Kapitel 19

Ich binde meine Haare zu zwei Zöpfen und ziehe mir die Jacke an, die Matt mir gegeben hat. Er besitzt zwei davon. Ich habe ihn gefragt warum und er hat gesagt, dass er sie manchmal nutzt wenn er kämpft, um sich vor jeder möglichen Art von Kobalt zu schützen? Wieso hat er mir noch nicht verraten. Hat es etwas mit seinem Werwolf da sein zu tun?

Es ist gerade elf Uhr in der Nacht und wir machen uns fertig, um in dieser Nacht in die Kanalisation zu gehen und dort nach der ersten Krone zu suchen.

Jackson hat mich seit der Sache in der Bibliothek keines Blickes mehr gewürdigt und kein Wort mit mir gesprochen. Das scheint auch Kaya aufgefallen zu sein. Sie hat mich nämlich zur Seite genommen und gefragt:"Weißt du vielleicht was mit Jackson los ist?" Ich hatte die Frage einfach verneint und bin nicht weiter darauf eingegangen. Ich weiß es ja auch nicht, bin mir aber sicher, dass es etwas mit mir zu tun hat.

Ich werfe einen Blick zu Jackson. Er sitzt auf einem Stuhl und isst einen roten Apfel. Er und Kaya tragen, genau wie Matt und ich schwarze Kleidung. Kaya hat genau wie ich ihre Haare zusammen gebunden. Sie trägt einen dunklen Rucksack auf dem Rücken, in den er etwas zu essen und ein dunkles Tuch gepackt hat. Wieso denn ein Tuch? Ich weiß nicht wozu sie es benutzen könnte. Mir ist irgendwie schlecht und ich bin aufgeregt. Was wenn alles schief geht?

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen. "Sind alle fertig?", fragt Matt. Kaya und ich nicken. Jackson gibt einen unverständlichen Laut von sich. Kaya deutet es als ein "Ja" und steht von ihrem Stuhl auf. Ich folge ihr. Auch die Jungen tun es mir gleich. Kaya und ich steigen hinten ein. Jackson setzt sich ans Steuer und Matt neben ihn. Ich schnalle mich an. Hoffentlich werden wir nicht schon wieder verfolgt.

Jackson lenkt den Wagen aus der Einfahrt und fährt über die Lichtung und ein Stück auf den Wald. Dann fahren wir über die Autobahn zurück nach New York City.

Viele Autos fahren an uns vorbei. Weiße. Schwarze. Grau. Grüne. Nach einer halben Stunde Autofahrt ist endlich die Skyline zu sehen. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen.

Jackson fährt zu einer U-Bahn Station und parkt dort. Wieso halten wir hier? Ich dachte wir fahren mit dem Auto dahin, wo sich die Krone befindet.

Ich sehe Kaya fragend an:"Wieso fahren wir nicht mit dem Auto dahin?" "Weil es mit der U-Bahn einfach schneller geht und unauffälliger ist", sagt sie. Matt öffnet das Handschuhfach. Er holt etwas heraus und steckt es ein. Ich kann nicht erkennen, was es ist. Jackson tut es ihm gleich, holt etwas unter seinem Sitz hervor und steckt es auch ein. Ich sehe Kaya fragend an. Sie zuckt genauso ratlos mit den Schultern. Wir steigen aus und Jackson schließt das Auto ab. Dann steigen wir zu den U-Bahn Gleisen hinab.

Es ist am U-Bahn Gleis eisig kalt. Die Wände und der Boden sind grau. Nur an manchen Stellen gibt es ein zwei Graffitis. Auf den kalten Eisenbänken sitzen vereinzelt Menschen und in den Ecken liege Bettler.

Sie tun mir leid und ich will ihnen etwas Geld geben, doch Jackson zieht mich unsanft von ihnen weg und zurück zu den Anderen. Ich hasse seine schlechte Laune. Was habe ich ihm denn getan?

Wir stehen zu vier am U-Bahn Gleis. Alle in schwarz und Kaya mit einem großen Rucksack auf dem Rücken. Zwischen anderen Fallen wir jedoch gar nicht auf. Neben uns steht ein Mann mit einer pinken Perücke, hohen Schuhen, einer Lederjacke und einem roten Rock. Neben ihm fallen wir nicht auf, worüber ich eigentlich ziemlich froh bin.

Ich blicke mich um. Auf einer Bank sitzt ein Mädchen mit hellblonden Haaren und hellblauen Augen. Sie ist etwa acht Jahre alt und wirkt hilflos. Ihr Blick ist suchend. Sie schaut sich um und mustert jeden der ans Gleis kommt ausgiebig. Ich kneife die Augen. Sie kommt mir so bekannt vor. Ich stoße Matt mit dem Arm an:"Hey Matt." "Ja?", fragt sie leise. Ich nicke mit dem Kopf in Richtung des Mädchens:"Sieh mal. Das Mädchen da. Ich kenne sie irgendwoher." Matt mustert das Mädchen und nickt:"Ja, du hast Recht. Mir kommt sie auch bekannt vor." Nun ist auch Kaya auf das Mädchen aufmerksam geworden und macht große Augen.

Sie löst sich aus unserer Gruppe und rennt zu dem Mädchen. Das Mädchen scheint sie erst nicht zu erkennen. Dann macht sie jedoch große Augen und umarmt Kaya. Sie sagt etwas, doch ich kann es nicht verstehen. Ich komme näher und hocke mich neben Kaya. Sie beginnt mit dem Mädchen zu sprechen:"Was tust du denn hier, Rosé?" Rosé? Jetzt erkenne ich sie auch. In meinem Kopf erscheint ein Bild des Mädchens.

Kaya, Matt, Jackson, Luke und ich stehen wieder vor dem Haus der Oros. Luke klopft an die Tür und einige Sekunden später ist ein Klicken wie von einem Türschloss ist zu hören. Dann streckt ein kleines dünnes Mädchen mit hellblonden Haaren und hellblauen Augen ihren Kopf durch den Türspalt. Sie ist etwa acht Jahre alt und zierlich. Es ist Rosé.

Das Bild verschwindet wieder vor meinen Augen und ich bin wieder am U-Bahn Gleis. Das Mädchen auf der Bank ist also das kleine Oromädchen, welches ich bei meinem ersten Buch bei den Oros bereits getroffen habe. Was macht sie hier so allein und wieso sieht sie so verwaist aus?

Kaya nimmt ihre Hand und sie beginnt mit ihrer zierlichen Stimme zu erzählen, während einige Tränen über ihre bereits etwas verstaubten Wangen rollen:"W-Wir wurde angegriffen. S-Sie kamen in der Nacht und haben unser Versteck e-einfach ausgelöscht. M-Mama ist t-tot." Kaya nimmt sie in den Arm und ich streichele ihre Hand. Dann löst sich Kaya wieder von ihr und fragt vorsichtig:"Wer hat euch denn angegriffen?" Sie zuckt mit den Schultern:"I-Ich weiß es nicht." "Wie meinst du das, Rosé?", fragt Kaya vorsichtig weiter. Sie konnte mit den dürftigen Informationen genau so wenig anfangen wie ich. Rosé zeigt auf mich:"Sie kann es dir zeigen."

Kaya schaut mich fragend an und ich schaue perplex zu dem kleinen Mädchen. Sie streckt mir ihre Hand hin und ich ergreife sie.

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media