Insomnia –
Nachts schläft die Zeit
von
Ben Wendtner
und
Zora Black

1. INT. ARBEITSZIMMER - NACHT
Close up von ABIGAILs (35), brünette, hübsch, Händen und dem Brief, den sie ihrer Schwester schreibt.
ABIGAIL (V.O.)
Meine Liebe Schwester, ich weiß nun weshalb unser Vater sich das Leben nahm.


2 INT. VORZIMMER - VORMITTAG
Abigail und CHARLES (36), dunkelblond, athletisch, ihr Ehemann, tragen Kartons voller Akten, Ordner und Tonträgern in die Wohunung. Charles stellt den letzten Karton auf den Boden.

ABIGAIL (V.O.)
Wie wir stets wage vermutet hatten, forschte er tatsächlich Zeit seines Lebens an einer Heilung für Mutters und meine Krankheit.

CHARLES
So, das war der Letzte.

Abigail sieht etwas in einem der Kartons und nimmt es raus (Foto mit Schwester und Vater).

ABIGAIL
Er fehlt mir so sehr...

Abigail bricht in Tränen aus, Charles nimmt sie in die Arme.


3 INT. WOHNZIMMER - NACHMITTAG
Abigail sitzt zwischen Kartons und kramt sich durch die ersten Aufzeichnungen.

ABIGAIL (V.O.)
Die letale familiäre Insomnie führt zu zunehmender Unfähigkeit zu schlafen, und schließlich in hundert Prozent aller Fälle zum Tod.

Charles bringt ihr Tee und zeigt Zeichen der Zuneigung (Umarmung, Kuss auf die Stirn, klopft auf ihre Schulter).

CHARLES
Mach mal eine Pause.
Abigail lächelt kurz, macht aber sofort wieder ein ernstes, vertieftes Gesicht.


4. INT. NACHT - ARBEITSZIMMER
Close up von Abigails Händen und dem Brief, den sie ihrer Schwester schreibt.

ABIGAIL (V.O.)
Als ich Vaters Material sichtete, schlief ich bereits immer seltener, meist nur noch ein paar Stunden pro Woche. Wie damals schon Mutter, würde auch ich sehr bald dem Tode ins Auge blicken müssen.


5 INT. WOHNZIMMER - NACHMITTAG
Es ist schon etwas später, Abigail sortiert Akten, wälzt Ordner und Charles sitzt bei ihr und hilft ihr dabei. Abigail holt ein altes Tonbandgerät aus einer der Kisten und stellt sie zunächst einmal beiseite.

ABIGAIL (V.O.)
Neben all den Akten befanden sich in den Kartons auch ein altes Tonbandgerät, sowie einige dazugehörige Kassetten, auf denen die letzten Therapiesitzungen aufgezeichnet worden waren.


6 INT. WOHNZIMMER - NACHT
Draußen ist es dunkel. Abigail setzt sich auf das Sofa und legt die erste Kassette ein. Sie wird merkbar sentimental als sie die Stimme ihres toten Vaters hört, strengt sich aber dennoch an, sich auf das Gesagte zu konzentrieren.

ABIGAILS VATER (O.S.)
Ich bin bei meinen Untersuchungen auf eine interessante Entdeckung gestoßen. Wie es scheint, gibt es einen Zusammenhang zwischen der Krankheit und den elektromagnetischen Schwingungen des Erdmagnetfelds, die bei manchen Menschen einen Zustand auslöst, der... (Ton wird leiser, Abigails V.O. übertönt seine Stimme)

ABIGAIL (V.O.)
Auf seiner Theorie basierend glaubte er, eine Heilung gefunden zu haben: Hypnose. Auf allen Bändern kam eine Suggestion immer wieder vor...

ABIGAILS VATER (O.S.)
Du bist jetzt unempfänglich für alle Signale und Störungen, die während des Schlafes an dein Gehirn dringen möchten. Du wirst, wenn du schläfst, nicht von äußeren Kräften beeinflussbar sein.

Abigail ist kurz vor dem Einschlafen. Ihr Mann betritt das Zimmer, sieht aber nicht, dass Abigail kurz eingenickt ist.

CHARLES
Möchtest du nicht versuchen zu schlafen?

ABIGAIL
Vaters Stimme beruhigt mich.

CHARLES
Du hast seit Tagen nicht mehr geschlafen. Komm ins Bett, das würde dir gut tun.

Er reicht ihr die Hand. Abigail sieht müde zu ihm hoch, legt zögernd die Tonbänder beiseite und lässt sich von ihm aufhelfen.

ABIGAIL (V.O.)
Trotz der großen Müdigkeit bezweifelte ich, Schlaf zu finden.


