gehe ich immer lang. Der Zweibeinermann hat sich vor mir hingekniet und mir erklärt, dass seine Tochter gerade in diesem Moment ins Krankenhaus gekommen ist und ich das verstehen müsste, dass auch er nervös ist. Na klar, kein Problem! Frag mich mal. Gehe mit Fremden Gassi, sie könnten mich ja auch entführen, verschleppen, verkaufen.

Ich glaube, dass ich eine enormen Eindruck gemacht habe. Na ja, so mit diesen Zweibeinern unterwegs und sie beziehen mich so ins Gespräch ein. Ich fühle mich richtig gut, so als wenn ich schon dazu gehöre. Könnte ich mir gut vorstellen...

Meine Pflegerin erwartet uns schon. Ich schaue sie an mit meinem treuherzigen Blick, der sagen soll: Keine Sorge! Alles im grünen Bereich!

Ich höre sie sagen: "Am besten, Sie holen ihn einen Tag mal auf Urlaub zu sich und testen, wie sie mit ihm klar kommen."

Die Beiden: "Ja gut, dann gleich in zwei Tagen am Donnerstag."

Habe ich Knochen in den Ohren? Ich soll einen Tag auf Urlaub? Jippiiiii! Einen Tag mal raus, vielleicht ein Sofa, 10 kg Kotelett, drei Hundedamen...schon geht wieder meine Phantasie mit mir durch. Oder einen ganz ruhigen Tag, richtig stressfrei -  was ein Traum! Also Donnerstag, heute ist Dienstag. das sind noch 1, 2, 3 mal voller Napf ? Nein 2 mal noch, ok das schaffe ich.

Ich konnte gar nicht richtig schlafen, dabei bin ich doch sonst immer so müde. Ich habe ein unruhiges Gefühl und bin total aufgeregt. Heute geht es los. Wenn ich doch nur die Uhrzeit lesen könnte. Ich muss mich auf meinen Instinkt verlassen, es kann nicht mehr so lange dauern. Die Zweibeiner müssten gleich kommen.

Na geht doch! Da sind sie. Heute stell ich mich nicht so an. Ich zeige mich freudiger und willig mitzugehen. Aber etwas zögern muss sein. Sonst rücken sie vielleicht freiwillig keine Leckerlis raus. Ich kann ja erstmal so tun. Wieder das gleiche Spiel - Leine ran und los. Ein Blick zurück, meine Pflegerin wünscht mir doch tatsächlich einen schönen Urlaubstag. Als ob ich das verstehen könnte. Rein ins Auto und los. Klasse Tag! Auf einmal Stop. Was denn nun? Ach ER hat noch einen Termin unterwegs. Ja muss das denn sein? Ich will doch endlich sehen, ob ich einen Tag mit Sofa gebucht habe.

SIE geht mit mir spazieren in der Zeit. Ruhige Gegend hier - das ist genau mein Ding. Aber wieder Regen, das Wetter nervt mich aber richtig. das kann einem ja echt aufs Gemüt schlagen. Wir schlagen Richtung Auto ein, das weiß ich ganz genau. Ich hab mir den Weg gemerkt, man weiß ja nie. Zurück zum Auto ist gut, aber entlang der Strasse? Ist ja ein Albtraum, laut und schnell, ich hasse es! Am Auto angekommen, Tür auf und ab auf den Fahrersitz. Ich finde, das steht mir irgendwie zu. Schließlich habe ich Urlaub und das Recht auf tolle Erlebnisse, finde ich jedenfalls.

Oh man, was ist das denn? Plötzlich werde ich so müde und mir fallen langsam aber sicher die Augen zu. Ob sie das merkt? Ich glaube schon , sie schaut mich die ganze Zeit an. Aber total lieb. Ich hätte schwören können, dass ich kleine Herzchen schweben sah. Langsam phantasiere ich wohl schon. Endlich kommt er.

SIE: "Also Herzblatt, ich weiß nicht, wie du mir das wieder ausreden willst, aber ich habe mich gerade in diesen Hund verliebt!"
ER:"Vielleicht will ich das ja gar nicht."

