January - Jetzt oder nie 17

AVA

Mein Wecker riss mich aus einem unruhigen Schlaf. Die Uhr zeigte 6 Uhr an. Es war der 01.12. und somit auch der erste Drehtag für das Team. Da die Dreharbeiten außerhalb stattfanden, würde es ruhig im Hotel sein.

Ein Blick in den Spiegel verriet mir, dass das Wochenende nicht spurlos an mir vorbeigegangen war. Tiefe dunkle Ringe verzierten meine geröteten Augen auf unschöne Art. Ich wurde nicht nur bis aufs letzte gedemütigt, ich hatte auch meinen besten Freund verloren. Ich fragte mich immer wieder, wie es so weit kommen konnte. Ich fühlte mich, aus unerklärlichen Gründen, so sehr zu Mason hingezogen, dass ich für kurze Zeit alles vergessen hatte was zwischen uns vorgefallen war. Er hatte sich wahrscheinlich das ganze Wochenende darüber schlapp gelacht, wie naiv und dumm ich war und wie nuttig ich meinen unvollkommenen Körper vor ihm entblößt hatte. Mir war das Ganze so peinlich. Ich hatte mich wie eine Schlampe an ihm gerieben, völlig nackt und nass unter dieser blöden Dusche. Er wirkte so anders und kurze Zeit dachte ich wirklich, seine Zuneigung mir gegenüber sei ehrlich gewesen.

Und dann war da Jamie. Ich hatte ihm einige SMS geschickt und ein paar Mal an seine Türe geklopft. Gestern Abend hatte er mir geantwortet, er brauche mehr Zeit und meine Frage ob alles nochmal werden würde wie früher, beantwortete er nur damit es nicht zu wissen und dass ich ihn bitte ein wenig in Ruhe lassen solle.

Als meine Mum anrief, um sich nach meinem neuen Job zu erkundigen, musste ich mich schwer zusammenreißen. Nach der Scheidung von meinem Dad, hatten wir eine schlimme Zeit. Kein Geld, eine viel zu kleine Wohnung und ein gebrochenes Herz hatten ihr schwer zugesetzt. Seit 2 Jahren war sie mit Goerge zusammen, der sie auf Händen trug. Sie war so glücklich seit sie ihn kannte und vor einem dreiviertel Jahr war sie zu ihm gezogen. Sie war überhaupt nicht mehr belastbar und Jamie meinte immer sie würde zu wenig Interesse an mir zeigen. Ich sah es so, dass ich froh war mein Ding durchziehen zu können, ohne dass sie alleine zuhause saß. Jedenfalls durfte ich sie nicht mit den Geschehnissen hier aufregen.

Sie erzählte mir, dass sie bereits das ganze Haus weihnachtlich geschmückt habe, obwohl sie über die Feiertage nicht da sein würden. George hatte ihr zum Geburtstag eine Reise nach Hawaii geschenkt und als ich ihr versicherte, Weihnachten gemeinsam mit Jamie hier in NY zu feiern und mich unglaublich für sie freute war auch sie ganz aus dem Häuschen.

»Ava, ich höre aber doch das was nicht stimmt.« Sie hörte es immer. So waren Mums halt.

»Es ist wirklich alles gut. Ich bin nur müde. Es war eine anstrengende Woche. Ich will das hier nicht verbocken.«

»Das wirst du nicht mein Mädchen. Du wirst es allen zeigen. Pass gut auf dich auf und gib Jamie einen dicken Kuss von mir.« Es schnürte mir fast die Kehle zu, doch ich schaffte es den Kloß im Hals herunter zu schlucken.

