Hogwartsbrief und wieder Gringotts

Hogwartsbrief und wieder Gringotts

Heute, zwei Tage bevor die Ferien zu Ende waren und wir nach Hogwarts zurück mussten, segelten Morgens eine Menge Eulen, sechs an der Zahl, in die Küche und setzten zum Landeanflug auf dem Tisch an. Was, wie nicht anders zu erwarten, in einer riesigen Sauerei endete. Und wie bei Weasleys üblich, endete dies mit viel Chaos, Hektik und Gekreische, die armen Tierchen. Bis dann schließlich alle ihre Briefe in Händen hielten, konnte Sirius sich fast nicht mehr auf seinem Stuhl halten vor Lachen. Mein Haar sah aus wie ein einziges Vogelnest, da irgend so ein saublöder Scherzartikel der Twins losgegangen war und die Vögel in absolut unnötige, zusätzliche Panik versetzt hatte und sie überall und das meine ich jetzt wörtlich, Schutz gesucht hatten. Wenigstens war ich nicht der einzige Trottel. Harry rutschte immer noch auf allen vieren am Boden rum, um seine Brille wiederzufinden, die ihm eine verschreckte Eule von der Nase gerissen hatte. Es war wirklich zum Totlachen. Der Tisch, bzw. die darauf befindlichen Lebensmittel waren einer Schlacht zum Opfer gefallen und Ron versuchte immer noch unglücklich die Müsliflocken aus seinen Haaren zu klauben.

Es war zum Schießen.

Dank der Magie saßen wir nun gut zwanzig Minuten später wieder alle und alles wieder mehr oder weniger hergerichtet am Tisch. Wir öffneten unsere offiziellen Hogwartsbriefe. Wie von mir erwartet fiel mir ein Vertrauensschüler-Abzeichen, eine silberne Plakette, in meinen Schoss. Ich blickte nicht besonders überrascht in die Runde, aber als ich Rons ungläubigen, glubschäugigen Blick sah und Harrys fassungsloses Starren zu Rons Hand hin, wurde ich unruhig. Was hatte der alte Mann sich wieder für eine geniale Idee ausgedacht, kam es mir sofort in den Sinn.

„Ich… ich… glaub‘s nicht Harry, Hermione… Mum!“, rief Ron erregt und wedelte mit etwas Silbernem in seiner Hand aufgeregt durch die Luft. Ach nee, bitte nicht. Was sollte das von Dumbledore? Warum Ron? Warum sollte Ron den männlichen Vertrauensschüler machen und nicht Harry? Ich warf sofort noch einmal einen intensiven, taxierenden Blick auf Harry. Er versuchte tapfer die Enttäuschung zu verbergen und sich unecht lächelnd für Ron zu freuen. Wie konnte er ihm das nur antun? Jeder erwartete und setzte voraus, dass Harry dieses Amt bekleiden würde. Dumbledore stellte ihn damit vor allen und besonders vor den Slytherins bloß, warum nur? Was dachte er in seinem verqueren Hirn? Warum dies ein genialer Schachzug war, den ich beim besten Willen nicht sehen konnte, außer das Harry nach dem schwierigen, vierten Schuljahr, dessen Ende wollen wir mal ganz intensiv ausblenden, gleich wieder Spott und Häme der anderen Schüler entgegen schlagen würde, weil er kein Vertrauensschüler wurde.

Arrr, ich war aber auch nur von Idioten umgeben und ich würde wieder einmal glatt meine recht Hand verwetten, dass Draco Malfoy sehr wohl der Vertrauensschüler von Slytherin wurde und bei dieser Überlegung kam ich gar nicht mehr mit, was sich Dumbledore davon versprach, außer dass er Harry total benachteiligte. Spielte Umbridge eine Rolle, fragte ich mich. Nein, warum jetzt schon, nein, das konnte es nicht sein, verwarf ich diesen Gedankengang und ärgerte mich fulminant. Ich gab auf das Mysterium und warum der Professor welcher Entscheidung traf verstehen zu wollen, denn es würde mich sonst noch in den Wahnsinn treiben.

