January - Jetzt oder nie 19

 

Ava

Das Training mit Katy lief eher schleppend. Es war Samstagnachmittag und wir probten bereits seit Stunden ohne bisher große Erfolge verbuchen zu können.

Sie war ein so lieber, netter Mensch und eine atemberaubende Schönheit, hatte aber leider das Rhythmusgefühl eines dreijährigen, der zu Weihnachten ein Schlagzeug geschenkt bekam und wild darauf eindrosch.

»Ava ganz ehrlich, das geht nicht. Es ist rein physiologisch nicht möglich, dass meine Hüfte diese Bewegung macht. Da ist bei mir nur fester Knochen, nichts das sich auf und ab, oder hin und her bewegen kann, es sei denn du brichst es mir. « Katy sah mich verzweifelt an und ich musste lachen. Bisher gab es niemanden, dem ich nicht zumindest ein klein wenig Rhythmusgefühl entlocken konnte und Katy würde sicher nicht die erste werden. Das Problem war nicht ihr Körper, sondern ihr Kopf. Sie musste lockerer werden.

»Kathy, ihr habt doch bis Montag Drehpause oder?«

»Ja. Montagnachmittag geht’s erst wieder los. Wieso?« Sie sah mich fragend an.

»Weil du jetzt ein Date für heute Abend hast. Wir beide gehen tanzen und ich verspreche dir, am Ende des Abends bewegt deine Hüfte sich ganz von selbst. «

 

Am Mittag fragten mich einige der anderen Tänzer, ob ich am Abend mit ausgehen wollte. Das „Ivy“ sollte eine absolute Trendlocation sein und sie hatten dort den VIP Bereich gemietet.

Eigentlich hatte ich abgelehnt und wollte den Abend ruhig angehen lassen und endlich einmal entspannen, doch ich befand die Gelegenheit für sehr gut, um Katy ein wenig aus ihrem tänzerischen Schneckenhaus zu locken. Die letzten 2 Wochen bestanden komplett aus Arbeit. Morgens trainierte ich zusammen mit den Tänzerinnen, die im Film in den Stripclubszenen im Backround tanzen sollten und die Nachmittage gehörten Katy. Meist drehte sie vormittags und war dann nachmittags zum Training bei mir.

Abends arbeitete ich dann an den Szenen für den Film und stimmte das, was ich mit Katy erreichen konnte immer wieder mit dem ab, was ich geplant hatte. Bis auf zwei Abende war Mason jeden Tag nach dem Drehen im Proberaum aufgetaucht, hatte mir still, mit undurchdringlicher Miene zugeschaut  und den CD-Player bedient. Wir trafen uns außerdem jeden Morgen um zusammen zu joggen. Obwohl er an den Abenden oft müde aussah, wartete er so lange bis ich mit dem Training fertig war. Es war eine stille Vereinbarung und ich musste zugeben, wenn er schwieg, war er ein unglaublich guter Kerl.  Anfangs verunsicherte mich seine Anwesenheit. Ich wusste nicht was er von mir wollte. Als ich feststellte, dass er scheinbar einfach nur Gesellschaft brauchte, so wie ich, fing ich an zu entspannen. Es war schön eine Routine zu haben und so lange er nicht mit mir sprach und mich nicht berührte konnte er mir auch nicht wehtun.

Der zweite Mann über den ich mir den Kopf zerbrach, war überhaupt nicht vor Ort. Jamie flog vor einer Woche mit seiner Gruppe nach England, um dort Szenen für die Broadwayszenen des Films einzustudieren und die Choreo´s auf die Drehorte abzustimmen. Auch mit Ihm hatte ich seit jenem Abend vor 2 Wochen nicht mehr gesprochen und wusste von seiner Abwesenheit nur durch Katy. Zunächst wollte ich ihm schreiben oder anrufen, doch ich respektierte seinen Wunsch nach Abstand und hoffte unsere Freundschaft dadurch retten zu können.

