January - Jetzt oder nie 29

AVA

Ich spürte, wie der Kaffee meinem, vom Schlaf vernebelten Hirn, zu Klarheit verhalf. Wenn man die kleinen Nickerchen zwischen all den Gedanken an Mason wirklich Schlaf nennen konnte. Mum hatte gar nicht wegen der Bilder angerufen, sondern weil mein Vermieter einen Wasserschaden in meiner Wohnung gemeldet hatte. Mein Fußboden und alles was darauf stand war hinüber. Nicht, dass ich viele Sachen besaß. Alles was mir wichtig war hatte ich mit nach New York genommen, da ich einen Vertrag über 6 Monate hier hatte. Obwohl meine Bleibe für die nächsten 5 Monate somit noch sicher war, war es kein schönes Gefühl gerade keinen Ort zu haben an den ich zurückkehren konnte. Mom und ihr Freund waren dort um all das zu retten, was noch zu gebrauchen war. Der Vermieter wollte den Rohrbruch nun zum Anlass nehmen, das komplette Haus zu Renovieren und dann eine höhere Miete dafür verlangen. So hoch, dass ich mir definitiv eine neue Bleibe suchen musste. Da ich eine selbstzerstörerische Ader habe, beschloss ich, mir nach dem Telefonat die Bilder meiner kleinen Hollywoodaffäre anzuschauen. Als meine Laune den absoluten Tiefpunkt erreicht hatte, meldete Mason sich zu allem Überfluss per SMS. Nicht, dass ich mir nicht gerne angehört hätte was er zu sagen hatte, doch ich wusste ich würde ihm alles glauben und mich von ihm um den Finger wickeln lassen. Genauso gut konnte ich mir einen Holzpflock ins Herz jagen, das Ergebnis wäre das selbe.  

 

»Gut geschlafen wäre jetzt ne blöde Frage oder? Du hast dir die Bilder eh angesehen.« Katy riss mich aus meinen deprimierenden Gedanken.

»Du bist so intelligent, Katy.« Mein Lächeln war fast echt. Sie verdrehte die Augen.  

Die Gegensprechanlage ertönte und einer von Katys Securitymännern meldete sich.

»Miss Easten, hier steht ein junger Mann namens James Donovan vor der Türe und möchte zu Miss Moore.«

Katy sah mich fragend an, wissend was zwischen Jamie und mir vorgefallen war. Ich nickte.

»Lass ihn rein.«  

Als Jamie in der Küche erschien, fielen mir sofort die dunklen Ringe unter seinen Augen auf. Er war die ganze Nacht unterwegs, wegen mir. Ich konnte die Tränen nicht zurückhalten.

Er streckte die Arme aus. »Komm her Baby.« Ich rannte zu ihm und er schloss die Arme um mich. Er hielt mich fest und strich mir über das Haar. »Es tut mir so leid, dass dir sowas widerfahren musste.«

»Nein, ist schon ok. Danke, dass du da bist.« Meine Tränen gerade galten nicht der ganzen Misere rund um Mason, sondern waren viel mehr Freude darüber, dass ich meinen besten Freund wieder hatte.

»Ava ich bin immer für dich da. Es tut mir leid, dass es eine Zeit lang nicht so war. Du kannst dich voll auf mich verlassen.« Auch an ihm ging das alles nicht spurlos vorbei.

Nachdem ich mich beruhigt hatte, setzten wir uns an den riesigen Küchentresen.

 
»Leute, ich bin weg. Ben trainiert heute ein bisschen mit mir.« Katy hing sich ihre Tasche um und schnappte sich ihre Jacke.

Ich hob die Augenbrauen. »Zeigt der Gute dir, wie du am besten mit der Hüfte kreist?«

Lächelnd, nahm sie ihre Schlüssel.
»Kein Kommentar. Du kommst klar?«

»Ja, danke!«  

Als wir allein waren machte Jamie ein ernstes Gesicht.

»Ich weiß, dir wird viel zugemutet gerade, aber ich denke du solltest es von mir erfahren.«

»Was erfahren?«

»Mason hat heute Morgen eine Pressekonferenz gegeben, in der er sich zu den Bildern geäußert hat. Es wird heute in allen Mittagsmagazinen laufen.«

»Du verarschst mich…«

»Schön wäre es. Es gibt nur Gerüchte aber nichts Konkretes, was er der Presse gesagt hat. Hast du seit gestern Nachmittag nochmal mit ihm gesprochen?«

»Nur ein paar SMS.« Ich hielt Jamie mein Handy mit den Nachrichten unter die Nase.

»Er scheint es ernst zu meinen, aber der Kerl ist durchtrieben. Wir sollten auf jeden Fall einen Anwalt einschalten um auf alles vorbereitet zu sein.«

»Einen Anwalt. Nein. Ich….ich will das nicht. Es wird schon nicht so schlimm sein.« Ich wollte einfach nicht glauben, dass Mason mir absichtlich schaden wollte.

Jamie sah mich verzweifelt an. Er wusste, er hatte keine Chance gegen mich und meinen Willen. Er schloss die Augen und rieb sich mit zwei Fingern über den Nasenrücken.

»Wie du willst. Kann ich zumindest hier bleiben und wir sehen uns das gleich gemeinsam an?« Ich lächelte ihn an.

»Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du bei mir bleibst.«

*****

Mein Herz raste. Ich hörte meine Puls in meinen Ohren widerhallen und meine Hände waren kalt und verschwitzt. Gerade hatte die Nachrichtensprecherin berichtet, dass Mason Scott heute Morgen ein Interview gegeben und sich erstmalig zu den Fotos mit der fremden Frau geäußert hat. Sie kündigte an, dass das Interview nach nur einem Werbespot auf ABBC erstmalig zu sehen sein würde.

Der Spot lief noch und rechts unten im Bild wurden die verbleibenden Werbesekunden eingeblendet. Mir wurde bei jeder Sekunde, die weniger verblieb noch schlechter. Jamie saß neben mir auf dem Sofa und nahm meine Hand. Ich zitterte.

»Baby, es wird schon nicht so schlimm sein.«

Masons Gesicht tauchte auf dem Bildschirm auf. Mein Herz sprang über. Ich sah nicht mehr den berühmten Schauspieler in ihm. Ich sah den Mann, der mir, wenn auch nicht oft oder lange, ein kleines Stück seiner Seele gezeigt hatte. Der mir Blicke voller Zuneigung geschenkt hatte. Als er begann zu sprechen, hielt ich die Luft an.

»Vielen Dank, dass sie alle so kurzfristig erschienen sind. Ich möchte gleich vorab sagen, dass ich keinerlei Fragen beantworten werde und jegliche falsche Auslegung meiner Äußerungen, oder Belästigungen gegenüber der Dame um die es geht, wird von meinen Anwälten so lange, in jeder erdenklichen Instanz verklagt, dass sie froh sein können, wenn sie danach noch einen Job als Texter für Glückskekse ergattern können.« Man hörte ein Raunen in den Reihen der Journalisten und Masons Gesicht wurde durch tausende Blitzlichter erhellt.

»Nun, wo wir das geklärt hätten, möchte ich sie nicht länger auf die Folter spannen. Wie sie bereits alle fleißig recherchiert haben, handelt es sich bei der Dame auf besagten Bilder um meine Kollegin, Miss Ava Moore.«

»National News, eine Frage Mr. Scott.« Mason blickte zu einem der Wachmänner, die um ihm herum positioniert waren. Der Wachmann ging augenblicklich zu dem fragenden Reporter und beförderte ihn aus dem Raum.

»Meine Herrschaften, ich hoffe dieser Zwischenfall hat ihnen noch einmal vor Augen geführt, dass ich es ernst mit meinen Anforderungen an sie, als meine heutigen, stummen Gesprächspartner gemeint habe. Nun, wie schon erwähnt, handelt es sich bei den Bildern um Originalaufnahmen von meiner Kollegin Ava Moore und mir. Ich möchte ihnen gerne etwas über den Hintergrund zu diesen Bildern erzählen. Sicher haben sie sich bereits gefragt wieso eine derart hübsche Frau Tränen vergießen musste.« Er machte eine lange Pause und blickte auf das Pult vor ihm bevor er weitersprach.

»Der Grund ist, dass ich mich ihr gegenüber nicht korrekt verhalten habe. Ich allein war dafür verantwortlich, kein Zufall, kein Missverständnis, einfach ich Mistkerl. Leider ist mir mein Verhalten erst jetzt, wo es zu spät ist wirklich bewusst geworden.«

»Ich möchte die Öffentlichkeit und vor allem dich Ava,« Er blickte nun direkt in die Kamera und es fühlte sich an als würde er genau vor mir stehen. »…darüber informieren, dass ich kämpfen werde. Ich möchte nächtelang wach bleiben um dir beim schlafen zuzusehen und deinem Atem zu lauschen. Ich möchte für jedes Lächeln auf deinem wunderschönen Gesicht verantwortlich sein und keines davon je wieder verpassen.« Mein Herz schmerzte so sehr in meiner Brust, dass mir die Luft wegblieb. Meine leisen Tränen hatten sich in tiefes Schluchzen verwandelt.  

»Ava Moore, ich habe dir so vieles zu erklären und ich habe so vieles wieder gut zu machen. Bitte gib mir die Chance der Mann zu sein, der ich wirklich bin und der ich für dich sein will. Ich möchte dir für jedes einzelne schlechte Wort, das ich dir gegenüber verloren habe einhundert Mal sagen, dass ich dich liebe. Denn das tue ich. Ich liebe dich und du fehlst mir. Ich weiß dass ich dich nicht verdient habe, aber wenn du mir die Chance gibst es wieder gut zu machen werde ich dich den Rest meines Lebens auf Händen tragen. Sei um 14 Uhr dort, wo ich dich zum ersten Mal küssen durfte und mach mich zum glücklichsten Mann auf der Welt.«

Damit war das Interview beendet. Ohne auf die Reporter zu reagieren verschwand Mason von der Bühne.

»Er liebt mich?«  

Jamie lächelte mich an. »Nach dem Auftritt…sieht ganz so aus. Was wirst du jetzt tun?«

»Meinst du wir können einen der Men in Black vor der Türe überzeugen, mich zum Hotel zu fahren? Ich muss mit Mason sprechen und er sollte der erste sein, dem ich sage was ich zu sagen habe.«


Comments

  • Author Portrait

    Wow! Sooo schön, nun mag ich Mason auch ;-) Du hast das so toll geschrieben! Wundervoll!!

  • Author Portrait

    awwwwww :)

  • Author Portrait

    Jetzt bin ich wirklich Tussi...mit feuchten Augen...

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