Kampf

Mensch, Elf, Zwerg und Halbriese folgten mir auf dem Fuße. Mir war zum Heulen zu Mute und dennoch empfand ich so etwas wie grimmigen Stolz, oder war es gar Glück? Die selben Männer, die mit meinem Vater gekämpft hatten, standen nun mit mir gegen diese Übermacht. Émalon hatte in dieser roten Finsternis jede Schönheit verloren. Scharf durchtrennte es den Kopf der Hornbestie, die mir den Schwertarm abschlagen wollte. Ein Pfeil sauste an meinem Ohr vorbei. Hinter mir brach keuchend ein Gremlingeist zusammen. Eine gründe Gestalt winkte mir zu, bevor sie sich eines nervigen Angreifers entledigte. Jemand stieß mit mir Rücken an Rücken zusammen.

"Wie im Training, mein Freund?" zischte mir Chase zu.

"Wie im Training." Der Kampfrausch überwältigte mich und es fiel mir nicht schwer meinen Kampfbereich schnell und gezielt auszudehnen. Ich wurde leichtsinnig und schlug nur noch um mich. Beinahe hätte ich Funny erwischt, die mit Schwung und Kraft dafür sorgte, dass unser kleines Kampfgebiet noch freier war. Hinter mir hörte ich die Elben Pfeile und Hiebe austeilen. Das Kampfgebrüll der Zwerge ließ selbst uns das Blut in den Adern gefrieren. Ein orkähnliches Riesenvieh versuchte mir in den Bauch zu stechen mit seiner Spitzaxt, aber schon hatte es Émalons Schärfe gespürt. Leises Gemurmel kam auf und wurde immer stärker... rechts von mir aus sah ich die Zwillinge Beschwörungsformeln brummeln und näherte sich ihnen ein Gegner genügte ein einfacher Faustschlag oder der Hieb ihrer Schwerter um ihn nieder zu strecken. Wo Bruno und Usongu waren konnte ich im Moment nicht feststellen, aber die Geräusche, die durch das Nichts zu uns drangen ließen auf große Gegnermassen schließen. Minutenlang tat ich nichts anderes als jedem der mir zu nahe kam den Kopf abzuschlagen oder das Herz zu durchbohren... Der Sturm der Gegner schien nicht enden zu wollen. Irgendetwas musste geschehen.

"Chase, ich arbeite mich jetzt zu dem Harzbaum vor. Da hängt jemand in den Ästen, den ich mir holen will...!"

"Gut!" schnaufte er zwischen Herzstoß und Kehlenaufschlitzen seiner Gegner. Plötzlich ließen viele der Monster von den übrigen Kämpfern ab und verstellten mir den Weg zu ihrem Herrn. 'Wir können nicht siegen!' Darüber hatte ich nun keinen Zweifel mehr. 'Aber ich geb sie auch nicht auf...'

Mit verzweifelter Wut schlug ich um mich, tötete ein gutes Dutzend Gegner auf einmal und kam doch kaum voran. Die Kämpfe hinter mir nahm ich nicht mehr wahr. Ich glaubte mich bereits tot geweiht, dementsprechend heftig wehrte ich mich gegen die Angriffe, als das Unglaubliche geschah.

(Funny)
Meine Waffe leistete ganze Arbeit. Und als sich Flash dazu entschloss, zu seiner Geliebten vor zu preschen, hatten Chase und ich, da wir ihm am Nächsten standen, plötzlich doppelte Arbeit. Wie besessen stürmte Bestie um Bestie auf uns ein. Es grenzt schier an ein Wunder, dass ich in all diesem Durcheinander von dreckigen, stinkenden, schwarzen Körpern tatsächlich den winzigen Streifen weißen Lichtes entdeckte, aus dem mir eine Flöte entgegen gehalten wurde.

(Chase)
"Funny!" schrie ich, als sie plötzlich inne gehalten hatte und wie in Trance nach etwas mir völlig Unsichtbarem zu greifen schien. Dann führte sie ihre leere Hand zum Mund und begann auf diesem durchsichtigen Nichts eine wundersame Melodie zu spielen.

(Funny)
"Toca la." sagte Pedros Stimme in meinem Kopf und ich nahm die Flöte und spielte sie. Ich war überrascht. Nicht nur dass ich eine Melodie spielte, die ich selbst gar nicht kannte, nein eigentlich war es schon absurd, dass ich überhaupt spielte, wo ich doch die Flöte gar nicht beherrsche! Am meisten aber verwirrte mich, dass die Monster aufgehört hatten zu kämpfen. Statt dessen hielten sie sich die Ohren zu, wie gequälte Seelen wanden sie sich im Rhythmus der Musik, die wie durch Zauberhand erklang.

