January - Jetzt oder nie 39

AVA


»Süße, es tut mir so leid. Ich hab wirklich alles versucht, aber solange Mason nicht dreht, müssen wir anderen all das vordrehen für das wir seine Anwesenheit nicht benötigen.« Katy zog ein trauriges Gesicht.

»Katy, zum hundertsten Mal : Ich komme hier klar und es ist nicht schlimm!«

»Aber wir wollten dir doch mit deiner Choreo helfen. Außerdem hast du bald Geburtstag und somit steht auch Weihnachten vor der Tür. Wir können dich doch nicht hier allein lassen.« Sie war kurz davor in Tränen auszubrechen.  

Natürlich wäre es schön gewesen, mit Jamie und ihr Weihnachten zu feiern und ausgerechnet bei meiner Choreo, wies mein Gedächtnis erhebliche Lücken auf. Zwar hatte ich Aufzeichnungen aber es lief nicht rund und Jamies Hilfe wäre super gewesen. Doch die beiden mussten wieder nach England, um den Film fortzusetzen und ich wollte ihnen dabei nicht im Weg stehen. Kent zeigte sich zwar verständnisvoll was Masons Pause betraf als ich im Krankenhaus lag, aber das er nun noch weitere Wochen aussetzte ging ihm gehörig gegen den Strich. 

Da meine Mum die Feiertage auf Hawaii verbrachte, wollte ich die Zeit nutzen, um an meinem Beitrag zum Film zu arbeiten. Arbeit lenkte wenigstens ab.

»Süße, ich weiß. Und es wäre toll mit euch zu feiern. Aber der Film geht jetzt vor. Wenn ich alleine bin hab ich Ruhe um die Choreo wieder hinzukriegen und meinen Geburtstag feiern wir einfach nach ok?«

»Ok. Aber wenn was ist, meldest du dich sofort!« Die Sorge wich trotzdem nicht aus Ihrem Gesicht.

»Versprochen.« Wir umarmten uns innig und nach weiteren Minuten des Abschieds verließ Katy mit einem riesigen Koffer Masons "Schloss".

 

Ich hatte noch immer Orientierungsprobleme in diesem riesigen Haus und nun war ich allein dort. Mit 4 Schlafzimmern, 5 Bädern, einer Küche die größer war als meine ganze Wohnung in Chicago, einem Speisesaal mit einer Tafel, die man locker für 30 Personen decken konnte, einem Wohnzimmer in dem an der Wand ein kleiner Wasserfall herunterlief, einen Keller, der 3 Fitnessräume beinhaltete und etliche Gängen und Flure, die alle gleich aussahen war es leicht sich zu verlaufen. Das Haus lag sehr abgeschieden in einem kleinen New Yorker Vorort und es war in einem Radius von mehreren Hektar umzäunt. Um hineinzugelangen, musste man ein riesiges Tor passieren und dann waren es noch mehrere hunderte Meter bis zum Hauptgebäude. Auf dem Grundstück konnte man sich verlaufen und ich wusste noch nicht wie ich es finden würde hier allein zu sein.

Bisher waren immer entweder Jamie oder Katy bei mir und die Verzweiflung über meine Choreo lenkte mich so gut es ging ab. Doch spätestens Nachts, wenn ich im Bett lag und nicht schlafen konnte, wanderten meine Gedanken zu Mason. Wäre er nur eine Minute länger im Krankenhaus geblieben, wahrscheinlich hätte ich meine Meinung geändert. Es tat so weh ihn ein zweites Mal zurückzuweisen. Sein Blick damals und der Fakt, dass er mich hier alleine wohnen ließ, bestätigten dass er es wirklich ernst mit mir meinte. Er sah so unglaublich verletzt aus als ich ihn bat zu gehen. Aber wie sollte ich einem Mann vertrauen, der mir die Wahrheit verschwieg und mich so oft verletzte?

Ich hörte wie die Haustüre ins Schloss fiel, nahm mein Glas vom Küchentresen und ging zurück zur Eingangshalle. Nach so kurzer Zeit konnte es nur Katy sein, die etwas vergessen hatte.

»Katy du musst wirklich deinen Kopf besser.....« Vor Schreck über den unerwarteten Besucher, rutschte mir mein Glas aus der Hand.

»Hi Ava.«

 ***

»Oh mein Gott...Emily. Ich glaub es nicht.« Ich rannte die letzten Meter bis zu ihr und nahm meine beste Freundin aus Kinder,- und Jugendtagen in den Arm.

