January - Jetzt oder nie 11

MASON

 

Wie ein Tiger im Käfig wanderte ich rastlos in meinem Zimmer auf und ab. Ich hätte nicht in diesen verdammten Raum gehen sollen.

Eigentlich wollte ich nach den ersten Dreharbeiten noch auf einen Drink an die Bar gehen, hatte mich aber in diesen unzähligen Gängen des Hotels verlaufen. Jedes dieser Hotels sah doch gleich aus.

Eine Türe war nur angelehnt und leise Musik weckte mein Interesse. Ich hatte im Gefühl, dass es IHR Raum war. Wie ein perverser Spanner lugte ich durch den offenen Türspalt.

»Nur ein Blick und dann machst du dich vom Acker«, sagte ich mir selbst. Und dann sah ich sie. Die Gliedmaßen verführerisch um diese Stange gewickelt, das Becken kreiste im Takt der Musik und ihre Augen waren halb geschlossen. Sie war so vertieft in ihren Tanz, dass sie nicht mitbekam dass ich mich leise in den Raum stahl und ihr aus einer dunklen Ecke zusah. Ich raufte mir die Haare.

Wann war ich zu einem beschissenen Voyeur geworden?

Die Art, wie sie auf dieser kleinen Bühne, in ihrem engen Top und einer noch engeren Hose die verführerischsten Bewegungen machte. Sie turnte mich an, wie es nie zuvor eine Frau geschafft hatte.

»Nur eine Minute noch. Dann gehst du«, betete ich mir innerlich immer wieder vor.

Letztlich war es dann eine Minute zu lang, denn sie entdeckte mich. Alles was dann folgte spielte sich jetzt immer und immer wieder vor meinem geistigen Auge ab. Scheiße ich war fast schon wieder hart...

Das Klopfen an der Tür riss mich aus dieser Endlosschleife von quälenden Gedanken.

»Die Tür ist offen.«

Henry erschien im Raum.

»Mason, es wäre wirklich besser, du würdest diese Türe von innen abschließen. Wie soll ich einen vernünftigen Job machen, wenn jeder Stalker dieser Erde einfach so hier hereinspazieren kann?«

Henry Tisdale arbeitete seit 2010 für mich. Ich hatte  meine erste feste Rolle in einer Crime-Serie und schon damals gab es Fans die es mit ihrer "Liebe" übertrieben hatten.

Es war auch das Jahr in dem meine Eltern starben.

Meine Schwester Emily war gerade einmal 17 und ich war froh, dass Henry in der Zeit in der ich gedreht habe ein Auge auf sie werfen konnte. Er war der engste Freund, den ich in den letzten Jahren hatte, doch gerade im Moment hätte ich am liebsten eine Schlägerei mit ihm begonnen, wohlwissend, dass ich den Kürzeren ziehen würde.

»Henry was in aller Welt hast du mit Ava gemacht? Tickst du noch ganz sauber?«

»Woah, Boss. Ich dachte ich sollte der Kleinen mit dem Kabelbinder ein wenig Angst machen?«

Ich Idiot. Als sie in der Lobby mit Ihrem verzweifelten Gesichtsausdruck auf mich zukam, hatte ich nichts Besseres im Sinn, als meinen Hass auf sie und diesen Bastard James Donovan in vollen Zügen an ihr auszulassen.

Ich wusste, dass Henry den Mädels, die mir zu nah kamen gerne ein wenig Angst machte. Die Nummer mit den Kabelbindern und dem Arrestzimmer funktionierte immer. Die verrückten Hühner waren danach meist von ihrer spontanen Verliebtheit in mich geheilt. Ich mochte meine Fans wirklich, aber manche hatten einfach eine Schraube locker.

»Sie hat sich an den Kabelbindern verletzt. Angst einjagen und jemandem die verfluchten Gelenke fast aufzureißen sind für mich unterschiedliche Dinge. Und jetzt geh, ich brauche dich heute nicht mehr.«

Mit einer ruckartigen Handbewegung wies ich ihn an, das Zimmer zu verlassen und verschüttete dabei meinen halben Whiskey.

Ich hatte das Glas in meiner Hand völlig vergessen.

»Boss, es tut mir leid. Sie hat so fest gezogen, dass sie selbst schuld war, dass die Kabelbinder sich zuschnürten. Ich hab sie sofort davon befreit als wir im Arrestzimmer ankamen.«

Arrestzimmer..... was hatte ich mir bei der Aktion gedacht? Sie sah so verängstigt aus, dass ich Feigling sie nicht mal mehr anblicken konnte als ich im Aufzug stand.

»Raus, jetzt!«

Ich brüllte ihn an und feuerte mein Whiskeyglas in die Ecke. Henry, ein Schrank von Mann, zuckte zusammen als es an der Wand in tausende, funkelnde Splitter zerbrach.

Beim Rausgehen murmelte er ein leises »Wir sehen uns morgen Mason.«

 

Ich starrte den Whiskeyfleck an der Wand an und wurde von dem Vibrieren meines Handys aus meiner Trance gerissen.

Ein Blick auf das Display erinnerte mich an den Grund, wegen dem das mit Ava du mir ein sofortiges Ende nehmen musste.

Ich würde später zu ihr rüber gehen und Ihr sagen, dass sie es vergessen sollte und ich über diesen Film hinaus nichts mit ihr zu tun haben wollte.

Das war noch nett wenn man bedachte, was ich mir noch vor Jahren ausgemalt hatte mit den Personen zu tun, die mein Schwester fast auf dem Gewissen hatten.

Ich strich über den blinkenden Hörer des Smartphones und nahm den Anruf entgegen.

»Hey Emily, was gibt´s?«

Comments

  • Author Portrait

    Was kommt jetzt?

  • Author Portrait

    jetzt wirds spannend :D

  • Author Portrait

    Ein toller Teil! Jetzt erfährt man etwas mehr über die Hintergründe, was allem eine neue Dynamik verleiht! 5/5

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