Kapitel 1: Diner des Schreckens

Da stand ich nun also auf der staubigen Straße eines kleines Nests mitten in South Carolina. Erst vor zwei Wochen hatte ich meine Ausbildung an der Police Acadamy abgeschlossen. Das hier war mein erster Einsatzort. Little Falls, Einwohnerzahl 346, eine Texaco Tankstelle, zwei Bars, ein kleines Kino, ein Drugstore und ein Diner, in dem ich gerade gefrühstückt hatte. Oh, und natürlich die kleine Polizeistation. 
Meinen Vorgesetzten, Sheriff Ackersen, hatte ich bereits am Vortag, kurz nach meiner Ankunft in Little Falls, kennen gelernt. Er hatte mich kurz eingewiesen und mir dann die Stadt gezeigt. Auch zu meinem neuen Quartier hatte er mich gebracht. Bei der Witwe Sanders standen mir zwei Zimmer im Obergeschoss zur Verfügung. Obwohl es recht gemütlich war und meine Vermieterin sich als umgängliche nette alte Dame herausstellte, hoffte ich doch, sobald wie möglich eine eigene kleine Wohnung beziehen zu können. Aber das würde wohl noch eine Weile dauern, denn so üppig war mein Gehalt hier leider nicht. 
Meine erste Nacht in Little Falls verlief ruhig, so dass ich, als mein Wecker klingelte, frisch und ausgeruht war. Ich duschte, zog meine neue Uniform an, auf die ich nicht wenig stolz war, rannte, zwei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe hinunter, warf der Witwe im Vorübereilen ein fröhliches "Guten Morgen!" zu und war auch schon aus der Tür. Ich hatte mir vorgenommen, heute im Diner zu frühstücken, um einige meiner Schützlinge kennen lernen zu können. In so einer kleinen Stadt, in der jeder jeden kennt, wurde viel Wert auf persönlichen Kontakt seitens der Amtspersonen gelegt. Ein Polizist, der sich nicht die Zeit für ein gemütliches Schwätzchen nahm, war hier fehl am Platze. Nun, ich hatte noch niemals Schwierigkeiten damit gehabt, auf fremde Leute zu zugehen und sie in ein Gespräch zu verwickeln. Außerdem war ich neugierig auf die Bewohner von Little Falls. Sheriff Ackersen hatte mir schon einiges über die verschieden Leute erzählt, so dass ich es kaum abwarten konnte, sie endlich persönlich kennen zu lernen.
Entsprechend gut gelaunt betrat ich das Diner und wünschte den Anwesenden mit kräftiger Stimme einen guten Morgen. 
Sofort kam eine kräftig gebaute Frau um die fünfzig hinter dem Tresen her auf mich zu. Von Sheriff Ackersen wusste ich, dass sie die Besitzerin des Diners war und allgemein Tante Molly genannt wurde. Mit strahlendem Lächeln hieß sie mich willkommen.
"Guten Morgen, Officer. Herzlich willkommen in Little Falls. Ich bin Molly Dunbar, aber sagen Sie ruhig Tante Molly zu mir, das macht hier jeder. Haben Sie sich denn schon ein bisschen bei uns eingelebt? Ich hoffe, Sie haben letzte Nacht etwas Schönes geträumt, denn Sie wissen ja, was man in der ersten Nacht im neuen Zuhause träumt, geht in Erfüllung. 
Aber ich stehe hier und schwatze, dabei haben Sie doch bestimmt Hunger. Was darfs denn sein?"
Uffa! Sheriff Ackersen hatte mich zwar vor Tante Mollys Redeschwall gewarnt, aber ein bisschen überfahren kam ich mir doch vor. So zögerte ich kurz mit meiner Antwort, was ein etwa dreißigjähriger Mann mit braunen wirren Haaren und einem eben solchen Vollbart zum Anlass nahm, quer durch den ganzen Raum zu rufen: 
"Nun lass den jungen Officer doch mal zu Wort kommen, Tante Molly. 
Sie müssen schon entschuldigen, Officer, aber manchmal quatscht Tante Molly einem das Ohr vom Kopf."
Ich antwortete grinsend:
"Macht nichts, ich bin selber eine Plaudertasche. Übrigens heiße ich Jones, Officer G. Jones. Ich freue mich, dass sie mich hier so freundlich aufnehmen und hoffe, dass wir schon bald gute Freunde werden. So, und jetzt hätte ich gerne einen großen Teller mit Rührei und Speck, zwei Scheiben Toast und einen Riesenbecher Kaffee mit Milch."
"Kommt sofort, Officer Jones", antwortete Tante Molly, eilte trotz ihrer Fülle ziemlich behende hinter den Tresen zurück und rief von da aus in die Küche:
"Hey, Paula, einmal Rührei mit Speck, zwei Toast und Kaffee, aber flott!" In der Küche wurde mit Geschirr geklappert. 
Ich setzte mich an einen Tisch am Fenster, ließ meine Blicke durchs Diner wandern, nickte den anderen Gästen zu und redete mit dem ein oder anderen, bis Tante Molly einen bis oben hin mit köstlich duftendem Rührei gefüllten Teller vor mir abstellte. Zwei perfekt gebräunte Toastscheiben lagen am Rand und der Kaffee, den sie mir anschließend reichte, verströmte ein Aroma, der einen an wilde Abenteuer in Afrika denken ließ.
Ich ließ es mir schmecken und binnen weniger Minuten war mein Teller leer. Gesättigt lehnte ich mich zurück und trank langsam meinen Kaffee. 
Irgendwann warf ich einen Blick auf meine Armbanduhr und erschrak. Himmel, schon fast viertel nach sieben. Um halb acht begann mein Dienst und ich durfte doch nicht schon an meinem ersten Arbeitstag zu spät kommen! Schnell stand ich auf, bezahlte mein Frühstück, verabschiedete mich von den anderen und verließ das Diner in Richtung Polizeistation. Ich schaffte es gerade noch pünktlich.
Sheriff Ackersen lachte, als er mich so abgehetzt ins Büro stürmen sah.
"Na, Jones, bei Tante Molly gefrühstückt?", rief er mit dröhnender Stimme, und als ich das bejaht hatte, fuhr er fort:
"Ich sag Ihnen mal was, Jones, ich bin in meinem Leben schon viel rum gekommen und hab in etlichen Diners und Restaurants gegessen, aber nirgends hats mir jemals so gut geschmeckt wie in Tante Mollys Diner, Little Falls. Keine Ahnung, wie sie das macht. Fest steht jedenfalls, dass Paula die wohl beste Köchin der Welt ist. Ich fürchte immer, dass hier mal der Besitzer eines Nobelrestaurants auftaucht und sie für seine Bude anwirbt und sie uns wegschnappt!"
Auch ich musste lachen.
"Dann verhaften wir ihn einfach."
Sheriff Ackersen schlug mir auf die Schulter.
"Sie sind richtig, Jones. So, dann wollen wir uns mal an die Arbeit machen, was?!"  
"Kanns kaum erwarten", erwiderte ich und rieb mir voller Tatendrang die Hände. Ich wusste bereits jetzt, dass mir meine Arbeit hier in Little Falls gefallen würde!

