Königsgräber und Tempel von in Gamla-Uppsala

Nachdem Birka an Bedeutung verlor, entwickelte sich Gamla-Uppsale zu einem bedeutenden Handelszentrum.
Heute findet man an dem Ort der ehemaligen Siedlung drei Grabhügel, die Königsgräber, deren Entstehung dem Geschlecht von Ynglinge zugerechnet wird. Entstanden sind diese Grabanlagen zwischen 475 und 550 n.Chr.. Bei Ausgrabungen fanden sich Reste von Tier- und Menschenknochen sowie sogenannte Bootsgräber(1)

Der Ort findet auch in historischer Literatur Erwähnung, so v.a. bei Adam von Bremen in der Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum und bei Snorri Sturluson in der Heimskringla, Saga von Olaf dem Heiligen, Kap.77.
Sturluson schreibt:
“In Schweden war das alte Landessitte, solange es heidnisch war, daß das Hauptopferfest gegen Ende des Winters in Uppsala stattfinden sollte. Dort sollte für den Frieden und für den Sieg ihres Königs geopfert werden, und es sollten dorthin Menschen aus dem ganzen schwedischen Machtbereich kommen. Dort sollte auch das Thing aller Schweden stattfinden. Dort fanden auch eine Woche lang ein Markt und Handelsgeschäfte statt. (4)

Adam von Bremen aber beschreibt recht eindrücklich die Opfer, die ich in meiner Geschichte erwähnt habe und die auch bei "Vikings" eine Rolle spielen:
"Jetzt wollen wir von dem Aberglauben der Schweden Einiges sagen. Dieses Volk hat einen sehr berühmten Tempel, der Ubsola heißt und nicht weit von der Stadt Sictona liegt. In diesem Tempel, der ganz mit Gold geschmückt ist, betet das Volk die Bildsäulen dreier Götter an, und zwar so, daß der mächtigste von ihnen, Thor, mitten im Gemache seinen Thron hat; rechts und links sitzen Wodan und Fricco. Die Deutungen derselben sind folgende. „Thor, sagen sie, hat den Vorsitz in der Luft, er lenkt Donner und Blitz, giebt Winde und Regen, heiteres Wetter und Fruchtbarkeit. Der andere, Wodan, d. h. die Wuth, führt Kriege, und gewährt dem Menschen Tapferkeit gegen seine Feinde. Der dritte ist Fricco; er spendet den Sterblichen Frieden und Lust.“ Sein Bild stellen sie auch mit einem ungeheuren männlichen Gliede versehen dar. Den Wodan aber formen sie gewappnet, wie die Unseren den Mars zu bilden pflegen. Thor aber scheint mit seinem Scepter den Jupiter vorzustellen. Sie verehren auch vergötterte Menschen, die sie wegen außerordentlicher Thaten mit der Unsterblichkeit beschenken, wie sie das nach dem Leben des heiligen Ansgar (K. 26) mit dem Könige Herich gemacht haben.

Allen ihren Göttern nun halten sie besondere Priester, welche die Opfer des Volkes darbringen. Wenn Pest und Hungersnoth drohen, wird dem Götzen Thor geopfert, wenn Krieg dem Wodan, wenn eine Hochzeit zu feiern ist, dem Fricco. Auch pflegt alle neun Jahre ein allen schwedischen Landen gemeinsames Fest in Ubsola gefeiert zu werden. In Bezug auf dieses Fest findet keine Befreiung von Leistungen statt. Die Könige und das Volk, alle schicken ihre Gaben nach Ubsola, und - was grausamer ist als jegliche Strafe - diejenigen, die bereits das Christenthum angenommen haben, kaufen sich von jenen Ceremonien los. Das Opfer nun ist folgender Art. Von jeder Gattung männlicher Geschöpfe werden neun dargebracht, mit deren Blut es Brauch ist, die Götter zu sühnen. Die Körper aber werden in dem Haine aufgehängt, der zunächst am Tempel liegt. Dieser Hain ist nämlich den Heiden so heilig, daß jeder einzelne Baum durch den Tod oder die Verwesung der Geopferten geheiligt erachtet wird. Dort hängen auch Hunde und Rosse neben den Menschen, und von solchen vermischt durcheinanderhängenden Körpern habe er, erzählte mir ein Christ, zweiundsiebzig gesehen. Uebrigens sind die Lieder, die bei der Vollziehung eines solchen Opfers gesungen zu werden pflegen, vielerlei und unehrbar, und darum besser zu verschweigen."(3)

Neuere Forschungen lassen den Bericht des Adam von Bremen bezweifeln, da man in Alt-Uppsala auch viele christliche Runensteine aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts fand und das Christentum zur Zeit Adams dort schon großen Einfluss hatte. Dass zwei so ungleiche Religionen in direkter Nachbarschaft existiert haben könnten, erscheint dann doch unwahrscheinlich.(5)

Sicher ist, dass Gamla-Uppsala eine riesige vorchristliche Grabanlage war. Man schätzt bis zu 2000 Gräber, die jedoch größtenteils durch Ackerbau und neuere Bebauung zerstört wurden.
In den großen Grabhügeln wurden Hinweise auf Brandbestattungen und Goldschmuck gefunden. Der Legende nach sollen hier die Könige Aun, Egil und Adils aus der Zeit vor den Wikingern bestatte worden sein, die auch im Heldengedicht Beowulf und in der Ynglingsaga auftreten. (2)

Heute kann man die Königshügel kostenfrei rund um die Uhr besuchen und auch ein Museum berichtet aus jener frühen Zeit.


Quellen:
(1) http://schwedenstube.de/uppsala/

(2) Lonely Planet Reiseführer Schweden, Becky Ohlsen Anna Kaminski K. Lundgren , 28. Februar 2014 , Lonely Planet

(3)https://de.wikisource.org/wiki/Hamburgische_Kirchengeschichte/Viertes_Buch#Beilage

(4) Heimskringla, Saga von Olaf dem Heiligen, Kap.77

(5) http://wikinger.org/mythologie/uppsala/

Comments

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    Dieses letzte Kapitel - obwohl natürlich gut recherchiert und dargestellt, wie ich es von dir mittlerweile gewohnt bin - lässt mich Ungutes erahnen für die Fortsetzung deiner Geschichte... :-(

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