January - Jetzt oder nie 15

 

AVA

»Okay, ich gehe nicht davon aus, dass du einen Rohrbruch in deinem Bad hattest, oder?«

Jamie musterte mich, als ich lediglich mit einem Handtuch bekleidet aus dem Bad gestürzt kam. Hatte ich erwähnt, dass diese Dinger in diesem Hotel viel zu klein waren? Ich ging rüber zu meinem Schrank um mir Klamotten zu holen.

»Kannst du kurz warten, ich zieh mir nur etwas an.«

Jamies Blick war schwer zu deuten. Er sah ein wenig gequält aus.

»Tu dir keinen Zwang an Ava.«

Ich beeilte mich und zog mir eine bequeme Jogginghose und ein Shirt über. Heute würde ich dieses Zimmer eh nicht mehr verlassen und Jamie kannte mich in viel schlimmeren Aufzügen.

»Die Inquisition kann beginnen.« Mein Versuch die Stimmung aufzulockern war gnadenlos fehlgeschlagen. Jamie saß mit einer Miene auf der Couch, als würde er einer Beerdigung beiwohnen.

»Wie geht es deiner Wange? Es tut mir so unglaublich leid.«

Die Schlägerei hatte ich völlig vergessen, doch jetzt wo er es sagte bemerkte ich einen dumpfen Schmerz in der rechten Gesichtshälfte.

»Ach das ist halb so wild. Ich weiß ja, dass du es nicht extra getan hast. Aber Jamie, du musst mir sagen was da los war. Was ist zwischen euch passiert? «

Jamie schwieg und schaute auf den Boden. Er hatte den Kugelschreiber in der Hand, welcher auf dem Tischchen vor ihm lag und klickte nun unentwegt damit. Immer wenn er nervös war musste er seine Hände beschäftigen.

»Hallo? « Er sah mich an und schüttelte leicht mit dem Kopf.

»Das ist nicht so einfach und ne ziemlich lange Geschichte. Eigentlich weiß ich selbst nicht so genau weshalb er sich so verhält.«

»Ich habe den ganzen Abend Zeit.« Ich setzte mich im Schneidersitz auf mein Bett und sah ihn auffordernd an. Er räusperte sich und sein Blick verlor sich wieder in der Ferne. Als ich gerade dachte er würde mir nicht antworten, begann er leise zu sprechen.

»Kannst du dich an Emily erinnern?«

 

Ich lachte kläglich auf.

»Ist die Frage ernst gemeint?«

Natürlich konnte ich mich an Emily erinnern. Sie war das hübscheste Mädchen in der Tanzschule und Jamies große Liebe. Die beiden waren unzertrennlich und ich hatte in Ihr eine mindestens genauso gute Freundin, wie einen Freund in ihm. Als Sie 17 wurde, kamen Ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben. Schon kurz danach zog sie zu Ihrem Bruder nach New York, da sie sonst keine Familie mehr hatte. Sie brach Jamie damals das Herz, denn sie schrieb ihm lediglich eine SMS, dass es besser so wäre und sie ihm alles Gute für die Zukunft wünsche. Er war monatelang am Boden zerstört und als er sich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder mit Frauen traf, dann nur noch für einmalige Geschichten.

»Was hat Emily damit zu tun, dass Mason dich hasst?«

»Sie ist Masons Schwester.«

Mir fiel die Kinnlade runter. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit.

Emily´s Bruder war ein paar Jahre älter als wir und war wegen seines Job´s früh weggezogen. Emily vergötterte ihn, hatte jedoch nie erwähnt, dass er Schauspieler sei. Wie konnte ich nicht mitbekommen haben, dass der Bruder meiner besten Freundin auf dem Weg zum Superstar war.

»Emily Scott. Ich hätte nie gedacht, dass da ein Zusammenhang besteht.«

Mein Kopf hatte Probleme, die liebe, herzliche Emily mit diesem Kotzbrocken in Verbindung zu bringen.

»Aber ich verstehe noch immer nicht, wieso Mason uns beide nicht leiden kann. Das macht jetzt noch weniger Sinn als vorher.«

Jamie nickte und verzog den Mund.