Die nächsten Wochen vergingen ohne große Vorkommnisse, hier und da mal eine Prügelei in einer der Bars oder mal ein kleiner Diebstahl oder eine Verkehrswidrigkeit, alles reine Routine und schnell erledigt. Der immer etwas lästige Papierkram hielt sich in Grenzen. Die meiste Zeit meines Dienstes verbrachte ich damit, in den Straßen von Little Falls Streife zu gehen und mit den Einwohnern zu plaudern. Wie gesagt, Bürgernähe wurde hier sehr ernst genommen. Bald schon hatte ich das Gefühl, jeden einzelnen Bewohner und dessen Lebensgeschichte zu kennen. Auch bei Mrs. Sanders hatte ich mich schnell eingelebt. Meine kleinen Zimmer waren mir ans Herz gewachsen, ebenso wie die Einwohner von Little Falls. Mein liebster Aufenthaltsort war allerdings das Diner. Hier frühstückte ich jeden Morgen und mittags nahm ich mit Sheriff Ackersen, den ich inzwischen Bill nannte, das Mittagessen ein. Besonders die Burger hatten es mir angetan und ich fürchtete, dass ich mir bald eine neue Uniform zulegen müssen würde... 
Paula war wirklich eine Meisterköchin! Sie verwandelte selbst ein einfaches Schnitzel in eine solche Delikatesse, dass man sich noch Tage später die Finger leckte. Seltsam war allerdings, dass ich sie in all den Wochen, die ich hier war, noch nie gesehen hatte. Sie schien ihre Küche niemals zu verlassen. Ständig hörte man sie mit dem Geschirr klappern, oder bei der Zubereitung des Essens, aber zu Gesicht bekam man sie nie...

Etwa zwei Monate nach meiner Ankunft in Little Falls wurde die Routine jäh gestört, als Rufus Smith, ein agiler Mittsechziger, gegen Mittag die Polizeistation betrat. Ich hatte mich gerade auf den Weg ins Diner machen wollen, voller Vorfreude auf Paulas kulinarische Genüsse, und so hoffte ich, dass Rufus mich mit seinem Anliegen nicht allzu lange aufhalten würde.
Wie sich herausstellte, wollte er seinen alten Freund, Oliver Mahony, als vermisst melden. Ich seufzte, setzte mich hinter meinen Schreibtisch und holte das entsprechende Formular aus der Schublade. 
Bei der Befragung kam heraus, dass Oliver vor vier Tagen mit seinem Pickup nach Calhoun County gefahren, um Düngemittel zu kaufen. Er hatte in einem dortigen Motel übernachtet, von wo aus er am nächsten Morgen auch Rufus angerufen und seine baldige Rückkehr angekündigt hatte. Seitdem fehlte von ihm jede Spur. Rufus hatte mehrfach versucht, Oliver über das Mobiltelefon zu erreichen, aber ohne Erfolg. 
Ich nahm das alles zu Protokoll, versicherte Rufus, dass ich alles in meiner Macht stehende tun würde, um Oliver zu finden, beruhigte ihn damit, dass sein Freund wahrscheinlich nur eine Autopanne gehabt hatte und schickte ihn dann nach Hause.
Meinem Mittagessen hinterher trauernd, griff ich zum Telefon. Nachdem ich sämtliche Krankenhäuser zwischen Little Falls und Calhoun County abtelefoniert hatte, ohne Erfolg, was mich einerseits beruhigte, andererseits aber auch in Alarmbereitschaft setzte, und auch mit dem Besitzer des Motels gesprochen hatte, der mir bestätigte, dass Oliver besagte Nacht tatsächlich dort verbracht hatte und am nächsten Morgen ganz normal ausgecheckt hatte, wobei er bar bezahlt hatte, und anschließend abgefahren war, beschloss ich, mir das Haus, in dem der Alte wohnte, mal genauer anzusehen. Vielleicht fand ich dort ja einen Hinweis auf seinen Verbleib. Ich hinterließ einen entsprechenden Zettel für Bill und machte mich auf den Weg.

