January - Jetzt oder nie 44

MASON 

Ava sah derart unglücklich aus, als sie an meine Türe hämmerte. Das Timing der Gäste für ihre Geburtstagsfeier war wirklich miserabel.  

Ich war davon ausgegangen, sie würde sich über die kleine Überraschungsparty freuen, doch ihr Lächeln vorhin war aufgesetzt. Ich kannte jede Regung ihres Gesichts auswendig und da war nichts von Freude zu sehen. Sie entschuldigte sich, um kurz zu duschen und sich umzuziehen. In der Zwischenzeit stellte ich mit den Jungs Tische und Bänke im Keller auf. Der Catering Service brachte eine Menge Platten mit Essen und baute eine Cocktailbar in einer der Ecken auf. 

 

»Wer hat eigentlich Tom eingeladen?« Das dieser Kerl den restlichen Abend um Ava herumscharwenzeln würde, passte mir überhaupt nicht. 

Katy tätschelte mir mitleidig den Arm. »Ist da etwa jemand eifersüchtig?« 

»Das hat mit Eifersucht nichts zu tun. Ich mag es nur nicht wie er sie ansieht.«  

»Meinst du etwa so?« Katy wies mit ihrer Hand hinüber zu Tom, der an der Cocktailbar stand. Er hielt den Blick fest auf den Flur gerichtet und seine Mundwinkel zuckten zufrieden. Ich folgte seinem Blick und augenblicklich war klar wen er derart ins Visier nahm.  

Ava stand dort und war die Versuchung in Person. Ihr enges, grünes Kleid endete in der Mitte ihrer Oberschenkel und wurde obenrum nur durch einen Knoten in ihrem Nacken zusammengehalten. Ihr dunkelbraunes Haar war locker hochgesteckt und ein paar einzelne Locken umrahmten ihr schönes Gesicht. Tom nahm zwei Gläser von der Bar und ging zu ihr herüber. Sie lächelte und nahm einen der Cocktails an. Solange sie Ihre Lippen um diesen Strohhalm schloss, waren sie sicher vor dem Schmierlappen.  

Mittlerweile hatte sich Ben zu Katy gesellt. Die beiden warfen sich verliebte Blicke zu, schienen aber beide noch zu schüchtern zu sein, um Klartext zu reden. Ich wand mich ihnen zu. »Leute, lasst euch von einem absoluten Liebesloser gesagt sein, jeder noch so kurze Moment zusammen zählt. Ihr solltet nicht zu lange warten. Das Schicksal kann manchmal ein richtiges Arschloch sein.« Katy verschluckte sich an ihrem Drink und begann zu husten. Ben klopfte ihr sachte auf den Rücken und ich ließ den beiden etwas Privatsphäre. Wenn ich schon mein eigenes Liebesleben nicht auf die Reihe bekam, konnte ich ja zumindest bei anderen Dr.Love spielen. 

 

Ich unterhielt mich mit zig Leuten, doch ließ Ava dabei nie aus den Augen. Sie schien mittlerweile etwas aufgetaut zu sein und sich wirklich zu amüsieren. Gut, das war ja auch der Plan des heutigen Abends. Die Stimmung wurde immer ausgelassener und die improvisierte Tanzfläche füllte sich mehr und mehr.  

Eine der Tänzerinnen aus Jamies Crew versuchte sich an der Polestange. Noch vor 3 Monaten hätte ich sie mit Sicherheit angebaggert und wäre auf ihre anzüglichen Bewegungen total abgefahren. Doch nun war sie im Vergleich zu Ava nur langweiliger Durchschnitt. Ihre Bewegungen wirkten billig und sie lachte zu unnatürlich. Ava versaute mich für die restliche Frauenwelt. 

