Versucht man mal wirklich über das Leben nachzudenken, scheint einem alles so erwachsen. Ich sitze hier mit meinen neuntzehn Jahren und wirke beinahe allwissend. Doch glaubt mir, genau „Das“, bin ich eben nicht. Ich habe erst gestern eine Serie begonnen, eine neue Serie. Der Name der Serie lautet „13 Reasons Why“. Im Deutschen wird sie allerdings „Tote Mädchen lügen nicht“ genannt. Jetzt tippe ich hier mit meinen viel zu langen Fingernägeln und denke über das Leben nach. Warum? Ich habe schon immer gerne geschrieben, aber diese Serie hat mich erst richtig wieder dazu bewegt. Sie hat mich regelrecht dazu geleitet. Es geht um ein Mädchen, ungefähr in meinem Alter, welches beschließt ihr Leben zu beenden. Das Ganze verfasste sie in dreizehn Kassetten. Dreizehn Kassetten in denen die jeweiligen Gründe aufgelistet werden. Dieses Mädchen inspiriert mich. Natürlich inspiriert sie mich nicht zum Selbstmord oder dergleichen. Sie gab mir die Anmut, über das Leben nachzudenken, über den Umgang mit unseren Mitmenschen. Gleich wie in dieser Serie, scheint unsere Gesellschaft. Unbedacht wird gehandelt, wird behandelt. Rücksicht auf Gefühle? Nein danke. Wie kam es dazu? Wie wurde Fame, Ruhm, Ansicht, Beliebtheit erst für uns wichtig? Wie konnte sowas zu einem Teil des Mittelpunktes in unserem Leben werden? Ein Klick auf sozialen Netzwerken soll zeigen wer wir sind? Soll so vieles über uns aussagen? Auch ich stand mal ganz oben. Ganz oben zu stehen bedeutete auch, immer acht zu geben was man tat. Jeder einzelne Schritt von dir wurde beobachtet. Jede einzelne Tat, verurteilt. Niemand traute sich wirklich etwas über dich zu sagen. Aber ist es das was alle wollen? Das andere Menschen Angst vor dir haben? Das macht dich in meinen Augen nicht zu einem „coolen, beliebten“ Menschen. Das macht dich zu einem Ungetier. Ist es das alles wert? Zu sehen wie ihr die Anderen behandelt, tat weh. Ich verstehe nicht, weshalb ich eigentlich zu euch gehörte. Ich nahm die Anderen vor euch in Schutz und dennoch gehörte ich dazu? Lag das etwa auch an meinem Körper? Genau wie in dieser Serie, ja? Ich weiß, dass es euch Jungs um nichts anderes bei mir geht. Denkt ihr ich höre nicht, wie ihr über mich sprecht? Ihr fasst mich an, als sei ich ein Objekt. Habt ihr auch nur einmal daran gedacht, wie ich mich fühlen muss? Es wäre zu schön auch nur einmal zu hören „Du hast einen wundervollen Charakter“. Aber wie solltet ihr dies auch sagen können, wenn ihr ihn nicht einmal kennenlernen konntet. Ihr denkt ich bin leicht zu haben auf Grund meines Körpers, dabei hatte mich nicht EINER von euch. Mittlerweile bin ich diese Anspielungen schon gewohnt. Mit den Meisten unternehme ich schon nichts mehr, auf Grund dessen. Ich habe anfangs noch gedacht, ihr mögt mich auf Grund meines Charakters. Tja, geirrt. Ich kann jedem nur Raten diese Serie mal zu sehen, wenigstens zu beginnen. Es sollten die Augen geöffnet werden. Entschuldige, ich korrigiere: „Es sollten mehrere Augen geöffnet werden“. Denkt bitte nicht, dass sich dieser Text nur gegen Jungs richtet. Viele von ihnen werden ebenso verletzt, wie wir Mädchen

Comments

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    Same here! Kann mich meinen Vorkommentatoren anschließen. Ich wünsche Dir, dass Dich mal jemand so sieht, wie Du wirklich bist. Solche Texte sind schon mal ein guter Anfang - zumindest für *die* Leute in Deinem Umfeld, die überhaupt lesen können bzw. wollen ;-) Und ich finde es sehr mutig, einen solchen Text zu veröffentlichen, der Einblick in Dein Inneres gewährt. Bin positiv beeindruckt :) Was unsere Gesellschaft angeht: Die ist echt in jeder Hinsicht auf dem Abweg, wie ich finde. Und das Reduzieren auf das rein Körperliche geht mal gar nicht.

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    Ein interessanter Text, der wichtige Fragen stellt! Auch von mir herzlich willkommen auf Belletristica! :-)

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    Ich schließe mich Meg an, ein gelungener Einstand :-)

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    Herzlich willkommen bei uns, auch an dieser Stelle nochmal! Sehr interessanter Text zum Einstieg :) LG, Meg

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