******

Ich warf einen letzten Blick in den Spiegel und war der Meinung für einen Abend in einem Szeneclub ausgehfertig zu sein. Ich hatte einen leichten Taftrock mit einem schwarzweißen Muster und dazu ein weißes Top mit Wasserfallausschnitt kombiniert. Katy war spät dran und schrieb mir, dass wir uns im Club treffen würden. Sie wohnte hier in NY und war daher eine der wenigen, die nicht im Hotel wohnen mussten. Ich zog einen schwarzen Blazer und meine wunderschönen und unheimlich teuren Manolo Blahniks an. Dass ich sie „günstig“ in einem Secondhand Shop erworben hatte, sah man ihnen ja nicht an.

»Ava, du siehst einfach fantastisch aus.« Katy nahm mich in die Arme. Ihre vollen Lippen waren mit rosa Lipgloss perfekt in Szene gesetzt und sie sah wie ein Püppchen aus mit ihrer makellosen Porzellanhaut und den platinblonden Haaren, die in groben Locken ihr Gesicht umrahmten. Zusammen gingen wir zum VIP Eingang des „Ivory“ und wurde sofort herein gebeten. Es hatte durchaus Vorteile mit Hollywoodstars feiern zu gehen. Eine Bedienstete führte uns hinter eine Absperrung zu einer Treppe. Von dort aus gelangte man auf eine Art riesigen Balkon, der in offene und geschlossene Bereiche eingeteilt war. Die offenen Bereiche waren gefüllt mit Partygästen, welche sich auf den zahlreichen Sitzgelegenheiten niedergelassen hatten. Riesige Flaschen teuren Champagners standen in Kübeln auf den Tischen und es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Die geschlossenen Bereiche waren kleiner gestaltet und komplett mit teuren Stoffen verhangen. Es konnte alles und nichts darin vorgehen, man hatte keine Möglichkeit hineinzusehen. Wie gerne hätte ich einmal Mäuschen gespielt und gesehen, was die Reichen und Schönen dort so trieben.

Als wir den Bereich erreichten, den unsere Kollegen reserviert hatten, wurden wir herzlich begrüßt. Ben, einer der Tänzer forderte Katy sofort zum Tanzen auf und ich nickte ihr fröhlich zu. Mein Plan schien aufzugehen.

»Dafür sind wir hier Katy. Ben kann dir bestimmt mit deiner Hüfte helfen.« Ich lächelte und zwinkerte ihr zu, während sie sich nervös Luft zu fächerte und von Ben auf die Tanzfläche ziehen ließ.

Bis auf die Pausen in der Mensa, waren die Gelegenheiten die anderen Kollegen kennenzulernen recht spärlich gesät, ich stellte jedoch sehr schnell fest, dass es absolut interessante und tolle Leute waren. Tom, einer der Tänzer nahm mich unter seine Fittiche. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt und er stellte mir die eine oder andere Hollywoodgröße vor, wobei sich wiederum herausstellte, dass sie auch nur Menschen waren und sich bis auf Mason keine weiteren Idioten unter ihnen befanden. Katy war bereits längere Zeit mit Ben unterwegs und nach 3 oder 4 Tequila-Shots beschloss auch ich den Balkon zu verlassen und mich unter das Partyvolk zu mischen.

 

Als ich auf der Tanzfläche ankam, winkte Katy mich schon zu sich. Eines meiner aktuellen Lieblingslieder begann  und der Saal fing an zu kochen. Katy war schon viel sicherer in ihren Bewegungen und ich freute mich, dass der Abend hier sie etwas auflockerte. Sie tanzte sehr eng mit Ben und die beiden gaben ein wirklich schönes Paar ab. Ich schloss die Augen und bewegte die Hüften aufreizend im Takt der Musik. Wie von allein hob ich die Arme über meinen Kopf und ließ mich mitreißen.