»Tja, da sind wir schon zwei. Seit ich ihm auf dieser Willkommensparty begegnet bin, beschimpft er mich aufs übelste sobald wir aufeinander treffen. Kent wollte uns einander vorstellen und als er meinen Namen hörte, rastete er völlig aus. Kent hat ihn dann von der Party geschmissen.«

Deswegen trieb er sich wohl auf der Dachterrasse rum.

»Hat Kent zufällig meinen Namen erwähnt, als er dich ihm vorstellen wollte?«

»Ähm, ich glaub schon. Er sagte, wir seien die Nachzügler aus Chicago und hätten die Zimmer neben ihm. Er dachte wohl wir würden uns gut verstehen, weil wir aus seiner Heimat kommen.«

»Und du hast keine Ahnung wieso er so sauer auf dich ist?«

Vielleicht erklärte das dann auch weshalb er mich nicht mochte.

»Nein verdammt Ava, ich habe kein Ahnung. Würdest du mir jetzt erklären was das in deinem Badezimmer war?«

»Ich kann es nicht erklären, ich verstehe es selbst nicht. Er ist das größte Arschloch auf diesem Planeten und trotzdem fühle ich mich zu ihm hingezogen.«

So jetzt hatte ich es laut ausgesprochen und konnte es nicht mehr zurück nehmen.

» Natürlich tust du das.« Sagte er mehr zu sich selbst als zu mir. Er raufte sich das Haar, stand auf und kam zu mir rüber. Er stützte sich rechts und links auf dem Bett neben mir ab und blickte mir tief in die Augen.

»Ist das alles was man dafür tun muss dich zu kriegen, Ava? Ein Arschloch sein?...« Er strich mir über die Wange, die er zuvor bei seiner Attacke auf Mason erwischt hatte. Ich zuckte zurück. Mehr vor Schreck als vor Schmerz.

»… Dann frage ich mich, wieso du nicht nackt und stöhnend unter mir liegst. Schließlich war ich das größere Arschloch und hab dir eine verpasst.«

Mit einem lauten Knall schlug ich Jamie ins Gesicht. Erschrocken wich er zurück und ich konnte nicht erkennen ob ihn sein Gesagtes oder meine Ohrfeige mehr schockierte. Bis vor einer Woche hatte ich in meinem ganzen Leben noch nie einen Menschen geschlagen und jetzt kam es mir vor, als würden die Kerle drum betteln.

»Ich weiß nicht was in letzter Zeit mit dir los ist James. Ich habe sicher den einen oder anderen Fehler gemacht seit wir hier sind aber du hast kein Recht mich wie eine billige Nutte zu behandeln.« Ein gequältes Lächeln machte sich auf Jamies Gesicht breit.

»Du hast wirklich keine Ahnung Ava. Egal was ich tue oder sage, egal wie viele scheiß Abende ich mit dir Zuhause verbracht habe und dir Taschentücher gereicht habe wenn du dich alleine gefühlt hast. Es ist egal. Bist du wirklich so blind oder willst du es einfach nicht sehen?«

»Was redest du da?« Es konnte nicht sein und ich betete, dass es nicht so war.

»Ava, ich bin nicht dein schwuler bester Freund. Verdammt merkst du nicht dass da mehr zwischen uns ist als das?« Er sah mich so erwartungsvoll an. Ich konnte ihn nicht anlügen, auch wenn ich es noch so sehr wollte. Tränen schossen mir in die Augen und ich schüttelte langsam den Kopf.

»Es tut mir Leid aber…«

»Aber was? Was war das denn vor ein paar Tagen hier? Warst du einfach geil und sonst keiner in der Nähe?« Ich wusste dass es verletzter Stolz war der aus ihm sprach, trotzdem schmerzten seine Worte.

»Ich weiß nicht was es war Jamie, ich weiß nur, dass ich dich brauche. Als Freund. Bitte lass uns das nicht kaputt machen. Ich hab doch nur dich und Mum.« Ich konnte den Moment in dem er resignierte in seinen Augen erkennen und es brach mir das Herz. Er ging zur Türe.

»Ich kann das hier nicht mehr. Zumindest eine Zeit nicht. Versteh das bitte. «

Comments

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    Ich wußte es! Und ich würde ihm den Sieg gönnen...

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    Achjeh! das wird jetzt nicht so einfach für Ava!

  • Author Portrait

    arme ava :( sie braucht echt nen guten freund an ihrer seite!

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