January - Jetzt oder nie 36

AVA


Ave……Ave…. Dieser Spitzname weckte etwas in mir, aber immer wenn ich das Gefühl hatte die Erinnerung war so nah sie fast greifen zu können, zerplatzte sie wie eine Seifenblase. Die Art wie er meinen Namen aussprach erzeugte bei mir eine Gänsehaut.

Ich machte mich frisch, kämmte mein Haar und zog eine Jogginghosen – Top – Kombination an, die zumindest farblich zusammen passte. Ich kletterte in das Krankenhausbett und schaltete den Fernseher ein. Um Punkt 8 Uhr klopfte es an der Türe und Mason erschien mit einer riesigen Tüte Popcorn im Arm. Er trug tatsächlich eine karierte Pyjamahose und ein schwarzes T-Shirt. Neben diesem Mann aufzuwachen musste jeden Morgen zu einem Highlight machen. Wieder blitzten Erinnerungen vor meinem inneren Auge auf und wieder waren sie von so kurzer Beschaffenheit, dass ich sie nicht greifen konnte. Ich fasste mir an den Kopf und ärgerte mich tierisch, dass ich die Gedanken nicht festhalten konnte. Mason musste die Situation falsch gedeutet haben, denn in einem Sekundenbruchteil saß er auf meiner Bettkante und machte einen besorgten Gesichtsausdruck.

»Ave? Soll ich den Arzt rufen? Hast du Schmerzen?« Er sah beängstigt aus. Ich nahm schnell die Hand von meinem Kopf und lächelte ihn an, um ihn zu beruhigen.

»Nein. Alles gut, wirklich. Ich habe nur seit unserem Spaziergang so seltsame Gedanken. Ich glaube es sind Erinnerungen, aber sie sind so schnell wieder weg, dass ich nichts damit anfangen kann.«

»Sag mir woran du gedacht hast als die Erinnerungen kamen. Vielleicht kann ich dir ja helfen.«  

»Ich glaube nicht. Ich weiß auch gar nicht so wirklich woran ich gedacht habe. » Es war so unglaublich peinlich. Meine Gedanken glichen denen eines fanatischen Teenies, er würde mich nur auslachen.  

»Ave. Wieso lügst du mich an?« Seine Mundwinkel zuckten. Er hatte einen so schönen Mund. Wieder ein Blitz. Mein Körper prickelte. Er verursachte in mir die reinste Gefühlskirmes.

»Ich weiß nicht was ich von dem Ganzen halten soll. Du bewirkst komische Dinge bei mir. Ich meine, ich habe die SMS zwischen uns gelesen, mein Klingelton für dich, die Tatsache, dass du dich im TV bei mir entschuldigt hast. All das sollte mich dazu bringen mich von dir fernzuhalten.« Mason nickte und rückt ein Stück von mir ab.  

»Du hast recht. Ich war ein Arsch dir gegenüber. Du hast definitiv Besseres verdient und wenn ich könnte, würde ich mich von dir fernhalten. Aber auf dich bezogen bin ich schwach und egoistisch.« Er machte Anstalten aufzustehen, doch ich hielt seine Hand fest.  

»Ich war noch nicht fertig. Das war das, was mein Kopf mir sagt und was mein Verstand aus den Fakten schließt. Aber diese Erinnerungen…die sagen mir was anderes. Ich kann es nicht zuordnen und es macht mir Angst weil es mir die Luft zum Atmen nimmt.«

»Das ist ja noch schlimmer als die Fakten.« Er atmete betrübt aus.

»Nein, es fühlt sich gut an. Aber es ist überwältigend. Wenn ich wenigstens wüsste was diese seltsamen Gedanken sollen.«

»Dann lass mich dir helfen. Was hat den ersten Gedanken ausgelöst?«

»Es ist mir echt peinlich. Es ist schwer zu beschreiben, aber es waren zwei Dinge die sich so anfühlten, als gehörten sie zur selben Erinnerung.«

»Ava, ich schwöre dir, ich werde dir völlig wertfrei antworten.« Er schien das ernst zu meinen. Er wollte wirklich nur helfen. Was also hatte ich zu verlieren?

»Okay…also, als du mich Ave genannt hast, hatte ich das Gefühl das kommt mir bekannt vor. Und dann, als du in den Klamotten rein kamst eben«, ich deutete auf seine Hose, »Ich hab darüber nachgedacht wie du morgens aussiehst und dann kam wieder dieses Gefühl. Kannst du damit was anfangen?« Ich sah in vorsichtig an und er grinste von einem Ohr zum anderen. Na super, ich machte mich zur Lachnummer.

»Ohja, wie könnte ich damit nichts anfangen. So habe ich dich zum ersten Mal genannt, als du morgens in meinem Bett aufgewacht bist.« Er sprach mit voller Absicht nicht um meine Reaktion in vollen Zügen auskosten zu können.