„Gratuliere Ron!“, nickte ich ihm zu. In der Küche hatte die vollkommen überraschende Nachricht, dass Ron nun dieses Amt bekleiden würde, zu einem kleinen Tumult geführt. Molly bekam sich vor rührseliger Glückseligkeit nicht mehr ein. Es war nicht auszuhalten, wie sie augenblicklich Ron herzte und laut schluchzte. Die Twins warfen mir einen verstimmten Blick zu, der so viel sagen sollte, warum Ron? Nicht, dass wir es ihm nicht gönnen, aber der gute Harry hätte es doch werden sollen. Ich zuckte zu ihnen mit den Schultern, überlegte aber auch schon was ich tun konnte.

„Äh, Harry, könntest du mir mal bitte kurz bei meinen Büchern helfen?“, schaute ich ihn bittend an und er erwiderte scheu und traurig den Blick, während Ron herüberzuckte, um uns anzusehen.

„Aber Hermione, ich kann dir doch auch mit helfen!“, bot sich das Trampeltier Ron großspurig an und warf sich in die Brust. Was dachte er? Weil wir jetzt das Vertrauensschülerpaar waren, würden wir auch das Liebespaar werden? Wie absolut lächerlich war denn das! Aber den feurigen Blick, den er mir nun schenkte, konnte man fast nicht anders interpretieren. Er war ja so was von weit unter mir, das meinte ich jetzt gar nicht so böse wie es sich anhörte, aber ich hatte in meinem ganzen Leben schon viel erlebt und die letzten Monate trennten mich nun noch mehr von normalen, jungen Menschen in meinem Alter. Warum fühlte ich mich wohl zu den Twins, Harry und den älteren Männern so hingezogen? Sie hatten Sachen erlebt, zum Teil furchtbar schlimme Dinge, aber es machte sie so einzigartig und besonders. Wir waren nicht wie die unwissende, große, normale Menschenmasse, die nichts von der rauen und brutalen Wirklichkeit der Welt wusste und sah und auch erlebt hatte. Das wir was Besonders waren würde ich nun auch nicht sagen, aber was Anderes auf jeden Fall.

Nur Harry hatte dies in seiner jugendlichen Naivität noch nicht akzeptiert das er anders, besonders und mit Sicherheit nicht normal war, aber die Erkenntnis würde noch kommen, beim Einen kam sie früher beim Anderen später, aber sie kam, immer.

„Nein danke Ron, lieb von dir, aber dabei kann mir nur Harry helfen, sonst müsste ich zu viel erklären, da es um etwas geht wie es die Muggel tun. Nun, Harry kommst du?“, erhob ich mich und unterband Rons Aufmucken gegen meine Entscheidung mit einer harschen Geste, während sich die Twins seiner annahmen und ihn mit seinem neuen Titel aufzogen.

„Klar!“, meinte Harry wenig enthusiastisch, aber er schlurfte mir ergeben hinterher. Als ich die Bibliothekstür hinter uns schloss, konnte er gar nicht so schnell schauen, da nahm ich den enttäuscht drein blickenden, jungen Mann auch schon flott in meine Arme, umschloss ihn fest. Nach einer Sekunde gab er seine starre, unwohle Haltung auf und gab sich dem geborgenen Gefühl dieser Umarmung hin. Ich wollte ihm Trost spenden, aber ich wusste auch, dass er es nicht gewohnt war viel körperliche Nähe zuzulassen, aufgrund seines Lebens bei den Dursleys. Er musste sich immer erst daran gewöhnen diese zu akzeptieren, diesen Beweis des gemocht werdens zuzulassen, somit begann er erst nach längerer Zeit sich zu entspannen und da flüsterte ich an seiner Schulter.

„Ach, Harry es tut mir leid, steh aber bitte darüber, lass dir vor den anderen nichts anmerken… spiel den Gleichgültigen!“, bat ich ihn, als er sich ruckartig von mir lösen wollte, aber dank meines gezielten Kräftetrainings war ich viel stärker als er und so gab er sein Bemühen recht bald auf, da ich nicht losließ und mich an ihm festklammerte. „Harry, ich rede nicht von Ron oder den anderen in diesem Haus!“, meinte ich hart, strich aber nun auch beruhigend über seinen Rücken, um seinen Widerstand zu brechen, bis er abrupt aufhörte sich zu wehren und sich wieder etwas fallen ließ.

