Ich hol dann noch zwei Bier


BEN

Wow, sie hat mich nicht angeschrien, im Gegenteil sie sah mich neugierig an, tatsächlich war mir das ganze ziemlich unangenehm, ich wollte gar nicht wissen was sie genau davon hielt. Wir schwiegen uns während des Frühstücks an, ich überlegte wie ich mich entschuldigen konnte aber ich wüsste nicht wofür, denn ich bereute es nicht ich hatte super geschlafen und fühlte mich erstaunlich wach. Ella hingegen wirkte angespannt. Ich beschloss ihr ein bisschen Raum zugeben und vor allem mir selbst auch, denn ich lief wirklich Gefahr auf dumme Gedanken zukommen. Natürlich, hatte ich gemerkt wie sie mich berührt hatte und es hatte mich wirklich eine Menge Selbstbeherrschung gekostet nicht darauf zu reagieren. Schließlich war ich auch nur ein Mann, was mich allerdings stutzig machte war, dass sie nicht versucht hatte mich zu verführen.  Nicht das ich das gewollt hätte, aber es irritierte mich, denn wenn sie mich mit roten Wangen ansah, war es nicht schwer zu wissen was sie denkt. Genau deswegen musste ich für etwas Abstand sorgen, denn sie sollte mich nicht wollen.

Mittags hatte ich noch einen Termin in der Klinik zur Kontrolle, danach wollte ich mich mit ein paar Freunden treffen. Die perfekte Gelegenheit um sich fürs Erste aus dem Staub zu machen. Also schnappte ich meine Sachen und ging ohne mich von Ella zu verabschieden, ich wusste selbst das es nicht gerade nett war, aber ich wollte auch nicht das sie mich für nett hielt. Es würde eine Gratwanderung werden Sam seine bitte zu erfüllen und dafür zu sorgen das Ella nicht verletzt wurde.  Es wäre wesentlich einfacher, wenn sie eine verzogene Göre wäre und nicht die Unschuld vom Lande.

Zwei Stunden Später saß ich im Wartezimmer von Professor Bernstein und wartete. Nach einer weiteren Stunde und einigen Test, saß ich endlich im Sprechzimmer eines älteren Herren mit weißen Vollbart der mir zulächelte. Zur Weihnachtszeit, könnte er sich sicher noch ein paar Scheine dazu verdienen, nicht das er das nötig hätte aber die Optik wäre mehr als passend. "Nun Mister White, wie fühlen sie sich?" eröffnet er das Gespräch. „Ganz gut, manchmal etwas müde und desorientiert. Hin und wieder habe ich das Gefühl als wäre ich Zuschauer in meinem eigenem Film. Verstehen sie was ich meine?" Er nickt mir verstehend zu, er wirkte allerdings nicht besorgt, was mich beruhigte.  „Mit der Zeit wird sich dieser Zustand geben, sie sollten allerdings eine Psychotherapie in Erwägung ziehen, falls sich dieses Gefühl nicht innerhalb der nächsten Wochen legt. Vielleicht hat die Ursache gar nichts mit dem Unfall zu tun und liegt viel tiefer. Aber mir macht etwas anderes Sorgen, bei ihrer Einlieferung hatten sie eine beträchtliche menge Alkohol und eine nicht ungefährliche Dosis an Drogen in ihrem Blut. Ich würde gerne wissen wie es dazu gekommen ist?" auf die Frage hatte ich bereits gewartet, was sollte ich darauf sagen, das es ein versehen war? Das glaubte er mir sicher nicht. „Ich habe seit Monaten keine Betäubungsmittel mehr eingenommen, das war eine Ausnahmesituation, das ganze war etwas aus dem Ruder gelaufen" versuchte ich so glaubwürdig wie möglich klar zustellen. Er sah mich eindringlich an, er glaubte mir nicht. sicher würde er das Blut was mir vorhin abgezapft wurde testen lassen.  „Ich leide seit dem Unfall unter Schlafstörungen, können sie da etwas machen?" lenkte ich das Gespräch in eine andere Richtung, er ging darauf ein, aber ich wusste das er ein Auge auf mich haben würde. Er verschrieb mir ein Schlafmittel, danach konnte ich gehen.