7 INT. SCHLAFZIMMER - TAG
Abigail wacht auf, Sonnenstrahlen fallen auf ihr Gesicht und Charles streichelt ihr über die Wange.

ABIGAIL (V.O.)
Aber ich lag falsch. Zum ersten Mal seit Monaten konnte ich eine ganze Nacht durchschlafen.

Die beiden sind überglücklich, umarmen sich.

ABIGAIL (V.O.)
In meinem Glück vergaß ich sogar die Albträume, welche mich in dieser Nacht heimgesucht hatten. Sonderbare Träume waren das - so real und... erschreckend. So glaubte ich des Nachts mehrmals wach in meinem Bett zu liegen, während ich von Ärzten mit grässlichen Fratzen operiert wurde.

Einblendung von verschwommenen Traumsequenzen, nichts deutliches.


8 INT. WOHNZIMMER - ABEND
Abigail sitzt erneut im Wohnzimmer und hört die Tonbänder ihres Vaters, während sie sein altes Notizbuch liest. Sie macht dabei einen viel entspannteren und glücklicheren Eindruck als zuletzt.

ABIGAILS VATER (O.S.)
Du bist jetzt unempfänglich für alle Signale und Störungen...

ABIGAIL (V.O.)
Vaters Hypnosen hatten auch auf mich einen Einfluss. So hörte ich Abend für Abend seine Kassetten an und erlebte jede Nacht das wohlige Gefühl des Einschlafens.

Abigail blickt auf die sich plötzlich verändernde Handschrift im Notizbuch und macht einen besorgten Gesichtsausdruck. Sie blättert rasch die letzten Seiten bis zum Ende durch.


9 INT. SCHLAFZIMMER - NACHT
Abigail wacht schweißgebadet auf. Sie dreht sich um und sieht
Charles neben sich liegen.

ABIGAIL (V.O.)
Und jede Nacht wurden die Albträume schlimmer.

Sie beruhigt sich und schließt erneut die Augen.

ABIGAIL (V.O.)
Doch das war ein Preis, den ich jede Nacht aufs Neue zu zahlen gewillt war.


10 INT. WOHNZIMMER - ABEND
Abigail sitzt noch immer im Wohnzimmer und blickt auf die vorletzten vorhandenen Seiten des Notizbuches.
ABIGAIL (V.O.)
Vaters Handschrift im Notizbuch wurde immer hektischer und seine Worte zunehmend wirrer.

Die letzten Seiten des Notizbuches sind herausgerissen. Abigail betrachtet die hastig gekritzelte Abschiedsnotiz ihres Vaters („Ich weiß nicht, wer die sind, oder was sie von uns wollen. Aber sie kommen jede Nacht. Jede verdammte Nacht“).


11 INT. SCHLAFZIMMER - NACHT
Abigail liegt im Bett. Von draußen ist das Tropfen des Wasserhahns zu hören. Abigail öffnet die Augen. An ihrem Gesichtsausdruck kann man erkennen, dass etwas nicht stimmt.

Abigail steht auf und schaut aus dem Fenster. Sie sieht, dass die Wolken immer wieder ein Stück zurückspringen.

ABIGAIL (FLÜSTERND)
Charles?

Abigail schaut auf die Uhr, welche zwischen 3:14 und 3:15 hin und her flackert. Im Nachbarhaus gehen Lichter an. In einem Fenster sieht sie einen unmenschlich anmutenden Schatten vorbeischlürfen. Erschrocken zieht sie die Vorhänge zu. Sie rennt zu Charles und versucht ihn hastig zu wecken.

ABIGAIL (FLÜSTERND)
Charles? Charles! Wach auf! Wach auf Charles!

Im Vorzimmer geht das Licht an. Abigail rennt zum Kleiderschrank und versteckt sich.

Die Schlafzimmertür öffnet sich, das Licht geht an. Zwei abscheuliche Kreaturen betreten den Raum.

Close up von Abigail, die starr vor Angst im Schrank steht. Ein Streifen Licht vom Spalt im Schrank fällt in ihr Gesicht. Die Kreaturen schneiden ihren Mann auf und „operieren“ an ihm herum (siehe Storyboard).

Close ups von Abigails Gesicht, die Hand vor dem Mund um nicht zu schreien, Tränen auf den Wangen.

Kurz bevor die Wesen den Raum verlassen, dreht sich eines davon Richtung Schrank, dann löschen sie das Licht und verlassen den Raum. Wenig später fällt die Wohnungstür ins Schloss. Sie sind weg.

Abigail rennt zu ihrem Mann und versucht ihn zu wecken.

