Kapitel 2

Der König stellte resigniert fest, dass er diesem mächtigen Wesen nicht entkam. Deshalb wollte er mehr über diesen merkwürdigen Handel erfahren. Er musste genau wissen, auf was er sich da einließ.
Tiberius hörte seine Gedanken: "Es wird nicht schmerzhaft sein. Du wirst kaum etwas spüren. Wenn ich von dir getrunken habe, werde ich dir als Gegenleistung von meinem Blut geben. Dadurch werden sich deine Sinne verbessern und wahrscheinlich wirst du mächtiger sein.“
Der Vampir ging ein großes Risiko ein, dem König sein Blut zu geben. Er wusste nicht, was es bei Elben bewirken würde. Da sie ebenfalls stark und schnell waren, verstärkte es ihre Kräfte noch viel mehr, aber dies verschwieg Tiberius dem anderen lieber. Nach dem Bluttausch musste er sofort verschwinden, bevor Thranduil merkte, zu was er fähig wäre.
Der Elbenkönig ließ sich auf den Lehnstuhl zurücksinken: "Welchen bösen Mächten gehorchst du, dass du dich von Blut ernährst?“
Tiberius schüttelte leicht den Kopf: "Keine böse Macht. Wir sind verwandelte Menschen. Ich kann keine Speisen mehr zu mir nehmen. Das ist unsere Natur.“
Thranduil sah ihn weiterhin missmutig an: "Und was versprichst du dir von meinem Blut?“
Der Vampir lächelte Zähne entblößend: "Das lass nur meine Sorge sein.“
Allmählich hatten sie genug geredet, fand Tiberius. Er wollte endlich seinem Verlangen nachgeben und von dem Elbenblut trinken. Dem Duft nach zu urteilen, musste es himmlisch schmecken.
Er trat langsam neben den Stuhl des Königs.
Thranduil sah skeptisch zu ihm auf. Als der Unbekannte nach seinem Arm greifen wollte, zog er ihn ruckartig weg:“ Du bekommst nichts von mir.“
Tiberius beugte sich zu ihm hinunter, kam mit seinem Gesicht dicht vor ihn und flüsterte: "Du denkst wirklich, du hättest eine Wahl? Ich kann mir holen was ich will, aber willst du wirklich auf die Macht verzichten, die du dann bekommst? Ich kenne dich. Dich reizt doch die Versuchung, aber du bist zu stolz.“
Der König erstarrte am ganzen Körper, als die Zähne dieses Wesens abermals so dicht vor ihm waren. Er versetzte Tiberius kurzerhand einen heftigen Faustschlag gegen die Brust, doch verzog dann das Gesicht vor Schmerz und rieb die Finger seiner Schlaghand. Dieser Körper hatte sich keinen Fingerbreit bewegt. Es war, als hätte Thranduil gegen eine Wand geschlagen und er selbst war immerhin sehr stark für einen Elb.
Tiberius wich seufzend zurück und ging ein wenig im Raum umher: "Hast du es jetzt allmählich begriffen, dass du mich nicht aufhalten kannst. Ich könnte dich vernichten, aber das will ich nicht. Nur einige Züge von deinem Blut.“
Thranduils Blick war immer noch finster: "Wenn ich dir etwas gebe, dann verlasse sofort mein Königreich.“ Der Schwarzhaarige nickte lächelnd: "Abgemacht. Aber vielleicht willst du danach mehr von meinem Blut.“
Zögernd schob der König nun einen Ärmel nach oben und hielt dem Fremden den entblößten Unterarm hin, aber ließ Tiberius dabei nicht aus den Augen, um vorbereitet zu sein. Die zarte kühle Hand umfasste den Arm und im nächsten Augenblick spürte Thranduil einen Sog an seiner Haut. Er blickte auf Tiberius, der immer noch seinen Arm hielt und daraus trank. Der Elb hatte den Biss überhaupt nicht gespürt und nun kribbelte es stark an der Stelle. Ein wohliges Gefühl breitete sich in seinem Körper aus, ihm wurde warm und es berauschte ihn ein wenig, wie Wein. Er war fast enttäuscht, als der Vampir von ihm abließ.

Nachdem Tiberius die zarte, feste Elbenhaut mit seinen scharfen Zähnen durchstoßen hatte, strömte dieses köstliche Blut in seinen Mund. Schon beim ersten Schluck spürte er seine Kräfte wachsen und sein Körper wurde von einer großen Hitze durchströmt. Es war stärker, als bei einem Menschen und schmeckte so viel besser. Das Herz des Königs schlug zuerst aufgeregt, aber beruhigte sich schnell unter Tiberius Zügen. Er durfte dem Elb nicht zu viel Blut rauben, doch das fiel schwerer als gedacht. So etwas Köstliches hatte er noch nie gekostet, es war fast wie der Himmel auf Erden. Doch würde diese Menge überhaupt ausreichen? Er trank langsam weiter, bis das Herz des Elbs unregelmäßiger schlug. Dann ließ er Thranduils Arm auf die Stuhllehne sinken und betrachtete ihn.
Der König war ganz benommen und hatte die Lider halb geschlossen. Tiberius spürte, wie sich das Blut heiß in jeder Faser seines Leibes verteilte. Er fühlte sich, wie im Fieber. Nun biss er schnell sein Handgelenk auf und drückte die blutende Wunde an Thranduils Lippen: "Trink, Elb!“

Es dauerte einen Moment, bis der König den ersten Schluck nahm. Er war noch ganz benebelt gewesen und hatte nur etwas Feuchtes an seinen Lippen gespürt.
Nach diesem Schluck klärte sich sein Verstand jedoch recht schnell und er fühlte sich mit jedem weiteren stärker. Gierig umklammerte er den Unterarm des Wesens und saugte noch mehr von dessen Lebenssaft.
Plötzlich tauchten fremdartige Bilder in seinem Kopf auf. Von einer riesigen Stadt mit prächtigen Bauten aus Stein und er wusste auf einmal den Namen, Rom. Eine wunderschöne zierliche Frau mit langem dunklem Haar und großen dunklen Augen stand in einem Garten und er sah noch einen hellblonden blauäugigen Mann. Sie waren so blass und makellos wie der Fremde, sie waren ebenfalls solche Bluttrinker. Dann wurde ihm der Arm plötzlich entrissen, die Traumbilder verschwanden und Thranduil sah wieder sein Gemach um sich. Der Bluttrinker stand bereits an der Tür: "Ich danke dir. Wie versprochen, werde ich jetzt gehen.“ Er verbeugte sich noch kurz und im nächsten Augenblick war die Stelle bereits leer.
Der König sprang sofort auf, riss die Tür auf und spähte in den Gang hinaus. Aber der Bluttrinker war spurlos verschwunden.
Die Wachposten vor seiner Tür sahen ihn erschrocken an, da er so plötzlich heraus gestürmt war. „Wo ist er? Habt ihr etwa nichts gesehen?“ Die beiden erwiderten: "Nur ein huschender Schatten, mein König. Wir hielten es für Einbildung.“
Thranduil knurrte: "Taugenichtse. Los, hinterher! Alle Wachen sollen den Palast durchsuchen.“ Doch er ahnte bereits, dass sie den Bluttrinker nicht finden würden. Er war zu schnell und zu stark.

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Fairy Dust

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