Ein seltsames Kribbeln zog sich durch meinen Bauch und das Gefühl beobachtet zu werden verstärkte sich von Sekunde zu Sekunde. Ich öffnete die Augen und wusste intuitiv wohin ich schauen musste, um die Person zu sehen, die diese Gefühle in mir auslöste. Mein Blick fiel auf die mir gegenüberliegende Bar. Dort stand Mason umgeben von einer Traube von willigen Mädchen, doch seine volle Aufmerksamkeit galt mir. Ich wusste nicht, ob es am Alkohol lag, oder an der Musik, die die Glücksgefühle durch  meine Adern pumpte, aber ich fühlte mich unglaublich sexy und begehrenswert. Ich begann eine Show abzuziehen, bewegte die die Hüften fast unanständig, ließ die Hände über meinen Körper gleiten und ließ Mason dabei nicht ein einziges Mal aus den Augen. Erst als sich Hände von hinten um meine Hüften legten, erklärte sich mir Masons plötzlich verdüsterte Miene. Erschrocken drehte ich mich um und erkannte erleichtert meinen Gesprächspartner von vorhin.

»Tom, oder?« fragte ich und beugte mich dazu nah zu ihm herüber, damit er mich verstehen konnte.

»Wow, eine Schönheit wie du erinnert sich an einen Normalo wie mich. Meine Woche ist gerettet.« Er zwinkerte mir zu und hielt mir die Hand hin als ein neues Lied begann um mich zum Tanzen aufzufordern. Wieso eigentlich nicht? Er war sehr gutaussehend und hatte scheinbar Interesse an mir. Ich nahm seine Hand und wir begannen uns miteinander zu bewegen. Es dauerte nicht lange, bis die anderen Clubbesucher einen kleinen Kreis um uns bildeten und uns zujubelten. Tom war ein richtig guter Tänzer und gerade als ich Mason für einen kleinen Moment vergaß, spürte ich wieder diesen Blick im Rücken. Verdammt sollte dieser Kerl sein. Das Lied endete und Tom küsste meinen Handrücken um mir für den Tanz zu danken.

»Darf ich dich auf einen Drink einladen?« Mir war eh warm und ich war kurz vor dem verdursten, also sagte ich ja.

Als sei die Bar nicht groß genug, steuerte er natürlich genau den Teil der Theke an, an dem Mason stand. Er nickte ihm zu und wandte sich dann zu mir. Neben Mason stand eine hübsche Brünette, die ohne Pause immer weiter redete. Es war das absolute Gegenteil des schweigenden Umgangs den wir miteinander pflegten. Ob sie das Date war zu dem er an dem Abend in meinem Zimmer noch gegangen war? Die Eifersucht packte mich mit ihren hässlichen Krallen.

Tom sagte etwas, doch ich bekam nur die Hälfte davon mit. Mist, ich sollte mich auf ihn konzentrieren und nicht auf Mr. Scott und seine kleine Freundin. Und ich sollte diese Eifersucht weit von mir weg schieben.

»Sorry, Tom. Was sagtest du?« Es war mir peinlich und ich hoffte darauf, dass er mir den Grund meiner geistigen Abwesenheit nicht  ansehen konnte.

»Kein Problem. Ich fragte wie es mit dem Training läuft. Kommst du gut voran mit der Choreo? Wir könnten vielleicht abends mal zusammen trainieren?«

»Es läuft super. Sie hat fantastische Arbeit geleistet bisher. Sie braucht wirklich keine Hilfe.« Mason hatte seine Frage schneller beantwortet als ich Luft holen und über meinen Eifersuchtsanfall hinwegkommen konnte. Die Brünette Schönheit, die in ihrem Redefluss unterbrochen wurde schaute mich fast angewidert von oben bis unten an. Ich atmete kurz durch und sah zu Tom.

»Ähm. Ja. Ich denke es läuft es ganz gut. Noch habe ich aber kein Feedback von Kent, daher weiß ich nicht ob meine Vorschläge umgesetzt werden.« Einfach nicht auf Mason eingehen lautete die Devise.