Emily schluchzte und uns beiden fehlten die Worte. Wir hielten uns eine gefühlte Ewigkeit einfach nur in den Armen und beweinten die Tatsache uns so lange nicht gesehen zu haben und die Freude darüber, dass wir uns endlich wieder hatten.

Emily war die erste die unser Schweigen brach.

»Gott Ava. Ich hab dich so vermisst in den letzten Jahren. Kannst du mir verzeihen, dass ich einfach gegangen bin?« Ich war so froh sie zu sehen, ich dachte nicht mal im Traum daran ihr böse zu sein.

»Was ist das denn für eine Frage? Natürlich kann ich das. Komm wir gehen ins Wohnzimmer, ich hab den Kamin eben angemacht.«

Wir unterhielten uns eine ganze Weile über Nichtigkeiten, wie den kalten Winter in New York  oder was aus alten Freunden geworden war, doch irgendwann wurde Emily ernst.

»Ava. Hätte ich früher gewusst, was ich heute weiß, ich hätte vieles anders gemacht. Du musst mir bitte versprechen, dass du das was ich dir jetzt erzähle unter allen Umständen für dich behältst. Kann ich mich darauf verlassen?« Sie sah wirklich verzweifelt aus.

»Natürlich Em. Du kannst mir immer alles sagen. Daran hat sich doch nichts geändert.«

»Okay...also. Damals als ich zu Mason gezogen bin...Ich war schwanger.«

»Du warst was? Wieso hast du nichts gesagt?« Ich verstand die Welt nicht mehr. Wir erzählten uns damals wirklich alles und wussten jedes noch so unwichtige Detail voneinander.

»Ja, ich war schwanger. Ich habe es 2 Wochen nachdem Jamie an der Juilliard School angenommen wurde erfahren. Du weißt welch ein Kampf es für ihn war das bei seinem Dad durchzuboxen.«  

Ich konnte mich zu gut an die Tragödie erinnern. Jamie war der glücklichste Mensch auf Erden, als er die Zustimmung von Mr. Donovan Senior erhielt und da dämmerte es mir.

»Du wusstest er würde es abblasen...«

Tränen sammelten sich in Emilys Augen, »Ich wollte dass er all das bekommt wovon er träumt.«

»Aber Em, du warst alles was er brauchte um glücklich zu sein. Er war nicht mehr der selbe nachdem du gegangen bist.. Hast du....hast du das Kind bekommen?«

Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. »Ja. Und das war die beste Entscheidung meines Lebens. Du hast Mia sogar schon kennengelernt. Ich weiß nur nicht ob du dich nach deinem Unfall noch an sie erinnerst?«

Wieder ein Blitz. Der Proberaum, nachdem die Presse die Bilder von Mason und mir veröffentlicht hatte. Das kleine Mädchen mit den blonden Zöpfen. Sofort brach auch ich in Tränen aus.

»Oh Gott ja. Wie könnte ich sie vergessen. Sie ist absolut hinreißend.«

 

Es war schlimm von Emilys Suizidversuch, der gescheiterten Ehe und der Herausforderung, allein ein Kind großzuziehen zu hören und in dieser Zeit nicht für sie dagewesen zu sein. Ich konnte verstehen, wieso sie Jamie nichts von alldem sagte damals, doch wir waren uns auch einig, dass er es erfahren musste. Jamie war ein Dad. Ich konnte es nicht glauben.  

»Es gibt noch etwas, was du bisher nicht wusstest, Ava. Als ich damals nach New York ging, konnte ich mit Mason nicht über alles reden. Er war immer für mich und nachher auch für Mia da, aber er war mein Bruder und ich schämte mich so sehr. Das einzige, was ich ihm je zu der Sache in Chicago gesagt habe, hat er so aufgefasst, dass er dachte Jamie hätte mich mit dir betrogen. Er hat erst Wochen nach meinem Suizidversuch von der Schwangerschaft erfahren und da war ich bereits mit Dan zusammen. Mein Exmann wusste von Anfang an, dass ich schon schwanger war, als wir zusammenkamen. Er  hat sich um sie gekümmert, wie um sein eigen Fleisch und Blut und auch nach unserer Trennung kümmert er sich rührend um sie. Wir werden sogar die Feiertage bei seinen Eltern verbringen.  

Aber.....Mason kennt die Wahrheit erst seit das mit euch an die Presse ging.«

Mir wurde unglaublich schlecht. Das war der Grund für sein Verhalten?  

