Kapitel 10

Holden beugte sich vor und küsste ihn leidenschaftlich auf die Lippen. Ohne Gegenwehr gewährte Sean ihm diesen Moment. Vielleicht weil es ungebetene Zuschauer gab. Er wusste es nicht.

Hungrig strich Bourdains Zunge über seine Lippen. Ohne Schamgefühle, die er wegen der beiden weiblichen Zuschauer gehabt haben könnte. Fordernd bewegten sich Bourdains Lippen unter Seans, der dessen Hände zuerst an seinen Oberschenkel und dann zu weit oben verspürte. Sein natürlicher Fluchtreflex führte dazu, dass Sean den Teller vor sich mit dem Ellenbogen umstieß, als er sich immer weiter nach hinten lehnte. Scheppernd zerbarst das Keramik auf dem Fußboden.

Dann verlor Sean das Gleichgewicht. Verzweifelt griffen seine Hände nach dem Erstbesten, das sie erreichen konnten. Und das war Bourdains Hemd. Allerdings war die Schwerkraft größer und so riss er sie beide zu Boden. Dumpf kollidierten ihre Körper mit dem Fußboden.

„Können Sie nicht einmal wie ein normaler Mensch sitzen, Mr. Grandy? Ich hole den Handfeger“, grunzte Ivy.

„Eins muss man euch lassen. Immerhin habt ihr zwei Leidenschaft.“ Jesse krümmte sich vor Lachen. Sean grunzte. Vom Gewicht des anderen Mannes ächzte sein Rückgrat und sein Bein hatte sich schmerzhaft im Stuhl verkeilt.

„Vielleicht willst du mich auch noch gleich vor ihren Augen ausziehen?“, stöhnte Sean unter Bourdains Körper, der sich ein wenig hochgerappelt hatte.

„Vorsicht, ich könnte das als Aufforderung auffassen“, raunte er und Sean musste zugeben, dass er fasziniert in das tiefe Blau von Holdens Augen starrte. Sein Haar fiel seitlich herunter und streichelte Seans Wangen, während sich ihre Lippen gefährlich nahe waren. Im Bruchteil einer Sekunde war der Moment vorbei und Bourdain hatte sich in einer eleganten fließenden Bewegung von ihm abgerollt. Während Sean sich einem gebrechlichen, alten Mann gleich vom Boden aufraffte, richtete Bourdain sein zerknautschtes Äußeres.

„Wegen mir hättet ihr nicht aufhören müssen. Ich habe kein Privatleben und deswegen ist eures umso pikanter.“ Wieder knabberte Jesse an einem Schokotörtchen. Sean wunderte sich, dass ihr noch nicht schlecht von dem vielen Zucker war. „Du bist offensichtlich unglücklich verheiratet. Und betrügst deine Liebste mit deinem Boss. Einem Mann.“ Sie wies zuerst auf Sean, dann auf Bourdain. „Und du nötigst deinen Mitarbeiter zu sexuellen Handlungen. Durch eine Drohung? Ist eigentlich nur mein Leben so eintönig und langweilig?“ Bedrückt ließ sie das ganze Törtchen mitsamt Schokoladenguss in ihrem Mund verschwinden.

„Du siehst zu viele Telenovelas, Jesse. Wird Zeit, dass du auch jemanden bedrohst, damit dieser seine Frau für dich betrügt“, witzelte Bourdain.

Ihre ungezwungene Art miteinander umzugehen, war erfrischend. „Wer sind Sie?“, fragte Sean und sprach laut einen Gedanken aus, den er schon die ganze Zeit hegte. Bourdains Schwester womöglich? Aber die Ähnlichkeit war nicht gerade überragend, außer die beiden hatten nicht dieselbe Mutter. Und auch nicht denselben Vater.

„Ich bin sein Personal Trainer. Der kleine Quälgeist, der ihn jeden Morgen mit einem Arschtritt aus dem Bett holt“, johlte Jesse fröhlich. Sie grinste. „Heute habe ich es aber nicht über mich gebracht, als ich euch beide so eng umschlungen liegen gesehen hab. Nackt.“ Sie betonte das letzte Wort mit verschwörerischer Stimme. Sean vergrub das Gesicht in seinen Händen. Das durfte alles nicht wahr sein, oder?

„Hast du noch Kopfschmerzen?“, fragte Bourdain mit sanfter Fürsorge in der Stimme.

„Sie sind anwesend und beehren mich, solange ich mich nicht an gestern Nacht erinnern kann.“

„Ich habe die Befürchtung, sie könnten sich verstärken, wenn du es erfährst“, prophezeite Bourdain und lehnte sich unnötig nah zu ihm heran um ihm ins Ohr zu flüstern. „Du bist so sensibel. Dein Körper ist Butter unter meinen Händen.“

Geschirr klirrte neben ihm, doch Sean wollte nicht nachsehen, was er dieses Mal umgeschmissen hatte. Ivys brennender Blick in seinem Nacken reichte dafür vollkommen aus. Sie war gerade mit Handfeger und Schaufel in den Wohnraum zurückgekehrt. Aus dem Augenwinkel sah er sie die Hände in die Hüfte stemmen.

„Verschwinden Sie aus meiner Küche, bevor ich Sie mit dem Löffel verdresche.“ Bourdain lachte leise über ihre Worte. „Das gilt für euch beide“, knurrte Ivy ihn an.

Sie scheuchte sie beide weg. Zumindest von allem Zerbrechlichem in ihrer Nähe.

„Du solltest etwas Sonne tanken. Du siehst blass aus“, sagte Holden und strich aus einem Reflex heraus über Seans Schläfe.

Der Blonde hatte die Hände vor der Brust verschränkt und versuchte sich nicht zu bewegen, solange Ivy ihn fixierte.

„Und, was schlägst du vor?“

Comments

  • Author Portrait

    Die. Kapitel. Sind. Viel. Zu. Kurz TT__TT XDDD Ihr lasst uns am ausgestreckten Arm verhungern XD

  • Author Portrait

    Ich mag Ivy! Ich muss bei fast jedem ihrer Kommentare lachen, zumindest aber schmunzeln. Auch wenn sie ein wenig stereotyp geraten ist, ist sie sehr sympathisch. ^.- Und ich bin froh, dass mein erster Eindruck, Jesse könnte Holdens Schwester sein, gar nicht ganz so abwegig war. Obwohl ... will ich wirklich gedankliche Ähnlichkeiten zu Sean? o.O Naaa ... PS: Ich denke ja, Holden foppt ihn, was die Nacht betrifft. Mal sehen. VG, Noia

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