»Fuck.« O Gott ich war in seinem Bett. Das erklärte natürlich die Verbindung dieser Erinnerungen. Mir wurde heiß.

»Gibt es sonst noch etwas, dass dir einfällt Ave?« Seine Stimme klang nicht weiter belustigt, sondern dunkel und gefährlich.

Bevor ich darüber nachdenken konnte, sprach ich es aus. »Dein Mund.«

Mason atmete tief durch die Nase ein, so das seine Nasenflügel sich leicht aufblähten. Er schien seinen eigenen inneren Kampf auszufechten. Ich sah ihn unsicher an und er blickte  umso selbstsicherer zurück.. Dann ließ er seinen Blick über meinen Hals, bis hinunter zu meinen Brüsten wandern. Mir wurde heiß und kalt zugleich als er sich zu mir herüberbeugte und mit ins Ohr flüsterte: »Ich könnte dir sagen, mein Mund weckt deine Erinnerungen an jedes Mal, das ich dich geküsst habe.« Sein Atem kitzelte meine Hals und ich beugte den Kopf ganz leicht, fast unmerklich ein wenig zur Seite weil dieses Kribbeln sich so gut anfühlte als er weitersprach. »Aber wenn ich mir das hier so ansehe, scheint dein Körper sich besser an meinen Mund zu erinnern. Du beugst den Hals durch, weil er sich daran erinnert wie ich ihn federleicht mit den Lippen gestreift habe, auf dem Weg hinunter zu deinen Brüsten.  

Deine harten Brustwarzen erinnern sich daran, wie ich sie mit den Lippen umschlossen und mit den Zähnen darüber gefahren bin. Deine Haut war damals genauso gerötet wie sie es jetzt auch ist. Dein Atem stockte genauso wie er es gerade tut, als ich mit besagtem Mund weiter hinunter gewandert bin. Wie ich dich dazu gebracht habe, mir zu sagen, dass ich deine Pussy lecken soll.« Erinnerungen blitzten auf. Verschwitzte Körper in einem Bett, dann wieder ein Badezimmer, die Dusche. Es waren nur einzelne nicht zusammenhängende Bilder.  

Meine Hand wanderte über seine Brust. Seine Lippen streiften von meinem Ohr, über meine Wange und verweilten, scheinbar wartend, an meinem Mundwinkel. Ich drehte den Kopf leicht, überbrückte die fehlenden Zentimeter und endlich spürte ich seine Lippen federleicht auf meinen. Meine Hände wanderten zu seinem Nacken und zogen ihn näher zu mir. Ich drückte meinen Oberkörper an seinen. Ein knurren entsprang seiner Kehle. Ich strich mit meiner Zunge über seine Lippen und er öffnete den Mund. Wahrscheinlich hatte er zuvor schon von dem Popcorn gegessen, denn er schmeckte süß. Seine Zunge streichelte meine und löste ein Feuer aus, welches sich nun durch meine Adern schlängelte. Mein Verlangen nach ihm wuchs in jeder Sekunde und ich wusste nicht wohin mit all den Hormonen und dem Verlangen ihn zu spüren. Ich stöhnte auf, als Mason den Kuss unterbrach und mein Gesicht in beide Hände nahm.

»Baby, ich will das hier mehr als du dir vorstellen kannst und ich hasse mich gerade selbst für das was ich jetzt sage. Aber…ich kann das nicht. Wir können das jetzt nicht tun. Ich will, dass du dich an alles erinnern kannst, was vorher war. Ich will dass du es dann noch immer willst. Ich will, dass du mich dann noch immer willst. Ich kann das hier nicht ausnutzen. Bitte verzeih mir.« Er gab mir einen unschuldigen Kuss auf die Wange, stand auf und verließ mein Zimmer.

Ich saß perplex in meinem Bett. Die Enttäuschung darüber, dass er einfach gegangen war wuchs immer weiter an. Zunächst konnte ich meine Gefühle nicht verstehen, doch dann fügte sich zu der Enttäuschung eine Gewissheit, Verachtung, Schmerz und dann flammten Bilder auf. Es waren diesmal keine Blitze. Es war wie ein Film der zunächst in Schwarzweiß ohne Ton lief und sich langsam veränderte, Farben entwickelte, immer lauter wurde. Aufzugtüren schlossen sich, ich stand alleine in einer Dusche, Blitze auf der Dachterrasse. Ein Abschied vor meiner Hotelzimmertüre. Schmerz. Alles war wieder da.

Mason hatte mir wirklich geholfen mich zu erinnern. Und wie alles, was Mason zustande brachte, tat es auch jetzt einfach nur weh.

Comments

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    mein gott du quälst uns hier

  • Author Portrait

    Das darf doch nicht wahr sein!!!

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