» Natürlich nimmt er deine Vorschläge, Moore. Ich hab ihm gesagt sie sind gut. « Die Brünette, die scheinbar schon wieder mitten im Satz von Mason unterbrochen wurde, schnaubte verächtlich und warf mir einen tot bringenden Blick zu. Vielleicht sollte ihr jemand sagen, dass nicht ich sondern Mason sie dauernd unterbrach.

»Du hast ihm gesagt sie sind gut?« Er hatte wirklich etwas Nettes über mich gesagt?

Er zuckte nur mit den Schultern und lächelte. Es war das erste Lächeln das wirklich mir galt und es war umwerfend. Alles an ihm war einfach umwerfend. Meine Gedanken wanderten 2 Wochen zurück. Bilder schossen wie Blitze vor mein inneres Auge. Mein Badezimmer, seine Hände, sein Mund überall auf mir. Der Gedanke an seinen Abgang hatte eine ähnliche Wirkung wie eine kalte Dusche. Ich durfte diesem schönen Gesicht keine Minute vertrauen, er würde mir auf kurz oder lang nur das Herz brechen. Mason sah mir tief in die Augen und ich errötete. Es hatte den Anschein er wisse woran ich dachte.

Schnell wand ich mich wieder Tom zu und versuchte mich selbst von ihm zu überzeugen. Er war süß. Seine schwarzen Haare trug er sehr kurz. Sein Gesicht war recht kantig und er hatte tolle Grübchen wenn er lächelte. Er sah ein wenig zögerlich zwischen Mason und mir hin und her. Wir hatten den Armen scheinbar mit dieser „Ava wird gefragt und Mason antwortet“ Nummer verunsichert.

»Tom du kommst auch aus Chicago hab ich gehört?«

»Ja. Schade dass wir uns noch nie begegnet sind.« Er lächelte spitzbübisch.

»Wer weiß, vielleicht sind wir uns schon über den Weg gelaufen?« Einfacher Smalltalk. Das lag mir.

»Definitiv nicht.« Er strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

»Ein Mädchen wie dich vergisst man nicht.« Er sah mir tief in die Augen und kam etwas näher.

Zeit verlegen zu werden hatte ich nicht, denn kaum hatte Tom ausgesprochen merkte ich wie mir kühle Flüssigkeit am Bein runterlief und Masons Begleitung aufschrie.

»Sag mal spinnst du eigentlich. Weißt du wie teuer das Kleid war? Das krieg ich doch nie wieder raus.« Mason starrte mich an und war überhaupt nicht daran interessiert, dass er mit seinem Glas eine so unglückliche Bewegung gemacht hatte, dass er es zur Hälfte über dem Kleid seines Püppchens und zur anderen, über meinen Beinen ausgeleert hatte. Ich trat einen Schritt beiseite, als sich die Furie wild meckernd Richtung Toilette verabschiedete.

Tom warf mir einen mitleidigen Blick zu und hatte wahrscheinlich Angst nun von mir eine ähnliche Vorstellung erwarten zu müssen.

»Mason Scott.«Ich bemühte mich ernst und böse zu klingen.

» Schuldig.« Erwiderte er und verzog sein Gesicht. Auch er war in Alarmbereitschaft versetzt und erwartete eine Predigt über teure versaute Schuhe.

»Sag mir dass es zumindest sündhaft teurer Whiskey ist, der mir gerade in meine Manolos läuft und kein billiger Eistee.« Ich prustete los.

» Eistee? Miss Moore sehe ich aus wie ein Eisteetrinker?« Er grinste sichtlich erleichtert.

»Nein, natürlich nicht Mr. Scott. Viel eher gleichen sie einem Safttrinker. Darf ich Ihnen einen neuen bestellen?«

» Natürlich, Ananas bitte. Die Damenwelt soll schließlich was von meiner Vorliebe für Säfte haben.« Diese Anspielung auf Ananassaft als Wundermittel für wohlschmeckendes Sperma war für Tom wohl eine Information zu viel.