Obwohl die Durchsuchung von Olivers Haus zu keinen weiter helfenden Entdeckungen führte, hielt sie für mich doch eine Überraschung bereit, die in mir Erinnerungen und Gefühle aufwirbelte, die ich glaubte, hinter mir gelassen zu haben. Auf dem hellbraunen Cordsofa im Wohnzimmer lag eine bunte Patchworkdecke. Ich starrte sie an und befand mich plötzlich wieder im Wohnzimmer der Bellocks. Die waren meine sechste Pflegefamilie gewesen. Meine Eltern waren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, als ich noch ein Baby gewesen war. Irgendein Drängler hatte den Wagen meiner Eltern spätabends auf einer einsamen Landstraße geschnitten und vom Weg abgelenkt, woraufhin dieser, sich mehrfach überschlagend, den Abhang herunter gestürzt war. Meine Eltern waren sofort tot, ich hatte das Glück, hinten in meiner Babyschale überlebt zu haben. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt wurde ich ins Waisenhaus gebracht, da ich außer meinen Eltern keine anderen Verwandten hatte. Hier verbrachte ich die ersten fünf Jahre meines Lebens, bevor ich die ersten von vielen Pflegeeltern bekam. Nirgends blieb ich länger als ein paar Monate, nur bei den Bellocks blieb ich über ein Jahr, bevor auch sie mich ins Waisenhaus zurück schickten. Wahrscheinlich waren sie mit meiner kindlichen Phantasie überfordert. Ich hatte mir schon früh eine eigene kleine Welt erschaffen, in die ich mich bei jeder Gelegenheit zurück zog. Mit meinen imaginären Freunden spielte ich stundenlang und führte lange Gespräche mit ihnen. Oft war ich so tief in meine Träumereien versunken, dass ich nicht merkte, dass ich laut sprach und mich auch so bewegte, als seien wirklich noch andere Menschen um mich herum. Mein Verhalten mochte die Bellocks schon früh beunruhigt haben, aber sie schoben es auf eine stark ausgeprägte Phantasie. Für mich waren es allerdings keine Phantasien, sah ich doch meine ausgedachten Freunde oft wie leibhaftig vor mir und hörte auch ihre Stimmen. Aber da das für mich normal war, dachte ich nicht weiter darüber nach. Die Ereignisse auf Mrs. Millers Beerdigung machten allerdings auch mir Angst...

Ich war gerade zehn Jahre alt geworden, als die Nachbarin der Bellocks, bei denen ich schon seit 14 Monaten als Pflegekind war, die dreiundneunzigjährige Mrs. Miller starb. Die alte Dame war immer nett zu mir gewesen und hatte mir oft Bonbons und Kekse geschenkt, so dass ich über ihren Tod sehr traurig war. Meine Pflegeeltern überlegten lange, ob sie mich mit auf die Beerdigung nehmen sollten, aber schließlich dachten sie wohl, dass es ganz gut für mich sein würde, zu erfahren, wie so etwas ablief. 
Am offenen Grab standen die Trauernden, der Priester und die Totengräber. Der Priester hielt eine, für meinen Geschmack und meine kindliche Ungeduld viel zu lange Grabrede. Mir wurde langweilig und ich sah mich ein bisschen um. Unter einer knorrigen Buche entdeckte ich plötzlich - Mrs. Miller. Ich musterte die anderen Trauergäste, aber außer mir schien niemand die alte Frau zu bemerken. Ich sah erneut zur Buche, da stand sie immer noch. Sie sah mich an, lächelte und winkte mir zu. Noch einmal ging mein Blick zu meinen Pflegeeltern, aber die beachteten mich nicht. Also löste ich mich langsam aus dem Pulk der Trauernden und ging auf Mrs. Miller zu. Als ich sie erreicht hatte, lächelte sie mich an und sagte, so freundlich wie immer:
"Na, möchtest du ein Bonbon?"
Ich musterte ihr Gesicht und obwohl es genauso lieb aussah wie immer, empfand ich doch ein leichtes Grauen, obwohl ich nicht sagen konnte, warum. Also schüttelte ich den Kopf und sagte:
"Nein danke, Mrs. Miller, heute nicht."
Mrs. Miller lächelte verständnisvoll und fragte mich dann:
"Spielst du denn auch immer schön mit deinen Freunden?"
Ich nickte.
"Das ist gut! Weißt du, ich habe auch viele Freunde."
Ich sah mich um zum offenen Grab, an dem der Priester noch immer redete, aber Mrs. Miller lachte leise.
"Nein, nein, die meine ich nicht. Ich habe ganz viele neue Freunde und wir haben immer sehr viel Spaß. Möchtest du sie vielleicht mal kennen lernen?"
Noch immer lächelte sie mich freundlich an, aber das Grauen in mir wurde immer stärker. Ich schüttelte den Kopf.
"Nein", sagte ich, "ich glaube, das möchte ich nicht. Ich muss jetzt auch wieder zu den anderen. Tschüss, Mrs. Miller."
Ich drehte mich von ihr weg, aber plötzlich packte sie meinen Arm und hielt ihn fest. Ihre kalten Finger bohrten sich schmerzhaft in mein Fleisch und ich schrie leise auf. Panisch sah ich zwischen Mrs. Miller und der Trauergemeinde hin und her, aber von denen schien niemand zu bemerken, was hier unter der Buche vorging.
"Aber, aber, wer wird denn Angst haben! Wir wollen doch nur ein bisschen mit dir spielen, meine neuen Freunde und ich. Schau, dort ist schon einer."
Sie drehte mich so, dass mein Blick auf ein Grab fiel. Die Erde dort begann sich plötzlich zu bewegen und eine graue Hand stieß aus dem Grab hervor. Sie bewegte sich ein bisschen hin und her und winkte mir schließlich zu.
Das war zu viel für mich. Ich begann zu schreien wie am Spieß, riss mich von Mrs. Miller los und rannte davon.