Auf dem Flur kam mir Oberschwester Hilde entgegen, sie war wirklich eine nette rundliche Frau. Vielleicht war sie doch so etwas wie ein Engel "Hallo Alexander, wie geht es ihnen?" ich zuckte leicht zusammen, wie ich diesen Namen hasste, mein Vater hatte auf ihn bestanden, er selbst hieß so. Ich bevorzugte allerdings Ben eine Kurzform von Benedikt. Was sich meine Mutter allerdings bei der Kombination dieser beiden Namen gedacht hatte war mir schleierhaft, ich denke sie wollte sich auf diese Art an mir rächen das ich ihr Leben versaut hatte als sie mit mir schwanger wurde. „Hilde schön Sie zu sehen, der Professor sagt es geht mir bestens, ich kann also nicht klagen" gerade als ich weiter gehen wollte stoppte Hilde mich „Alexander warten Sie bitte, ich habe noch etwas, was Sie im Zimmer vergessen haben" ich drehte mich wieder zu ihr und wartete. Sie verschwand im Schwesternzimmer um das >etwas< zu holen. Ich war mir ziemlich sicher das ich nichts vermisste. Hilde gab mir ein abgeranztes Buch. Ein Buch? „Ich bin mir ziemlich sicher das es nicht mir gehört" stellte ich klar. „Oh, aber es lag noch auf dem Tisch als sie verlegt wurden, vielleicht hat es ja jemand anderes vergessen" sagte sie mit einem grinsen im Gesicht und ließ mich mit dem Buch in der Hand stehen. Ich betrachtete das Buch skeptisch und drehte es in meiner Hand hin und her, so als würde das mir irgendetwas über dieses Buch verraten. Romeo und Julia, wie bitte? Ich weiß, das ist ein Klassiker aber nicht unbedingt mein Geschmack. Ich steckte das Buch in meine Tasche und verließ das Krankenhaus.

Vor der Tür wartete bereits Noah auf mich, er nahm einen letzten zug bevor er seinen Joint auf dem Boden ausdrückte, ich warf ihm einen tadelnden Blick zu. "Noah echt jetzt?" er zuckte lediglich mit den Schultern. „Hey Ben, worauf hast du Lust" auf den Joint ging er gar nicht erst ein.  „Ich weiß nicht, ich glaub ein paar Drinks könnten nicht schaden" gestand ich. "Das ist mein Mann" johlte Noah und klopfte mir auf die Schulter wir stiegen in unsere Wagen und fuhren zu Noah. Er war das typische verkorkste Kind reicher Eltern, er arbeitete nicht, trank zu viel, hatte ein kleines Drogenproblem und zu viele Frauen.Kurz gesagt er war ein Arsch, aber er war der ehrlichste Mensch den ich kannte. Er machte sich nichts daraus was andere von ihm dachten, es war ihm schlichtweg egal. Doch warst du sein Freund, konnte man sich auf ihn verlassen. Er würde für jeden seiner Freunde durchs Feuer gehen.

 Als wir die Wohnung betraten schwang ich mich direkt auf die Couch und schaltete die Playstation ein, Noah kam mit zwei Bier in der Hand aus der Küche „Hier! Und nun erzähl mal warum du so dringend Alkohol brauchst" ich erzählte ihm von Ella und von der Nacht auf der Couch. Ich hatte noch nie Geheimnisse vor ihm, denn ich war mir ziemlich sicher das er einer der wenigen war der mich verstand. „Okay, ich hol dann noch zwei Bier" das war Noahs Art mir zu zeigen das er genau wusste was in mir vorging und er wusste wann er nicht weiter nachfragen sollte. „Ich habe auf der Fahrt noch die Jungs angerufen, sie müssten gleich da sein" rief er aus der Küche. Die Jungs das hieß Aiden der es genau wie ich immer noch nicht geschafft hatte die Uni ganz hinter sich zu lassen. John, hatte eine Autowerkstatt eröffnet nur um seinem Vater zu beweisen das man mit ehrlicher Handarbeit Geld verdienen kann, sein Vater war Politiker das sagt eigentlich alles. Dann hätten wir noch Ethan und Luke, Ethan leitet inzwischen die Hotelkette seiner Eltern und Luke war Programmierer, der bereits während des Studiums eine Firma gegründet hatte, keiner von uns weiß so ganz genau was er  so trieb, oder womit er sein Geld verdiente.

 Das versprach ein Abend ganz nach meinem Geschmack zu werden und genau das was ich jetzt brauchte um nicht ständig an dieses blonde Mädchen zu denken, das mit ihren Kulleraugen so unschuldig wirkte das man Lust bekam es zu verderben. Allein der Gedanke daran ließ meine Hose enger werden, noch ein Grund mehr sich von ihr fernzuhalten. Ich seufzte, Sam würde mir den Kopf abreißen, wenn ich seiner Tochter das Herz brechen würde und genau das würde früher oder später passieren, ich war nicht der Typ für Geschichten mit Happy End. Ich achtete Sam viel zu sehr um ihn durch eine Dummheit gegen mich aufzubringen. Allerdings könnte Ella mich tatsächlich zu einer Dummheit treiben, obwohl sie eigentlich gar nicht mein Typ war. Ich mochte Frauen die wussten was sie wollten und sich das auch von mir nahmen, kleine Mädchen die nach der großen Liebe suchten waren eher nicht so mein Ding. Bei ihrer Geschichte hatte sie sicher genau dies verdient, bei mir hatte sie nur Herzschmerz zu erwarten.

