Kapitel 1

Ich stehe am Flughafen von Dallas und warte an der Gepäckausgabe auf meinen schwarzen großen schwarzen Koffer. Nach meinem Studium wieder in meine Heimatstadt zurück zu kehren, war für mich ein großer Schritt, doch meine Freunden Katy hat es geschafft mich zu überreden. Sie hat diese Stadt nie verlassen. Weder fürs Studium, noch für die Liebe. Hach, die Liebe. In meinem Leben hatte ich bisher einfach kein Glück damit. Der einzige Mann, den ich einmal geliebt habe, hat mir ein halbes Jahr verschwiegen, dass ich verheiratet war. Ich hatte zwar schon einige One-Night-Stands, doch daraus ist nie etwas Festes geworden.

In diesem Moment erblicke ich meine Koffer und hebe ihn vom Kofferband. Dann nehme ich den Griff und schlendere durch den Flughafen. Auf meiner linken Seite gibt es einen Brezelstand. Ich bleibe stehen. Keine Schlange. Ich krame etwas Geld aus meiner Tasche und stelle mich an. Meinen Koffer nehme ich mit. Ich will ja keinen Bombenalarm verursachen.

"Hallo. Ich hätte gerne eine gesalzene Brezel", bestelle ich freundlich. Der braune gebrannte Mann hinter der Theke nickt lächelnd und gibt mich eine Brezel. Ich nehme die Brezel in die Hand und gebe dem Mann das Geld. "Danke. Tschüss", sage ich und gehe. Der Mann schien völlig überrascht davon zu sein, dass ich so nett gefragt habe. Das ist hier wahrscheinlich eine Seltenheit geworden. Jeder wirkt hier am Flughafen so gehetzt und da bleibt in der Regel kein Platz für Nettigkeiten.

Ich spaziere mit meiner Brezel in der Hand nach draußen und schaue mich um. Wo ist Katy? Sie wollte mich doch abholen. Ich beiße ein Stück von meiner Brezel ab und krame mein Handy aus meiner Tasche. Ich habe eine Nachricht von Katy.

Katy: Hey Allie. Sorry, aber mir ist eine Vorlesung dazwischen gekommen. Ich kann dich leider nicht abholen. Ich habe aber meinen Freund damit beauftragt dich ab zu holen. Sei mir bitte nicht böse!

Ich muss grinsen. Es macht mich stolz zu sehen, wie wichtig Katy ihr Studium ist. Wir sind war gleich alt, doch Katy hat erst eine Ausbildung angefangen, bevor sie ihr Studium begonnen hat. Mir wird klar wie sehr ich sie vermisst habe. Katy und ich kennen uns seit wir beide ein halbes Jahr alt waren und sie ist für mich wie eine Schwester. Schon unsere Mütter waren mit einander befreundet, weshalb ihnen die Freundschaft zwischen Katy und mir ziemlich wichtig war. Nun sind wir beide 20 und sehen uns endlich wieder. Im Dezember werden wir beide sogar schon 21. Manchmal wundere ich mich wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich war lange weg. Das muss ich zu geben, aber nun bin ich zurück und werde das Verpasste nachholen. Ich habe Design und Management studiert, während Katy sich der Sprachwissenschaft widmet. Sie war schon in ihrer Schulzeit die Klassenbeste in Sprachen wie Englisch, Französisch oder Spanisch, während ich in Mathe, Kunst und Politik gut war. Ich lese mir die Nachricht nochmal durch und mein Blick bleibt an dem „Freund" hängen. Davon weiß ich ja noch gar nichts. Wieso hat sie mir davon nicht erzählt?

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen:"Bist du Allison Smyth?" Ich schaue verwundert auf. Vor mir steht ein Mann. Er scheint nicht viel älter als ich zu sein. Sein Haar ist hellbraun und seine Augen sind grau. In seinen Augen liegt etwas Kindliches.

Schnell löse ich meinen Blick von ihm und stottere perplex:"Äh...Ja. Sind sie der Freund von Kathrin Hilton." "Ja so ist es. Ich bin Ashton", antwortet er freundlich und hält mir die Hand hin. Ich ergreife sie. "Du kannst mich ruhig duzen", sagt er. Wow, meine beste Freundin hat echt guten Geschmack. Wo findet man solche Typen wie ihn und gibt es dort noch mehr wie ihn?

Er reißt mich erneut aus meinen Gedanken:"Wir sollten vielleicht zu Auto gehen." Ich nicke schnell. Er schlendert mit den Händen in den Hosentaschen durch die Reihen der Autos. Vor einem schwarzen Bentley bleibt er stehen. Ich starre ihn überrascht an:"Ist das dein Auto?" "Ja", bestätigt er und öffnet den Kofferraum. Dann nimmt er mir den Koffer ab und legt ihn hinein. Ich starre immer noch den Bentley an. Das muss ziemlich teuer gewesen sein. Ist das auch wirklich sein Wagen? Unterdessen macht er den Kofferraum wieder zu und hält mir die hintere Tür auf. Ich bedanke mich bei ihm und steige ein. Ein Gentleman ist er auch noch. Er schließt die Tür und steigt auf der anderen Seite neben mir ein. Wer fährt denn jetzt das Auto? "Wohin soll ich sie fahren, Monsieur?", fragt der Fahrer. Ist fällt mir erst auf, als er Ashton anspricht. Davor hat er nur still da gesessen.

Ashton schaut erst zu mir und verkündet dann:"2001 Bryan Street." "Der Bryan Tower?", fragt der Fahrer. Er nickt bestätigend:"Genau der." Ich ziehe einen Zettel aus der Tasche. Es ist eine Kopie des Mietvertrages, welchen ich unterschreiben musste, um mit zusammen mit Katy in ihrer Wohnung zu wohnen. Die Adresse stimmt. Er ist wahrscheinlich oft bei ihr und kennt ihre Hausnummer deshalb. Oder er hat einfach ein gutes Gedächtnis. "In fünf Minuten sind wir da", teilt uns der Fahrer mit. Ich lehne mich im Sitz zurück und schnalle mich an. Der Flug war anstrengend. Ich bin total erschöpft und brauche dringend eine Mütze Schlaf. "Alles ok?", fragt Ashton etwas besorgt. Ich nicke:"Ich bin nur müde. Mehr nicht." "In fünf Minuten sind wir ja da." "Ich weiß", mit diesem Worten schließe ich die Augen und genieße die sanfte Fahrt.

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