Im Gegenteil

"Wir sind da." stellte ich fest.

"Oh mein Gott!" Entsetzte sich Funny.

"Mögen die Götter uns gnädig sein..." hauchte Chase fast unhörbar. Es wurden noch etliche Götter um Hilfe angefleht, doch ich konnte nicht verstehen warum. Ich sah nichts, als diesen riesigen weiß leuchtenden Fleck direkt vor mir.

"Was ist los, was habt ihr denn alle?!" beunruhigt wandte ich mich zu ihnen um.

"Flash!" Funnys plötzlicher Aufschrei ließ mich beinahe ausrutschen. "Du hast ja die Augen zu!"

"Was?" Ich öffnete meine Augen und das seltsam weiße Licht war verschwunden. Stattdessen strahlte dort ein stechend rotes Licht, ein baumartiges Wesen, das aus reinem Harz zu bestehen schien und mir sehr bekannt vorkam.

"Das ist ein Baumdämon und, sieh an, er hat Beute gemacht..." Usongu hätte sich seinen dummen Kommentar sparen können. Die Wut von damals kochte wieder in mir auf...Das hässliche Monster hielt sein Opfer mit den Ästen umklammert.

Sie war noch immer ohnmächtig.

"Der Dämon schläft." meinte Usongu. "Aber ihm können wir uns ohnehin im Moment nicht widmen."

Im fahlen Rotlicht hinter uns erkannte ich kaum etwas, aber die bösartigen Seelen hunderter kleiner, fieser Dämonen konnte sogar ich spüren. Keiner von uns rührte sich.

"Bindet mich los." Ein paar Schritte hinter uns, hatte jemand angefangen sich krampfhaft vom Seil befreien zu wollen. "Bindet mich LOS!"

"Arnuk, nein. Du kannst noch nicht kämpfen, du bist noch zu schwach!" bemühte sich eine andere Stimme neben mir.

"Darum geht es nicht Catpa! Wenn ich an euch hängen bleibe, werden sie früher oder später auf euch alle losgehen! Ich rieche nach Blut..." Ihre Stimme war tränenerstickt. Sie muss fürchterliche Angst gehabt haben.

"Sie hat Recht." Béilos Stimme zitterte. Ein Nerven zerreissendes Geräusch, wie Pergament, dass zerschnitten wird, durchdrang die Stille. "Argh!"

"Béilo!"

"Schon gut, Káilanba. Ich lass dich diesmal nicht allein kämpfen! Sie werden jetzt auch mein Blut wollen." Ein weiteres Kratzen und Reissen war zu hören und das Tau war spürbar lockerer geworden.

"Hier Emre, binde die Teile wieder zusammen." Hörten wir den Snift sagen. Kurz darauf verschwanden zwei Schatten fauchend in der Dunkelheit.

"O nein, das hab ich befürchtet." schimpfte Usongu. "Flash, eigentlich wollte ich es dir erst erklären, wenn wir hier wieder draußen sind, aber anscheinend kann es nicht solange warten..."

"Was kann nicht warten? Wie meinst du das?"

"Ich will dir jetzt nicht mit irgendwelchen alten Weisheiten kommen, aber wo weiß ist, muss auch schwarz sein, wo Licht ist, gibt es Finsternis! Verstehst du, was ich dir zu sagen versuche?" Seine hektischen Rufe irritierten mich aufs Äußerste.

"Nein." Meine Antwort war kurz, schlicht und wahr.

"Gut dann eben nochmal für die Dummen." schaltete sich Relkúag plötzlich ein.

"Dieser Ort hier ist 'die Welt der Dunkelheit'. Warum, dürfte klar sein. Wir aber sind Wesen aus der 'Welt des Lichts'. In unserer Welt ist es völlig normal, dass das Gute siegen muss und das Böse unterliegt, aber hier ist es genau andersherum. Hast du es verstanden?"

"Soll... das etwa heißen, dass... dass wir zum Untergang verdammt sind, seit wir diese Hölle betreten haben?! Dass von Anfang an feststand, wie alles ausgehen wird?"

"Nicht ganz," zögerte er. "Auch in der 'Welt des Lichts' siegt manchmal das Böse. Also ist es ebenso wenig ausgeschlossen, das selbiges auch für 'die Welt der Dunkelheit' gilt."

Mir war der Mund trocken geworden.

"Warum? Warum hast du uns in diese Hölle geführt!?"

"Weil es die einzige Hoffnung ist, die du hast! Als die Dämonen in die Lichtwelt eindrangen, rissen sie Löcher in die dünne Dimensionswand. Dadurch verschafften sie sich jene winzige Siegeschance, die uns jetzt auch zu Teil wird! Keiner meiner Leute hat mehr zu verlieren als das nackte Leben und was deine Freunde angeht... sie wissen Bescheid und ich habe mehrmals versucht, sie davon abzuhalten mit uns zu gehen."

"Das ist verrückt... was soll ich jetzt machen? Was soll ich jetzt machen, großer Zaubermeister, hm?!"

Verzweiflung und übermäßiger Sarkasmus veranlassten mich zu schreien, da ergriff Chase meinen Arm, der schon gefährlich nahe an Usongus starrem Gesicht war oder zumindest dort, wo ich selbiges vermutete.

"Flash, wir müssen kämpfen, im Namen von Allem was dir lieb und teuer ist, deshalb sind wir schließlich hier..."

"Bist du dir bewusst, dass du gerade gesagt hast, ich soll in deinem Namen kämpfen?" Im rötlichen Schein sah ich zuerst ihn an, dann Funny: "Soll ich in deinem Namen alleine gegen diese Biester ziehen, Funny?"

"Bist du bescheuert?!" Erleichtert seufzte ich auf, treuherzig glaubend eine Verbündete in ihr gefunden zu haben, vielleicht war dem auch so... "Wir kämpfen natürlich mit!" Mir stand nur noch der Mund offen... doch sie hatte sich bereits vom Tau gelöst und holte ihre Eisenstäbe geräuschvoll hervor.

"Ok..." murmelte ich. "Was?" fragte Usongu verdattert. "Darüber reden wir noch..." lachte ich, lachte, lachte, bis es Wahnsinn wurde. Ich riss mich vom Seil los und stürzte zwischen die Fronten. "FÜR CENISHENTA!!!"

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media