Hier stinkt's

Der böse, unschöne Abgasskandal hat mehrere Wochen in den Medien Wellen geschlagen und so denke ich, wird es Zeit das auch ich mich hier zu Wort melde. Der Schuldige in diesem Fall ist natürlich VW, und hier auch nur ein kleiner Stab an Mitarbeitern, welche das Ansehen der fast 800.000 Arbeitsplatzreichen Branche mit Dreck, ähm Ruß, beschmutze. Ich frage mich nur wie lange man an einem Auspuff schnüffeln muss, um diese Verlautbarung zu glauben...
Wir halten also fest, die Verschmutzung der Luft kommt nicht nur aus den metallenen Rohren von Kombis und SUVs, sondern auch aus den Mündern der Entscheidungsträgern. Leider kann man nur gegen ersteres wirklich vorgehen...


In diesem Artikel werde ich mich auf die gesundheitlichen Aspekte des Abgasskandals beziehen, die Kriminelle Ader des Falls beleuchte ich in einem folgenden Artikel.

Wenn man sich einen Benziner oder einen Diesel anschaut, fällt einem etwas auf: Beide brauchen Kraftsoff und beide haben einen Auspuff, doch was kommt da hinten eigentlich heraus?
Der informierte Leser wird sofort an Feinstaub denken, doch was ist das eigentlich? Bei Feinstaub handelt es sich um winzige Partikel, welche direkt in Automotoren, Kraftwerken, der Industrie und einigen weiteren Orten entstehen. Diese feinen Partikel sind in größerer Ansammlung unter anderem als Ruß bekannt. Rußbildung findet sich vor allem bei Benzinern, aber auch bei Dieselmotoren. Vom Auspuff aus gelangt der Feinstaub in die Luft und von dort in die Lunge, dort gelangt er in den Blutkreislauf was zu Schädigungen der Atemwege und des Herzens führen kann.

Doch gefährlicher als Feinstaub, sind Stickoxide. Gesundheitsschädliche Stickoxide wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid kommen in der Natur nur in winzig kleinen Mengen vor (eigentlich nur bei Blitzen und das nicht wirklich nennenswert). Stickoxide stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dabei sind Dieselmotoren wesentlich mehr Stickstoff belastet, als Benziner (was nicht heißen soll, dass Benziner automatisch besser sind, da sie ein Hauptgrund für die Feinstaubbelastung sind). Stickoxide sind regelrechte Pflanzenkiller, diese giftigen Substanzen schaden Blätter, führen zu einer Überdüngung und Versauern Böden. Doch Saurer Regen ergießt sich nicht nur über Land, die gefährlichen Stoffe gelangen über das einsickern nicht nur in das Grundwasser, sondern auch in die Meere, wo sie dort das Phytoplankton empfindlich schädigen können. Wer nun mit dem Begriff "Phytoplankton" nichts anfangen kann, es handelt sich um die kleinsten pflanzlichen Organismen im Meer, jene die am meisten Sauerstoff produzieren (50 bis 80 % des weltweiten Sauerstoffs) ohne sie bleibt uns wortwörtlich die Luft weg. Aber auch ohne einen globalen Sauerstoffmangel sind Stickoxide für uns zuweilen tödlich. Insbesondere Atemwegserkrankte, wie Asthmatiker, aber auch Kinder sind besonders gefährdet. Bereits 80 Milligramm sind für den Menschen schädlich. Fassen wir zusammen die Automobilindustrie gefährdet mit ihren kriminellen Methoden das Leben und die Zukunft ihrer und unserer Kinder.

Neben diesen beiden Stoffen finden auch noch Treibhausgase wie Ozon und Kohlenstoffdioxid beim Auto fahren ihren Weg in die Atmosphäre.

Dann fahren wir eben Elektroautos. Grundsätzlich erscheint das Elektroauto, als das Auto der Zukunft. Endlich ein Auto, dem man nicht ansieht, wie viel es an schädlichen Emissionen ausstößt. Emissionen bei einem Elektroauto? Hat der Felix gerade am nächstbesten Diesel geschnüffelt? Nein, es gibt sie und es sind genau dieselben wie bei Benziner oder Diesel. Denn wo kommt den der Strom her, dass das Elektroauto betreibt? Nur etwa 30% des deutschen Stroms ist wirklich nachhaltig, der Rest entfällt auf Kohlekraftwerke (über 40%) und Kernkraftwerke (16 %). Man hat also nur den Auspuff aus dem Blickfeld des Kunden verlagert. Zudem benötigen heutige Elektroautos Lithium in größeren Mengen und dieser Rohstoff ist sehr begrenzt.

35.000 Menschen sterben jährlich durch Luftverschmutzung, davon sterben 7.000 erwiesener Maßen an Autoabgase (Insbesondere durch Stickoxide). Mitverantwortlich hierfür sind die Chefs von BMW, Daimler und Volkswagen, welche lieber in Manipulationssoftware investieren, als innovative Methoden zu entwickeln, welche den Schadstoffaustausch wirklich minimieren würden.

