Im Wald

Mit der Zeit verleidete Balthasar das Feuer speien.
Er setzte sich wieder auf den Boden und sah sich um. Immer noch war er ganz allein hier auf der Waldlichtung. Warum bloss waren alle Tiere in den Wald gelaufen, als er aus dem Ei gekrochen war? Natürlich, so ein Drachenjunge, der eben gerade geschlüpft war, war noch keine Schönheit, das war ihm klar. Aber jetzt, wo seine Schuppen getrocknet waren und er sogar Feuer und Rauch speien konnte, könnte er allen beweisen, wie stark und drachenschön er war!
Es war ganz still um Balthasar herum. Nicht einmal die Vögel sangen. "Huuuh! Haaaah!" brüllte er, einfach, um etwas zu hören. "Huuuh! Haaah!" Wieder stieg Rauch auf aus seinem Rachen. Hmm, das wollte er aber eigentlich gar nicht, denn langsam wurde er durstig. Der kleine Drache beschloss, sich etwas zu trinken zu suchen.
Er wandte sich dem Wald zu. Aber oh weh, er stolperte bereits bei der ersten Wurzel und fiel der Länge nach hin.
"Zum Vulkandonner noch einmal!" Laut schimpfte Balthasar und wieder entwich seinem Drachenmaul Rauch. Es dauerte eine ganze Weile, bis es ihm gelang, wieder aufzustehen. Vier Beine, ein Drachenschwanz und ein grosses Maul waren ganz schön kompliziert zu ordnen!
Seufzend ging Balthasar weiter. Nun gab er auf alles acht, was auf dem Weg lag. Wurzeln, Steine, Äste, Baumstrünke - es war anstrengend für einen so frisch geschlüpften Drachen, hier überhaupt vorwärts zu kommen. Der Wald wurde nun dichter, die Bäume standen immer enger beieinander. Bald schon wurde es für Balthasar schwierig, überhaupt weiterzukommen. "Zum Vulkandonner, was für ein blöder Wald! An unsereins hat scheinbar niemand gedacht! Huuuuh! Haaaah!"
Feuer und Rauch stiegen in die Luft und brannten eine Schneise in die Büsche, welche Balthasar am Weiterkommen gehindert hatten. Verblüfft blieb er stehen. Haaah! Was für eine Entdeckung! Er brauchte sich ja gar nicht so abzumühen! Ein bisschen Feuer speien und schon war Platz für ihn! "Huuuh! Haaah!"
Feuer und Rauch speiend setzte Balthasar seinen Weg fort. Er wusste nicht, dass die Tiere des Waldes immer weiter weg vor ihm flohen. Er merkte auch nicht, wie der kleine Sonnenstrahl ihm leise folgte. Ihm machte die Hitze des Feuers ja nichts aus.
Mit der Zeit wurde der kleine Drache müde. Vom vielen Feuer und Rauch speien war seine Kehle ganz ausgetrocknet. Auch der Hunger begann sich wieder zu melden. Seit er geschlüpft war, hatte er ja weder gegessen noch getrunken. Er merkte, dass es langsam dämmerte und die Nacht nahte.
Erschöpft setzte sich Balthasar auf einen Stein. Wie gerne wäre er jetzt wieder in sein Drachenei zurückgeschlüpft, um dort einfach auszuruhen und zu schlafen! Er fühlte sich ja so müde, hungrig und durstig. Und unglaublich allein! Eine Drachenträne löste sich aus seinem einen Auge und rollte über sein Gesicht. Ärgerlich wischte er sie weg. Eine zweite folgte, dann wurden es immer mehr. Der kleine Drache weinte.

Leise setzte sich der kleine Sonnenstrahl hinter Balthasar. Er wärmte den kleinen Drachen, bis dieser vor Erschöpfung eingeschlafen war.

Comments

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    Armer Balthasar! Aber er benimmt sich ja auch wie "ein Drachen im Walde"! Kein Wunder also, wenn alle anderen Tiere es mit der Angst zu tun bekommen. Was fressen Drachen eigentlich? Und müssen sie Whiskey trinken, um Feuer speien zu können? Es gibt ja so viele skurile Ideen rund um Drachen! UND ich wusste NICHT, dass Drachen Federn haben - ich dachte immer, es wären Schuppen - so echsenartig eben. Man lernt nie aus - grins! Schöne Geschichte - bin sehr gespannt, wie sie weitergeht! Du könntest Dich mit Phantasia zusammentun und ein Kinderbuch herausbringen! Balthasar und Neolani würden bestimmt zusammenpassen.

  • Author Portrait

    Oh der arme, kleine Drachen!

beta
Fairy Dust

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