Kapitel 1

"Experiment Alpha! So heißt es also. Das Experiment an dem nur Teenager teilnehmen dürfen. Die stärksten Nationen dieser Welt werden das Experiment durchführen. Dreißig Jugendliche werden für neunzig Tage in eine komplett leere Stadt gebracht. In diesen neunzig Tagen werden sie lebensgefährliche Aufgaben meistern müssen und nur die Besten der Besten werden nach den neunzig Tagen, mit der Mission eine neue Erde zu finden in, ins Weltall geschickt". Exakt das ist, was ich mir denke als wir, meine Mutter, mein Vater, mein Bruder und ich, uns die Rede von Präsident Rifforson im Fernsehen anschauen. Er steht selbstsicher vor seinem Podest im Weißen Haus und hält, im Wissen, dass ihm gerade die ganze Nation zuhört, seine Rede. Er hatte den Vereinigten Staaten viel gegeben, doch diese Entscheidung halte ich für einen ganz eindeutigen Fehler. Jugendliche in den Weltraum schicken? Sein sie doch nicht albern Harold.

Mein Bruder Cole wirft mir einen belustigten Blick zu. Er ist also auch der Meinung, dass unser lieber Mr. Präsident nicht mehr alle Latten am Zaun hat.

Ich werfe einen belustigten Blick zurück. Dann schau ich zu Mom und Dad. Meine Mutter schaut verbissen auf den Boden, während mein Vater sie in den Armen hält. Was ist denn mit den beiden los? So kenne ich sie ja gar nicht.

"Mom? Dad? Ist alles in Ordnung?", frage ich besorgt. Ich mag es nicht, wenn die Leute um mich herum weinen. Dann fühlte ich mich immer irgendwie schuldig.

"Ja Schatz. Alles gut", sagt mein Vater und streichelt sanft mein dunkelbraunes Haar. Meine Mutter wischt die Tränen weg, die ihr still und heimlich über die Wangen gerollt sind.

Ich glaube ihm zwar nicht, lasse es aber auf sich beruhen. Mein Vater nimmt die schwarze Fernbedienung mit den bunten Knöpfen in die Hand und schaltet den flimmernden Fernseher aus:"Es ist spät und morgen ist Schule. Ab ins Bett." Ich nicke und auch Cole tut es mir murrend gleich.

Wir erheben uns vom schwarzen Sofa und ich falte die Decke, mit der ich mich zuvor zugedeckt hatte. Dann lege ich sie auf die Sofalehne. Es ist wirklich schon spät und Cole schlurft schon sichtlich erschöpft die Treppe hoch.

"Ich gehe noch kurz in die Küche", verkünde ich und gehe durch eine Tür, die ans Wohnzimmer grenzt, in die Küche. Ich strecke mich und öffne ein Regal über der Küchentheke. Heraus nehme ich eine Glasflasche mit Wasser darin und ein Glas. Das Glas fülle ich mit Wasser und stelle die Flasche zurück ins Regal. Dann nehme ich das Glas und will die Treppe hoch gehen.

Als ich am Treppenansatz stehe, fällt mir ein, dass mein Handy noch auf dem Wohnzimmertisch liegt. Soll ich zurück gehen und es holen, um meinen Wecker zu stellen? Oder es lieber dort lassen und riskieren morgen zu spät zur Schule zu kommen? Ich entscheide mich nach reifer Überlegung dazu, es holen zu gehen. Als ich jedoch gerade die Wohnzimmertür öffnen will, stoppe ich mitten in der Bewegung.

Meine Eltern unterhalten sich. Ich höre genauer hin und bemerke, dass meine Mutter weint. Ich stelle mich neben die Tür und lausche. Das gehört sich zwar nicht, manchmal hat es mir aber schon viele wichtige Informationen gebracht.

"Sie werden schon nicht ausgewählt, Lilian", sagt mein Vater zu meiner Mutter. Dann vernehme ich leise auch ihre Stimme:"Er vielleicht nicht, aber sie..." "Sie wird schon auch nicht genommen, Schatz", versucht er meine Mutter zu beruhigen. "Sei doch nicht albern, Matthew. Sie wären dumm sie nicht zu nehmen. Jeder Mensch mit dem sie je in Kontakt war, hält sie für außergewöhnlich klug", schnieft Mom leise. Ich höre noch wie Dad Mom gut zu redet, bevor ich ins Wohnzimmer platze. Meine Eltern sehen mich erschrocken an. Ich nehme mein Handy schnell vom Küchentisch und wedele damit vor ihnen herum:"Ich wollte nur mein Handy holen. Gute Nacht." Dad nickt langsam und ich verlasse das Wohnzimmer nun.

Ich schließe die Tür hinter mir und nehme einen Schluck Wasser, um meinen trockenen Mund zu bewässern. Haben sie etwa über mich geredet? Das ist doch kompletter Quatsch. Wieso sollte man mich für das Experiment auswählen? Ich bin doch ein ganz normales 16-jähriges Mädchen wie millionen Andere auf dieser Welt. Es stimmt zwar, dass ich in der Schule sehr gut bin, in manchen Fächern bin ich sogar die Klassenbeste, doch das macht mich nicht besonders. Es ist ja auch nicht so, dass ich furchtlos bin. Ich habe einige Ängste. Wieso weint meine Mutter also? Ich kann nicht der Grund sein. Ich habe eine Cousine. Vielleicht ist sie ja gemeint. Nein, sie ist erst acht. Sie würde nie aus gewählt werden. Schließlich geht es um Teenager.

Ich werde von Cole aus meinem Gedankenfluss gerettet:"Was machst du hier denn noch? Du musst ins Bett." Ich werfe einen Blick auf mein Handy. Ja, er hat Recht es ist noch viel später als vorher. Die Zeit vergeht neuerdings schneller, doch daran habe ich mich gewöhnt. Auch die Jahre sind kürzer geworden und es gibt fast keine Jahreszeiten mehr. Es gibt nun unabhängig von der Zeit im Jahr Schnee, Regen oder gar ein Sommergewitter. Auch die Sonne zeigt sich oft, doch wenn kein Gewitter darauf folgt, ist es so warm, dass wir nicht aus den Häusern dürfen und alles geschlossen bleibt. Genau deshalb brauchen wir die neue Erde. Doch werden wir überhaupt etwas anders machen? Das werden die Leute entscheiden, die auf die neue Erde kommen.

Ich nicke zustimmen und folge Cole die Treppen hinauf. Oben angekommen gehe ich links und er rechts. Unsere Zimmer sind exakt gleich aufgebaut. In beiden Zimmern gibt es dieselben gemütlichen Leseecken und auch das Erkerfester haben wir beide. Ich setze mich oft dahin, um zu lesen wenn der Schnee fällt oder wenn es mal wieder zu heiß ist.

Ich gehe zu meinem Schrank und ziehe mir meinen kuscheligen Katzenschlafanzug an. Dann binde ich meine dunkelbraunen Haare zu einem tiefen Zopf und reibe mir bereits sehr müde die braunen Augen. Dann gähne ich und lasse mich müde ins Bett fallen. Bevor ich einschlafe, stelle ich meinen Wecker noch auf fünf Uhr morgens. Zur Schule ist es zwar nicht so weit, doch die Zeit vergeht schnell, weshalb drei Stunden um zur Schule zu gehen wie ein ein halb zur Zeit des 21. Jahrhunderts wirken.

Ich lege mein Handy auf den Nachttisch und decke mich zu.Mit dem Blick auf die weit entfernten Sterne schlafe ich ein.    

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