January - Jetzt oder nie 37

MASON

Es dauerte ewig in der Nacht Schlaf zu finden. Ich spürte Avas Lippen immer noch und ihre Berührungen hatten sich in meine Haut eingebrannt. Nie zuvor musste ich derart viel Selbstbeherrschung aufbringen um nicht zurück in ihr Zimmer zu rennen und ihr die Kleider vom Leib zu reißen. Doch es war das richtige zu gehen, bevor mehr passieren konnte. Bevor sie es bereuen würde, sollte ihre Erinnerung zurückkehren. Es machte mich wahnsinnig nicht zu wissen wie ihre Entscheidung auf mich bezogen ausgefallen wäre, wäre dieser Unfall nicht passiert. Wie armselig es doch für außenstehende aussehen musste, dass ich dem Krankenhaus eine sehr großzügige Spende hab zukommen lassen um in einem Krankenzimmer wohnen zu dürfen. Solange kein Bettenmangel vorlag, gewährte man mir dies jedenfalls.  

Jetzt konnte ich nur hoffen und abwarten. Beides zählte ich nie zu meinen Stärken. Ich war nach so kurzer Zeit bereit alles für diese Frau aufzugeben. Meine Karriere, mein Geld, meine Besitztümer, nichts war von Bedeutung seit mein Kopf die Entscheidung meines Herzens teilte.  

 

Nachdem ich eh nicht wieder einschlafen konnte, entschied ich das erste Mal seit Wochen joggen zu gehen. Der Park des Krankenhauses war zwar nicht annährend so groß, dass es an die Strecke herankam, die ich für gewöhnlich lief, aber es war besser als nichts.

Es war ungewohnt alleine unterwegs zu sein. Obwohl wir nie miteinander sprachen wenn wir joggten,  fühlte es sich ohne sie zu still an. Der gestrige Abend ließ die Hoffnung aufkeimen, dass wir zueinander finden konnten. Sie fühlte sich nach wie vor zu mir hingezogen und wenn ich nur die Chance bekam ihr zu zeigen, welcher Mensch ich wirklich war, hatten wir vielleicht eine Chance.  

 ***

Die Floristin im Krankenhaus war so nett mir bereits vor Öffnung ihres Ladens eine Rose zu verkaufen (okay, sie schenkte sie mir im Tausch für ein Autogramm). Strahlend wie ein Honigkuchenpferd ging ich den Flur entlang um Ava zu besuchen. Als ich gerade in ihren Gang einbog, kam mir Dr. Bennett entgegen.

»Ah, guten Morgen Mr. Scott. Schöner Tag heute oder?«

»Guten Morgen Dr. Bennett. Ja, ich denke das könnte ein guter Tag werden.«

»Ava hat sich wirklich sehr gefreut, dass sie heute nach Hause kann. Beeilen Sie sich, sie packt schon.«

»Sie kann nach Hause? Ist das nicht gefährlich?« Ich taumelte zwischen der Freude Ava zu mir nach Hause zu holen und der Angst es könnte ihr gesundheitlich noch nicht gut genug gehen.

»Alles in Ordnung Mr. Scott. Die Werte sind alle so wie sie sein sollten. Ava kommt alle 2 Tage zur Untersuchung, das reicht völlig.«

»Danke Dr. Bennett, für alles.« Ich schüttelte ihm die Hand und verabschiedete mich um so schnell wie möglich zu ihr zu können.



Strahlend öffnete ich die Türe zu Avas Zimmer.  

»Einen wunderschönen guten....« , Ava sah mich seltsam an und Katy zuckte mitleidig mit den Schultern, sodass der Rest meiner Begrüßung in einer Frage endete,« Morgen...?« Avas Gesicht war gerötet was bedeutete, dass sie sauer oder erregt war. Letzteres schloss ich nun einfach mal aus.

»Ähm ich lass euch beide kurz allein.« Katy stand auf und flüchtete aus dem Zimmer.

Ava packte, völlig unbeeindruckt darüber, dass ich wie bestellt und nicht abgeholt in ihrem Zimmer stand, weiter ihre Tasche.

»Du wirst also entlassen...«  

»Wow, dass dir das aufgefallen ist.« Sie sah mich nicht an und der Sarkasmus in ihrer Stimme war deutlich.  

»Du bist sauer?«

»Welch ein Blitzmerker du doch bist.« Sie verschwand im Bad und ich hörte Gegenstände rascheln und klimpern.