(Flash)
"Was stehst du rum wie angewurzelt! Beweg dich!" schrie mir Usongu zu. Von meiner Starre erlöst, die mich ob der Schönheit der Melodie ergriffen hatte, stürmte ich ohne mich umzudrehen oder nach dem Grund zu fragen auf den Baum zu. An seinen enormen Wurzeln angelangt, starrte ich mit wild hämmernden Herzen zu jenem Ast hinauf, an dem meine Liebste hing. Noch während ich überlegte, wie der Höhe beizukommen wäre, ergriff mich Bruno von hinten und hob mich bis zu der besagten Stelle empor. Wild schlug ich auf den armdicken Zweig ein, der die Fürstin an der Hüfte umschlang.

Als er durchtrennt war, drohte sie zu fallen und fiel...

direkt in meine Arme. Für eine Sekunde versucht sie zu küssen, wurde mir in der nächsten wieder schmerzlich bewusst, wo wir waren.

"Aaahh." Der Harzdämon war durch die starke Attackierung aufgewacht und hatte mich nun im qualvollen Würgegriff seiner tief hängenden, kleineren Äste, die mit ihren Dornen in mein Nackenfleisch kratzten. Mein Blick verschwamm und mir wurde schwindelig. Ich verlor das Bewusstsein, hörte als letztes nur noch das tief grollende, triumphierende Lachen des Baumdämonen.

*

(Béilo)
Eine Bannmusik erklang, die alle Monster stark genug von uns ablenkte, um uns mühelos nach vorne durch kommen zu lassen. Wir hatten uns die meiste Zeit von der Gruppe der anderen Kämpfer ferngehalten, um zu verhindern, dass die Biester durch ihren Blutdurst noch an Stärke gewannen. Doch Flash war auf den Hauptgegner zugestürmt und hatte Cenishenta befreit. Für einen Augenblick sah es so aus, als sei der Kampf vorbei. Die Dämonen, Monster und Bestien zogen sich zurück, vertrieben von den schönen Tönen einer unsichtbaren Flöte. Doch der Harzbaum war erwacht. Wir eilten auf ihn zu, sahen entsetzt auf zu Flash der im giftigen Würgegriff der Äste herumhing. Bruno konnte ihm nicht helfen, er hatte alle Mühe sich gegen die stärkeren Äste zu wehren und Cenishenta zu beschützen. Der Halbriese brach viele der faustdicken Äste zu Kleinholz zusammen, schaffte es aber nur mit Not gegen das Gewächs anzukommen.

"Was gafft ihr denn in der Gegend rum! Arnuk! Halte eine Messe im Auftrag von Verul! Béilo, hilf mir den Saft aus ihm herauszupressen! Es ist soweit, dieser Baum erlebt nun seinen Abgang!" brüllte Usongu uns entgegen, als er von der anderen Seite aus auf den Baum zu rannte.

"Ja, Catpa." Ohne zu Zögern setzte sich Káilanba vor dem bösen Pflanzengott nieder und praktizierte die Messe zur Anrufung unseres sniftischen Feuergottes Verul. Äste und Stamm knarrten unter Schmerzen als Usongu seine nackte Haut auf die harzverschmierte Rinde presste. Die Kruste der Kreatur leuchtete an den verletzten Stellen blutrot auf. Der Baum schrie...

Wo ich jene offenen Flecken erreichen konnte, kratzte ich Male der Zerstörung ein. Körperlich bekämpfen konnte man ihn nicht, es sei denn man hat die Macht dazu, und Usongu hatte sie. Er griff mit heftigen Tritten und Schlägen an, die riesige Löcher in das Holz rissen. Sein Körper rauchte vom verkohltem Baumsaft. Mir wurde speiübel bei dem ätzenden Gestank, den seine Haut absonderte, doch verharrte ich bis zum letzten Moment, bevor ich mich zurückzog um Káilanba Beistand zu leisten. Jede Silbe, die sie aussprach um Verul zu huldigen, machte Usongu stärker, bis er sich beinahe in den Feuergott persönlich zu verwandeln schien. In dessen unbezwingbarer Gestalt zerstörte er den widerspenstigen Pflanzengott mit einer Flut aus Flammen, die aus seinem Mund stachen. Dann brach er zusammen.

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