Close up von seinem unversehrten Bauch/Oberkörper. Charles wacht auf. Abigail fällt starr vor Schock in seine Arme, er umarmt und tröstet sie.

CHARLES
Was ist los?

ABIGAIL (WEINEND)
Versprich mir dass du morgen alle Kassetten und Akten vernichtest...

CHARLES (BESORGT)
Was ist passiert?

ABIGAIL (VERZWEIFELT)
Versprich es mir... Bitte...

Charles atmet tief ein und wieder aus.

CHARLES
In Ordnung.

Uhr zeigt 3:16.

ABIGAIL (V.O.)
Charles hatte nichts von all dem mitgekriegt. Für ihn war es eine Nacht wie jede andere gewesen.


12 INT. WOHNZIMMER - TAG
Abigail sitzt in eine Decke gewickelt auf dem Sofa und steht noch immer unter Schock. Charles bleibt mit einem Karton vor ihr stehen.
CHARLES
Bist du dir wirklich sicher?

 ABIGAIL (IN DIE LEERE STARREND)
Glaub mir, der Tod kann nicht schlimmer sein als das, was ich erlebt habe...

CHARLES
Abby, das war nur eine Halluzination!

Abigail schaut mit Tränen gefüllten Augen zu Charles. Charles schüttelt besorgt den Kopf, geht dann mit dem Karton weiter.


13 EXT. HINTER DEM HAUS - TAG
Charles trägt die Kartons zur Mülltonne. Bevor er den letzten Karton entsorgt, nimmt er eine Kassette raus und betrachtet sie.


14 INT. ARBEITSZIMMER - NACHT

Abigail unterschreibt den Brief und steckt ihn in einen Umschlag, den sie versiegelt.
ABIGAIL (V.O.)
Noch heute wache ich auf und es passiert schon wieder.


15 INT. SCHLAFZIMMER - NACHT
Abigail liegt mit offenen Augen im Bett und starrt auf die Uhr, die 3:14 zeigt.
ABIGAIL (V.O.)
Meistens merke ich es am Himmel – wenn die Wolken nicht richtig vorbeiziehen.

Einstellung von Wolken, die nicht vorbeiziehen.

ABIGAIL (V.O.)
Ich weiß nicht wer die sind oder was sie von uns wollen. Aber sie kommen jede Nacht. Jede verdammte Nacht.

Die Uhr springt auf 3:15, dann aber wieder auf 3:14. Die Zeit bleibt stehen.

Charles setzt sich im Bett auf, Abigail dreht sich erschrocken um.

ABIGAIL (GESCHOCKT)
Wieso bist du wach?!

Charles sieht sie verwirrt an und versteht scheinbar nicht, warum Abigail so aufgewühlt ist.

CHARLES (MÜDE)
Ich kann nicht schlafen...

Charles blickt auf die Uhr.

CHARLES (MÜDE)
Die Uhr ist kaputt.

Im Vorzimmer wird die Außentür geöffnet. Abigail und Charles reißen den Kopf zur Zimmertür. Kamera fährt langsam auf die Türklinke zu. Sie wird nach unten gedrückt.

CUT TO BLACK

Comments

  • Author Portrait

    Danke für die vielen netten Kommentare. Das größte Lob geht natürlich an Ben, der das alles erst möglich gemacht hat :) Der Film wird in ein paar Monaten auf Vimeo zu sehen sein, bis dahin dürfen wir ihn wegen der Einreichebedingungen von Festivals leider nicht hochladen.

  • Author Portrait

    Richtig toll! Ich würde den Film auch richtig gerne sehen, falls es irgendeine Möglichkeit dazu gibt ^^

  • Author Portrait

    Das ist wirklich Wahnsinn!! Wann kann man den Film anschauen?

  • Author Portrait

    Wahnsinn *-* Kann man sich die Verfilmung irgendwann, irgendwo ansehen???? Würde mich riesig freuen. :-D

  • Author Portrait

    Ich möchte mich nochmal für die große Ehre bedanken. Als ich die Geschichte schrieb hätte ich nie für möglich gehalten, dass sie tatsächlich mal verfilmt werden würde. Beim Dreh dabei sein zu dürfen war eine tolle Erfahrung und hat wirklich Spaß gemacht. Falls diesen Kommentar auch jemand vom Filmteam lesen sollte, möchte ich mich auch an dieser Stelle nochmal bei allen bedanken. Alle waren so professionell und einfallsreich! Vor allem du Zora - du hast so unglaublich viele gute Ideen einfließen lassen, und ich würde jederzeit wieder ein Filmprojekt mit dir starten :-)

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media