Innerer Aufruhr

Die ganze Nacht lang wälzte sich Patric in seinem Bett hin und her. Die Flötenklänge, die er gehört hatte, schienen noch immer in ihm nachzuklingen. Wieder und wieder versuchte er, sich ein Bild zu machen von der Frau, die sie gespielt hatte. Und immer wieder fragte er sich, wie es geschehen konnte, dass sie ihn gefunden hatte. Im Gegensatz zu ihm schien sie die Gabe zu haben zu sehen, etwas, das ihm noch nie gelungen war. Ob sie ihn wohl hatte spielen hören? Warum hatte er so sehr gehofft, sein Spiel möge sie erreichen? Warum hörte er sie eigentlich spielen? Wieder fiel ihm die Weissagung der alten Schamanin ein: "Eine deiner Flöten wird zu dir zurückkehren!"
Patric hatte bereits einige Frauen kennen gelernt in seinem Leben. Aus den verschiedensten Gründen entwickelte sich daraus aber nie das, was man gemeinhin die grosse Liebe nannte. Allerdings war ihm bis heute nicht ganz klar, was man sich darunter eigentlich vorzustellen hatte. Irgendwann war er auf jeden Fall zum Schluss gekommen, dass für ihn offenbar nicht vorgesehen war, sich ernsthaft mit einer Frau zu verbinden. Und nun erreichten ihn die Flötentöne einer fremden Frau, die er nicht einmal sehen konnte und auf seltsame Weise begann sich in ihm etwas zu bewegen.
Er dachte daran, daß man in seinem Volk sagte, der Klang der Flöte bringe die Liebe. Mit viel Hoffnung im Herzen wünschte er darum jeder Flöte, die er verabschiedete, sie möge Menschen in Liebe zusammenführen. Bereits beim Herstellen seiner Instrumente versuchte er immer, in Verbindung mit seinem Herzen bleiben.  Denn auch dies lehrte sein Volk: Die Energie, die du aussendest, überträgt sich auf alles, was du tust und geht hinaus in die Welt. Oft sang er bei seiner Arbeit. Sein Volk verfügte über einen großen Reichtum an Liedern, mit dem jedes Kind aufwuchs. Er liebte diese Lieder. Überhaupt liebte er alles, was mit Musik zu tun hatte. Die unbekannte Frau schien die Musik auch zu lieben. Patrics Herz wurde warm bei diesem Gedanken.

Als der Morgen dämmerte, stand Patric auf. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Während er seinen Kaffee trank, überlief es ihn auf einmal heiss: Er hatte vergessen, der Frau zu erzählen, dass er heute nach Creek fahren und dort ein paar Tage bleiben würde. Auf dem Heimweg war noch ein Besuch bei seiner Familie geplant. Die Frau konnte ihn also für längere Zeit nicht finden, wenn sie flötenspielend herkam. Patric bemerkte, dass sie ihm  bereits wichtig geworden war.
Fieberhaft überlegte er, wie er ihr eine Nachricht hinterlassen könnte




Comments

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    Jaja, die Liebe! Wunderbar beschrieben! :-)

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    Ja, wo die Liebe hinfällt - schmunzel! Ich glaube allerdings, dass es sich auch Patric hier schwerer macht als nötig. Vermutlich ist die Flötenmagie nicht an seine Hütte gebunden, sondern an ihn oder sein Instrument. Schön finde ich, dass Du diese Weissagung mit eingebracht hast. Das stärkt die Bedeutung des Geschehens. Auch das Erzähltempo passt richtig gut!

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Fairy Dust

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