Kapitel 10

Ich sehe mich im Inneren des Zuges um. In dem kleinen Durchgang in dem wir stehen, gibt es zwei Treppen. Die Treppen befinden sich rechts von uns.

Ich werfe einen Blick zu Karina. Sie sieht beinahe so ratlos aus wie ich, Wo sind wir hier nur gelandet? Und noch wichtiger! Wo sollen wir jetzt hin gehen?

Die Treppe, die nach oben führt, wirkt auf mich am Interessantesten, wenn eine Treppe überhaupt interessant sein kann. Deshalb schnappe ich mir meinen Koffer und trage ihn, ohne auf meine Freundin zu warten, die Treppe hinauf.

Dies stellt sich aber als ein Fehler heraus, als ich bemerke wie schwierig es ist mein Gepäck die hinauf zu tragen. Da ich jedoch kein Mensch bin, der gerne aufgibt, Mühe ich mich ächzend und schnaufend mit dem Koffer in der Hand die Treppe hinauf.

Als ich oben angekommen bin, schaue ich grinsend zu meiner Freundin hinab. Das war zwar anstrengend und echt schwer, aber ich habe es geschafft.

“Jetzt du!“, fordere ich. Sie zuckt mit den Schultern und trägt ihr Gepäck ohne einen Anflug von Anstrengung die Treppe hoch.

Als sie neben mir steht, kommentiert sie nur:“War doch gar nicht so schwer!“ Ich schaue ihr fassungslos und ein wenig beleidigt zu gleich hinterher, als sie die Tür öffnet und hindurch geht. Ohne ein weiteres Wort folge ich Karina dann aber.

Hinter der Tür befindet sich ein Abteil. An den Wänden stehen luxuriöse Sessel und es sind weinrote Vorhänge an den Fenstern befestigt. Immer vier von ihnen teilen sich einen hellen Holztisch. Das Abteil ist zwar ganz schön und sehr luxuriös eingerichtet, doch leider echt nicht mein Geschmack. Ich mag es lieber einfach und gemütlich. Im hinteren Teil des Zuges gibt es eine kleine Bar mit einem Minikühlschrank. Ich frage mich, ob es noch jemanden geben wird, der etwas zu Essen macht oder ob man sich selbst bedienen darf. Letzteres würde mir auf jeden Fall besser gefallen. Ich bin kein Mensch, der sich gerne bedienen lässt.

Karina hebt ihren Koffer auf die Gepäckablage und lässt sich in einen moosgrünen Sessel sinken. Ich verstaue meinen Koffer ebenfalls dort und lasse mich in den Sessel, der ihr gegenüber steht, fallen. Er ist weiß-rosa gemustert und der Bezug fühlt sich unter meiner Haut weich an. Ich ziehe auch meine Jacke aus und lege sie zu meinem Koffer, weil es im Inneren des Zuges ziemlich warm ist.

“Wie fühlst du dich?“, fragt Karina mich. Sie klingt genauso erschöpft, wie ich mich fühle. “Ich bin müde“, antworte ich ehrlich. Auf diese Worte folgt ein theatralisches Gähnen, was meine Aussage noch zusätzlich untermauert. Der Anflug eines Lächelns ist auf ihren Lippen zu erkennen. Sie nickt zustimmend:“Ich auch! Das alles hier ist anstrengender als erwartet!“ Ich schließe für einen Moment die Augen und lasse die Geschehnisse des heutigen Tages Revue passieren.

Plötzlich hält der Zug an und ich schlage die Augen wieder auf. Ich habe gar nicht bemerkt, dass wir los gefahren sind. Das ist das Einzige, was ich denken kann, bevor der Zug mit neuen Geräuschen geflutet wird.

Ich nehme das Geräusch der aufgleitenden Zugtüren war und höre wie einige Personen die Treppe hochkommen. Da mir ein, dass Karina und ich ja auch nicht ganz allein waren. Mit uns sind noch drei Andere eingestiegen, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Wo die sich wohl gerade aufhalten? Wahrscheinlich sind sie einfach irgendwo anders eingestiegen.  Spätestens der Hunger wird sie zu uns treiben. Ob sie sich kennen?

Als sich die Glastür öffnet, spähe ich durch den Gang zu den Neuankömmlingen. Ich war schon immer sehr neugierig. Cole meinte, dass mich diese Neugierde irgendwann mal umbringt. Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Irgendwann wird mir diese Angewohnheit noch das Leben retten!

In diesem Moment treten zwei Jungen und drei Mädchen durch die Tür. Aha, sie sind also auch zu fünft. Ich mustere die Neuen. Sie scheinen im meinem Alter zu sein. Als Erstes mustere ich die Mädchen. Eine von ihnen scheint jünger zu sein als die anderen beiden. Sie hat schulterlange strohblonde Haare und grün-braune Augen. Im Schlepptau hat sie einen kleinen weißen Koffer. Sie scheint nicht viel Kleidung mitgenommen zu haben.

Das zweite Mädchen hat hellblonde Haare und blaue freundliche Augen, während die Letzte schwarze Haare, dunkelbraune Augen und sonnengebräunte Haut hat. Sie sind etwa ein Jahr älter, als das erste Mädchen, doch alle drei wirken freundlich und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich mit ihnen gut verstehen werde.

Die beiden Jungen sehen ebenfalls sehr freundlich aus. Der eine von ihnen hat schwarze Haare und grüne Augen. Außerdem ist er verdammt heiß. Der Andere ist aber auch nicht von schlechten Eltern. Er hat hellbraune Haare und graue Augen.

Die fünf setzten sich auf die freien Plätze. Die beiden Jungen setzen sich auf die sitze neben uns. Das jüngste Mädchen setzt sich ebenfalls zu ihnen, während die älteren Mädchen sich kichernd in eine andere Reihe zwängen.

Ich wende den Blick ab und lasse mich wieder in den Sitz sinken. Dann schließe ich meine Augen und schlafe vollkommen erschöpft ein.

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