Kapitel 11

Ich sitze auf der hinteren Bank von Lukes Auto. Links neben mir sitzt Kaya und auf der anderen Seite sitzt Matt. Jackson sitzt vorne auf dem Beifahrer Sitz. Luke sitzt am Steuer. Jackson und Matt haben mich einfach ins Auto gezehrt ohne mir zu sagen, wo wir eigentlich hinfahren:"Wo fahren wir überhaupt hin?" Keiner antwortet mir und ich frage erneut. Letzt endlich erbarmt sich Kaya meiner und antwortet:"Wir fahren zum Oro Rat." "Wieso?", frage ich weiter. Das Auto rast während dessen durch die Straße von New York. Wir sind schon fast an der Brooklyn Bridge angekommen da antwortet Matt:"Weil sie etwas über dich heraus finden sollen. Dafür brauchen sie nur dein Blut." Ich nicke. Wir fahren über die Brooklyn Bridge.

Eine viertel Stunde später hält der Wagen vor einem großen Haus am Ende einer langen Allee. Wir steigen aus dem Auto und Luke holt einen kleinen Beutel aus dem Kofferraum. Ich sehe Luke zu, wie er sich vor das Auto stellt und sich auf den Boden hockt. Dann bohrt er mit dem Daumen sieben Löcher in den Boden und kippt den Inhalt des Beutels auf den Boden. Es sind sieben durchsichtige Kugeln, die von innen zu weiß zu leuchten scheinen. Das Leuchten wirkt wie ein weißer Nebel innerhalb der Kugeln. Sie sind wunderschön. Luke legt jede Kugel in eines der Löcher und zertritt dann die Kugeln. Aus den Kugeln entweicht der weiße Nebel und bildet eine weiße Wand aus magischem Nebel.

Als der Nebel einige Sekunden später verschwunden ist, ist das große Haus verschwunden und erlaubt den Blick auf eine große Villa aus milchigem Glas. Meine Kinnlade klappt nicht zum ersten Mal an diesem Tag nach unten. "Willkommen im Zuhause der Oros", mit diesem Worten macht sich Luke auf den Weg zur Eingangstür des Hauses. Jackson und Matt folgen ihm, doch ich bleibe fassungslos stehen. Als Kaya an mir vorbei kommt, flüstert sie mir zu:"Komm schon, Beth." Ich folge der Aufforderung immer noch ziemlich fassungslos, aber zügig.

Luke klopft an die Tür und einige Sekunden später ist ein Klicken wie von einem Türschloss ist zu hören. Dann streckt ein kleines dünnes Mädchen mit hellblonden Haaren und hellblauen Augen ihren Kopf durch den Türspalt. Sie ist etwa acht Jahre alt und zierlich. Kaya winkt ihr zu und die Kleine lächelt. "Hallo Rosé", begrüßt Kaya ihn. Das Mädchen heißt also Rosé. "Hallo Kaya. Kommt rein", sagt sie freundlich. Rosé öffnet die Tür und lässt uns herein. Als wir alle drinnen sind, schließt sie die Tür wieder und betätigt das Türschloss. Dann führt sie uns durch die Flure des Hauses. Es wundert mich, dass die Wände von innen nicht Gläsern sind. "Hey Kaya warum sind die Wände nicht aus Glas. Ich dachte das Haus ist komplett aus Glas", frage ich Kaya ganz beiläufig. Kaya lächelt:"Nein, das ist eine optische Täuschung. Das Haus besteht eigentlich aus ganz normalem Stein." Wow, ich habe noch echt viel zu lernen. Rosé führt uns bis zu einer Tür und sagt dann:"Hier müsst ihr rein." Luke nickt und klopft an die Tür. Wir werden herein gebeten und Rosé hält uns die Tür auf. Den Raum betritt sie jedoch nicht. Als alle drinnen sind, schließt sie die Tür wieder.