„Harry, kannst du mich hören?“, beschwor ich ihn eindringlich. Er nickte stumm an meiner Schulter. Wir standen noch immer eng umschlungen im Raum. Ich glaubte ein kleines Schniefen war zu vernehmen. Ach, mein Lieber, armer Harry, wenn dieser alte Zausel wüsste was er Harry und dessen Gefühlswelt immer antat, am liebsten würde ich ihn würgen.

„Hör mich an, du weißt, dass ich leider meistens mit meinen Vermutungen recht habe, selbst zu meinem eigenen Leidwesen, aber ich vermute, dass Malfoy der Vertrauensschüler für sein Haus sein wird“, sprach ich geschäftig weiter auf ihn ein und hielt ihn immer noch in meiner Umarmung gefangen. Grade wollte er sich wieder noch energischer loskämpfen, was ich zu verhindern wusste, aber mir auch zeigte, dass er noch nicht so weit gedacht hatte, wie bestimmt auch alle anderen in der Küche nicht, na gut, ausgenommen die Twins vielleicht und dies somit Harrys Demütigung perfekt machen würde.

„Ruhig, schsch, ich sage dir das weil ich will, dass du mit einem Lächeln darüber stehst und ihnen nicht die Genugtuung gibst deine Verletztheit zu zeigen!“, sprach ich schnell und eindringlich weiter, wobei er sich beruhigte, aber ein Schluchzen nicht unterdrücken konnte, das nun lauter war, während ich ihn noch fester umarmte.

„Warum? Oder was Dumbledore dazu treibt nicht dich zu ernennen, sondern Ron, entzieht sich mir vollkommen. Ich kann es nicht nachvollziehen und halte es für falsch!“, meinte ich mit Inbrunst in der Stimme und strich zärtlich über Harrys bebenden Rücken.

„Ach Mine, was sollte ich nur ohne dich machen? Du bist mein Halt, ohne dich hätte ich schon die letzten Jahre nicht überlebt, vor allem das Letzte während des Turniers, wenn du nicht mit mir geübt hättest“, nuschelte er leise, ganz klein in meiner Halsbeuge vergraben.

„Schschsch, Harry nicht! Das tu ich weil ich dich liebe. Zähl es bitte nicht auf, denn wir müssen nichts aufrechnen, verstanden!“, flüsterte ich rau in sein Ohr. Er nickte daraufhin zaghaft, aber hier verstanden wir uns.

„Ich bin so enttäuscht, hab ich irgendwas falsch gemacht? Ich bin ein schlechter Freund, aber ich gönne es Ron und dann wieder nicht!“, meinte er verwirrt und stotternd und da riss ich mich von ihm, damit er mir ins Gesicht sah. Ich konnte die unterdrückten Tränen in seinen Augen schimmern sehen und seine gerötete Nase.

„Nein, nein und nochmals nein, das ist der falsche Denkansatz!“, rief ich entrüstete. „Harry, auch wenn du es nicht hören willst, aber Dumbledore macht etwas falsch. Du hast nichts falsch gemacht!“, sprach ich nun abwertend. „Und dass du es Ron neidest ist verständlich, aber das macht dich zu keinem schlechten Freund! Ron hat sich letztes Jahr auch nicht mit Ruhm bekleckert!“, zeigte ich mich aufgebracht. Somit zog ich ihn zur Couch und kuschelte mich mit ihm darauf, um ihn zu trösten.

„Hmm, hast ja recht, mittlerweile bin ich gar nicht mehr traurig, sondern sauer! Es ist gar nicht so, dass ich es wirklich werden will, aber alle…! Na, wenn alle es voraussetzen… und du glaubst echt, er macht Malfoy zum Vertrauensschüler und mich nicht?“, blickte er mich aus seinen großen, smaragdgrünen Augen vertrauensvoll an und sprach sehr viel Wahres. Es hätte mich gewundert wenn Harry diesen Posten von sich aus hätte haben wollen, aber wie er es sagte, wenn dies von deiner Umwelt vorausgesetzt wurde, dann erwartest du es auch selbst und das war das schlimme Vergehen von Dumbledore, wie ich fand. Zuerst ließ er es so erscheinen als müsste Harry bei ihm immer eine Sonderrolle einnehmen und jetzt das! Ich atmete unglücklich aus.