»Äh Leute, ich muss mal kurz zu den anderen rüber.« Er wandte sich mir zu.

»Ich würde mich freuen wenn wir uns bald wieder sehen. Vielleicht können wir mal was zu zweit unternehmen?« Er sah mich hoffnungsvoll an und in dem Moment war mir klar: Er konnte so nett und gutaussehend sein wie er wollte, mein Interesse galt Mr. Arschloch.

»Klar, wieso nicht.« Ich hoffte es kam überzeugender rüber, als es sich anfühlte. Ich sollte mit ihm ausgehen wollen. Er war sicher toll. Er war Tänzer, wie ich. Er war lustig.

Er war nicht Mason. Das war sein einziger Fehler.

»Meinst du ich hab ihn vergrault?« Wieso hörte sich das nicht wie eine Frage an, sondern total stolz und siegessicher?

»Ich fürchte du hast ihn UND dein Date vergrault. Zwei zu null für dich Scott. «

»Du bist noch hier. Sieg auf der ganzen Linie«  Das war ich.

Seine Stimme klang herausfordernd. Ich musste weg. Schweigend kam ich prima mit ihm klar, aber das hier war gefährlich.

»Nur um dir noch einen schönen Abend zu wünschen. Ich werde mir jetzt ein Taxi rufen und dann im Hotel meine Beine von deinem Eistee befreien.«

Ich verabschiedete mich von Katy, doch sie war so mit Ben beschäftigt, dass sie es nicht tragisch fand, dass ich so früh aufbrach. Glücklicherweise hielt vor dem Club eine Reihe von Taxis. Ich sagte dem erstbesten Fahrer wohin ich musste und war bereits 10 Minuten später im Hotel. Als ich die Schlüsselkarte aus meiner Tasche holte, hörte ich hinter mir Schritte. Ich zog die Karte durch das Schloss und schlüpfte durch die Tür. Jedoch fiel sie nicht ins Schloss, da sie von jemandem mit dem Fuß blockiert wurde.

»Mason? « Eine Reihe strahlend weißer Zähne lächelte mich mit 1000 Watt an. Er hielt mir eine Flasche teuer aussehenden Whiskey vor die Nase.

»Ich dachte du solltest wenigstens wissen, wie das schmeckt, was da an deinem Bein runtergelaufen ist.« Er sah langsam an meinen Beinen hinunter und diese Musterung hatte etwas so intimes, dass mir heiß wurde.

» Ähm…okay? Komm rein.« Mason stellte den Whiskey auf den Tisch und setzte sich auf die Couch.

»Ich hab leider keine Gläser hier.«

»Kein Problem.« Er nahm die Flasche und öffnete den Verschluss.

»Ich habe  keinerlei ansteckende Krankheiten. Und du?«

»Ich?? Ganz sicher nicht. Woher denn auch.« Was redete ich da. Ich konnte auch gleich sagen: Für Krankheiten müsste ich ja mindestens in die Nähe eines Mannes kommen aber kein vernünftiger will mich.

»Hey. Das war mehr als Scherz gemeint, aber gut zu wissen.« Er hielt mir die Flasche hin, die ich zögerlich entgegennahm und einen großen Schluck nahm. Die bernsteinfarbene Flüssigkeit brannte sich ihren Weg durch meine Speiseröhre und hinterließ dann ein warmes, wohliges Gefühl in meinem Magen. Ich nahm einen weiteren Schluck und gab Mason die Flasche zurück. Er lächelte wie ein kleiner Junge und klopfte auf den freien Platz neben sich. Ich überlegte kurz, doch warf dann alle Bedenken über Board.

Ich ließ mich neben ihn auf das Sofa plumpsen, während er einen Schluck nahm. Die Stille zwischen uns zog sich wie Kaugummi. In den letzten 2 Wochen waren wir fast täglich Joggen oder er hatte mir beim Training zugesehen und keiner hatte nur ein Wort gesagt, doch scheinbar waren wir an einem Punkt angelangt an dem selbst schweigen nicht mehr funktionierte.