Ich finde mich in einem großen runden Raum mit einer hohen Decke wieder. Die Mauern und der Boden scheinen aus Marmor oder einem ähnlichen Material zu bestehen. Als ich fertig damit in, den Raum zu mustern, fällt mein Blick auf die drei Throne. Sie sind aus dem gleichen Material wie die Decke und die Wände. Darauf thronen drei Oro. Jedenfalls vermute ich das, denn es gibt eigentlich keine äußerlichen Unterschiede zwischen den Menschen und den Oros. Der Thron in der Mitte ist am Größten und ist von einem Mann mit hellblonden Haaren und grauen Augen besetzt. Sein Alter ist nicht klar fest zu stellen, denn auch wenn er die Gesichtszüge und den Körperbau eines 34 Jährigen hat, wird er von einer Aura umstrahlt, die ihn sehr weise und auch alt erscheinen lässt. Zu seiner linken sitzt eine Frau mit ebenfalls hellblauen Augen, aber grünen Augen. Zu der rechter des Mannes sitzt eine andere Frau mit braun-blonden Haaren und grauen Augen. Über dem mittleren Thron ist ein Loch in die Wand eingelassen und darin befindet sich ein Gegenstand, der jedoch zur Hälfte in den Schatten verborgen liegt. Als der Mann in der Mitte zu sprechen anfängt, wende ich ihm meinen Blick zu:"Hallo Luke? Was bringt dich zu uns?" Luke verbeugt sich:"Sie." Er stößt mich etwas weiter in Richtung Thron. Ich stolpere und falle fast hin. Luke fährt fort:"Am gestrigen Tag wurde sie fast entführt. Wir möchten wissen warum." Der männliche Oro steigt von seinem Thron herunter, kommt auf mich zu, bleibt dann vor mir stehen und sieht auf mich herab:"Ich soll in ihren Kopf herum graben?" "Er soll was?", frage ich erschrocken. Jackson legt seine Hand von hinten auf meine Schulter:"Er wir in deinen Kopf schauen und sich deine Erinnerungen ansehen um heraus zu finden, wieso du so wichtig bist." Ich nicke. Ja, das ist wohl das Beste. Schließlich wollen wir es ja alle wissen. Oder? Während ich nachdenke wendet sich Jackson an den Oro:"Außerdem sollt ihr Bethany Blut abnehmen und ihre DNS prüfen." Er nickt und stellt sich gerade vor mich. Dann hebt er seine Hände und legt sie an meine Schläfen. Plötzlich geschieht etwas Unfassbares als seine Finger meine Schläfen berühren.

Meine Erinnerungen rasen blitz schnell an meinem Inneren Auge vorbei. Einige Sekunden später bin ich nicht mehr in dem Raum aus Marmor, sondern im Haus meiner Eltern in Seattle, wo ich fast meine gesamte Kindheit verbracht habe. Es ist einer meiner letzten Tag dort. Ich erinnere mich noch genau daran. Mein jüngeres Ich sitzt mit meinen Eltern am Tisch. Ich sehe mir selbst dabei, wie ich frühstücken gehe. Meine Mutter sitzt der jungen Beth gegenüber und isst Rührei. Sie hat lange rote Haare und grüne Augen. Sie ist wunderschön. Mein Vater sitzt neben ihr und sieht sehr glücklich aus.

Der Oro lässt meine Erinnerungen auf einen anderen Zeitpunkt springen. Es ist immer noch der gleiche Tag, aber etwas später. Mein jüngeres Ich, meine Mutter und mein Vater kommen aus einem Kino. Es ist bereits Nacht und die kleine Beth ist bereits am Schlafen. Mein Vater trägt mein jüngeres Ich. Meine Mutter lächelt. Als sie durch eine dunkle Gasse laufen, bleiben meine Eltern plötzlich stehen. Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Nach wenigen Sekunden erkenne ich warum sie stehen geblieben sind. Aus dem Schatten der Gasse treten zwei Gestalten. Sie sind schwarz gekleidet und fast komplett vermummt. Einer von ihnen zuckt ein Messer und der andere hebt einen Baseballschläger. Meine Eltern sehen sich an. "Lauf Peter. Bring sie in Sicherheit", ruft meine Mutter meinem Vater zu. Er nickt, aber bevor er geht gibt er ihr noch einen Kuss und flüstert:"Ich liebe dich, Sophia." Sie lächelt. Dann läuft er mit der kleinen Beth auf dem Arm weg. Meine Mutter zieht einen langen Dolch und rennt auf den Vampir mit dem Schläger zu und teilt ihn blitzschnell in der Mitte durch. Das hätte ich nie von meiner Mutter erwartet. Als der Vampir zu Boden sinkt, widmet sie sich dem zweiten. Meine Mutter rennt auf ihn zu und drückt ihn zu Boden. Dann schnappt sie sich wieder den Dolch, doch bevor sie zustechen kann, sticht der Vampir unter ihr mit seinem eigenen Messer zu. Meine Mutter erschlafft und der Vampir schiebt sich von sich herunter. Das Messer steckt an der Stelle an der sich das Herz befindet und ihre Kleidung saugt sich mit ihrem roten Blut voll. Ihre Augen werden glasig und ihr Mund klappt auf. Zum Vorschein kommen zwei leuchtend weiße Eckzähne.

Plötzlich verschwimmt das Bild vor meinen Augen und ich bin wieder in dem Marmorzimmer in Brooklyn. Ich sinke zu Boden und Tränen laufen über meine Wangen. Ich dachte es war ein Unfall. Ich dachte meine Mutter wäre bei einem Autounfall gestorben. Mein Vater hat mich angelogen. Was verheimlich er mir denn noch? Plötzlich wird mir etwas ganz schlagartig klar. "Sie war ein Vampir", verkünde ich mit klarer Stimme.

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Fairy Dust

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