Ich hielt nicht eher inne, bis ich das Haus meiner Pflegeeltern erreicht hatte. Dort stolperte ich die Verandastufen hoch und warf mich im Wohnzimmer aufs Sofa, mein Gesicht tief in der bunten Patchworkdecke, die dort immer lag, vergrabend. So fanden mich die Bellocks bald darauf. Ich fieberte und sie brachten mich ins nächste Krankenhaus, wo die Ärzte ein Nervenfieber bei mir feststellten. Meine Pflegeeltern machten sich große Vorwürfe, weil sie mich auf die Beerdigung mitgenommen hatten. Sie glaubten wohl, dass mich das in meinem Alter überfordert hatte. Von dem, was wirklich passiert war, hatten sie keine Ahnung. Erst Wochen später, als ich mich ein bisschen erholt hatte, vertraute ich mich ihnen schließlich an und erzählte ihnen, was ich erlebt hatte. Sie wechselten besorgte Blicke und veranlassten, dass ich gründlich neurologisch untersucht wurde. Doch alle Untersuchungen blieben ohne Befund. Dennoch hielten die Bellocks mich wohl für gestört und so kam es, dass ihre Besuche im Krankenhaus immer seltener wurden. Und als der Tag meiner Entlassung gekommen war, waren nicht sie es, die mich abholten, sondern eine Mitarbeiterin der Jugendfürsorge...
Ich sah die Bellocks nie wieder. Und ich redete auch niemals wieder über mein Erlebnis auf Mrs. Millers Beerdigung. Ich wollte nicht als irre gelten und in eine Anstalt gesperrt werden. Stattdessen wanderte ich von Pflegefamilie zu Pflegefamilie, wurde manchmal gut, manchmal schlecht behandelt, aber egal, wie gut es mir in manchen Familien auch ging, nirgends hatte ich das Gefühl, wirklich zuhause zu sein.
Im Laufe der Jahre vergaß, oder besser, verdrängte ich das unheimliche Ereignis und erinnerte mich erst wieder daran, als ich in Olivers Haus stand und die Patchworkdecke sah...

Der Raser, der meine Eltern auf dem Gewissen hatte, wurde übrigens niemals gefasst. Vielleicht hatte dieses Wissen zu meiner Berufswahl beigetragen. Tief in meinem Inneren hatte ich die Hoffnung, ihn eines Tages zu finden und ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen.

Das Klappern der Fliegengittertür riss mich schließlich aus meinen Erinnerungen. Ich drehte mich um und sah Bill ins Haus schlendern.
"Na, Junior, irgendwas gefunden?"
"Ich schüttelte den Kopf.
"Nein, nicht das Geringste. Was meinst du, was könnte passiert sein?"
"Ich denke, der Alte hatte irgendwo eine Panne und sitzt jetzt mit leerem Handyakku irgendwo zwischen Calhoun County und hier fest."
Ich nickte, weil auch ich das für plausibel hielt.
"Ich fahr nachher am besten mal die Strecke ab. Vielleicht hatte er ja auch einen Unfall, der bis jetzt nicht entdeckt wurde."
"Gute Idee, Junior. Dann werd ich mal die Nachbarn befragen, vielleicht wissen die ja irgendwas."
Ich nickte Bill zu und ging zurück zum Büro. Ich schnappte mir die Schlüssel des Dienstfahrzeugs und war nur ein paar Minuten später auf dem Weg Richtung Calhoun County.