„Ja, Harry, ich befürchte es zu 100 Prozent!“, kam es sachte von mir, während ich ihn traurig anlächelte.

„Wenn du es sagst, glaub ich es. Ich würde in so einem Fall nie gegen dich wetten“, lachte er freudlos auf und seine Miene zeigte eine gewisse Abgeklärtheit, die vorher noch nicht da gewesen war.

„Und du meinst, ich soll das alles eiskalt über mich ergehen lassen?“, fragte er vorsichtig und schaute unglücklich aus der Wäsche.

„Ja, gib ihnen nicht die Genugtuung! Steh darüber mit einem falschen Lächeln!“, bat ich ihn und strich ihm aufmunternd über die Wange. Er drehte plötzlich sein Gesicht und erwischte die Finger meiner Hand mit seinen Lippen, hob nun seine eigene Hand und nahm meine noch immer erhobene Hand sanft in seine und hauchte einen sachten Kuss darauf. Es war eine ungewohnt charmante Geste, die mich verwunderte aber die einfach nur süß war.

„Du bist das Beste was mir passieren konnte. Ich danke dir, dass du mir immer mit Rat und Tat zur Seite stehst, danke!“, hauchte er intensiv und streichelte nun zärtlich mit seinem Daumen über meinen Handrücken.

„Gerne Harry, geht’s wieder?“, fragte ich ungewohnt fürsorglich. Er nickte knapp und lächelte leicht, wenngleich es ihm nicht leichtfiel.

„Ich geh dann mal und feiere Ron. Er steht ja sonst immer in meinem Schatten! Es soll es genießen!“, kam es nun erstaunlich fest von Harry und er erhob sich während sich zeigte, das Harry wirklich ein guter Freund war, der es schaffte seine eigene Enttäuschung hinter sich zu lassen.

„Tu das, ich bleibe hier“, erwiderte ich und lächelte ihn lieb an.

„Das dachte ich mir schon, mein Bücherwurm!“, lachte er nun herzhaft. Gut, dass wir dieses Drama hinter uns hatten. Aber Harrys Aussage beschäftigte mich. Hatte der Alte wirklich Ron das Amt gegeben, damit dieser nicht immer in Harrys Schatten stand? Das wäre ja sowas von unfair. Ron musste also gepinselt werden, damit er Harrys Freund blieb? Was ging im Kopf von Dumbledore vor? So wie Ron sich in der Vierten benommen hatte, konnte er sich freuen, dass Harry ihn wieder als Freund wollte. Oh, wenn ich an die Zeit des Turniers zurück dachte und an Rons unangebrachtes, eifersüchtiges Gebaren, begann es regelmäßig in mir zu brodeln. Aber hingehen und Ron das Abzeichen aus den Händen reißen konnte ich auch nicht, also akzeptierte ich die idiotische Entscheidung und setzte meinen Tagesablauf stringent fort.

Zum Essen kehrte ich zurück. Mein Sensei verlangte immer mehr von mir. Ich musste immer mehr Krafttraining machen und es zeigte sich wirklich eine konstante Entwicklung. Dass ich so stark sein könnte, hätte ich nie gedacht oder gar für möglich gehalten. Diese Stärke würde mir auch niemand in meinem kleinen, filigranen Körper zutrauen, aber infolge der starken Anstrengung war ich unheimlich k.o. und platzte mitten in eine lustige Party für Ron und mich, um unsere Vertrauensschüler-ernennung zu feiern, wie mir Sirius zuflüsterte.

Aha… schön für Ron… und schrecklich für mich, dieser Krach!

