Kapitel 2

Wie gefesselt starrte ich zu dem Mann mit den leuchtend grünen Augen, als sich eine warme Hand auf meine Schulter legte. Erschrocken zuckte ich zusammen.

„Guten Abend, Sky," erklang eine belustigte Stimme über mir.

Mit einem leichten Grinsen im Gesicht hob ich meinen Kopf und sah in das Gesicht meiner Freundin.

„Guten Abend, Clarissa," begrüßte ich die Kellnerin die sich mit einem Drink in der Hand mir gegenüber auf das Sofa setzte. Sie trug heute ein schwarzes Cocktailkleid mit Gürtel um die Taille, dass ihre tollen langen Beine zeigte und dazu schwarze High Hells.

„Was Interessantes gefunden?" fragte sie mich und nahm einen großen Schluck von ihrem Glas.

Verwirrt schüttelte ich den Kopf.

„Wovon redest du?"

„Na als ich gekommen bin hast du wie hypnotisiert das Ende der Bar angestarrt," stellte Clarissa nüchtern fest.

„Ich... ich dachte ich hätte jemanden von der Arbeit erkannt," murmelte ich und warf einen kurzen Blick zu dem Platz wo eben noch die beiden Männer saßen. Doch er war leer. Enttäuscht wandte ich mich zu meiner guten Freundin.

„Du dachtest jemand vom Restaurant wäre hier? Ehrlich? Mir schien es eher als würde da drüben ein saftiges Steak auf dich warten. Dir ist quasi der Sabber aus den Mundwinkeln gelaufen." lachte sie.

„Ich habe nicht gesabbert," stellte ich mit hochrotem Kopf fest.

„Also: Was oder besser gesagt wenn hast du gesehen?" ihre Neugier war schier greifbar.

„Hast du doch gerade gesagt: Ein saftiges Rindersteak," neckte ich sie.

Beleidigt zog sie eine Grimasse.

„Jetzt sag schon?"

„Nein."

„Warum nicht?" hackte sie ungeduldig nach.

„Es gibt nichts was ich dir zeigen kann," erwiderte ich.

Belustigt sah ich in das verwirrte Gesicht von Clarissa. Mit nachdenklicher Miene dachte sie über meine Worte nach während sie ihren Blick über die tanzende und lachende Menge schweben ließ und an ihrem Glas nippte.

„Heißt das, du hast geträumt?" fragte sie langsam.

Genervt rollte ich mit meinen Augen. Manchmal saß Clarissa einfach auf der Leitung.

„Um zu träumen muss man schlafen, Clary. Sah es für dich so aus als würde ich schlafen?"

„Sei nicht immer so gemein zu mir. Also hast du es nicht geträumt?"

Ich schüttelte zur Antwort nur den Kopf.

„Okay. Dann hast du dir das nur eingebildet?"

Ich dachte kurz angestrengt über ihre Frage nach. Hatte ich mir die zwei Männer nur eingebildet? Nein, dafür wirkten sie zu real.

„Skyler?" holte mich Clary's Stimme aus meinen Gedanken.

„Lass mich kurz nachdenken."

„Hast du was geraucht?"

„Wie kommst du jetzt auf diesen Schwachsinn?" fuhr ich sie ungehalten an.

Sie zuckt die Achseln. „Weil du darüber nachdenkst ob du dir was eingebildet hast."

„Ich... ich habe es mir nicht eingebildet. Ich kann es dir nicht mehr zeigen, weil es nicht mehr hier ist," antwortete ich ihr genervt von ihrer Fragerei.

„Warum ist es nicht mehr hier?"

„Clary? Ist das jetzt dein Ernst?"

Ein freches Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.

„Der Typ ist also weg?"

„Ja. Der Platz wo er saß ist leer," gab ich seufzend zu.

Clary nahm den letzten Schluck und stellte das leere Glas auf den runden Holztisch vor uns.

„Wo saß er?"

„Sie standen am Ende der Bar, im hinteren Eck."