Es war schon dunkel, als ich Olivers leeren Pickup in einem Straßengraben fand. Per Funk informierte ich Bill und die Bundespolizei, dann sicherte ich die Unfallstelle und begann vorsichtig, um keine möglichen Beweise zu zerstören, die Gegend abzusuchen. Von Oliver fehlte jede Spur...

Erst mitten in der Nacht kehrte ich nach Little Falls zurück. Die Bundespolizei war mit der Spusi an der Unfallstelle aufgetaucht und hatte den Fall übernommen. Bundespolizisten waren mit Spürhunden unterwegs, denn der Verdacht lag nahe, dass Oliver bei dem Unfall einen Schock erlitten hatte und nun orientierungslos in der Gegend herum wanderte. Nachdem Bill und ich alles was wir wussten zu Protokoll gegeben hatten, war unsere Arbeit erledigt und wir fuhren zuruck. Bill ging ins Büro, um den schriftlichen Bericht zu verfassen und mich schickte er ins Bett. Ich folgte seiner Aufforderung nur zu gerne, war ich doch inzwischen hundemüde. Auf dem Weg zu meiner Unterkunft fiel mir auf, dass im Diner noch Licht brannte. Das war ungewöhnlich, denn normalerweise machte Tante Molly um Mitternacht dicht und jetzt war es bestimmt schon drei Uhr früh. So müde ich war, ich beschloss vorsichtshalber mal nach dem Rechten zu sehen.

Die Tür war nicht verschlossen und leise betrat ich das Diner. Tante Molly war nicht zu sehen, aber in der Küche wurde wie üblich mit Geschirr geklappert. Ein verlockender Duft kam aus der Küche und mein Magen verkrampfte sich vor Hunger. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte. Da Tante Molly immer noch nicht aufgetaucht war, beschloss ich, direkt in der Küche nachzufragen, ob ich etwas bestellen könnte. Außerdem wollte ich die Gelegenheit nutzen, endlich mal Paula kennen zu lernen. Ich stieß die Schwingtür zur Küche auf, blieb stehen und konnte nicht glauben, was ich da sah. Nur langsam realisierte mein Gehirn, was meine Augen wahrnahmen. 

Auf dem großen Herd stand ein Topf mit kochendem Wasser. Aus diesem Topf schaute ein Teil eines Beines und eines Fußes heraus - eines menschlichen Fußes. Auf einem Tisch lagen mehrere Stücke rohes Fleisch, das teilweise bereits durch einen Fleischwolf gedreht und zu Hackfleisch verarbeitet worden war. Auf einem Brett lagen fertig geformte Hamburgerscheiben. Auf einem weiteren Brett auf der Arbeitsfläche schließlich lag der sauber vom Rumpf getrennte Kopf von Oliver Mahony...
Ein Schmatzen ließ mich den Blick zur Spüle wenden. Über das Becken gebeugt stand ein Wesen, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte und mir auch in meinen schlimmsten Alpträumen nicht hätte vorstellen können. Auf den ersten Blick wirkte es wie ein riesiger Schleimklumpen. Ein übelkeiterregender Verwesungsgestank ging von ihm aus. Das ganze Ding schwabbelte bei jeder Bewegung, der Körper wirkte gläsern, so dass ich die Adern und inneren Organe sehen konnte. Dazu gehörte auch der Magen, der mit einer Masse gefüllt war, die nur grob zerkaut war. In den Auswüchsen, die vom Körper dieses Wesens abgingen und in denen ich Arme und Hände erkannte, befand sich der blutige, zerfetzte und halb aufgegessene Arm von Oliver. 
Ich stand wie erstarrt, aber das Wesen musste mich dennoch bemerkt haben. Es wandte mir den Kopf zu, zwischen seinen stiftartigen Zähnen hing Olivers Fleisch. Augen schien dieses Ding nicht zu haben, da war nur dieser ekelige Schleim. Das Geschöpf knurrte mich an, ließ den Rest von Olivers Arm in die Spüle fallen und bewegte sich auf mich zu. Instinktiv wich ich zurück und eben so instinktiv zog ich meine Dienstwaffe, obwohl ein Teil von mir ahnte, dass ich diesem Ding damit nicht gewachsen war. 
Immer weiter ging ich rückwärts, bloß weg von diesem Ding. Plötzlich stieß ich gegen ein weiches Hindernis. Ich fuhr herum und vor mir stand Tante Molly. Allerdings eine ziemlich veränderte Tante Molly. Ihre Haare, die sie sonst ordentlich zu einem Dutt aufgesteckt hatte, hingen offen und wirr um ihren Kopf herum. Ihre Augen glühten in einem unheimlichen Rot und ihr ganzes Gesicht war zu einer verzerrten Fratze geworden. In ihren Händen hielt sie ein blutiges Fleischerbeil.

