Kapitel 2

Meine Mutter schließt mich in die Arme, löst sich dann aber einige Sekunden später wieder von mir. Ich trete zu meinem Vater, der mich dann auch kurz in die Arme schließt. Andere Mädchen in meinem Alter würden, wahrscheinlich heulen in den Armen ihrer Eltern liegen und sich nicht gerne gehen wollen, doch für mich ist das Alltag. Ich bin diese Abschiede gewohnt. Ich bekomme die Mission jemanden zu beschatten oder zu beschützen, muss dafür meinst Undercover verschwinden und darf keinen Kontakt zu meinen Eltern oder irgendwelchen anderen Spionen oder Bekannten aufnehmen. Bisher war dies auch nie nötig und wir sehen uns nach zwei Wochen immer wieder. So läuft das halt im Spionagebuisness.

Nun löse ich mich auch von meinem Vater. Er nickt mir mit regungsloser Miene zu:"Hast du alles?" Ich nicke und taste noch mal kurz meine Jackentaschen und alle sonstigen Verstecke für Spionageausrüstung ab. Ja, ich müsste alles dabei haben. "Kommen sie, Miss Carter?", ruft der Fahrer des schwarzen Wagens, der mich zur Villa von Mr Karleil bringen soll. Dort werde ich für die Dauer meiner Mission mit den anderen Mitgliedern seiner Familie wohnen. War ja klar, dass er in einer protzigen Villa wohnt. "Ja, ich bin sofort da", entgegne ich und nicke meinen Eltern zu:"Bis dann!" "Bis dann, Schatz", sagt meine Mutter. Ich drehe mich mit meinem Koffer in der Hand um und zum Auto, wo der Fahrer wartet. Er hält mir die Tür auf und nimmt mir den Koffer ab. Ich nicke ihm dankend zu und steige ein, während er mein Gepäck in den Kofferraum hievt. Ich schnalle mich mit dem schwarzen Sicherheitsgurt an und lasse mich in den Sitz sinken. Durch das Fenster sehe ich meine Eltern. Mein Dad hat Mom im Arm, die wie gebannt zu mir starrt. Ich weiß, dass sie mich nicht sehen können. Das ist bei diesen Autos einfach so. Ich kann sie zwar sehen, aber sie mich nicht. Das ist manchmal nicht so toll, doch zwischendurch hat es mir schon mal das Leben gerettet. Der Mann steigt ein und startet den Motor. Als der Fahrer das Auto aus der Einfahrt fährt, gehen meine Eltern rein. Ich löse die Hightech Uhr von meinem Handgelenk und lege sie auf mein Knie. Dann klappe ich das Ziffernblatt hoch. Im darauffolgenden Moment erscheint ein Bildschirm wie ein Hologramm über der geöffneten Uhr. Diese Uhr ist einer der wichtigsten Bestandteile meiner Ausrüstung. Ich tippe mehrmals auf dem erschienenen Bildschirm herum bis ich die Akten von Mr und Mrs Karleil, sowie die ihrer Tochter gefunden habe. Die meisten Menschen wissen es sicher nicht, aber wir die Geheimdienste haben nicht nur Akten von Menschen, die bereits straffällig geworden sind, sondern detaillierte Akten von allen Menschen auf der Erde. Das klingt zwar unrealistisch, doch so ist es. Schon bei der Geburt wird so eine Akte für jeden in unserer digitalen Datenbank angelegt. Wenn es also jemals ein Mensch schaffen würde sich durch unsere Firewalls und all die anderen Sicherheitsvorkehrungen zu hacken, könnte er alle Informationen über jeden Menschen auf der Welt finden, die er braucht. Wenn sich jemals ein Mensch einhacken sollte, wären die Folgen unvorstellbar. Auch Dinge, die abgesehen von unserem Geheimdienst nur die betroffene Person oder nicht mal diese selbst weiß. Schließlich tun wir Menschen auch viele Sachen unbewusst. Auch über mich gibt es so eine Akte. Ich gebe mir immer Mühe alle aktuellen Dinge über mich nach zu tragen. Meine Lieblingsplätze, neue Kampfmoves und noch viel mehr. So können mich die Anderen im Notfall finden, wenn es nötig ist.

Ich beginne die Akten zu lesen. Zwar habe ich sie schon so oft gelesen, dass ich sie schon auswendig kann, was auch kein Wunder ist, wenn man ein fotografisches Gedächtnis hat, doch ich will einfach nicht versagen. Das kann ich mir in meinem Job einfach nicht erlauben.

Als ich Mr und Mrs Karleils Akte durch gelesen habe, ziehe ich mein Handy aus der Jackentasche und schaue nach wie spät es ist. Es ist schon beträchtlich viel Zeit vergangen. Müssten wir nicht schon bald da sein?

So als hätte der Schofför meine Frage gehört, verkündet er mit seiner tiefen kratzen Stimme:"In wenigen Minuten erreichen wir die Karleil Villa, M'am." Ich nicke bestätigend, um ihm klar zu machen, dass ich von seinen Worten Kenntnis genommen habe. Ich konzentriert sich wieder auf die Straße und wie er es Prophezeit hat, sind wir nach wenigen Minuten da.

"Wir sind da, M'am!", sagt er. Als hätte ich das nicht selbst bemerkt! Ich nicke erneut und er parkt den Wagen vorm Haus. Ich seufze. Juhu, ab heute darf ich mich mit einer pubertierenden High School Zicke für längere Zeit unter einem Dach leben. Das wird sicher total toll. Okay, nein wird es nicht. Kann ich nicht lieber mein Leben bei Klettern von einem Hochhaus riskieren? Ich stecke mein Handy in die Jackentasche zurück, lege die Uhr wieder um mein Handgelenk und klappe das Uhrwerk wieder herunter. Dann hole ich eine schwarze Sonnenbrille aus meiner Jackentasche und setze sie auf. So kann ich wenigstens die Augen verdrehen ohne, dass es sofort jeder merkt. Ich ziehe meine schwarze Jacke an und steige aus. Der Schofför bringt mir meinen Koffer. Ich bedanke mich freundlich und gehe auf die Villa zu.

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