Kapitel 2

Nachdem ich mich wieder ein wenig beruhigt habe, überlege ich mir auszustehen, um Kaya oder Matt zu suchen. Ich brauche den Rat der Beiden. Ich habe mir noch nicht überlegt, was ich jetzt tun will. Entweder sterbe ich qualvoll oder ich trinke für den Rest meines Lebens das Blut anderer Menschen.

Ich schiebe meine Decke zur Seite und steige aus dem Bett. Ich trage ein schwarzes Top und eine kurze graue Schlafanzughose. Dass das nicht meine Sachen sind, weiß ich sofort. Socken trage ich nicht und eigentlich müsste ich an den Füßen frieren, doch merkwürdigerweise ist das jetzt nicht so. Hat das mit der Vampirsache zu tun? Auf Zehenspitzen schleiche ich mich zur Tür. Zwar tut mir noch alles weh, doch es ist in der Zeit, in der ich einfach nur da lag, besser geworden. Leise öffne ich die Tür und spähe hinaus. Ich bin mir nicht sicher, ob ich raus darf. Ich habe ein wenig Angst davor, was mich hinter dieser Tür erwartet. Als ich nach draußen sehe, bin ich total ratlos.

Der Flur ist leer und nirgendwo sind Kaya oder Matt zu sehen. Ich verlasse mein Zimmer nun ganz und trete auf den Flur hinaus. Ich weiß nicht, weshalb ich schleiche, doch die Angst mein Zimmer nicht verlassen zu dürfen, veranlasst mich wohl dazu. Ich weiß schließlich nicht, wo ich bin. Im Versteck der Vampire bin ich jedenfalls nicht. Da sah es ganz anders aus.

Ich gehe einfach weiter den Flur entlang und betrachte meine Umgebung. Die Wände sind aus hellem Holz und wirken so als würden sie leicht golden glänzen. Ich lege meine Hand daran. Eiskalt. Erneut frage ich mich, wo ich bin. Dieser Ort ist mir so unbekannt. Alle fünf Meter gibt es Türen, die in einen anderen Raum führen. Ich öffne aber lieber keine von ihnen. Es ist mir irgendwie unangenehm hier so herum zu schleichen, außerdem finde ich es ein wenig unheimlich, dass ich noch keinem einzigen Menschen begegnet bin. Ein Mensch! Das bin ich ja jetzt auch nicht mehr.

"Hey! Stehen geblieben", ruft plötzlich jemand hinter mir. Ich drehe mich nicht um, sondern laufe los. Warum ich das tue, kann ich nicht erklären. Ich folge lediglich meinen Instinkten. Das stellt sich jedoch schnell als eine schlechte Idee heraus, was mir mein nun wieder ziemlich stark schmerzender Körper, deutlich macht. Also bleibe ich keuchend stehen und drehe mich um.

Wenige Meter von mir entfernt steht ein Mädchen, nein eher schon eine Frau. Sie ist wahrscheinlich achtzehn oder neunzehn Jahre alt. Also nicht so viel älter als ich. Ihr Haar fällt in langen blonden Strähnen über ihre Schultern. Ihr leuchten in einem wunderschönen Grün. Auf dem Kopf trägt sie ein Gebilde aus wunderschön in einander verflochtenem Gold. Das Gold hat die Form von Ästen oder kleinen Blättern. Eine Krone.

"Bitte bleib stehen", bittet die Ältere. Gegen jeden Trieb, der mir rät weg zu laufen, bleibe ich stehen und betrachte das Mädchen. Ich vertraue ihr. Sie hat so eine Ähnlichkeit mit Kaya. "Wer bist du?", frage ich mit leiser Stimme. Sie bleibt einige Zentimeter vor mir stehen:"Mein Name ist Juliana Scott." "Scott?", frage ich verwundert. Dieser Name kommt mir seltsam vertraut vor. Sie neigt den Kopf zustimmend und ein leichtes Lächeln umspielt seine Lippen:"Ja ganz richtig. Ich heiße genau wie deine Freundin Kaya den Nachnamen Scott, was dich sicher zu der Annahme führt, dass wir verwandt sind, oder?" Woher weiß sie, dass ich genau das gerade gedacht habe. Ich nicke. "Dann liegst du ganz richtig. Ich bin eine von Kayas älteren Schwestern?" Oh ja, stimmt. Kaya hatte etwas von mehreren Schwestern erzählt. Ich wechsele schnell das Thema und entscheide mich sie weiter auszufragen:"Wo bin ich hier?" "Im Reich der Feen", erläutert sie. Ich schaue mich um:"Echt? Das ist ja cool." Das meine ich komplett ernst. Es war hier wirklich sehr beeindruckend. "Sind Kaya und Matt auch hier?", frage ich langsam weiter. Irgendwoher muss ich meine Informationen ja beziehen. "Matt ist auf dem Balkon, aber Kaya ist momentan nicht hier. Erst in wenigen Stunden kommt sie wieder", sagt sie:"Soll ich dich zu Matt bringen?" Ich nicke dankbar:"Gern." Sofort bewegt sie sich an mir vorbei und geht einfach weiter ohne auf mich zu warten. Ich folge ihr schnell, um so früh wie möglich bei Matt anzukommen.


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