"Na, du neugieriger Bulle, hast du meine Paula endlich kennen gelernt? Schön ist sie, nicht wahr? Und so fleißig. Und billig obendrein. Verlangt keinen Penny, arbeitet nur für Unterkunft und Essen. Na, und das bekommt sie hier ja ohne Probleme. An dem Greis war ja nicht mehr so viel dran, aber an dir wird sie sich schön satt essen können. Und nicht nur sie!"
Tante Molly brach in ein grässliches Gelächter aus, dann hob sie das Beil und schwang es in meine Richtung. In letzter Sekunde konnte ich der scharfen Klinge ausweichen. Ich brachte mich durch einige schnelle Schritte außer Reichweite des Beils, hob meine Waffe und richtete sie auf Tante Molly.
"Lass das Beil fallen und runter auf den Boden mit dir, Hände auf den Rücken. Ich warne dich, zwing mich nicht zu schießen!"
Aber Tante Molly blieb von meinen Worten völlig unbeeindruckt und lachte nur noch lauter. Aus dem Augenwinkel nahm ich eine Bewegung wahr. Ein schneller Blick überzeugte mich davon, dass das Schleimding die Küche verlassen hatte und sich zielsicher auf mich zu bewegte. Meine Waffe schwenkte zwischen ihm und Tante Molly hin und her. Himmel, wo war ich da bloß rein geraten? Und wie, um alles in der Welt, sollte ich da lebend wieder raus kommen?

Plötzlich flog die Tür des Diners krachend auf und Bill stürmte mit vorgehaltener Waffe in den Raum. Mann, war ich froh, ihn zu sehen!
"Runter mit dem Ding, Molly", brüllte er. Tante Molly drehte sich zu ihm um.
"Oder was, Billy? Glaubst du wirklich, dein mickriges Pistölchen könnte mir irgendwas anhaben? Na los, versuchs doch!"
Mit erhobenem Beil ging sie auf Bill los. Der zögerte nicht länger, sondern feuerte seine Waffe ab. Die Kugeln schlugen in Mollys Körper ein, was sie jedoch nicht stoppte.
"Hab ichs dir nicht gesagt?! Da musst du schon früher aufstehen", rief Molly und lachte laut. 
Inzwischen versuchte ich, mit dem Schleimding fertig zu werden. Aber auch meine Schüsse blieben völlig ohne Wirkung. Die Kugeln drangen in den Schleim ein und auf der anderen Seite wieder aus. Die Wunden schlossen sich innerhalb kürzester Zeit, alles, was ich erreicht hatte war, dass sich ein paar kleine Schleimfetzen gelöst hatten. Verdammt, was war das für ein Ding? Solche Monster gab es doch sonst nur im Kino. Kino!
Plötzlich schoss eine Idee durch meinen Kopf. Ich rannte los, machte einen Hechtsprung über den Tresen und lief in die Küche. Hier riss ich in fieberhafter Eile sämtliche Schränke und Schubladen auf, bis ich fand, wonach ich suchte. Mit den Gegenständen in der Hand rannte ich zurück in den Speiseraum. 

Dort hatte Tante Molly Bill mittlerweile in die Ecke gedrängt. Sie schwang das Beil hoch über ihren Kopf - da warf ich einen der Gegenstände, die ich aus der Küche geholt hatte. Er bohrte sich tief in Mollys Rücken. Sie erstarrte mitten in der Bewegung, das Beil fiel aus ihren Händen, Bill regierte blitzschnell, stieß es mit dem Fuß weg und versetzte anschließend Tante Molly einen kräftigen Kinnhaken, der die Dame auf den Boden schickte. Regungslos blieb sie liegen.
Ich beachtete die beiden nicht weiter, sondern wandte mich dem Schleimklumpen zu. Der war mir inzwischen gefährlich nahe gekommen, der widerliche Verwesungsgestank nahm mir fast den Atem. Ich fasste den mir verbliebenen Gegenstand fester, holte aus und rammte ihn mitten rein in den Schleim. Das Ding schrie auf, sackte in sich zusammen und verflüssigte sich. Ich machte einen Satz zurück, um nicht in Berührung mit dem ekelhaften Zeug zu kommen. Dann drehte ich mich zu Bill um.
"Alles klar bei dir?"
Bill nickte. Sein Blick ging zwischen Molly und dem Schleim hin und her.
"Was zum Teufel ist das?", fragte er.
Ich schüttelte den Kopf.
"Keine Ahnung, Mann."

Ich ging zu ihm und der immer noch regungslos daliegenden Molly. Vorsichtig berührte ich ihren Körper mit dem Fuß. Im selben Augenblick zerfiel dieser vor meinen und Bills Augen zu einem Häufchen Staub. Bill und ich sahen uns an.
"Krass!", meinte ich.
Bill nickte bestätigend, dann fragte er:
"Wie hast du das eigentlich hin gekriegt?"
 Ich deutet mit einem leichten Grinsen auf den Gegenstand, der dort, wo sich eben noch Mollys Rücken befunden hatte, zwischen ihren Kleidern lag. Er blitzte im Licht der Neonlampen. Bill starrte eine Weile auf den Gegenstand, dann sah er mich ungläubig an.
"Das ist doch...", begann er und ich ergänzte:
"Das gute Silberbesteck!"