Einige Stunden und unzählige Bier später lagen die Jungs überall verteilt herum und schliefen ihren Raus aus. Nur Noah stand auf dem Balkon und rauchte seinen Joint "Du solltest wirklich damit aufhören" er starrte in die Nacht hinaus. Noah gehörte zu den wenigen die trotz des Konsums klar im Kopf wirkten, oder vielleicht gerade deswegen. Bei ihm war ich mir da nicht ganz so sicher. "Und dann, ende ich wie du? Nein danke, kein Interesse" ja, vielleicht hatte er recht. Ich hatte zwar seit Monaten nichts angerührt, aber wirklich besser fühlte ich mich deswegen auch nicht. "Berechtigter Einwand" gab ich zu woraufhin mir Noah einen misstrauischen Blick zuwarf. "Okay, du stehst also auf die Kleine" nahm er das Gespräch von heute Nachmittag wieder auf. "Nein" ich setze die Bierflasche an und nehme einen großen Schluck. "Aber du willst sie flachlegen" ich verschluckte mich fast an meinem Bier bei seinem Worten. "Das ist es nicht, ich habe letzte Nacht das erste mal nicht von meiner Mutter geträumt" Noah blies verdächtig langsam den Rauch aus seinem Mund "Dann hast du wirklich ein Problem mein Freund" er drückte seinen Joint in den Aschenbecher, klopfte mir leicht auf die Schulter und verschwand wieder ins innere des Hauses. Vielleicht hatte er recht und ich steckte tatsächlich in der Klemme. Heute würde ich darauf keine Antwort mehr finden, ich holte meine Tasche aus dem Flur und ging zum Gästezimmer wo ich oft nächtigte.

Noah hatte eine eigene Wohnung im Haus seiner Eltern, die aber selten zu Hause waren. Aber ich hatte nicht das Gefühl das Noah das besonders störte, er mochte diese Bussi-bussi-Gesellschaft genauso wenig wie ich. Nachdem ich geduscht hatte, suchte ich in meiner Tasche nach frischen Boxershorts. Mein Blick fiel auf das Buch das ich von Hilde bekommen hatte. Was hat es nur mit diesem Buch auf sich, warum hatte sie es mir gegeben? Ich schlug es auf und entdeckte einen Büchereistempel aus dem Krankenhaus. Ich sagte doch es gehört mir nicht, wer weiß wie lange es schon in dem Zimmer lag. Ich stutzte als ich auf den letzten Namen in der Liste der Personen die dieses Buch ausgeliehen hatten sah. >Ella Miller< ich starrte den Stempel an, als würde er sich dadurch verändern. Aber er tat es nicht, dort stand ihr Name Buchstabe für Buchstabe. Das kann doch nicht sein, warum lag dieses Buch in dem Zimmer? Wenn sie mich aus dem Krankenhaus kannte, warum hatte sie dann nichts gesagt? Mir schwirrte der Kopf vom Alkohol nach ewigen hin und her wälzen schlief ich erschöpft ein. Kurze Zeit später wachte ich schweißgebadet auf, ich hatte wieder einen dieser Träume. Jede Nacht das selbe, sie trieben mich noch in den Wahnsinn. Ich hätte die Tabletten zum schlafen nehmen sollen, aber ich war zu dem Entschluss gekommen, das ich zu viel getrunken hatte um dazu noch Tabletten einzunehmen. Ich quälte mich aus dem Bett, zog mir etwas an und ging nach draußen, ich konnte jetzt sowieso nicht wieder einschlafen. Völlig in Gedanken vertieft lief ich umher als ich plötzlich merkte wo ich war, ich stand vor der Villa. Noah wohnte nur drei Straßen von Sams Haus entfernt. Nach kurzem Überlegen entschied ich rein zu gehen um meinen Laptop zu holen den ich vergessen hatte einzupacken, aber ich brauchte ihn um an meiner Masterarbeit zu arbeiten, Noah wollte mir später dabei helfen. Im Gegensatz zu mir hatte er seinen Abschluss schon in der Tasche. Ella würde mit Sicherheit schon schlafen und mich gar nicht bemerken.