Träume ich? Die wollen mich vielleicht? Die Chancen stehen echt gut. Jetzt bloß nichts mehr versauen.
Jetzt aber nach hause, in ihr Zuhause. Die Gegend ist ja ganz nett. Wusste ich es doch. Ich habe mich nicht getäuscht. Diese Luft -  wir sind auf dem Lande. Da werden Erinnerungen wach. Treppen hoch, Tür auf. Moment mal, in diesem Haus gibt es noch andere pelzige Freunde, sagt meine Nase jedenfalls.

Aaaaah, wie gemütlich, erstmal die Wohnung erkunden. Jaaaa Jackpot -  ein grosses Sofa!
...und 30 Meter Rundumbalkon, da kriege ich alles mit, was in dieser Strasse passiert - läuft bei mir!
Hilfe, was ist das denn? Kleiner als ich, riecht nicht, bewegt sich nicht. Unheimlich. Ich schleiche mich langsam ran und nehme Witterung auf. Was ist das nur? Die Zweibeiner haben mich erwischt und lachen sich schlapp. Das ist ja wohl eine Frechheit. Unter Einsatz meines Lebens verteidige ich mein Urlaubsdomizil und die? Na gut, das Ding ist ein Elefant aus Holz. Sonst kaue ich auf so etwas rum, aber in diesem Fall lass ich es lieber.

Was soll ich sagen? War ein super schöner Tag! Viel Ruhe, viel Futter, viele Streicheleinheiten -  so muss das Paradies sein! Endlich schlafen ohne Störungen wie im Heim. Und stellt euch mal vor, die haben mich mehrmals fotografiert. Ob das ein gutes Zeichen ist?

Und Gassi gehen...ich gehe mit den Zweibeinern Richtung Wiesen und Felder. Ein Traum! Abgesehen davon, dass man ja alles erledigen will, haben wir auch viel Spaß. ER hat meine Leine losgemacht. Ich kann laufen. Freiheit! So schmeckt das Leben! Einfach nur laufen, mit Leine geht das nicht. Die Zweibeiner können nicht so schnell. Das sagt ja schon der Name: ZWEIBEINER. Ein Pfiff, ein Ruf. das galt mir. Jetzt will er sehen, ob ich auf´s Wort höre. Ich hab zwar keine Lust, aber ich mache es. Kann ja auch ein Test sein. Ich muss alles geben, es geht hier um die Wurst - im wahrsten Sinne des Wortes. Also laufe ich zurück und ernte dafür Lob und Streicheleinheiten. Tolles Gefühl - daran könnte ich mich gewöhnen.

Was? Die Zeit ist schon um? Diese Uhr! Ich muss wirklich lernen, wie man das entziffert. Schade, mir hat es richtig gut gefallen. Na gut, rein ins Auto und zurück zum Tierheim. Mir wird ganz schwer ums Herz. Bei und mit diesen Beiden war es richtig schön. Vielleicht kann ich da ja nochmal so einen Tag Urlaub buchen.

Meine Pflegerin wartet schon auf uns. Ich bin happy, sie auch als sie uns sieht. Sie empfängt uns mit den Worten: "Na da strahlt unser Pfannkuchen ja und Sie auch. Ich weiß, was jetzt kommt. Sie wollen ihn gleich wieder mitnehmen."

PFANNKUCHEN ??? Moment mal, meint sie mich? Das glaub ich ja wohl nicht. Ich höre gebannt zu und traue meinen Flauschohren kaum als ich sie sagen höre: "Eigentlich ja, aber aber meine Frau muss eine Woche außerhalb arbeiten und wir möchten, dass er sich an uns beide gewöhnt."

HÄH? Hab ich irgendwas nicht mitgekriegt? Reden die von mir? Meinen die, dass ich zu ihnen ziehen soll? Meinen die mich? Ich werd verrückt. Hat sich der Aufwand gelohnt? Das ist ja der Hammer!