Die ersten Beats von "Thriller" tönten durch die Boxen der Musikanlage. Avas Gäste jubelten begeistert. Tom musste natürlich aus der Masse hervorstechen und begab sich in die Mitte der Tanzfläche, um dort in Michael Jackson Manier einen Moonwalk hinzulegen. Er zog alle Blicke auf sich, als er den originalen "Untoten-Tanz" aus dem Musikvideo präsentierte. Ava jubelte ihm von der Bar aus zu und Tom nutze die Gunst der Stunde, um sie zu sich zu holen und mit ihr auf Tuchfühlung zu gehen. Avas Blick suchte zum ersten Mal meinen an diesem Abend. Ich nickte ihr zu und bemühte mich, dass mein Lächeln nicht zu sehr wie die schlimmste Grimasse vom Grinch aussah. Ich sollte ihr das gönnen. Tom war kein so schlechter Kerl. Wir arbeiteten mittlerweile für den dritten Film zusammen und er war nie negativ aufgefallen, galt stets als hilfsbereit und immer gut gelaunt. Lustig eigentlich. Auch ich wurde immer als Strahlemann bezeichnet. Nur blöd, dass Ava das wahrscheinlich nicht unterschrieben hätte. Dabei war ihr Lächeln das schönste, das ich je gesehen hatte. Auch jetzt, wo das Lied und somit ihr gemeinsamer Tanz beedndet war, lächelte sie Tom an. Und es kam von Herzen. Ich drehte mich zur Bar um, weil ich das Bild von den beiden nicht ertragen konnte und bestellte mir einen weiteren Drink. 

Auf Michael Jackson folgte Mariah Carey mit ihrem wohl bekanntesten Weihnachtssongs. Eine Hand legte sich auf meine Schulter und ohne hinzusehen, wusste ich, es war Ava. Die Stelle, an der sie mich berührte brannte wie Feuer.  

»Tanzt du mit mir?« fragte sie ganz nah an meinem Ohr. Ich zögerte kurz, doch es war der Abend vor ihrem Geburtstag und wenn ich ehrlich zu mir selbst war, wusste ich ihr eh nichts abschlagen zu können. 

»Klar.« Ich drehte mich zu ihr um und mein Herz stolperte bei ihrem Anblick. Sie nahm meine Hand und zog mich auf die Tanzfläche. Dort legte sie mir beide Arme um den Nacken, sodass mir nichts anderes übrig blieb, als ihr die Hände um ihre Hüften zu legen. Sie sah mich mit glänzenden Augen an und ein Lächeln umspielte ihre vollen Lippen. Jede Stelle an der ihr Körper mich berührte schmerzte sehnsüchtig vor Verlangen. Ich spürte den Kuss vom Nachmittag noch immer und hoffte ich würde das Gefühl nie vergessen.  

Ich zog sie näher an mich, da es die letzten Minuten waren, die ich mit ihr verbringen konnte. Bereits um 5 Uhr in der Früh würde meine Flieger gehen. Am Nachmittag versprach ich Kent telefonisch, ab dem 5. Januar wieder beim Dreh dabei zu sein. Bis dahin würde ich mir ein paar nette Tage mit Emily, Mia und meinem ehemaligen Schwager machen. Ich hoffe sehr, dass der Abstand mir helfen würde, die Sache mit Ava besser abzuhaken. Vergessen würde ich sie nie. 

»Jamie hat mir erzählt, du hast das alles organisiert. Du hast heute so viel für mich getan. Danke Mason.« Sie gab mir einen Kuss auf die Wange. Eine tiefe Traurigkeit überkam mich und hinterließ ein Gefühl von Leere und Dunkelheit.  

»Das ist wirklich nicht der Rede wert. Ich hoffe, du hast noch einen schönen Abend.« Meine Worte veranlassten Ava abrupt stehen zu bleiben.  

»Wieso? Bleibst du nicht?« Das Lächeln auf ihren Lippen erstarb. Ich hätte mich ohrfeigen können, da ich abermals der Grund dafür war. 

»Ja. Also nein. Es ist schon fast Mitternacht und ich muss um 4 Uhr aufstehen. Mein Flug geht schon sehr früh.«  

Ava presste die Lippen aufeinander und atmete dann tief durch. »Du fliegst zu Em? Okay. Das hatte ich ganz vergessen. Also...« Sie blickte zu Boden. Ihr Anblick schmerzte.  

»Glaub mir, das ist das Beste.« Nicht meine beste Rede. Sie blickte verletzt auf, doch sagte nichts. 

»Ich wünsche dir noch eine tolle Feier, und....frohe Weihnachten Ava Mia Moore. Pass immer gut auf dich auf.« Ich nahm ihre kleine Hand ein letztes Mal in meine und küsste ihren Handrücken. 

Comments

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    MEINE GÜTE

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    Langsam wird es aber wirklich Zeit, dass die beiden sich kriegen! ;-) Einfach toll geschrieben. Du beschreibst die Gefühle der beiden immer wundervoll!

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    Komm süßer Schmerz und töte mich, ich will nicht länger leiden...

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