 

Mason war der, der das Eis brach. »Es wundert mich, dass du Tom nicht kanntest. Soweit ich weiß war, er doch auf derselben Streberschule wie dein kleiner Tanzfreund Donovan.«

»Mason ich weiß nicht wo dein Problem mit Jamie oder mir liegt. Aber nur damit du es weißt: Ich war nicht auf besagter Streberschule und kenne Tom somit nicht von zuhause.«

»Ok, ok. Warst du auf einem Internat außerhalb?« Scheinbar bemühte er sich ernsthaft etwas über mich zu erfahren.

»Wieso soll ich auf einem Internat gewesen sein? Und wieso willst du sowas wissen?« Er nahm einen weiteren Schluck Whiskey und studierte das Etikett.

»Es interessiert mich eben, wer du mal warst.« Das Gespräch nahm eine komische Gestalt an. Ich wusste nicht, ob mir der Mason mit den seltsamen Fragen besser gefiel, als der Arschloch - Mason, trotzdem hatte ich das Gefühl sein Bild von mir in das richtige Licht rücken zu müssen. Ich nahm ihm die Flasche aus der Hand und trank mir noch etwas mehr Mut an. Er musterte mich.

»Ich wurde in Manhattan geboren und ging dort zur Grundschule. Meine Eltern planten, mich auf die Chicago State zu schicken, auf der auch Tom und Jamie waren. Die Anmeldung war bereits abgegeben als herauskam, dass mein Dad seine Sekretärin vögelte. Meine Eltern ließen sich scheiden und mein Vater brannte mit seiner neuen Freundin mitsamt unserer ganzen Kohle ins Ausland durch.

Mom ging mit mir nach Chicago, wir lebten in einem 2 Zimmer Appartment und ich fing mit dem kellnern an als ich alt genug dafür war.  Ich besuchte eine normale staatliche Schule und wurde jeden Morgen an deren Eingang von einem Sicherheitsmann nach Waffen und Drogen durchsucht, da die Kriminalitätsrate in diesem Stadtteil sehr hoch war.« Mason runzelte die Stirn und ich nahm einen weiteren Schluck Whiskey.

Mom putzte damals in einer Tanzschule und die Besitzerin erlaubte mir kostenlos am Unterricht teilzunehmen. Dabei lernte ich meine zwei besten und damals einzigen Freunde kennen.

Emily hast du mit nach NY genommen und die Freundschaft mit Jamie ist auch im Arsch seit ich dich kenne Mr. Scott. Hast du sonst noch Fragen oder reicht dir diese fröhliche kleine Story?«

Mason sah ein bisschen aus als hätte ich ihn geschlagen. Ich wappnete mich innerlich gegen einen blöden Spruch und biss mir auf die Lippe weil ich mich schon jetzt ärgerte so offen gewesen zu sein und mich dadurch verletzlich gemacht zu haben.

»Zeigst du sie mir?« Hatte er zuvor etwas gesagt, was ich vielleicht überhört hatte? Zeigen?

»Ich kann dir grad nicht folgen.«

»Zeigst du mir die Choreografie? Tanz für mich Ava! «

»Du kennst einen Großteil der Choreo.«

»Ich habe dich nur beim Proben gesehen, immer nur einen Bruchteil einer Bewegungsfolge. Ich will sehen wie du aussiehst, wenn du es für mich tust.«

Ein Schauer jagte über meine Haut. Sein Blick war so düster wie die Nacht. Mein Herz setzte einen Schlag aus und mein Unterleib zog sich zusammen. Ich verstand den abrupten Themenwechsel nicht und normalerweise hätte ich ihn für verrückt erklärt doch ich hörte mich bereits "Ja" sagen, bevor ich überhaupt richtig darüber nachdenken konnte.

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beta
Fairy Dust

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