Kapitel 2

Leylas Perspektive
Ich ziehe meinen Mantel und meine Stiefel an. Hailey, die neben mir steht, tut es mir gleich. Sie trägt eine weiße Bluse und ihre Haare fallen lang über ihre Schultern. Ich schnappe mir einen Regenschirm und sie steckt den Haustürschlüssel in ihre Manteltasche. Dann treten wir auf die Straße hinaus.

Viele Kutschen rattern über das Kopfsteinpflaster und der Regen fällt auf die Erde hinab. Ich hasse Regen. Hailey streckt ihre Zunge aus und fängt einige Regentropfen auf. Ich verdrehe die Augen und spanne den Regenschirm auf. Sie schiebt sich zu mir unter den Schirm und harkt sich bei mir ein. Ich lasse es zu und sie lächelt mich an. Ich lächele zurück und wir schlendern durch das verregnete London auf dem Weg in die Bakerstreet.

Unser Weg führt uns an einigen Geschäften vorbei. Hin und wieder bleiben wir stehen und betrachten die Schaufenster begeistert, mit dem Gedanken daran, was wir uns von dem Geld, welches wir für die Teilnahme am Testprogramm bekommen wurden. Hailey zeigt auf ein Kleid, von dem ich weiß, dass sie es schon seit ihrer Kindheit haben will.

Auch einige Obdachlose sitzen auf der Straße und beobachten uns. Hailey bleibt bei einer alten Frau stehen und kramt in ihrer Tasche nach Geld, doch ich ziehe sie weg von ihr. Wie konnte sie nur daran denken unser Geld an irgendwelche Leute zu verschenken. Sie schaut mich böse an:"Hey Leyla. Was sollte das?" Ich ziehe sie weiter:"Wir brauchen unser Geld selbst. Wenn wir das Geld von Professor Cook bekommen haben, darf du der Frau gerne zehn Pfund abgeben, aber mehr nicht, Hailey." Sie seufzt, akzeptiert es aber wortlos und lässt sich von mir mit sich schleifen. Manchmal nervt mich ihre Gutmütigkeit ein wenig.

Als wir in der Bakerstreet ankommen, beginnen wir beide sofort Hausnummer 102 zu suchen. Hailey findet sie schließlich und ruft mich:"Leyla. Komm schnell. Ich habe das Haus gefunden." Ich laufe schnell zu ihr und spanne den Regenschirm ab. Hailey läuft die Treppen zur Haustür hinauf und betätigt den Türklopfer. Ich folge ihr langsam.

Ein Klicken ist zu vernehmen und einige Sekunden später wird die dunkle Holztür geöffnet. Ein Mann im mittleren Alter steht dort im Türrahmen. Seine Haare sind schwarz, werden am Ansatz jedoch bereits grau. Er schaut uns forschend an. Dann löst er seinen Blick von uns, schaut kurz die Straße auf und ab und zieht uns dann ins Haus. Ich bin verwundert. Wieso hat er bisher noch kein Wort gesagt?

Das Haus hat helle Wände und dunklen Holzboden. Er nimmt mir den Schirm aus der Hand und stellt ihn in den Schirmständer:"Was kann ich für sie tun, meine Damen?" Hailey und ich sehen uns an. Dann ergreift Hailey das Wort und gibt ihm den Zeitungsartikel:"Wir sind wegen ihrer Testreihe hier." Er nickt und nimmt erst mir und dann Hailey den Mantel ab.

Nachdem er unsere Mäntel an den Kleiderharken gehängt hat, führt er uns in den Salon. Wir folgen ihm wortlos.

Im Salon gibt es einen Karmin, ein Sofa, zwei Sessel und einen Schreibtisch, welcher über und über mit Papieren bedeckt ist. Der in die Jahre gekommene Mann lässt sich in einen Sessel sinken und bedeutet auch uns, uns zu setzen. Nach dem wir uns gesetzt haben, geht er auf unser Anliegen ein:"Wollen sie sich bewerben?" Dieses Mal antworte ich:"Ja, wir würde uns gerne als Testpersonen für ihr Projekt melden." Er hebt eine Augenbraue:"Sind sie dafür nicht noch etwas zu jung?" Ich schüttele entrüstet den Kopf:"Nein. In ihr dem Artikel steht, dass man mindestens 18 Jahre alt sein muss." "Und sie sind so alt?", fragt er nicht mehr ganz so skeptisch wie zuvor. Wir nicken gleichzeitig. Er springt plötzlich aus seinem Sessel auf:"Na gut. Lassen sie mich kurz etwas nachschauen." Er geht zu seinem Schreibtisch und zieht ein Papier aus einem Stapel:"Jajaja. Es sind noch genau zwei Plätze frei. Herzlichen Glückwunsch meine Damen." Wir strahlen uns an und Hailey umarmt Professor Cook freudig. Er lacht:"Das Geld werde sie noch vor Beginn der Testreihe erhalten. Bitte kommen sie am 28. Mai, also in zwei Tagen in mein Labor. Dort werden sie eingewiesen."

Wir unterhalten uns noch ein bisschen mit dem Professor und machen uns eine Stunde später wieder auf den Weg zurück nach Hause.

Ich öffne die Tür zu unserer Wohnung. Auf dem Weg nach Hause hat Hailey mich dazu überredet noch etwas Obst fürs Abendessen zu kaufen. Sie kann sehr gut kochen und ich lasse mich gerne bekochen, also bin ich mit gekommen.

Mom liegt immer noch auf dem Sofa. Während Hailey das Essen zuzubereiten beginnt, hole ich Mom ein Glas Wasser. Sie streichelt dankbar mein Haar und trink das Glas in drei Zügen aus:"Danke Schatz." Ich lächele matt:"Wir haben uns heute beim Professor für diese Testreihe beworben. Dann kannst du bald endlich wieder gesund werden." Sie schaut mich dankend an und Hailey ruft mich zum Essen.

Hailey hat Bohnensuppe zubereitet und wir setzen uns an den Tisch. Auch Mom geben wir einen Teller Suppe.

Als ich in dieser Nacht im Bett liege, spiele ich den ganzen Tag noch einmal in Gedanken durch, während Hailey über mir schnarcht. Es hat aufgehört zu regnen und ich beobachte die Sterne am Himmel. So viele Fragen schwirren in meinem Kopf herum. Was ist das nur für eine Testreihe? Wer sind die anderen Teilnehmer? Was wenn wir nicht überleben? Oder wenn nur einer von uns überlebt?

Irgendwann schaffe ich es dann doch einzuschlafen, doch mein Traum ist verwirrend und ich wälze mich in meinem Bett herum. Das war heute alles ziemlich viel auf einmal.

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