»Darf ich fragen wieso?«

Sie tauchte im Türrahmen auf und sah mich an. »Mason, ich erinnere mich. Vielleicht nicht unbedingt an alles, aber dein Abgang gestern Abend hat mir die Augen geöffnet. Immer wieder hast du mich ohne Erklärung abgewiesen und stehen gelassen. Dauernd hatte ich das Gefühl deiner nicht würdig zu sein. Ich weiß nicht, was du mit deinem aktuellen Verhalten erreichen willst, aber du kannst aufhören dich zu bemühen.«

»Ave, können wir in Ruhe zuhause darüber reden? Ich kann dir nicht alles erklären aber ich möchte es wirklich versuchen. Ich weiß, ich habe einen Haufen Fehler gemacht und so gern ich wollte, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen.«

»Es ist mir egal was du zu sagen hast. Ich habe mich lange genug wegen dir schlecht gefühlt. Fahr du nur nach Hause. Ich gehe zu Katy.« Ava brüllte so laut, dass Katy wieder zur Türe hereinkam um zu sehen was los war. Ich beachtete sie nicht weiter.

»Ava verdammt. Da bist du nicht sicher. Diese Reporter sind überall.« Ich musste sie doch irgendwie zur Vernunft bewegen können.

»Lieber werde ich von hunderten Reportern belagert, als mit zu dir zu gehen. Ich habe dich so oft angebettelt, mir endlich zu sagen was ich dir getan habe, wieso du dich so verhältst aber nichts. Du hattest deine Chance Mason. Oder möchtest du mir jetzt etwas dazu sagen?« Wie gerne wollte ich ihr sagen dass es ein Missverständnis war, dass ich ein Idiot war...aber ich musste an Emily und Mia denken. Ich konnte Ava nicht in ihr Geheimnis einweihen, wenn sie in einer solchen Stimmung war. Sie würde Donovan sofort alles sagen. Em sollte die Chance haben das selbst zu tun.  

»Ich würde gerne aber...«

Sie unterbrach mich. » Mason weißt du noch? Du hast versprochen mich nie allein zu lassen, es sei denn ich bitte dich darum?« Ich nickte vorsichtig und versuchte mich innerlich für das zu rüsten, was jetzt kam.

»Gut. Ich bitte dich, Mason Scott, zu gehen. Lass mich in Ruhe und such dir eine andere mit der du deine Spielchen spielen kannst.« Treffer und versenkt. Ich wusste nicht ob mich ihre Worte oder der Hass in Ihren Augen mehr traf. So musste es sich anfühlen, wenn man jemandem bei lebendigem Leib das Herz heraus riss. Wenn das Liebe war, dann wusste ich, wieso ich bisher Abstand von solchen Gefühlen genommen hatte.

Ich setzte an etwas zu sagen, doch in meinem Kopf war nur noch völlige leere. Stille. Mein Hirn lokalisierte einen dumpfen Schmerz in meiner Hand und ich ließ automatisch die Rose fallen. Durch meinen festen Griff um den Stiel hatten sich die Dornen tief in meine Haut gebohrt und blutende Wunden hinterlassen. Wie sinnbildlich für diese ganze Situation.  Ich wendete mich zu Katy und holte meinen Schlüssel aus der Hosentasche.

»Tu mir einen Gefallen und fahrt zu mir. Ich sage Henry Bescheid, er kennt den Weg.«

Langsam drehte ich mich zu Ava um, die bereits zu einer wütenden Antwort ansetzte und begann zu sprechen bevor sie mich zum Teufel schicken konnte.

»Ich komme nicht mit. Keine Sorge. Ich gehe wieder ins Hotel. Bleibt so lange ihr wollt, aber mindestens lang genug um den Reporten aus dem Weg zu gehen. Ich finde einen Weg sie von dir fernzuhalten. Ich verspreche dir......« , ich holte tief Luft um mich kurz zu sammeln, da ich merkte wie meine Stimme versagte, »Ich verspreche dir ich werde dich nicht mehr belästigen.« Avas Augen glänzten verdächtig, aber sie bemühte sich so reglos wie möglich zu bleiben. Als sie kaum merklich nickte, drehte ich mich zu Katy, der eine Träne die Wange herunter kullerte und drückte ihr meine Schlüssel in die Hand.  

»Pass auf sie auf.« flüsterte ich ihr zu bevor ich hinaus auf den Gang trat.

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