Jugendliche Dummheit

„Du musst verstehen, dass ich das hier nicht gerne tue. Du bist noch ein Kind, voll jugendlicher Dummheit und weißt es nicht besser. Sag mir einfach was ich wissen will und du kannst gehen, andernfalls …‟ Der bewaffnete Fremde strich liebevoll über den Lauf seiner Pistole und ein heimtückisches Lächeln erschien auf seinen schmalen Lippen. Er hob den Blick von dem kalten Eisen und richtete ihn warnend auf Dorian, dessen Umgebung in Joshs Augen diskoartig flimmerte. Helle Lichtblitze zuckten durch die blauen Nebelschleier und zogen sich enger, um Dorians schmale Gestalt.
„Ich habe alles gesagt‟, murmelte er tonlos und ballte die Hände zu zitternden Fäusten. Der Fremde stöhnte und verdrehte die Augen.
„Sei nicht dumm Junge. Was ist dieses sogenannte Echo?‟
„Nichts besonderes, ehrlich‟, stotterte Dorian.
„Siehst du meinen hageren Freund in der Ecke?‟, fragte der Bewaffnete und deutete mit dem Kinn auf Dorians Stammkunde, „Er hat sicher eine Heidenangst, aber er hat geschworen, dass dieses Echo mit nichts anderem zu vergleichen ist. Er sagte es sei erfüllend, als ob er das erste Mal seit Jahren wieder weiß, was echtes Glück bedeutet. Ich kenne dieses Wirkung bereits, aber auf eine ganz andere Art und Weise. Was immer du in deinem kleinen Dorfzimmer zusammenbraust, könnte mir eine Menge Kohle einbringen und dir das Leben retten. Also frage ich dich noch einmal: Bleibst du bei deiner absurden Geschichte?‟
„Sie entspricht der Wahrheit‟, beteuerte Dorian, aber seine Lippen zuckten unsicher, „Ich weiß selbst nicht mehr was ich gemacht habe. Ich habe einfach unseren Medizinschrank geplündert und damit ein bisschen experimentiert und als dieses Gas dabei herauskam, war niemand so überrascht wie ich!‟
„Er wird uns nichts sagen‟, unterbrach die Frau ihr Gespräch abermals. Sie lehnte wieder im Schatten des Hünen an der Wand und sah gelangweilt auf ihre rot-lackierten Fingernägel. „Entweder weiß er es tatsächlich nicht, dann wäre er für uns von keinem Nutzen, oder aber er fürchtete sich vor jemand andrem weitaus mehr.‟ Sie sah auf und zu dem bewaffnete Mann, „Gib mir eine Stunde mit ihm und ich verspreche, er wird dir alles sagen was du willst.‟
Der Fremde lächelte aber schüttelte zum Verdruss der Frau den Kopf. Er grinste sie entschuldigend an. „Ich möchte vor allem, dass er nach dieser Stunde noch in der Lage ist zu sprechen. Du weißt, das Menschen in Angst vieles sagen, aber selten die Wahrheit.‟
„Er wird sie sagen!‟
„Ich sagte nein.‟
„Vater, hab ein wenig Vertrauen in mich!‟, zischte die Frau und verschränkte verdrossen die Arme vor der Brust, aber er schüttelte abermals den Kopf. Entrüstet schnaubte sie auf und verließ den Raum hocherhobenem Kopfes durch eine schmale Tür zwischen den Regalen.

Er sah ihr einen Moment nach bevor er sich wieder Dorian widmete, der der Unterhaltung mit angehaltenem Atem gelauscht hatte.
„Glaub mir, dass ich dich gerade vor einem weitaus schlimmeren Schicksal bewahrt habe.‟ Er trat einen Schritt auf Dorian zu, so nah dass er ihn hätte berühren könnte. „Aber ich kann sie immer noch zurück rufen.‟
„Ich sage die Wahrheit‟, flüsterte Dorian kleinlaut und sah beunruhigt zur Tür, durch die die Frau verschwunden war.
„Nein sagst du nicht. Meine Leute haben versucht die Zusammensetzung zu untersuchen und weißt du was dabei rauskam? Nichts. Buchstäblich nichts. Zunächst glaubte ich Cedrik wäre nun vollends am Ende und bilde sich alles ein, denn seinen wir mal ehrlich‟, er sah zu Cedrik, dem hageren Kerl aus dem Park, hinüber, „Das ist wahrscheinlicher, als die Möglichkeit, dass du leere Gasflaschen verkaufst, ihnen einen Namen gibst und damit Gewinn erzielst. Selbst wenn unsere Instrumente die Elemente in ihnen nicht erkannt hätten, hätten sie etwas in der Richtung angezeigt, aber stattdessen bekam ich die Meldung die Flaschen seien leer.
Du behauptest den Medizinschrank deiner Mami geplündert zu haben? Schwachsinn. Was hat du tatsächlich getan?‟

Dorian öffnete den Mund aber kein Laut drang hervor. Er schloss und öffnete ihn erneut, aber wusste nicht was er dazu sagen sollte. Fieberhaft überlegte er sich eine neue, logische Erklärung, eine Ausrede oder zumindest etwas mit dem er ablenken konnte, aber sein Verstand blieb gähnend leer. Sein Gegenüber verdrehte abermals die Augen und trat einen Schritt zurück, er warf dem Hünen einen bedeutungsschweren Blick zu, der daraufhin vortrat und Dorian, noch bevor dieser Ausweichen konnte, einen kräftigen Schlag in die Magengrube gab. Mit starrem Ausdruck trat er wieder zu seinem Platz an der Wand, während Dorian keuchend an der Wand zusammensackte. Seine Aura leuchtete Rot auf, während sich die Ränder der Dunstschleiers enger zusammenzogen.
„Sag uns einfach die Wahrheit‟, schlug der Bewaffnete, augenscheinlich der Anführer, vor und hockte sich vor ihn auf den Boden. Dorian keuchte, aber schüttelte entschlossen den Kopf.
„Ihr werdet mich ohnehin töten‟, keuchte er und sah trotzig auf. Er straffte die Schultern und Josh konnte nicht anders als seinen Mut zu bewundern, wenn er dort unten wäre …
Wenn er dort unten wäre, wäre Dorians schon längst hinunter gestürmt und hätte sich wild schlagend auf seine Angreifer gestürzt, um ihn zu beschützen, aber das brachte Josh nicht über sich. Wer war er schon? Er hatte sich damals im Park fast in die Hose gemacht, er war alles andere als tapfer, aber irgendetwas musste er doch tun! Reinstürmen … eher nicht. Die Polizei rufen? Dorian hatte ihm mehr als einmal gesagt, dass er nie, niemals, die Polizei rufen solle, aber das war, bevor er von ein paar dubiosen Kriminellen entführt und bedroht wurde. Außerdem, was hatte der Fremde gesagt? Die Flaschen seien leer. War es tatsächlich eine Straftat leere Flaschen zu verkaufen?

Unsicher richtete sich Josh auf, schlich auf leisen Sohlen die Treppe nach oben und zur Luke hinaus, sein Handy bereits in den Händen. Er bemerkte nicht mehr, wie sich Dorians Augen weiteten und ihm für den Bruchteil einer Sekunde nachstarrten, bevor er sie wieder starr auf den grauen Boden richtete.

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