Wir haben also festgestellt, dass weder Benziner, noch Diesel und auch nicht die Elektroautos so sauber sind, wie man sie uns gerne verkauft. Eine Möglichkeit wäre es mittels staatlicher Subvention und Kontrolle die Entwicklung neuer Katalysatoren zu entwickeln, was langfristig wohl nahe liegend erscheint.
Deshalb frage ich mich, mit der Hand auf dem Herzen: Bräuchte ich ein Auto? Ich bin Student, habe einen Führerschein, aber kein Auto. Und ganz ehrlich, ich brauche es nicht. Denn mit der Straßenbahn komme ich überall hin, bezahlen muss ich dank Semesterticket auch nichts. Auch in meiner Heimatstadt soll eine Straßenbahnverbindung zwischen Mainz und Wiesbaden gebaut werden, viele Anwohner meckern darüber, ich begrüße es sehr. "Klar du musst ja auch nicht da wohnen." - Ich wohnte ein Jahr in direkter Straßenbahnnähe und ganz ehrlich nach einer Woche hörte man nichts mehr. In einer Stadt sind die öffentlichen Verkehrsmittel so gut ausgebaut, dass Menschen wie ich kein Auto brauchen. Wenn man außerhalb der guten Infrastrukturen wohnt oder sonst wie auf ein Auto angewiesen ist, lässt sich der PKW nicht vermeiden. Denn der Fernverkehr ist nur im Bereich der Ballungszentren gut ausgebaut.
Auch Traktoren, LKW und Einsatzfahrzeuge sind nur schwer, bis gar nicht wegzudenken.

Die Politik könnte durch Subventionierte Öffentliche Verkehrsmittel einen Anreiz geben, dass Auto stehen zu lassen oder ganz darauf zu verzichten. Ein weiterer Ansatz wäre eine erhöhte Polizeipräsenz, denn viele Menschen verzichten auf den Klimaretter Fahrrad, aus Angst ihr Fahrrad würde geklaut werden.
Aber die Bevölkerung wird leider hier nicht gefragt, denn am Lenkrad des Politik-PKW-Deutschland sitzen die Lobbyisten, nicht nur der Automobilindustrie, aber irgendwer muss das Gaspedal treten.

Quellen
https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-7-maerz-2017-100.html
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/30703/umfrage/beschaeftigtenzahl-in-der-automobilindustrie/
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-28859800.html
http://www.noz.de/deutschland-welt/vermischtes/artikel/629895/gefahrliche-stoffe-kommen-aus-dem-auspuff
http://www.deutschlandradiokultur.de/aktivist-axel-friedrich-der-schreck-der-autoindustrie.2165.de.html?dram:article_id=348925
http://www.dw.com/de/mehr-tote-durch-abgasmanipulation/a-18756591
https://www.sciencedaily.com/releases/2010/07/100728131705.htm
https://www.strom-magazin.de/info/stromerzeugung-in-deutschland/

Anmerkung
Während meiner Recherche ist mir aufgefallen, dass ungewöhnlich viele Seiten, die sich kritisch gegenüber der Automobilbranche äußern, nicht mehr zugriffsfähig sind.

Liste gelöschter, seriöser Links (andere Seiten, Formate bezogen ihre Informationen davon)
http://www.sinn-schaffen.de/kolumnejl/ueberhoehte-stickoxid-emissionen-beidiesel-lkw-bereits-seit-2003/
https://ec.europa.eu/qermany/news/fahrzeuqemissionen-kommission-er
https://ecomento.tv/2016/09/09/duh-stellt-bei-diesel-bis-zu-9-facheueberschreitunq-der-qrenzwerte-fest/
http://www.taqeblatt.lu/nachrichten/ausland/story/Abqas-5kandal-nicht-nur-VW23137388

http://www.focus.de/auto/e/perten/super-gau-fuer-diesel-fahrer-millionen-dieselfahrzeuge-mitrechtswidriger-typgenehmigung-das-sind-die-folgen




Comments

  • Author Portrait

    Es ist wirklich überaus beeindruckend wie tiefgreifend und intensiv du dich mit dem Thema auseinandergesetzt hast, Felix. (Das sieht man auch an den vielen Quellenangaben) Du hast dir jede Menge Gedanken dazu gemacht und es sogar mit deinem eigenen Leben in Verbindung gebracht. Und wenn sich ein so politisches Thema schon auf den Alltag eines jeden Einzelnen bemerkbar auswirkt, ist so ein Weckruf eigentlich das Mindeste, was man erwarten kann. Ich selbst habe auch kein Auto, nutze aber ein Gemeinsames mit meiner Mutter. Glücklicherweise befinde ich mich gerade in einer Situation, in der ich nicht oft jeden Tag weite Strecken zurücklegen muss. Wenn mein Studium anfängt, werde ich öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Das ist für mich selbstverständlich, moralisch richtig und auch wesentlich günstiger. Was mich an diesem Text besonders erschrocken hat, ist der Aspekt mit den Elektroautos. Ich wusste nicht, dass sie ebenfalls die Umwelt stark belasten, wo sie sie doch eigentlich schützen und als saubere Alternative zu Benzinern und Dieseln dienen soll. Wieder was dazu gelernt. Die Sache ist, denk ich, die: Solange die Unternehmen ihre Fauxpas und Umweltsünden vertuschen können, um an jeder erdenklichen Ecke Geld einzusparen, werden sie das tun. Kapitalismus. 'Wenn ich viel Geld damit machen kann, die Umwelt zu schädigen, warum nicht?' Ein eindrucksvoller und wachrüttelnder Text. Ich bin gespannt auf mehr und überlege mich in Zukunft auch mal näher mit dem Thema zu beschäftigen und abzuwägen, ob es Sinn machen würde später überhaupt ein eigenes Auto zu besitzen oder doch lieber auf den guten alten Drahtesel zu steigen und nebenbei fit zu bleiben.

  • Author Portrait

    Super Artikel! Du hast alles gut und leicht verständlich erklärt. 5/5

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media