Wann und wie ich  in mein Bett gekommen war, wusste ich nicht, auch nicht, was Bill den Leuten erzählte, ich wusste nur, dass ich irgendwann davon erwachte, dass mich jemand an der Schulter rüttelte. Als ich mühsam die Augen öffnete, sah ich, dass Mrs. Sanders sich mit besorgtem Gesicht über mich beugte.
"Da sind ein paar Männer vom FBI und wollen Sie sprechen, Officer."
Das FBI? Ich beeilte mich mit Duschen und Anziehen und ging dann ins Wohnzimmer. Dort warteten zwei eindrucksvoll gebaute Männer auf mich, die sich mittels ihrer Dienstausweise als Agent Looper und Agent Farelli vorstellten.
"Wir haben den Befehl, Sie ohne Umschweife ins Hauptquartier zu bringen. Bitte folgen Sie uns", schnarrte Looper mich an. Ich zögerte, völlig überrumpelt. 
"Aber meine Klamotten...", versuchte ich einzuwenden, aber Farelli schnitt mir das Wort ab.
"Sie werden alles, was Sie brauchen, im Hauptquartier vorfinden. Kommen Sie jetzt!"

Während des Fluges versuchte ich herauszubekommen, was das FBI von mir wollte, aber die beiden Agents schwiegen eisern. Schließlich gab ich es auf. 
Nach der Landung wurde ich in ein schwarzes Auto verfrachtet und zum FBI-Hauptquartier gebracht. Mit einem Aufzug fuhren wir ins Kellergeschoss. Durch lange Gänge ging es dann bis zu einer Tür, an der ein Schild angebracht worden war, auf dem stand: Abteilung DH1.
Farelli klopfte kurz, die Tür wurde geöffnet, ich in den Raum geschoben und dann die Tür wieder geschlossen. Bevor ich mich noch richtig umsehen konnte, kam ein in Jeans und T-Shirt gekleideter Mann um die vierzig auf mich zu und streckte mir seine Hand entgegen. 
"Officer Jones? Ich bin David Jenkins, Leiter der Abteilung DH1. Kommen Sie, wir setzen uns in mein Büro. Wollen Sie einen Kaffee?"
Ich nickte.
"Kaffee klingt gut."
Jenkins wandte sich an eine an einem Kopierer stehende junge Frau.
"Phillys, bringen Sie uns doch bitte zwei Kaffee. Aber nicht diese Automatenplörre."
"Mach ich, Dave", gab die junge Frau zur Antwort und ging in einen Nebenraum, in dem sich wahrscheinlich die Teeküche befand. 
Jenkins legte seinen Arm um meine Schultern und führte mich in sein Büro. Dort platzierte er mich in einem gemütlichen Sessel vor seinem Schreibtisch und setzte sich dann selbst. Einige Minuten lang saßen wir schweigend da, bis Phyllis uns den Kaffee gebracht hatte. Bis dahin vertrieb ich mir die Zeit, um mich im Büro um zusehen. Mir fiel auf, dass auf dem Schreibtisch, der Übergröße hatte, nichts weiter lag oder stand als zwei PCs, ein Telefon und eine dünne Akte.
Als wir unseren Kaffee hatten und Phyllis den Raum wieder verlassen hatte, tranken Jenkins und ich ein paar Schlucke schweigend. Dann stellte Jenkins seine Tasse auf den Unterteller zurück, schob sie zur Seite, faltete seine Hände auf der Akte uns sah mich an.
"So, Jones, nun erzählen Sie mal, was in Little Falls vorgefallen ist."
So ausführlich wie möglich erstattete ich Bericht. Jenkins unterbrach mich kein einziges Mal. Schließlich hatte ich alles gesagt, was ich wusste und schwieg.

"Haben Sie eine Ahnung, womit Sie es da zu tun hatten?", fragte Jenkins mich. Ich schüttelte den Kopf.
"Ich bin mir nicht sicher, Sir."
"Woher wussten Sie dann, wie Sie dem Ding den Garaus machen konnten?"
"Das wusste ich nicht, Sir. Ich musste während des Kampfes plötzlich daran denken, dass solche... Dinger doch nur im Kino vorkommen. Naja, und in Filmen werden Monster meistens mit Silber getötet."
"Also haben Sie aus der Küche die Silbergabeln geholt?!"
"Ja, Sir, das war das einzige, was mir in dem Moment eingefallen ist. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob es im Diner überhaupt Silberbesteck gab. Ich hab Glück gehabt, schätze ich."
Jenkins nickte, dann sah er mich nachdenklich an.
"Wie fühlen Sie sich eigentlich nach dem ganzen?"
Ich zuckte mit den Schultern.
"Ganz gut eigentlich. Ich wundere mich selbst ein bisschen darüber. Schließlich habe ich erst vor ein paar Stunden gegen ein Ding wie aus einem Horrofilm gekämpft. Das verrückte ist, dass es mir im nachhinein recht, wie soll ich sagen, normal vorkommt. Vielleicht stehe ich noch unter Schock."
Jenkins schüttelte den Kopf, dann fragte er:
"Hatten Sie schon mal so ein Erlebnis? Also, eines, das wie aus einem Horrorfilm wirkte?"
Ich zögerte einen Moment lang, dann erzählte ich ihm von Mrs. Millers Beerdigung. Als ich geendet hatte, schwiegen wir beide eine Weile. Dann griff Jenkins zum Telefonhörer, nahm ihn ab, wählte eine kurze Nummer, wartete kurz und sagte dann:
"Otto, trommeln Sie mal die Truppe zusammen und kommen Sie in mein Büro."
Er legte wieder auf und sah mich an.