Meine Pflegerin beruhigt die Beiden: "Ach die eine Woche sitzt er hier auf einer Arschbacke ab. Kein Problem."  
Da bringt man mich in meine Box. Moment mal, ich hab doch noch gar nicht alles gehört. Hallooooo?! Ich will wissen, wie meine Zukunft verplant wird. Wieso fühlt sich mein Herz wieder so schwer an? Viel schlimmer als heut morgen.

Die Tage gehen so dahin.  Gleicher Stress wie immer. Was hatten sie gesagt? Eine Woche? Ist die nicht schon vorbei? Wie viele Tage sind vergangen? Ich weiß es nicht. Ob die beiden wiederkommen? Wirklich wiederkommen? Ich träume jede Nacht von meinem Urlaubstag in einer richtigen Familie. Ich war so nah dran. UND? Ich sitze immer noch hier und hatte bisschen Ärger. Ich habe mein Körbchen zerfetzt. Aber manchmal gehen die Gefühle mit mir durch. Das war einfach ein Anfall von tiefer Traurigkeit. Die haben hier im Heim aber nicht mit mir geschimpft, sie kennen meine seelische Verfassung.

Eben kam eine Pflegerin und sagte was von Familie zu mir. Wie Familie? Sie macht meine Box auf und lässt mich raus. Heute ist Besuchstag. Alles voll. Was soll das denn? Wo soll ich in diesem Chaos denn hin? Ich lauf hier mal so lang, Mal sehen. Höre ich meinen Namen? Nein das kann nicht sein. "CHESTER!" also doch. Wo kommt das her? Diese vielen Zweibeiner hier und deren Miniausgaben. Ein Durcheinander. Da höre ich meinen Namen schon wieder. Ja, aber wo??? Da...da...sind sie...MEINE BEIDEN ZWEIBEINER! Meine Beine beginnen zu rennen und ich springe. Ich freu mich sooooo!!! Was für ein Tag! Diese mal lauf ich auch ohne Bestechungsleckerlis hin. Die sind ja tatsächlich gekommen. Aber warum? Moment , sie holen mich ab...zu sich nach Hause...für IMMER?


Mal aufgepasst und gut zuhören. Jaaaaa...ja sie haben Papiere vor sich, ich glaube das heißt Vertrag. Die Chefin sitzt da, also eine ernste Lage. Ich glaub ich komme hier raus. Aber war erwartet mich dort? So gut kenne ich sie ja nun auch nicht. Hier kenne ich alle. Aber schöner Gedanke. das gibts doch nicht, die haben tatsächlich Leine und Halsband mit, für mich und ganz neu. Das sieht man an der strahlenden Farbe, rot-schwarz. So ein bisschen Farbe tut mir auch gut.
Höre ich meinen Namen schon wieder? Was denn nun noch? Meine Pflegerin ruft mich und will mich nochmal bürsten. Och nö, muss das sein? Ich finde nicht, dafür habe ich jetzt keine Nerven. Ich verkrieche mich hinter mein neue Familie und hoffe,  dass ich so drumrum komme. Nein , nicht zu machen. Ok, gut gebürstet hat mein Abschied hier richtig Stil. Nun kann es aber losgehen. Leine ran und diesmal geh ich voran.
Wieder rein ins Auto, gleiche Strecke. gleiches Haus, ich erinnere mich genau.
Angekommen, alles bereit für mich. Womit hab ich so viel Glück verdient? ich mach es wieder gut, Pfote drauf! Versprochen!