Ich knipste das Licht in der Lobby an, lief zur Küche nahm mir ein Glas Wasser und wollte gerade die Treppe rauf gehen als ich Geräusche aus dem Wohnzimmer hörte. Ich änderte die Richtung und lief auf die Geräusche zu, im Türrahmen blieb ich stehen und sah in den Raum. Der Fernseher lief und Ella lag eingerollt in einer Wolldecke auf der Couch, sie schlief. Ich starrte sie einfach nur an während ich langsam auf sie zu ging, darauf bedacht sie nicht zu wecken. Ella wirkte so friedlich, wenn sie schlief. Ich musste daran denken das ich letzte Nacht auf diesem Sofa noch neben ihr lag, kein Traum hatte mich aus dem Schlaf gerissen. Ich hatte geschlafen, einfach nur geschlafen. Noch nie hatte ich neben einer Frau gelegen, ohne das etwas mit ihr lief. Ich war nicht der Typ der gerne kuschelte. Ich griff nach der Fernbedienung und schaltete den Fernseher aus. Warum schlief sie überhaupt auf dem Sofa, in ihrem Zimmer gab es auch einen Fernseher soweit ich wusste. Dieses Sofa war auf dauer nicht bequem, ich nahm Ella in meine Arme und trug sie die Treppe rauf. Zum Glück wachte sie nicht auf, ich hätte nicht gewusst was ich ihr hätte sagen sollen, was ich hier überhaupt tat. Ehrlich gesagt hatte ich selbst keine Ahnung was ich hier tat. Ich legte Ella auf ihr Bett und musterte sie, ihr zierlicher Körper wirkte etwas verloren in diesem riesigen Bett. Ohne darüber nachzudenken setzte  ich mich neben sie aufs Bett und betrachtete den Raum, der durch die Laterne die vor der Villa stand in ein weiches Licht getaucht wurde, alles war hell und freundlich mit liebevollen Details, genau wie Ella, das hier passte perfekt zu ihr. Ich zuckte zusammen als Ella näher an mich heran rückte und ihren Arm um meine Hüften legte, ich entspannte mich wieder als ich merkte das sie weiter schlief. Komischerweise gefiel es mir, das sie mich auf diese Art in Besitz nahm. Dieses Gefühl der inneren Ruhe überkam mich, ich kickte meine Schuhe von den Füßen und streckte mich vorsichtig auf ihrem Bett aus. Ich hätte gehen sollen aber sie war der Pol der mir die Ruhe gab, die ich mehr als nötig hatte. Nur für einen Moment wollte ich bleiben, dann würde ich gehen. Ich wollte nur kurz die Ruhe in meinem Kopf genießen, nicht mehr und nicht weniger.

„Verdammt!" ich schreckte hoch, ich war tatsächlich eingeschlafen wie konnte das passieren, ich schlafe doch so gut wie nie. Ella wird den Schock ihres Lebens bekommen, wenn sie mich in ihrem Bett entdeckt. Ich sah zu ihr und stellte erleichtert fest das sie noch schlief. Sie hatte sich an mich gekuschelt und ein Bein um mich geschlungen, als würde ich ihr gehören. Ihre Hand ruhte auf meiner Brust, ich grinste wie ein kleiner Junge der auf dem Jahrmarkt den riesigen Plüschelefanten gewonnen hatte. Warum zur Hölle tat ich das? Ella waren wieder einige Strähnen ins Gesicht gefallen, ich strich sie ihr hinters Ohr. Vorsichtig schlug ich die Decke zurück, irgendwann in der Nacht musste ich uns zugedeckt haben. Mein Augen wanderten über ihren Körper, sie trug ein graues Top was leicht nach oben gerutscht war und somit einen kleinen streifen ihrer Haut freigab. Ich senkte meinen Blick auf ihre schmalen Hüften und ihre knappen Shorts die sie trug, die waren mir vorher gar nicht aufgefallen. Mist! Ich musste hier sofort weg. Ich überlegte wann ich zuletzt Sex gehabt hatte, das musste ein bis zwei Wochen vor dem Unfall gewesen sein, also eine Ewigkeit her. Das erklärte warum mich ein bisschen Haut und knappe Shorts nicht ganz kalt ließen. Vorsichtig löste ich mich von ihr und schlich mich in mein Zimmer am anderem Ende des Flurs. Ich brauchte eine Dusche und zwar eine kalte. Dieses Mädchen war wirklich gefährlich für mich, ich wusste nur noch nicht genau in welcher Art und Weise.


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