"Dieser widerliche Schleimklumpen, mit dem Sie es in Little Falls zu tun hatten, war eine Ghoula, ein leichenfressendes Monster, um es vereinfacht darzustellen. Wir sind uns mittlerweile sicher, dass Molly Dunbar mithilfe von schwarzer Magie diesen Ghoul erschaffen und unter ihre Befehlsgewalt gebracht hat.
Jones, es gibt einen Grund, warum Sie sowohl Tote als auch Dämonen sehen können. Sie sind ein Visionary, ein Geisterseher. Es gibt nur wenige Menschen, die diese übernatürliche Begabung, manche sprechen auch von einem Fluch, haben. Einige dieser Menschen arbeiten hier, in dieser Abteilung. Das DH steht für Demonhunters. Wir sind eine kleine Spezialeinheit, die sich dem Kampf gegen das Böse, gegen Monster und Dämonen aller Art, geweiht hat. Und es gibt weit mehr davon, als Sie ahnen. Wir sind immer auf der Suche nach Leuten, die unsere kleine Truppe verstärken können und ich glaube, ich habe soeben jemanden gefunden. Was halten Sie davon, zukünftig für uns zu arbeiten? Sie bekommen eine Wohnung zur freien Verfügung gestellt und ein ausgesprochen großzügiges Gehalt."
Während ich noch über all das nachdachte, klopfte es kurz an der Bürotür und drei Männer und eine Frau betraten das Büro.
"Schon da, Boss. Was gibts denn?", fragte ein hochaufgeschossener schlaksiger blonder Mann.
"Ah, gut, dass Sie alle da sind. Das hier ist Officer Jones, ein Visi. Hat es mit einer Ghoula aufgenommen."
Die Frau, eine zierliche Japanerin, pfiff leise durch die Zähne.
"Ohne irgendeine Einweisung?", fragte sie. "Beachtlich!" Die Männer nickten zustimmend und ein orientalisch aussehender Typ fragte mich:
"Dann machst du also jetzt bei uns mit?"
"Danach hab ich Jones gerade gefragt, bevor Sie reingekommen sind. Also, Jones, was sagen Sie? Sind Sie dabei?"

Ich hatte keine Ahnung, was mich in diesem Augenblick geritten hatte. Ich wusste nur, dass mir all das, was ich in den letzen Minuten erfahren hatte, absolut logisch und natürlich vorkam. Ich musterte Jenkins und die anderen, die mich erwartungsvoll ansahen und fühlte plötzlich eine nie gekannte innere Ruhe in mir. Ich atmete tief durch und sagte:
"Ich bin dabei!"
Die Japanerin zog mich vom Sessel und umarmte mich.
"Das find ich toll! Wird auch Zeit, dass ich hier ein bisschen Verstärkung bekomme. Wie heißt du eigentlich?"
"Gina", antwortete ich, "Gin für meine Freunde."
"Na dann, willkommen im DH1. Ich heiße Tamaki und das hier sind Sam, Otto und Hassan."
Ich wurde reihum von meinen neuen Kollegen umarmt und willkommen geheißen. Plötzlich fing Otto an zu lachen. 
"Was ist so komisch, Otto? Kommen Sie, lassen Sie uns mitlachen", forderte Jenkins ihn auf. 
"Sieht ganz so aus, als hätten wir endlich einen Namen für unsere kleine Truppe", grinste Otto und auf unsere fragenden Blicke hin deutete er mit dem Finger nach und nach auf uns.
"Gin, Hassan, Otto, Sam, Tamaki - kapiert ihrs nicht? G, H, O, S, T. Ghost. Wir sind das Team Ghost."
"Albern!", murrte Jenkins, aber wir anderen waren von dem Namen begeistert und Sam schlug vor:
"Das müssen wir begießen. Kommt, wir gehen einen trinken!" Sein Vorschlag fand bei uns allen Zustimmung und bestens gelaunt zogen wir ab. Im Vorzimmer blieb ich noch einmal stehen und sah mich um. Erst jetzt fielen mir die vielen Bilder mit verschiedenen Damonen darauf auf, aber sie schreckten mich nicht. Im Gegenteil, ich freute mich auf den Tag, an dem ich endlich gegen diese Viecher kämpfen konnte. Ich setzte mich wieder in Bewegung, auf meine neuen Kollegen zu, die an der Tür auf mich warteten. Ich sah in ihre Gesichter und wieder war da dieses unglaublich schöne Gefühl von Geborgenheit und Ruhe. Diesmal wusste ich, was es war:
Ich war endlich zuhause!





 



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    Auf jeden Fall ist das ein sehr schönes erstes Kapitel mit Spannung schon am Anfang, was man bei vielen Geschichten vermissen kann. Die Idee die Ghoula in ein Schleimmonster zu verwandeln hat was, so sind mir jetzt schon drei Formen des Ghouls bekannt XD Es ist an den wichtigen Stellen wirklich detailiert beschrieben und erzeugt dadurch auch nochmal eine natürliche Spannung, was einem wirklich Hunger auf mehr macht. ;-)

  • Author Portrait

    Ein wirklich tolles Kapitel! Ich freue mich schon auf mehr! :-* <3

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