Kapitel 1

Leylas Perspektive
"Leyla. Komm schnell. Leyla", ruft meine Schwester aus dem Salon. Ich erhebe mich von meinem Bett. Es ist ein Hochbett, welches ich mir mit Hailey. Wir teilen uns auch ein Zimmer, da unsere Wohnung nicht genug Zimmer für uns hat. Das Haus ist beige gestrichen und der Boden ist dunkelbraun. Jede von uns hat einen unterschiedlichen Schrank und auch unserer Betten sehen komplett unterschiedlich aus. Ihr Bett ist mit rosa Bettwäsche bezogen, während meine Wäsche hellblaue ist. Außerdem hat sie einige bunte Kissen und eine flauschige weiße Decke. Ich hingegen habe keines davon. Nicht weil meine Eltern Hailey lieber haben, sondern weil ich kein großer Liebhaber von so etwas bin.

Was will Hailey nun schon wieder von mir? Sie ruft mich nun schon zum zweiten Mal an diesem Tag für irgendwelche Sachen und immer waren sie unnötig. Das eine Mal war nur, weil sie dachte, dass Mom tot ist, obwohl sie einfach nur geschlafen hat. Das passiert mir natürlich nie.

Ich schlurfe die Treppe herunter und trete in den Salon hinein. Die Wände und der Boden des Salons sind auch dunkel gehalten. Mom liegt auf dem moosgrünen Sofa. Hailey scheint sie zugedeckt und ihren Kopf mit einem Kissen gestützt zu haben. Unsere Mutter ist krank. Sie hat eine schlimme Krankheit, die die Ärzte unseres Jahrhunderts zwar im Stande sind sie zu heilen, doch die Behandlung ist sehr teuer und da wir leider eine der ärmeren Familien Londons sind, können wir uns die Behandlung nicht leisten. Seit sie die Krankheit hat, liegt sie nur noch herum und ist frustriert. Sie ist nicht mehr richtig für uns da, weshalb ich auch sehr froh bin, dass wir schon volljährig sind und somit nicht so abhängig von ihr sind. Hailey und ich sind Zwillinge, obwohl ich doch einige Sekunden älter bin.

Ich setze mich auf einen Sessel und schaue gelangweilt zu Hailey:"Du hast nach mir gebrüllt." Sie verdreht die Augen und nickt dann:"Ja so ist es. Hier. Ließ." Sie wirft mir eine Zeitung zu und ich fange sie blitzschnell. Ich grinse. Meine Reflexe waren schon immer super. Sogar besser als die von Hailey, obwohl wir ja eigentlich Zwillinge sind, doch so ähnlich wir auch aussehen, so unterschiedlich sind wir.

Sie ist immer freundlich und hilfsbereit, wobei ich eher der Meinung bin, dass sie naiv ist. Hailey hat genau dieselben blonden Haare, doch ihre sind etwas kürzer und sie trägt sie nahezu immer offen. Ich bin da ganz anders. Ich trage meine blonden Haare lieber lang und zu zwei Zöpfen geflochten, die mir über die Schulter fallen.

Ich beginne den Zeitungsartikel zu lesen. Er ist von 24. 05. 1848 und wurde von einem Journalisten hier aus London verfasst.

Professor Cooks sucht Testpersonen!
Heute gab Professor Kasimir Cook bekannt, dass er eine revolutionäre Technologie erfunden hat. Nun sucht er seit gestern Londoner, die sich als Testpersonen für seine neue Erfindung zur Verfügung stellen. Es gibt jedoch einige Einschränkungen. Die Tester müssen mindestens 18 Jahre alt sein und größer als 1,60 cm sein. Es dürfen sich sowohl Männer als auch Frauen bewerben. Jeder Teilnehmer bekommt eine Gage von ein tausend Pfund. Wenn sie Interesse haben, besuchen sie das Labor von Professor Cook in der Bakerstreet 102. Worum es bei der Testreihe geht, ist bisher noch nicht klar.

Ich schaue sie fragen an:"Ja und? Eine neue Testreihe wurde gestartet. Was ist daran so besonders?" Sie deutet erst auf Mom und dann auf uns beide:"Mit den tausend Pfund, die jeder von uns bekommen würde, könnten wir Moms Behandlung bezahlen." Ich nicke langsam. Da hat sie Recht. Tausend Pfund pro Person sind viel Geld. "Dann willst du also, dass wir uns dort bewerben?", frage ich weiter, doch die Antwort weiß ich schon. Ich möchte es nur nochmal aus ihrem Mund hören. Hailey springt auf und zieht mich hoch:"Ja natürlich. Wir könnten mit dem Geld so viel machen. Was hältst du davon?" Ich zucke mit den Schultern und antworte ziemlich unschlüssig:"Du hast Recht. Die Idee ist gut, aber..." Sie unterbricht mich einfach:"Gut, dann gehen wir gleicht morgen zusammen zum Professor, um uns zu bewerben." Wieso lässt sie mich nie ausreden? Hailey läuft schnell aus dem Wohnzimmer und faselt irgendwas von wegen Bewerbung schreiben. Ich rolle mal wieder mit den Augen. Wie kann sie immer so Energiegeladen sein?

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