January - Jetzt oder nie 10

Die Zeit verging wie im Flug und ich arbeitete wie besessen an meiner Choreografie. Wenn ich mich auf meine Aufgabe hier konzentrierte und alles andere ausblendete, konnte ich vielleicht noch alles zum Guten wenden.  

Als ich neue Musik auflegen wollte, bemerkte ich aus dem Augenwinkel einen Schatten am Ende des Raumes. Mittlerweile war es draußen dunkel geworden und ich hatte nur die spärliche Beleuchtung rund um den Bühnenbereich eingeschaltet, sodass der Rest des Raumes im dunkeln lag. Ich sah genauer hin und traute meine Augen zunächst nicht. Mason Scott lehnte locker gegen die Wand gegenüber der Bühne. Er hatte die Arme vor dem Körper verschränkt und sein Gesicht zeigte keine Regung darüber, dass ich ihn bemerkt hatte. 

Oh Gott, ich hatte die letzte halbe Stunde die unterschiedlichsten Verrenkungen an der Polestange gemacht, laut mitgesungen und mein Haar stand in alle Richtungen ab. Hoffentlich war er noch nicht lange da.   

Meinem ersten Impuls zu folgen und ihm die zweite Ohrfeige in dieser Woche für die Aktion heute Morgen zu geben, würde das Versprechen welches ich Jamie gegeben hatte brechen. Ich beschloss all meine Wut, meinen Ärger und den Schmerz den er mir mit seiner Art zugefügt hatte runterzuschlucken und sachlich zu bleiben. Wer mich kannte wusste dass dies kein leichtes Unterfangen sein würde. 

 "Mr. Scott. Stehen sie schon lange da?". Langsam gewöhnten meine Augen sich an die Dunkelheit und ich konnte sein Gesicht besser erkennen. Seine Züge waren nicht so streng wie sonst und er sah leicht belustigt aus.  

»Eine Weile, Ava.« 

Mein Puls stieg vor Verärgerung in die Höhe. Er tat wirklich so, als sei nichts vorgefallen. Die größte Wut jedoch hatte ich auf mich selbst weil ich ihn absolut heiß fand, wie er so locker an der Wand stand mit seiner zerschlissenen Jeans, dem weißen Shirt, in welchem man jeden einzelnen seiner Muskeln erkennen konnnte und diesem hinreißenden Lächeln. Sein dunkelblondes Haar war etwas unordentlich, als wäre er mehrmals mit den Händen hindurch gefahren. Diese wiederstreitenden Gefühle in mir brachten mich um den Verstand. Ich seufzte.  

»Kann ich etwas für Sie tun?« 

Er stieß sich von der Wand ab und kam auf mich zu. Seine blauen Augen waren die ganze Zeit über auf mich gerichtet und streiften unruhig über meinen Körper. Mir wurde heiß, mein Puls dröhnte in meinen Ohren. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht stand ich da. Ich wollte fliehen, aber konnte mich seinem Blick nicht entziehen. Viel zu nah blieb er vor mir stehen. Er roch nach Minzbonbons und Kaffee.  

Beschämt Blickte ich geradeaus um ihn nicht anzuschauen, stierte jedoch stattdessen auf seine Brust, was das Ganze auch nicht besser machte. Ich wagte es nicht den Blick zu heben. Die Stille war unerträglich, also formulierte ich meine Frage erneut und etwas deutlicher.  

»Was wollen Sie?«  

Er hob seine Hand unter mein Kinn und zwang mich ihn anzusehen.  

»Ich suche nach Antworten.« 

Damit hatte ich nicht gerechnet.  

»Antworten? Worauf?« 

Meine Stimme klang fremd und es war nicht viel mehr von ihr übrig geblieben als ein wispern. Bye, bye starke, taffe Ava und Willkommen Wachs in Masons Händen. 

Masons Züge wurden etwas ernster, jedoch nicht unfreundlich.  

Er runzelte die Stirn und sah mich fragend an, als könne er die Antwort die er suchte in meinem Gesicht finden. Er strich mit den Fingerknöcheln über meine Wange, hinunter zu meinem Hals. Ich befürchtete innerlich zu verglühen. Mit Sicherheit konnte er meinen heftigen Pulsschlag spüren. 

