Flucht und Gegenwehr 1/4

»Schaff mir Alric, den Jäger, herbei.«
Angesprochener nickte und entfernte sich kommentarlos. Noch bevor seine ausgestreckte Rechte die Tür zu öffnen vermochte, wurde er widererwartend aufgehalten. »Hauptmann?« Jemand rekelte sich hinter seinem Rücken und lüsterne Laute drangen ungewollt an sein Ohr. Die Stimme Bestlins klang schmatzend, so als sauge man an reifen Früchten.
»Mein Lord?« Er wendete nicht einmal den Kopf, wusste er doch längst, was er hätte zu sehen bekommen. Er war seinem Ziel, diese Räumlichkeit auf schnellem Wege zu verlassen schon so nah.
»Ihr habt noch Vertraute? Welche, die noch nicht unbedachten Unfällen zum Opfer fielen?«
Zu Schlitzen gleich verengten sich seine Augen und der Brustkorb schwoll an, als er tief Luft einsog. Verdammt, ja er hatte Verluste in den Reihen Getreuer zu beklagen. Leute, die ihm durchweg Gehör schenkten und niemals Fragen stellten. Soldaten, die auf sein Wort ihr Leben ließen. Die Anspielung galt ihm als Person. Ihm als Hauptmann und dessen Loyalität. Er wusste diese zu deuten und nickte bestimmend. »Ja mein Lord. Ich verfüge nach wie vor über Vertrauenswürdige, auch wenn die Liste derer sich ungeklärt dezimiert.« Er behielt Verdächtigungen stets für sich, wolle er selbst nicht in Ungnade fallen. Der Tag stünde bevor, das war gewiss, an welchem er den Mörder seiner Männer auf Knien vor dem Henker schleifen würde. Ein Hauch, ein winziger Funke stahl sich auf seinem linken Auge. Eigenhändig, bei nächster Gelegenheit, würde er die Klinge führen. So schwor er sich. Eine Vermutung, wer für die Verluste und Attentate Schuld trug, war ihm nahezu gewiss. Grundlegende Beweise blieben allenfalls aus, um seinen Verdacht glaubhaft vorzutragen. Es dürfte Bestlin nicht behagen, seit jeher auf den Falschen gesetzt zu haben.
»Gut. Sehr gut.«
»Mein Lord?«
»Ich verlange, dass mir eure Männer den Jüngling beschaffen. Noch bevor die Nacht vorüber ist und ...«
Weitere Worte vernahm er nicht mehr, zogen pervertierte Bilder an seinem inneren Auge vorbei und entrückten seine Aufmerksamkeit. Vorstellungen, in welcher junge Burschen benebelt und entkleidet neben diesem Mann lagen und sich seiner krankhaften Gier nach jugendlichem Fleisch ergaben. Er erinnerte sich noch genauestens an seiner ersten Beobachtung solcher Vergehen, die dieser sich schuldig machte. Er hasste ihn dafür.
Es waren jeweils sechs verschieden geschliffene und handgroße Klingen, die fein säuberlich sortiert unter der Bettstatt bereitlagen. Tönerne Schälchen standen daneben.
Immer wieder wurden ihm junge Knaben dargeboten. Entlaufene, Familienlose und jene, die besseren Wissens ihr Sold verdingen wollten. Es gab auch Gesinde, die aus niederen Gründen ihre Töchter hergaben, um irgendeine erlassene Schuld zu begleichen. Zumeist eine derer, die sich Bestlin frei erdachte, um von seinem wirklichen Verlangen nach Knaben abzulenken. Es kursierten Gerüchte, dass er an weiblichen Rundungen keinen Gefallen fand. Seine Begierde galt nicht der Scham eines Mädchens oder jungen Frau.
Um seinen Opfern die Nervosität zu nehmen und ruhigzustellen, wurden sie zu einem Becher Wein geladen. Was ihnen verheimlicht blieb, war das seltsame gräuliche Pulver, welches zuvor untergerührte wurde. Ihrer geistigen Sinne beraubt, mussten, sofern bereits vorhanden, Eingeweihte derer Scham enthaaren. Es beliebte dem Lord, an diesen Örtlichkeiten keinerlei vorzufinden.
Ebenfalls entblößt und erigiert glitt seine Zunge an allen möglichen Stellen jener jungen Leiber. Sein Körper erzitterte frivol, wenn seine ölig triefenden Hände in den Körperöffnungen der Leidtragenden fingerten. Oftmals wechselte er seine Finger mit ...
»... werde mich in seinem Blut und seinen Innereien suhlen. Hauptmann, hast du verstanden, was ich verlange?«, grollte der Sprecher nuschelnd.
Kaum merklich schüttelte er den Kopf und die entsetzlichen Bilder verblassten, gerade in diesem Moment, als Bestlin lüstern seinen offenen Mund in den Schoss des Jungen wog. Angewidert marschierte er aus der Tür. »Ich werde mich darum kümmern, mein Lord.«
Hinter der verschlossenen Tür sackte er gegen jene, schluckte und sog tief Luft in seine beklemmenden Lungen. Er war Soldat, zum Hauptmann berufen und hemmte auch nicht zu töten. Er verweigerte sich ebenso wenig seine Klinge in Unschuldige zu stoßen oder einer Frau seinen eigenen lüsternen Willen aufzuzwingen aber eines tat er gewiss nicht - sich an Kindern vergehen.

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