Sie hatten die Küche in einen chaotischen, bunten Konfettihaufen verwandelt, mit Girlanden und farbenfrohen Tellern und Tassen. Das Dessert war eine Torte mit silberner Glasur, deren Form der Vertrauensschülerplakette nachempfunden war, die aber relativ schief daherkam. Ron führte mir sogleich enthusiastisch sein Geschenk vor, einen Gutschein für einen Rennbesen, den er morgen würde einlösen können. Unter Sirius‘ aufmerksamen Blicken nahm ich heimlich Harrys Hand und drückte sie liebevoll. Die Nacht wurde dank der Party länger und die Twins nutzten die Gunst der Stunde, um viele böse Scherze auf Rons Kosten vorzuführen. Meine beiden Red Devils konnten so herrlich böse sein und entschädigten mich.

Später machte auch noch Sirius seiner schlechten Laune Luft, der es gar nicht lustig fand nun bald wieder fast ganz alleine am Grimmauld Place zu wohnen, nur mit seiner keifenden Mutter und dem von ihm von Herzen verachteten Kreacher als ständige Begleiter. Er wurde richtig schwermütig, aber ich schaffte es, ihn eindeutig auf andere Gedanken zu bringen und so verbrachten wir eine leidenschaftliche Nacht, aber mit dem Nachgeschmack des Abschiednehmens. Am nächsten Tag herrschte mal wieder große Hektik, denn heute würden wir in der Diagon Alley einkaufen gehen, da morgen der letzte Tag im Blackhaus war und dann hieß es, auf nach Hogwarts.

Das Wissen, das ich nun den Posten des Vertrauensschülers in der Tasche hatte, half mir dabei meine zukünftigen Pläne leichter in die Tat umzusetzen, da ich hiermit viele Rechte erhielt, die die normalen Schüler in Hogwarts nicht hatten. Auch brachte der Posten einige Annehmlichkeiten mit sich, die ich zu nutzen wissen würde. Die Pflichten dagegen waren lachhaft wenige. Sirius sah sehr traurig aus, weil er im Haus würde zurückbleiben müssen. Ich verabschiedete mich mit einem vielversprechenden Lächeln auf schöne Stunden und die riesige Gruppe, die wir bildeten, bestehend aus Molly, Arthur, Twins, Ron, Ginny, Remus, Tonks, Harry und mir setzte sich in Bewegung. Dies war alles andere als leicht, aber wir schafften es bis zum Tropfenden Kessel um in die Diagon Alley zu gelangen.

Es herrschte ein unbeschreiblicher Andrang in der mittelalterlich anmutenden Gasse. Es sah so aus als wären alle Hexen und Zauberer plus deren Nachwuchs heute hier unterwegs. Ich liebte dieses Feeling, gäbe es keinen Dark Lord könnte man dieses Leben und was es einem bieten konnte unglaublich genießen, aber so, nun so musste man mit der beginnenden Dunkelheit, die aufzog, leben. Wir klapperten entsprechend der Liste aus Hogwarts die Geschäfte ab. Zur Schneiderin, in die Apotheke, zum Eulenladen für Kekse usw. als wir zum Schluss die Bücher bei Florish and Blotts kauften, bestanden alle darauf als Abschluss der anstrengenden Shoppingtour sich ein Eis bei Florean Fortescues zu genehmigen und anschließend Rons Rennbesen zu besorgen. Worauf die gesamte Familie Weasley ganz scharf war, da jeder von ihnen Quidditch liebte. Jetzt kam mein Auftritt, den ich schon lange geplant hatte, da mein Termin seit Beginn der Ferien feststand.

„Ohne mich, ihr Lieben, sorry!“, sagte ich in die laute, geschwätzige Runde, die unter dem strahlend blauen Himmel richtig hervorstach, wie als wenn es brennen würde.

„Aber Hermione, warum, was, wie?“, kam es sehr sprachgewandt von Harry.

„Ich hab einen Termin. Wir sehen uns heut Abend, okay!?“, und legte dabei meine Hand auf Harrys Schulter und gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, dass dies von Ginny, mit einem Gesicht als hätte sie auf eine Zitrone gebissen, beobachtet wurde. Fred und George, die das sahen, ahmten mich und Harry affektiert nach und verspotteten Ginny, da ihnen deren verschämte Schwärmerei für Harry gewaltig auf die Nerven ging.