»Also Mason dachte du wolltest dich umbringen weil Jamie dich mit mir betrogen hat?«

»Ja. Auch für mich ergibt jetzt erst alles einen Sinn. Er hatte schon sehr früh Gefühle für dich, aber er wollte sie sich nicht zugestehen. Er wollte mich nicht verletzten. Hätte ich früher gewusst, dass es um dich geht...ich hätte es ihm doch gesagt«

»Em , ich weiß nicht ob ich da jetzt drüber reden kann. Das ist alles etwas viel auf einmal. Natürlich macht es Sinn, aber er hat mich so schlimm behandelt und ob es einen Grund dafür gab oder nicht, er hat mir sehr weh getan und das kann man nicht ungeschehen machen.«

Emilys Blick verdüsterte sich.

»Ava, ich liebe dich wie ein Schwester und ich habe vollstes Verständnis dafür, dass du ihm nicht um den Hals fällst und ihm deine ewige Liebe schwörst. Aber Mason ist mein Bruder. Ich kann nicht mit ansehen wie er leidet. Es geht ihm absolut beschissen und anstatt sich zurückziehen zu können und seine Wunden zu lecken, steht er jeden Tag in diesem scheiß Hotel im Rampenlicht und wird belästigt. Das ist nicht in Ordnung. Du solltest ihm die Chance geben, jetzt wo du meinen Teil der Geschichte kennst, auch seinen anzuhören. Ich bin über die Feiertage bei meinen ehemaligen Schwiegereltern und  ich werde nicht zulassen, dass Mason das Fest in einem Hotel feiert, sollte er uns nicht besuchen kommen. Mir ist egal wie du es machst, aber er wird hier wieder einziehen. Überleg dir was.«

Ich war gleichzeitig geschockt, als auch beeindruckt von Emilys Ansprache. Sie hatte den Mum-Ton echt gut drauf.  Und das schlimmste war, ich musste ihr zustimmen.

»Du hast Recht. Ich war so egoistisch, dass ich nicht darüber nachgedacht habe, was gerade um ihn herum passiert. Ich werde mit ihm reden und mir eine neue Bleibe suchen. Ich kann nicht mit ihm zusammen hier leben aber das soll nicht sein Problem sein.«

»Sei mir bitte nicht böse, aber es geht ihm wirklich sehr, sehr schlecht. Vielleicht schläfst du eine Nacht drüber und es gibt doch eine Möglichkeit wie ihr zusammen hier auskommt. Zumindest die nächsten Tage.«

Mein Herz krampfte bei Ems Worten schmerzhaft zusammen. Ich suhlte mich seit unserer Trennung im Krankenhaus derart in Selbstmitleid, dass ich mir keine Gedanken darüber machte, wie er sich damit fühlte. Natürlich war ich noch immer verletzt aber ich gestand mir zu, dass meine Art und Weise die Sache zu beenden nicht in Ordnung war.

»Ich werde mit ihm reden.«

 

++++

 

Em blieb bis zum späten Abend und nachdem wir weitere Runden miteinander geweint hatten, konnten wir uns sogar noch gegenseitig aufmuntern. Em würde am nächsten Tag zu Ihrem Exmann und Mia fliegen um mit ihnen gemeinsam Weihnachten zu feiern, doch sie versprach mich ganz bald wieder zu besuchen.

Es waren nur noch 5 Tage bis heilig Abend und von Weihnachtsstimmung war bei mir keine Spur. Das war wohl auch gut so, wenn man bedachte dass ich Weihnachten eh irgendwo alleine verbringen würde. So konnte ich wenigstens niemandem das Fest mit meiner Laune vermiesen. 

Als ich bereits im Bett lag vibrierte mein Handy und kündigte eine Nachricht von Jamie an. Er schickte mir kommentarlos einen Link, den ich sofort öffnete.

Es war ein Beitrag vom Wakeup-Magazine und zeigte eine junge Frau am Eingang des Hotels in dem auch ich vor meinem Unfall untergebracht war. Die Überschrift lautete: Meine Nacht mit Mason Scott – Hollywoods Jungeselle Nr. 1 hat bereits neuen Fisch am Haken

Ach ja, ihm schien es wirklich schlecht zu gehen. Wie konnte ich auch nur einen Moment glauben, dass er wirklich an mir interessiert war.

Ich überflog den Artikel nur grob, weil mir bei dem Gedanken an Mason mit einer anderen Frau schlecht wurde. Sie hatte scheinbar ihre Story an die Zeitung verkauft. Es gab kein Statement von Mason oder seinem Management dazu, aber mir reichte dieses hin und her. Wir mussten die Sache endlich klären, damit ich einen Schlussstrich ziehen und nach vorne blicken konnte, in ein Leben ohne Mason Scott.

 

AVA 02:14: Bist du noch wach?

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