Juli 2015

Die letzten fünf Tage, die Michi und mir zusammen noch blieben, starteten wir mit unserem alljährlichen fächerverbindenden Unterricht, kurz FVU. Wir hatten das Thema Waldfloristik gewählt, und wirklich eine Menge Spaß. Unsere Parallel- und Individualgestecke wurden sogar gar nicht so scheußlich, wie wir vermuteten. Es waren wirklich schöne drei Tage, es wurde gelacht, viele Photos gemacht und selbstverständlich musste sich jemand den Finger mit einem Schweizer Taschenmesser ansägen – meine Wenigkeit. Aber was wäre Spaß ohne die nötige Prise Wahnsinn?

Die letzten zwei Tage vergingen dann auch wie im Flug. Der letzte Schultag der neunten Klasse war der tränenreichste meines Lebens. Wie haben wir geweint. Dennoch können wir auf die gemeinsame Zeit zurückblicken und sagen, es war wunderbar, es war schon fast heroisch. Wir waren uns sicher, dass wir auch in Zukunft alle Krisen gemeinsam meistern würden. Was ist ein bisschen Distanz schon für eine Hürde, wenn es um Freundschaft geht?

Leo bekam von dem ganzen Trubel natürlich herzlich wenig mit. Dennoch gab es Menschen, die da waren. Zwei Mitschüler, Luke und Max, nahmen sich Michis und meiner an, übernahmen die Rolle der Tröster. Als die letzten Tränen geweint, wir beide zuhause angekommen waren, erhielten wir sogar von beiden eine Nachricht, ob es uns einigermaßen gut ginge und ob sie was für uns tun könnten. Manchmal ist es schön, wenn jemand einfach nur da ist. Ohne Umstände, ohne Erklärungen. Einfach da.

Meinen nächsten Heulkrampf bekam ich, als ich das Geschenk meiner Mutter zum Zeugnis sah: “Mit dir an meiner Seite“ von Nicholas Sparks. In diesem Moment, als ich das Buch auf meinem Bett liegen sah, habe ich mich so einsam gefühlt, wie schon lange nicht mehr. Wer war denn noch an meiner Seite? Keine Michi, kein Leo. Gedanklich wohl nach wie vor, aber wo war die Nähe, wenn man sie mal wirklich brauchte?

Als diese Krise überstanden war, und ich mich endlich wirklich auf die kommenden sechs Wochen Sommerferien freuen konnte, überlegte ich natürlich hin und her, wie Leo am besten in den Zeitplan passen würde. Im Grunde genommen blieben nur die letzten zwei Wochen, eher noch die letzte Woche, allerdings bekam ich leicht Panik, als ich sah, dass ich in diesem Zeitraum voraussichtlich Eisprung haben sollte. Leo beruhigte mich zwar etwas, aber dennoch blieb ich skeptisch. 

Außerdem gab es einen ziemlich skurrilen Moment, indem mich Michi morgens aus dem Bett klingelte, weil sie dachte, ich hätte mit Leo Schluss gemacht. Offensichtlich hatte ich mich in einer Nachricht etwas undeutlich ausgedrückt. Oh Mann. Davon abgesehen entdeckte ich immer noch neue Seiten an Leo. Besonders wenn es um Telefonsex und seine Wortwahl ging. Ich hätte das nicht für möglich gehalten, aber etwas obszönere Ausdrücke sind in dieser Situation durchaus willkommen.

Generell fiel unsere Kommunikation in diesem Monat allerdings etwas spärlich aus, nicht zuletzt, da ich kaum zuhause war, Arbeit und Besuch geschuldet.

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