Ich dachte du vergnügst dich

ALEXANDER

Als ich die Augen aufschlug, war ich so desorientiert das ich keine Ahnung hatte wo ich mich eigentlich befand. Ich fühlte mich erstaunlich erholt und befreit, so als hätte ich ziemlich lange geschlafen. Im ersten Moment dachte ich, so ist es also wenn man Tod war. Doch dieses rundliche Gesicht das zu einer älteren Frau in einem weißem Kittel gehörte, konnte unmöglich ein Engel sein. Sie redete auf mich ein, aber ich verstand kein Wort alles klang nach einem großem rauschen. Ich sah mich um und entdeckte Monitore die schrill piepten und eine typische Krankenhaus Einrichtung. Okay, das hatte dann wohl nicht so geklappt! Wie lange war ich schon hier? Einen Tag, zwei Tage, eine Woche, oder noch länger? Meine Knochen fühlten sich steif an, ein Arzt mit grauen Vollbart kam herein Mister White, schön sie wieder bei uns zu haben" mein Gehör hatte sich mittlerweile wieder auf scharf gestellt. Er entfernte den Schlauch aus meinen Mund und ich erlitt einen fürchterlichen Hustenanfall. Er fragte mich ob ich wüsste wo ich wäre und was passiert war. Ich hatte eine leise Ahnung wie ich hier gelandet war, aber das musste er nicht unbedingt wissen. Nach gefühlten zwanzig Tests wurde mein Zustand für durchaus stabil befunden. Na Juhu, mein katastrophales Leben wird mich anscheinend doch nicht so einfach los. Meine Mutter wird es freuen das ich auch hier wieder versagt hatte, wie der Vater so der Sohn. Ich ließ mich in die Kissen sinken und starrte aus dem Fenster. Was hatte ich eigentlich verbrochen das mein Leben so erbärmlich war? Auf meinem Nachtschrank standen frische Blumen, sicher hatten die Schwestern sie dort hin gestellt. Ich war schon ein Mitleid erregendes etwas. Zwei Tage später wurde ich auf eine andere Station verlegt, weil meine Genesung vorbildlich verlief. Wie großartig! Nach meiner Entlassung steht dann eine Reha an, die ich als völlige Zeitverschwendung betrachtete, aber nach Hause wollte ich auch nicht. Dort wartete niemand auf mich und auf meine Mutter konnte ich dankend verzichten. Allerdings bezweifelte ich das sie sich überhaupt die Mühe machen würde sich in einen Flieger zu setzen um nach mir zu sehen. Ich genoss es in meinem Selbstmitleid zu baden und mein derzeitiges Leben zu verfluchen. Insgesamt sechs Wochen lag ich hier, sechs verdammte Wochen die wie ausradiert waren. Selbst meinen Geburtstag hatte ich verpasst, aber auch hier bezweifelte ich ebenfalls das meine Mutter überhaupt an meinen Geburtstag gedacht hatte. Es hatte sich nichts verändert mein Leben hatte genauso wenig Sinn wie vorher, es gab nur eine Kleinigkeit die anders war. Immer wenn ich meine Augen schloss hatte ich diese Stimme im Kopf und ich hatte keine Ahnung wo sie her kam, oder zu wem sie gehörte. Es war soweit ich, ich war nicht nur depressiv sondern wurde allmählich noch verrückt.

Es klopfte an der Tür und Noah mein bester Freund kam herein, er hatte eine schwarze Reisetasche in der Hand, sicher hatte er schnell ein paar Sachen zusammengepackt die ich in seinem Gästezimmer deponiert hatte. Er warf die Tasche vor den kleinen Schrank Man Alter, hast du mir einen Schrecken eingejagt ich dachte du warst die letzten Wochen in der Sonne und vergnügst dich mit knackigen Chicas" ich lachte Da hätte ich nichts dagegen gehabt, hier läuft nichts brauchbares herum". Da er in der Liste, im Notfall zu benachrichtigende Personen nicht ganz oben stand und meine Mutter es nicht für nötig hielt ihn zu informieren, hatte Noah keine Ahnung wo ich mich die letzten Wochen aufgehalten hatte. Es war nicht ungewöhnlich das ich hin und wieder für einige Wochen verschwand und mich von der Außenwelt ausgrenzte, daher wundert es mich nicht das Noah nicht die geringste Ahnung hatte. Sicher wusste niemand außer meiner Mutter wo ich war Und wann kannst du raus?" wollte er wissen So wie es aussieht muss ich noch für einige Wochen in die Reha" wir quatschten noch eine Weile über Dinge die ich auf Grund meiner Unpässlichkeit verpasst hatte und Noah zog tatsächlich noch ein Bier aus seiner Tasche, auch wenn das trinken von Alkohol im Krankenhaus untersagt war, Noah war nicht so der Typ der sich gern an Regeln hielt so haben wir uns damals auch kennengelernt. Noah war mindestens genauso verkorkst wie ich, man wusste nie woran man bei ihm war, was aber auch daran lag das er entweder klar bei Verstand war oder völlig zugedröhnt. Ich nahm die Flasche dankend an und nahm einen großen Schluck, das tat wirklich gut. Noah kam jeden Tag vorbei und hatte irgendetwas in der Tasche, das war seine Art mir die Hand zu Halten. Eine Woche nachdem ich das zweite mal das Lichte der Welt erblickt hatte, war ich bereits auf dem Weg zur Reha und hoffte das ich die nächsten Wochen nicht nur im Kreis von Senioren verbringen würde, deren Tagesaufgabe darin bestand sich gegenseitig ihre Krankheitsbilder zu definieren, wenn das der Fall sein sollte, würde ich das ganze vorzeitig abbrechen oder Amok laufen müssen.

Sam hatte mich ebenfalls in der Klinik besucht, er war wirklich geschockt gewesen als ich ihn anrief auch er hatte keine Ahnung von den Dingen die passiert waren. Sam war wie ein Vater zu mir und ihn zu heiraten war die einzige gute Idee die meine Mutter in den letzten Jahren hatte. Nachdem er meiner Mutter rausgeworfen hatte, bat er mich zu bleiben mein Studium zu beenden und dann für ihn zu arbeiten. Sam gab mir eine Chance und dafür war ich ihm etwas schuldig. Er bat mich ein Auge auf seine Tochter zu werfen, sobald ich aus der Reha kam, oft sprach er nicht von ihr das lag weniger daran das er sie nicht liebte sondern viel mehr daran das er es bereute ihr nie ein richtiger Vater gewesen zu sein. Ich versprach ihm mich um sie zu kümmern, allerdings musste ich ihm auch versprechen die Finger von ihr zu lassen. Ich stand sowieso nicht auf reiche Gören ich hatte von der letzten noch genug, es würde mir also nicht schwer fallen ihm diesen Gefallen zu tun. Sam war der einzige Mensch der sich je um mich bemüht hatte, nie würde ich etwas tun um mir seine Gunst zu verspielen. In meiner Jugend hatte ich mehr als einmal Mist gebaut meist hing Noah knietief mit drin und Sam hatte mich immer wieder heraus geboxt, er hat mich nie aufgegeben und dafür war ich ihm sehr dankbar. Ich bezweifelte zwar das ich der geeignete Umgang für das Modepüppchen sein würde, aber Sam vertraute mir also würde ich mich von meiner netten Seite zeigen und mich aus dem Staub machen sobald sie Anschluss gefunden hatte. Das sollte alles ein Kinderspiel werden.


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