»Ava ich suche die Antwort darauf, weshalb ich dich ficken will, obwohl ich mein Bestes gebe dich nicht zu mögen.« 

Ich hob die Hand um die seine von mir wegzuschieben. Wie konnte eine erneute Beleidung mich so scharf machen. Sein Blick fiel auf mein unschönes "Armband" aus Striemen an meinen Gelenken. 

»Was ist das?« 

Ich erkannte den Augenblick, in dem ihm klar wurde, dass er im weitesten Sinne für diese Striemen verantwortlich war in seinen Augen. Seine Pupillen weiteten sich und kurz hatte ich das Gefühl Bedauern darin zu erkennen. Er öffnete den Mund also wolle er etwas sagen, überlegte es sich dann aber doch anders.    

Noch bevor ich reagieren konnte, lagen seine Lippen auf den meinen. Der Kuss war stürmisch und fordernd. Es war nichts süßes oder vorsichtiges daran und es raubte mir die Luft zum atmen. Seine Zunge stieß gegen meine Lippen und ich gewährte ihr Einlass. In diesem Moment hätte ich alles getan was er von mir wollte und ich war nicht gewillt mich je wieder von ihm zu lösen.  

Ich stöhnte auf, als seine Zunge meine reizte. Er umfasste meinen Hinterkopf mit beiden Händen und schob mich rückwärts um mich dann gegen die Wand zu drücken. Ich schlang die Arme um seinen Nacken um mich festzuhalten, da meine Beine den Dienst versagten. 

Seine Hand wanderte meinen Rücken hinunter, über meinen Po, bis zu meinem Schenkel, den er grob packte und um seine Hüfte schlang um sich zwischen meinen Beinen zu positionieren. Sein Verlangen drückte hart gegen meine Scham und ich konnte nicht anders als mich daran zu reiben. Ein knurren entsprang seiner Kehle und seine Hand nestelte an meinem Top herum, auf der Suche nach nackter Haut. Keuchend unterbrach ich den Kuss um nach Luft zu schnappen.  

Seine Augen funkelten gefährlich und lüstern und auch er rang nach Luft. Er drückte sich noch enger an mich und beugte sich zu mir runter, um mir ins Ohr zu flüstern.  

»Wieso kannst du keine andere sein?« 

Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.  

Die Lava die sich kurz zuvor ihren Weg durch meine Adern gebahnt hatte, gefror innerhalb von Sekunden. Die Realität schlug mir mitten ins Gesicht. Seine Hand ruhte noch immer unter meinem Top. Ich stemmte meine Hände gegen seine Brust und schob ihn langsam von mir weg. Diesmal ließ er es zu. Seine Miene war nicht zu deuten, doch er machte keine Anstalten zu gehen. Es war als erwartete er dass ich ihm versichere eine andere sein zu können. Die Tatsache, dass er mich, warum auch immer, nicht so wollte wie ich war tat weh. Aber mehr noch, war ich sauer auf seine Masche reingefallen zu sein. 

Ich räusperte mich um meine Stimme wieder zu finden.  

»Mr. Scott...«  

»Mason, nenn mich einfach Mason Ava...Ich weiß einfach nicht wie ich das hier...«  

»Mason, lass es gut sein. Du weißt scheinbar nicht was du willst und ich habe keine Zeit dir auf der Suche nach deinem Verstand behilflich zu sein. Vielleicht suchst du mal in einer Hose danach. Ich muss jetzt gehen.«  

Ich nahm meine Tasche und schaltete im Vorrübergehen den CD-Player aus. Auf dem Weg zum Aufzug hoffte ich nur dass er mir nicht folgen würde.  

  

 

Comments

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    Sie wird dem mDrecksack noch verfallen! Schade...

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    also ich hätt ihm ja noch ein, zwei mehr ohrfeigen gegeben ^^

  • Author Portrait

    Wie denn, und jetzt ist das Kapitel vorbei? Gemeinheit o.O

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