Diese Beiden sind nun meine Familie. Meine neues Rudel. Cool, ich hab echt Glück gehabt, ich habe mich aber auch angestrengt.
Ein großes Körbchen nur für mich, ganz neu, aber Herrchen stellt es im Flur ab. Was? Ich schlafe auf keinen Fall ganz allein im Flur, ich hab Angst im Dunklen. dDs könnt ihr vergessen. Muss das sein? ich muss mir echt überlegen, wie ich das hinkriege. Plötzlich ist schon Schlafenszeit. Frauchen sagt mir, dass ich im Körbchen schlafe und hier schön "PLATZ" machen soll. Mach ich, kein Thema. Dann geht sie ins Bett.  Herrchen liegt schon drin. Moment mal, die beobachten mich ja. Was mach ich denn jetzt? Hier bleibe ich nicht. Entweder kann ich ins Schlafzimmer oder die beiden kommen mit in mein Körbchen. Aber ins Schlafzimmer darf ich nicht, hat Herrchen extra gesagt und das meinte er ernst. Egal ich lasse es auf einen Versuch ankommen. Ich schleiche mich ins Schlafzimmer, lege mich vor Herrchens Bett, gucke ganz niedlich und lasse mich fallen. Haben sie gesehen. Ab zurück ins Körbchen, Frauchen wieder zurück ins Bett und ich wieder zurück vor Herrchens Bett. Das Spiel geht paar mal so und macht Spaß, mir zumindest. Irgendwann hat mein Rudel keine Lust mehr und ich habe gewonnen, auf jeden Fall für heute.

Nächster Morgen. Futter und Wasser stehe wieder frisch für mich bereit, Gassi gewesen, Nachbarn kennengelernt, Tiere gesehen, Spuren verfolgt, Gerüche aufgenommen. Jetzt liege ich so rum und döse vor mich hin. So liebe ich mein Leben.

Was sehe ich da? Herrchen trägt mein Körbchen ins Schlafzimmer und stellt es neben seinem Bett ab. Geht doch! Das gestaltete sich ja einfacher als ich dachte. Meinem Charme muss man einfach erliegen. Frauchen erklärt er, dass der Korb im Flur sowieso zu groß ist. Ich glaube, er will sich einfach selbst beruhigen. Mir egal, ich schlafe ab jetzt bei meinem Rudel und beginne mich zu entspannen.

Einige Zeit ist inzwischen vergangen und ich habe mich hier voll eingelebt. Mittlerweile habe ich die ganze Familie kennengelernt, alle total lieb zu mir. Aber erst haben alle Angst vor mir. Ich weiß gar nicht warum, fragt mich mal. Alle fassen mich an, da kann ja jeder kommen. Ich habe auch Angst. Hilft mir einer? Herrchen beruhigt mich immer, aber Vorsicht kann nicht schaden. Ich weiß ja nie, ob die nur so kommen oder mich abholen wollen so wie damals. da kann man schon mal in Panik geraten.

Meine Gassirunden sind echte Abenteuer. Man hat immer die Chance, neue Flauschohren kennen zu lernen. Je nach Laune spielen, toben oder mal zickig sein. Zähne zeigen und knurren und zum Spaß mal kurz hinterher schnappen. Oh man, da kriegen die Zweibeiner gleich Panik. Das gehört doch dazu. Man muss auch was für sein Image tun. Stellt euch mal vor, man ist nur der liebe Wauzi von nebenan - wie peinlich! Da hat ja keiner Respekt mehr.

Habe ich eigentlich schon meine Nachbarin Trixi erwähnt? Die ist echt scharf auf mich. Bei meinem Aussehen kann ich das total verstehen. Aber sie ist auch ganz süß. Bisschen kleiner als ich, schwarz-weiß gemustert. Das steht ihr wirklich gut, kleine Knicköhrchen und ein frecher Blick. Und wohnt genau gegenüber. Was für ein Segen! Wenn man als Hund doch nur Türen öffnen könnte. Ein Jammer, aber wir treffen uns oft. Ihr Herrchen hat immer Leckerlis dabei und zwar in der rechten Hosentasche. Das weiß ich ganz genau, so etwas vergesse ich nicht. Wieso will er mich immer bestechen? Will er mich überreden, seine Trixi zu ehelichen? Ich will mich auf gar keinen Fall festlegen. Sowas ist nichts für mich. Ich bin glücklicher Single und das soll auch so bleiben. Außerdem könnte ich ihr sowieso keine Familie bieten, ich bin kastriert...nee nee


 




Comments

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    Chester habe ich gleich ins Herz geschlossen! :-) Gut, zügig und sehr nachvollziehbar erzählt! Ich freue mich auf die Fortsetzung! :-)

beta
Fairy Dust

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