In Gedanken bei dir

Lieber Draco,

ich weiß, dass du diese Zeilen niemals lesen wirst, aber ich kann mir nicht helfen. Ich vermisse dich unendlich und ich kann mit dem Gefühl der Schuld einfach nicht mehr leben, ohne mich irgendjemandem anzuvertrauen.

Ich weiß nicht, wie es dir ergangen ist nach deiner gemeinsamen Flucht mit Snape. Ich kann mir nur vorstellen, dass du jetzt bei denen Eltern in eurer Villa bist, vermutlich umgeben von anderen Todessern. Ich weiß nicht einmal, ob du noch am Leben bist oder ob Voldemort dich doch getötet hat, weil nicht du, sondern Snape Professor Dumbledore umgebracht hat. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr diese Unwissenheit mir zu schaffen macht. Und weil die Aussicht, dass du vielleicht tot bist, einfach so unerträglich ist, überzeuge ich mich jeden Tag aufs Neue, dass du noch lebst.

Ich hätte auf dich hören sollen. Ich habe Snape vertraut, weil Dumbledore ihm vertraut hat, doch wir wurden alle betrogen. Die Vorstellung, dass Dumbledore noch leben könnte, wenn ich nicht so furchtbar dumm und naiv gewesen wäre … ich kann gar nicht in Worte fassen, wie ich mich deswegen fühle.

Harry leidet von uns allen am meisten. Er hat nicht nur Sirius Black, seinen Patenonkel, verloren, sondern auch den einen Menschen, der für ihn am ehesten wie ein Vater gewesen ist. Ich weiß, du hasst ihn, aber dieser bescheuerten Prophezeiung nach ist er derjenige, der das alles hier beenden wird. Er ist der Auserwählte. Ich werde nicht nach Hogwarts zurückkehren, sondern mit ihm und Ron untertauchen, um zu beenden, was er angefangen hat. Ich muss an seiner Seite bleiben, um irgendwie wiedergutzumachen, was ich angerichtet habe. Vielleicht, wenn wir am Ende alle wieder beisammen sind und Voldemort endgültig besiegt ist, vielleicht kann ich mich dann ein bisschen weniger schuldig fühlen.

Diese Woche gehe ich auf eine Hochzeit. Meine erste Zaubererhochzeit. Ich sollte gespannt sein und mich freuen, aber ich kann einfach nicht. Niemand hier kann mich verstehen, weil ich niemandem meine Geheimnisse erzählen kann. Du bist der einzige Mensch auf der Welt, der mich wirklich kennt und versteht, und ich darf dich nicht sehen, nicht mit dir reden, ich kann dir nicht einmal wirklich schreiben.

Es ist jetzt über ein Jahr her, dass wir uns vor dem Quidditch-Stadion geküsst haben. Damals dachte ich, dass das für immer unser Geheimnis bleiben wird und vielleicht, ganz vielleicht zu einer Verbesserung der Verhältnisse führen kann. Damals war die Welt noch so viel einfacher. Wer hätte das gedacht? Wer hätte damals gedacht, dass ein harmloser Kuss dazu führt, dass ich mich in dich verliebe?

Ich liebe dich.

Ich liebe dich.

Merlin, ich kann gar nicht aufhören, diese Worte zu denken. Und wann immer ich sie denke, fange ich an zu weinen, ist das nicht lächerlich? Es sollte mich glücklich machen, verliebt zu sein, aber … all das, was um uns herum passiert … es wäre einfacher, wenn ich nicht so heftig für dich fühlen würde.

Ich rede wirres Zeug, tut mir leid. Ich wollte dir eigentlich nur sagen, dass ich nicht nach Hogwarts zurückkomme, dass ich am Sturz von Voldemort arbeite, und dass ich nicht aufhören werde, dich zu lieben. Ich werde auch nicht aufhören, dir zu schreiben, auch wenn ich diese Briefe niemals abschicken kann. Sie geben mir das Gefühl, näher bei dir zu sein.

Wir werden uns wiedersehen, ich glaube fest daran.

Deine Hermine



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