„Nein, das geht nicht. Was hast du vor?“, fragte Remus kopfschüttelnd und zeigte seine Missbilligung offen.

„Ich hab einen Termin und tue nichts anderes als die letzten Wochen“, sagte ich leicht ungehalten über diese unbegründete Diskussion.

„Aber das ist jetzt viel zu gefährlich!“, meinte nun auch Molly missbilligend und Remus nickte zustimmend.

„Ist es nicht und wenn ich mich jetzt nicht beeile, komme ich zu spät und das mag ich gar nicht“, schaute ich böse und kniff meine Lippen zu einem verärgerten Strich zusammen.

„Bis später!“, sagte ich endgültig und ging einfach entschlossen los, mitten in die Massen, die die Diagon Alley an diesem Vormittag bevölkerten.

„Hermione, so warte doch!“, riefen auch schon Harry und Ron. „Wir kommen alle mit!“ Ja klar, das war genau das was ich brauchte, mit Sicherheit nicht, nun hieß es flott sein. Ich versuchte schnell in die Masse zu gleiten und mit ihr zu verschmelzen, zog dabei meinen Stab und verwandelte mich im Laufen schnell in Minna Cale. Da wir alle unsere Roben trugen, fiel ich nicht weiter auf, weil ich meinen leichten, dunkelgrauen Mantel gewählt hatte. Ich verfiel nun in ein gemächlicheres Tempo, als auch schon ein Trupp Rot an mir rasant vorbeistürmte. Langsamer folgte ihnen ein Zwillingspärchen, das sich herrlich zu amüsieren schien.

Ein triumphierendes Lächeln konnte ich mir echt nicht verkneifen. Ich hatte es geschafft und schon huschte ich die weißen Stufen hoch, um in das Gebäude und zu meinem Termin zu gelangen, zu meinem wichtigen Termin bei Rangok. Wenige Minuten später saß ich auch schon ihm gegenüber in seinem wirklich hübschen, hellen, marmornen Büro. „Wie schön Sie wiederzusehen, Miss Granger. Wie waren die Ferien? Erholsam?“, fragte er höflich. Da ich mittlerweile geübt war meine Tarnung heraufzubeschwören, saß ich ihm in meiner richtigen Gestalt gegenüber.

„Danke, der Nachfrage Mr. Rangok, ereignisreich und erfolgreich. Erholsam wohl weniger!“, wägte ich ab und sah den Kobold freundlich an.

„Nun denn, bevor wir weitere Themen besprechen, bringe ich Sie auf den aktuellen Stand der bisherigen Unternehmungen?“, meinte er eifrig, wobei ich ihn aufmerksam ansah, während er sich geschäftig aufrichtete.

„Punkt 1: Ihre Muggelunterlagen sind komplett fertig gefälscht, auch die neuen Identitäten Ihrer Eltern sind fertig erstellt. Sie müssen nur noch den Zeitpunkt zum Austausch der richtigen Dokumente mit den neuen in Auftrag geben. Die magischen Dokumente, die bezeugen, dass Sie ein Jahr älter sind, dank des Zeitumkehrers, sind ja in Ihrer Anwesenheit angefertigt worden und gehen automatisch ans Ministerium, wenn Sie den Startschuss geben“, er holte kurz Luft, griff zum nächsten Stapel Pergamente und sprach weiter.

„Punkt 2: Auch die Immobilien in Australien sind schon ins Auge gefasst und können erworben werden.“ Ich nickte zufrieden und er fuhr fort. „Punkt 3: Auch die Verkaufsunterlagen für die Arztpraxis hier in England sind fertig erstellt und so kann sie umgehend zum Verkauf freigegeben werden.“ Das lief ja besser als erwartet, dachte ich, während Rangok fortfuhr und mich nicht enttäuschte.

„Punkt 4: Auch die Konten, Aktien und Sparanlagen Ihrer Eltern sind so vorbereitet, dass wenn Sie es sagen, diese auf ihre neuen Identitäten laufen. Im Zuge dessen haben wir auch vorbereitet, dass die Pensionszahlungen und Krankenkassenbeiträge Ihrer Eltern auf ihre neuen Namen übertragen werden.“ Sehr gut, wirklich gut. Gespannt lauschte ich den effizienten Ausführungen des kleinen Kobolds weiter, während er nun zum letzten Stapel Pergamente griff.

