Kapitel 11: Der erste Kampf

"Los, hoch mit dir, du musst runter zur Erde, nach Jerusalem, Belphegor macht Ärger. Und versau es nicht wieder!" 
Ohne Vorwarnung tauchte Dominicus mitten in der Nacht in Luzifers Schlafzimmer auf, warf ihm die wenigen Informationen zu und verschwand wieder. Luzifer quälte sich müde aus dem Bett, zog sich an und nahm seine Waffen. Nur Minuten später stand er vor dem großen Tempel in Jerusalem.
Obwohl es auch hier auf der Erde mitten in der Nacht war, waren die Straßen voller Menschen. Fackeln brannten entlang der Wege und sorgten für Licht. Der Tempel war besonders hell beleuchtet. Die Sterblichen drängten sich durch seine Tore ins Innere, wo, wie Luzifer vermutete, eine besondere Zeremonie stattfand. Aber das kümmerte ihn nicht, er hielt die Augen offen nach Belphegor. 
Belphegor. Herr der Faulheit, Feigheit und Ignoranz. Luzifer rekapitulierte in Gedanken, was er sonst noch so über den Dämon wusste. Nicht viel, wie sich herausstellte. Nur, dass er von abstoßendem Äußeren war, mit langem, ungepflegtem Bart, einem Schweif und abnorm langen Füßen. Luzifer blickte um sich, konnte aber kein solches Wesen entdecken. 
Auf der anderen Straßenseite stand ein junger Mann, ganz in schwarzes Leder gekleidet. Er war schlank, auf eine markante Art gut aussehend und hatte einen Dreitagebart. Seine halblangen braunen Haare fielen ihm verwegen ins Gesicht. Er ließ Luzifer nicht aus den Augen. Schließlich bemerkte der Engel, dass der junge Mann ihn beobachtete. Das machte ihn misstrauisch, denn er befand sich auf einer anderen Bewusstseinsebene, Sterbliche konnten ihn also gar nicht wahrnehmen. Sollte dieser junge Mann etwa Belphegor sein?

Er war es!

Als er sah, dass er Luzifers Aufmerksamkeit hatte, stieß er sich mit den Schultern von der Hauswand, an der er lehnte, ab und ging lässig auf ihn zu. Dicht vor ihm blieb er stehen, lächelte und sagte:
"Hallo, Kleines Licht, Kleines Feuer."
Dann stieß er ihm blitzschnell einen Dolch in den Bauch.

Luzifer schrie vor Schmerz auf und sackte in die Knie. Er presste seine Hände auf die Wunde und stöhnte laut, als seine himmlischen Selbstheilungskräfte gegen die Höllenmagie kämpften. Belphegor stand ganz ruhig vor ihm und sah ihm ungerührt zu. 
Schließlich siegte Luzifers Magie gegen die der Hölle, er atmete schwer, sah zu Belphegor hoch, grinste und sagte:
"Netter Empfang, aber was hältst du hiervon?"
Noch während er sprach, zückte er seinen Dolch Namir und schlitzte dem Dämon mit einer blitzschnellen Bewegung das rechte Bein auf. Belphegor zuckte nicht einmal zusammen. Die Wunde heilte in Sekundenbruchteilen. Luzifer war überrascht. Und ziemlich erschrocken. Das sah nicht gut für ihn aus!

Belphegor ging einige Schritte zurück und sagte sanft:
"So, und jetzt, wo wir uns so freundlich begrüßt haben, steh auf und kämpfe, Engel!"
Luzifer sprang auf, griff nach seinem Speer - und wurde von einer Kugel aus reiner Schwärze getroffen und fortgeschleudert. Er knallte auf die Stufen des Tempels, rappelte sich hoch und knurrte:
"Ach so, du willst es auf die harte Tour. Na, das kannst du haben." Er breitete seine Flügel aus und beschwor das Licht des Himmels. Als er die Hitze in seinen Händen spürte, stieß er sie nach vorne. Zwei Lichtblitze schossen aus seinen Händen und trafen Belphegor, der kurz taumelte, aber stehen blieb.
"Ist das alles, was du drauf hast?", höhnte er. Erneut formte er eine Kugel aus Höllenschwärze und warf sie nach Luzifer. Dieser machte einen Satz zur Seite, warf sich zu Boden, rollte sich über seine Schulter ab und sprang wieder auf. Die Höllenschwärze verfehlte ihn nur knapp. 
Luzifer musste einsehen, dass er dem Dämon auf ebener Erde nicht viel entgegen zu setzen hatte. Also schlug er mit den Flügeln und erhob sich in die Lüfte. Zu seiner Überraschung entfaltete auch Belphegor ein Paar Schwingen, nur waren seine von ledernder Konsistenz und tiefschwarz. Ein paar Schläge mit seinen Schwingen brachten Belphegor auf eine Höhe mit Luzifer. Unter ihnen gingen die Sterblichen weiterhin ihren Angelegenheiten nach und bemerkten nichts von dem Kampf zwischen Himmel und Hölle. Luzifer beneidete sie ein bisschen.
Dann konzentrierte er sich wieder auf den Dämon. Wie kam man einem solchen Gegner nur bei, dem nicht einmal das Himmelsfeuer ernsthaft schadete? Aber er hatte keine Zeit mehr, sich eine Strategie auszudenken. Belphegor griff an.
Mit einem kräftigen Schlag seiner Schwingen katapultierte der Dämon sich regelrecht gegen Luzifer, packte ihn bei den Flügeln, so dass Luzifer vollkommen hilflos, nur durch den Dämon gehalten, in der Luft schwebte. Er versuchte sich zu befreien, aber er merkte schnell, dass Belphegors Griff so fest war, dass ihm die Flügel ausgerissen werden würden. Belphegor brachte seien Mund an Luzifers Ohr und flüsterte:
"Ich soll dich von Asmodeus grüßen."
Luzifer erstarrte.
"Kämpf weiter, tu mir ruhig weh, es muss überzeugend wirken, Kleines Licht, Kleines Feuer. Wir stehen auf der selben Seite."
Luzifer riss mit einer gewaltigen Kraftanstrengung sein Knie nach oben und rammte es Belphegor zwischen die Beine. Der Dämon schrie auf, ließ Luzifer los und presste seine Hände gegen seine Weichteile. Luzifer nutzte die Gelegenheit und schlug zu. Seine Faust donnerte an Belphegors Schläfe. Der Dämon wurde zur Seite geschleudert, Luzifer setzte ihm nach und dann folgte Schlag auf Schlag. Er gab Belphegor keine Gelegenheit, sich zu wehren, drosch unentwegt auf ihn ein. Der Dämon schrie vor Schmerz, Blut lief ihm aus Mund und Nase. Endlich verpasste Luzifer ihm einen derartig harten Schlag, dass der Dämon ein gutes Dutzend Meter durch die Luft segelte, sich dabei mehrfach überschlagend. Luzifer flog auf ihn zu. aber kurz bevor er ihn erreichte, richtete Belphegor sich auf. Mit blutenden Lippen krächzte er:
"Diesmal hast du gewonnen, aber ich komme wieder, Engel! Das hier ist noch nicht vorbei!"
Er riss die Arme hoch und beschwor die Höllenschwärze. Sie legte sich um ihn, verhüllte ihn und löste sich dann wieder auf. Und mit ihr verschwand auch Belphegor wieder in der Hölle. 


Comments

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    Wie du den Kampf beschrieben hast, ist echt mega gut. Bitte mehr davon!

  • Author Portrait

    Das war ein Kampf. Ich bin begeistert

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Fairy Dust

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