Heute vor 35 Jahren

Heute vor 35 Jahren war mein erster Arbeitstag nach der Bundeswehr.
Mit dem 8Uhr8 fuhr ich von Roth nach Nürnberg und dann mit der U-Bahn bis Gostenhof.

Als gelernter Elektroinstallateur hatte ich einen Job als Radio- Fernsehmechaniker im Aussendienst bekommen. Damals gab es noch viele mittelständische Radiogeschäfte, heute haben sich nur noch die Einzelkämpfer gehalten, ansonsten ist Alles zum Internet, Mediamarkt und Saturn gelaufen.
    Und so zog ich kurz vor 9 Uhr meinen weißen Kittel an und nahm den silbernen Koffer. Im Koffer waren noch Röhren, die PY88 und die BL 504.

Ich hatte fast keine Ahnung von der Fernsehtechnik, aber ich war ein guter Schauspieler. Die Operationen, ääääh Reperaturen nahmen die Techniker im Innendienst vor. Ich schleppte meist nur ab und lieferte aus.

Siebzehn Jahre später, wieder Ende August, war ich dann in der Psychoklinik St. Irmingard am Chiemsee und wenn ich die Therapeuten so diagnostizieren hörte, musste ich oft schmunzelnd an den jungen Techniker denken, der gar kein Techniker war, sondern eben nur Stuss erzählte.

Lieber Leser, google mal nach Gert Postel, jenen Briefträger mit Hauptschulabschluss, der als Hochstabler in der Psychiatrie ARBEITETE

Postel berichtet: „Auf die Stelle hatten sich 39 Ärzte beworben, acht kamen in die engere Wahl und mussten vor der Berufungskommission des Ministeriums einen Vortrag halten.“ Postel sprach über „Die pseudologia phantastica – die Lügensucht im Dienste der Ich-Erhöhung – aus der psychoanalytischen Diagnostik am literarischen Beispiel der Figur des Felix Krull“. Und erinnert sich, dass sein Vortrag geradezu glänzte vor Ästhetik, bei dem, was nur er wusste. „Die Psychiatrie ist ein Fach, das von Wortakrobatik lebt“, erklärt Postel. Als Thema seiner Doktorarbeit gab er die „Kognitiv induzierte Verzerrung in der stereotypen Urteilsbildung“ an. „Das ist eine Aneinanderreihung leerer Begriffe.“ Der Vorsitzende habe geantwortet: „Das ist ja interessant, Sie werden sich bei uns sicher wohlfühlen.“ Zwei der Bewerber seien gar habilitiert gewesen. „Und der Postbote hat die Stelle bekommen.“

Postel war unter anderem Weiterbildungsbeauftragter der sächsischen Landesärztekammer im Bereich Psychiatrie, Vorsitzender eines Fachärzteausschusses und Leiter des Maßregelvollzugs. Niemals wurde er kritisiert. „Fragen gilt in diesen Kreisen als Inkompetenz“, erklärt Postel. Er habe sogar Krankheitsbegriffe erfunden, die es nicht gab, so etwa die bipolare Depression dritten Grades – die niemand jemals hinterfragte.

........... Zitat Ende

Lange Rede kurzer Sinn.
Was psychische Krankheiten inklusive Fresssucht, Alkoholmissbrauch und Tablettensucht anbelangt, so leben wir heute noch im dunklen Mittelalter und Scharlatane bekommen die Konzession zum Therapieren, weil es denn eben keine einzige wirksame Therapie gegen die Sucht gibt.

sage ich mal so


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