„Punkt 5: Auch Ihre Konten und Sparanlagen, die Ihre Eltern für Sie angelegt haben, sind soweit vorbereitet, dass diese sofort in Ihre Gringottsverliese laufen, sobald Sie sagen, dass es losgeht.
Punkt 6: Ein Schutztrupp steht bereit, um das Haus Ihrer Eltern in Chelsea, sobald diese weg sind, mit dem Blutschutz zu versehen.“ Nun nickte er zufrieden, blickte noch mal auf die Unterlagen vor sich und fuhr dann fort.

„So, ich glaube, das war erstmals alles. Ach nein, hier Ihr, … Moment Ihr letzter Auftrag der einging… ah hier, es wurde so veranlasst, wie von Ihnen gewünscht und 2.000 Galleonen gingen in das Verlies von Mr. & Mr. Weasley!“, führte er geschäftig aus und dann lehnte sich Rangok zufrieden zurück.

„Mr. Rangok, ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Gringotts ist unglaublich. Ich wüsste nicht welches Kompliment ich aussprechen kann, um meiner vollumfänglichen Zufriedenheit Ausdruck verleihen zu können“, meinte ich todernst.

„Ich danke für das Kompliment, Miss Granger!“, verbeugte er sich leicht und zeigte seine spitzen Zähne. „Gringotts legt größten Wert darauf, dass seine Kunden rundherum zufrieden sind!“

„Kann ich noch etwas für Sie tun?“, fragte er zuvorkommend.

„In der Tat, Mr. Rangok. Punkt 1: Ich plane meine Eltern nächstes Jahr einen Tag nach dem Beginn der Sommerferien wegzuschicken, also am 01.07. Das heißt ich würde ein bis zwei Monate vorher anfangen die Praxis zum Verkauf auszuschreiben und sie dann am Tag, an dem meine Eltern verschwinden, am späten Nachmittag zu übergeben. Sobald die Praxis veräußert wurde, kaufen Sie bitte umgehend die Immobilien, Haus und Praxis in Australien. Das Flugticket sollte auch für den ersten Ferientag ausgestellt sein, die Uhrzeit überlasse ich Ihnen. Ich werde die Gedächtnisse um Punkt 8 Uhr verändern, danach gehören sie Ihnen!“, kam es sehr strukturiert, aber auch sehr gefühllos von mir, während Rangok nickte.

„Das ist alles sehr realistisch, das heißt, der endgültige Stichtag für die restlichen Punkte ist der 01.07, richtig?“, ich zuckte zustimmend mit den Schultern.

„Ich habe mir auch überlegt, dass Sie es so aussehen lassen könnten, Mr. Rangok, als würden die Eheleute Granger wirklich auswandern wollen und dann unter unglückseligen Umständen würde es nie dazu kommen!“, meinte ich abwägend und sehr doppeldeutig.

„Ist alles notiert, aber Ihre letzte Idee verstehe ich noch nicht ganz?“, kritzelte er fleißig und fragte interessiert nach. „Was meinen Sie wirklich, was sollen wir tun?“, fragte er nun offensiv und funkelte mich aus verschlagenen Augen intensiv an.

„Das könnte jetzt delikat werden und es ist mir auch sehr unangenehm, ich hoffe Sie… ach…“, stieß ich frustriert aus, ich wollte das eigentlich gar nicht mit dem Kobold besprechen, aber ich brauchte ihre Hilfe, um dies alles so umsetzten zu können wie von mir geplant.

„Dass wir die Geheimnisse unserer Kunden ernst nehmen, wissen Sie, Miss Granger. Ihre Geheimnisse sind unsere Geheimnisse, das ist die Geschäftspolitik seit Jahrhunderten!“, meinte der kleine Kobold ernst und machte ein weitausholende, allumfassende Geste mit der Hand. Ich nickte ergeben und hob nun entschlossen den Kopf und straffte meinen Rücken, dann stieß ich seufzend
den angehaltenen Atem aus.