»Klar Mum, mache ich. Und Grüße du George von uns. Ich hab dich lieb. »

»Ich dich auch meine Maus.«

Nachdem ich das Wochenende über  in Selbstmitleid versunken war, beschloss ich mich von nun an völlig auf meinen Job hier zu konzentrieren. Es sollte nicht alles um sonst gewesen sein. Ich wusste nicht was Mason gegen mich hatte und die Tatsache, dass Emily seine Schwester war, machte die Situation noch viel Abstruser. Emily war die beste weibliche Freundin die ich je hatte. Ich konnte nie verstehen, wie sie so plötzlich gehen konnte ohne sich zu verabschieden. Sicher war ich jedoch, dass sie ihre Gründe hatte. Ich hoffte so sehr, dass es ihr gut ging. Meine Gedanken drehten sich fast pausenlos darum, was damals geschehen sein musste, dass Mason derart schlecht von Jamie und mir dachte. Jamie hatte Emily auf Händen getragen und soweit ich wusste, hat auch er ihren Bruder nie persönlich kennengelernt. Langsam fehlte mir dir Kraft, mir weiter den Kopf zu zerbrechen. Jamie´s Geständnis mehr als Freundschaft zu wollen, brachte mich völlig durcheinander. Seit Emily datete er keine Frau mehr als einmal und ich war fast sicher, dass er sich nun, so viele Jahre später, eine Beziehung wünschte, aber dass er dies nicht wirklich mit mir wollte. Ich war nur die Einzige, mit der er es seitdem mehr als einen Tag ausgehalten hatte.

 

Ich beschloss vor dem Duschen joggen zu gehen. Am Abend würden weitere berühmte Schauspieler im Hotel einchecken und dann wäre es wohl nicht mehr ohne weiteres möglich einen Fuß vor die, von Fans belagerten, Türen des Hotels zu setzen.

 

Draußen dämmerte es. Ich musste lediglich die Straße überqueren um mich sofort an einem kleinen Waldweg zu befinden. Ich begann mich zu stretchen und sog die eiskalte Luft tief in meine Lunge. Es brannte, doch es weckte gleichzeitig neue Lebensgeister in mir. Als ich mich gerade hinunter beugte um meine Beine zu dehnen, hörte ich jemanden über den Kiesweg laufen. Die Schritte kamen näher und wurden langsamer, als ich sie fast neben mir vermutete. Es war vielleicht doch nicht die beste Idee im halbdunklen alleine joggen zu gehen, ohne jemanden zu informieren oder mein Handy mitzunehmen. Auf der anderen Seite interessierte es bis auf meine Mum momentan eh niemanden, ob ein Axtmörder mich zu seiner Auserkorenen erwählte.

Ich blickte auf und sah direkt in Masons blaue Augen. Die Erleichterung keinen Axtmörder anzusehen verflog schnell und ich fragte mich einen Moment, ob ein Mörder nicht die bessere Wahl gewesen wäre.

»Guten Morgen.« Sein Gruß klang mehr wie eine Frage und war recht vorsichtig formuliert. Er war sich wohl darüber im Klaren, den Bogen überspannt zu haben als er mich nackt in meinem Bad zurückließ, um sein Date zu treffen.

Ich nickte reserviert und bemühte mich, unbeeindruckt mit meinen Aufwärmübungen weiter zu machen.

»Ava, hör zu. Es tut mir leid wie das am Freitag geendet ist, aber glaub mir es war das Beste so. Das mit uns wäre ein ganz großer Fehler und so sehr ich es auch wollte, es darf einfach nicht sein.«

Das war seine Entschuldigung? Sollte mit einem obligatorischen „Es tut mir leid“ nicht ausgedrückt werden, was man falsch gemacht hat und keine Ansprache darüber folgen, welch großer Fehler ich sei und das es nicht sein dürfe. Seine Entschuldigung war nichts weiter als eine weitere Beleidigung. Er räusperte sich und ich stellte fest, dass ich in meiner Bewegung eingefroren war und in anstarrte als habe ich einen Geist gesehen. Ich richtete mich auf und rannte einfach los.

Comments

  • Author Portrait

    Es bleibt spannend!

  • Author Portrait

    ich würde auch einfach losrennen xD

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