Kapitel 1

Ein Tritt, ein Schlag und der Mann liegt auf dem Boden. Seine Waffe neben ihm. Alle um mich herum klatschen, abgesehen von dem Mann am Boden natürlich. Ich schaue mich stolz um. Das war ein Leichtnis für mich. Ich schaue durch die Reihen der Personen, die hier anwesend sind. Alle von ihnen sind mindestens 18, also viel älter als ich. Mein Privatlehrer James steht im Türrahmen und klatscht ebenfalls. Mit einem Blick bedeutet er mir mit ihm zu gehen und ich tue, was er sagt. Bevor ich gehe, melde ich mich erst bei meinem Kampftrainer ab. Dann folge ich James. Er fährt sich mit den Fingern durch die hellbraunen Haare und blickt mich aus seinen blauen Augen an:"Mr Turner will mit dir reden." Ich nicke und laufe neben ihm her.

An der Tür von Mr Turners Büro bleiben wir kurz stehen und ich binde meine Haare zu einem hohen Zopf. Mr Turner ist der Leiter des amerikanischen Geheimdienstes und auch wenn man eigentlich erwarten würde, dass er streng ist, ist er genau das Gegenteil davon. Wenn es um Missionen und ernste Themen geht, ist er zwar ernst und versteht keine Witze, wenn man ihn aber privat trifft, ist er eigentlich ziemlich cool.

Ich hoffe mit dem Zopf wenigstens nicht ganz so zu wirken, als hätte ich stundenlang trainiert, da fällt mir auf, dass ich ja noch meine Trainingskleidung trage und leider gehören zu diesem Outfit keine Schuhe. James klopft und nachdem ein "Herein" ertönt ist, trete ich ein. James wartet draußen.

Ich gehe ins Büro. Der Raum ist in roten Tönen gestrichen und der Boden ist dunkel. An einem Ende des Raumes steht ein Schreibtisch und im dazugehörigen schwarzen Sessel. Im Raum riecht es nach Kaffee. Ehrlichgesagt habe ich Mr Turner noch nie ohne seinen geliebten Kaffeebecher irgendwo angetroffen. Auch jetzt steht der Becher links von ihm auf dem Schreibtisch. Er dampft verführerisch. Ich persönlich mag keinen Kaffee und trinke lieber Kakao.

Zu Mr Turners Erscheinungsbild gehört abgesehen von einem schwarzen Anzug, etwa eine Tonne Gel, die er sich jeden Morgen in die Haare klatscht. Ich mustere die anderen Leute im Raum. Links und rechts von Mr Turners Stuhl stehen meine Eltern. Meine Mutter lächelt mich freundlich an und ich lächele unauffällig zurück. Mr Turner bedeutet mir mit einer Handbewegung mich auf einen Stuhl vor seinem Schreibtisch zu setzen:"Guten Morgen Miss Souther. Wie geht es ihnen?" Ich muss grinsen und auch er kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Wir kennen uns gut und wenn wir uns im Alltag über den Weg laufen, sprechen wir uns steht's mit unseren Vornahmen an. Wenn wir uns jedoch in einer wichtigen Besprechung befinden, versuchen wir so förmlich wie nur möglich zu bleiben, was uns jedoch merklich schwer fällt.

"Gut. Danke der Nachfrage. Wieso haben sie mich in ihr Büro gerufen?", frage ich wieder etwas ernster. Er zieht den Kaffeebecher zu sich heran und trinkt einen Schluck:"Wir haben eine Mission für sie." Ich sehe ihm zu:"Welche und wieso brauchen sie ausgerechnet mich dafür?" Er stellt seinen Kaffeebecher wieder auf den Tisch und steht auf:"Ein reicher Unternehmer, der sehr gut mit dem Präsidenten befreundet ist, wird bedroht." Ich ziehe belustigt eine Augenbraue hoch:"Und da hat er seinen alten Schulfreund Obama angerufen und ihn um Schutz gebeten, damit auch ja keine seine vielen 3.000 Euro Vasen geklaut wird?" " Brook", mahnt meine Mutter sichtlich wütend. Ich ignoriere ihre Worte und sehe Mr Turner herausfordernd an. Er versucht wieder ein Grinsen zu unterdrücken und mich streng an zu sehen:"Nein, ihm wurde am gestrigen Tag ein Drohbrief zugeschicken und deshalb ersucht er uns um Hilfe. Das ist kein Spaß." Er hat Recht. Das ist wirklich nicht so witzig. Ich schlucke:"Entschuldigung, Mr Turner." Ich fange mich wieder und beginne damit Fragen zu stellen:"Was genau stand denn in dem Brief?" Er schiebt mir über den Tisch ein Blatt Papier zu:"Lies selbst." Ich nehme den Zettel vom Tisch und lese, was dort steht. Mr Turner hatte Recht. Es ist wirkliche eine Drohung. Eine Morddrohung. In dem Brief geht es wirklich darum, dass die Karleilfamilie vor langer Zeit ein Verbrechen begangen hat, wofür sie nun Büsen muss. Es steht geschrieben, dass sie wieder gut machen müssen, was ihre Vorfahren einst falsch gemacht haben.

Ich schaue vom Papier auf:"Das ist eine Morddrohung." Meine Eltern nicken und Mr Turner meldet sich wieder zu Wort:"Ja das stimmt und genau deshalb brauchen wir auch dich." Ich ziehe eine Augenbraue hoch:"Wie meinen sie das?" "Du sollst die Tochter von Mr Karleil bewachen. Sie heißt Allison und ist in etwa so alt wie du", sagt er. Ich springe auf:"Nein, vergessen sie es. Ich werde garantiert nicht die Babysitterin für ein pubertäres High School Mädchen spielen. Wieso kann das kein Anderer machen? Hier arbeiten doch tausende von Agenten." Er schlägt mit der Hand auf den Tisch und ich zucke zusammen:"Wir können keinen anderen Agent einsetzen. Alle anderen sind zu alt für diese Mission, Miss Souther. Sie werden diese Mission machen, egal ob es ihnen gefällt." Ich springe nun auch auf:"Na gut, aber was habe ich denn davon?" Zwar verlange ich sonst nie etwas, doch diese Mission ist eine Zumutung. Er setzt sich wieder:"Ah, ich seh schon. Sie wollen etwas. Sie können Motorrad fahren, richtig?" Ich nicke:"Ja, ich habe seit einem Jahr meinen Führerschein." "Sie haben aber kein eigenes Motorrad, liege ich wieder richtig?", fragt er weiter. Ich nicke wieder. "Gut, dann bekommen sie nach Beendigung der Mission neue Gadgets, darunter auch ein neues Motorrad. In Ordnung?", bietet er mir an. Ich nicke:"Ja das klingt gut. Wann geht die Mission los?" "In zwei Tagen. Bitte informieren sie sich bis dahin ausreichend, Miss Souther", bittet er. Ich erhebe mich und verlasse, auf Erlaubnis hin, den Raum.


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