„Ich möchte, dass Sie eine Familiensuite im „The Marquis Inn“ in Dover auf die Familie Granger ab dem 01.07 buchen. Ich werde dann, nachdem Sie meine Eltern übernehmen einchecken. Infolgedessen möchte ich, dass Sie das Auto meiner Eltern nicht veräußern, sondern dafür sorgen, dass das Auto am 01.07 um 22 Uhr abends an den Kreidefelsen von Dover steht“, kam es fest von mir. Rangoks Augenbrauen erreichten gerade seinen Haaransatz so verzog er das Gesicht. Ich hörte fast das laute Rattern seines Hirns bis zu mir.

„Ich… wie Sie wünschen, sonst noch was?“, ich konnte sehen wie schwer es ihm fiel keine Frage zu stellen.

„Bitte, lassen Sie die Lebensversicherungen meiner Eltern bestehen, da soviel ich weiß, ich nach dem jeweiligen Elternteil als Begünstigte eingetragen bin!“, erklärte ich emotionslos, kalt. Rangoks Augen waren gerade als riesig zu bezeichnen bei meinen Worten und Unglaube schimmerte mir entgegen.

„Lassen Sie mich das überprüfen, Miss Granger!“, quakte er ein kleines bisschen, seine Stimme klang etwas gepresst. Ich lehnte mich zurück und wartete und sah den rasant hin und her schwebenden Pergamenten zu. Rangok schien auf einmal ein klitzekleines bisschen weniger souverän, als ich ihn bisher erlebt hatte.

„Ja, ja hier haben wir es! Was Sie sagen ist korrekt. Mr. und Mrs. Granger haben jeweils eine Lebensversicherung, mit je 2 Millionen Pfund pro Person zu Ihren Gunsten abgeschlossen!“, las er eilfertig vor.

„Wunderbar, wissen Sie Mr. Rangok, ich dachte mir, es könnte auffallen, wenn meine Eltern auf einmal vom Erdboden verschwunden sind, aber so gibt es eine natürliche Erklärung, dass ich keine Eltern mehr habe“, lächelte ich nun versonnen und erntete kurzes, betretenes Schweigen.

„Aber wie erklären wir, dass Ihre Eltern hier ihre Zelte abbrechen wollten?“, fragte er neugierig.

„Nun wie vorher gesagt, können Sie es so aussehen lassen, als würden sie wirklich beabsichtigen auszuwandern z.B. nach Amerika oder Afrika und wollen mit mir, als Familie, noch einmal einen Ausflug in England machen. Da ich ja auf ein Internat gehe, ist es egal wo meine Eltern leben. Bevor sie England dann endgültig den Rücken kehren, werden sie unglücklicherweise…“, ließ ich kryptisch offen und machte eine wage Handgeste, etwas was das magische Wesen vor mir skeptisch Blicken ließ, bevor er sich schüttelte und gewohnt geschäftig weitermachte.

„Nun gut, wie Sie wünschen, Miss Granger. Alles wird so ausgeführt, aber Sie schicken doch Ihre Eltern wirklich weg. Wie stellen Sie sich dann das mit dem Auto und der Lebensversicherung vor?“, fragte der Kobold richtig aufgeregt, so wie er gerade ungewöhnlich für einen Kobold auf seinem Sitz herumrutschte.

„Mein Lieber Mr. Rangok, lassen Sie das meine Sorge sein. Wenn alles erfolgreich über die Bühne gegangen ist, reden wir ausführlich darüber!“, versprach ich ihm, aber zeigte ihm auch schnell seine Grenzen auf.

„Natürlich, Miss Granger, kann ich sonst noch irgendetwas für Sie tun?“, fragte er aufmerksam.

„Nein, das war’s auch schon. Es war mir wie immer ein Vergnügen und ich freue mich auf unseren Briefkontakt, ab jetzt immer zum Ersten und zum Fünfzehnten eines Monats. Ich danke ihnen noch einmal für Ihre außerordentliche Mühe. Es ist wie immer ein Vergnügen mit Ihnen Geschäfte zu machen!“, verabschiedete und verneigte ich mich höflich.

Auf zu meinem nächsten Termin.

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beta
Fairy Dust

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