„Gleich zwei? Ich bin beeindruckt. Hmm... Lass mich nachdenken," Clary rührte nachdenklich mit einem Cocktailspieß im gecrushten Eis ihres leeren Glases. „Aja, das ungleiche Paar. Ein großer Typ, elegant gekleidet, gebaut wie Hulk, und der kleine Süße Typ, sportlich gekleidet aber auch sehr gut gebaut. Stimmt's?" siegessicher hob sie ihren Kopf und lächelte mich an.

Verwundert nickte ich nur.

„Ha! Ich bin gut was? Naja, um ehrlich zu sein die werde ich so schnell nicht mehr vergessen. Seltsame Kunden," nachdenklich rührte sie weiter in ihrem Glas.

„In welcher Hinsicht?" Jetzt hatte sie meine Neugierde geweckt.

„Seltsam eben. Sie kamen ungefähr zehn Minuten nach dir und gingen Zielstrebig in die Ecke zu dem leeren Tisch."

„Und was ist daran so seltsam? Das machen doch viele, oder warum glaubst du sitze ich hier in der hintersten Ecke?"

„Du bist auch seltsam, Süße. Aber du hast mich nicht fertig erzählen lassen. Es ging nicht darum das sie hier in der hintersten Ecke rumstanden, das ist nichts Neues, auch wenn ich jedes Mal denke 'die planen einen Mord'."

„Um was dann?" bohrte ich ungeduldig nach.

„Über was sie geredet haben war ein wenig... naja... ich bekam es irgendwann mit der Angst zu tun."

„Planten sie einen Mord?" entsetzt starrte ich zu meiner Freundin.

„Nein. Ich bekam nicht alles mit. Klang mehr nach Mafia."

„Clary, die Mafia bringt auch Leute um." erklärte ich ihr und verdrehte die Augen.

„Das weiß ich. Ich hörte nur wie der große sagte es wäre 'eine Schande für das Rudel. Das dürfte es nicht geben.' Klingt nach Psychopathen."

„Rudel? Sind das Zombies? Werwölfe?" ich lachte schallend.

Clary grinste schief und zuckte mit den Schultern.

„Sind wahrscheinlich auf einem 'Hangover'-Trieb und nennen sich darum das Wolfsrudel."

„Irgendetwas musste mit den Zweien ja nicht stimmen. Sahen einfach zu gut aus," fügte ich hinzu und rieb mir meinen schmerzenden Bauch.

„Ja das war seltsam. Klang nach zwei verfeindeten 'Rudeln'. Und einer von ihrem 'Rudel' hat eine Frau vom anderen 'Rudel' geschwängert, und jetzt ist es herausgekommen. Klingt voll nach einer 'Romeo und Julia' – Geschichte. Aber das seltsamste war wie sie das Kind nannten: Einen Hybriden," erzählte Clary weiter während sie nachdenklich auf die Tanzfläche schaute.

„Ein Hybrid? Ist das nicht... die Mischung von zwei Wesen?" überlegte ich laut.

Clary nickte.

„Ja, so hätte ich es auch verstanden. Aber ganz ehrlich: Ich denke die zwei verbringen einfach nur zu viel Zeit vor dem Computer oder Fernseher. Als würde es Wesen wie Werwölfe geben," lachte Clarissa.

„Warum hattest du dann Angst vor ihnen als du lauschtest?" wollte ich von ihr wissen.

„Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Mir lief es plötzlich Eiskalt den Rücken runter. Mir wurde plötzlich schwindelig, alles drehte sich. Und dann wurde es dunkel. Das einzige an das ich mich erinnern kann waren zwei hell leuchtende Punkte, wie Diamanten in dieser Dunkelheit. Danach kann ich mich an nichts mehr erinnern. Vollkommener Filmriss. Es war Gruselig." Clary erzitterte bei dem Gedanken daran.

Mitfühlend stellte ich ihr mein halbvolles Glas hin. Dankbar nahm sie einen Schluck.

„Was ist dann passiert?" wollte ich wissen.

„Keine Ahnung. Das nächste an das ich mich erinnern kann ist das ich im Damenklo war und mir die Hände wusch. Und jetzt bin ich "

„Wie kamst du dort hin?"

„Das ist die Frage die ich mir auch stellte: Wie zum Teufel kam ich auf das Damenklo, ohne dass ich mich daran erinnere und was habe ich dort gemacht?"

Nachdenklich wanderte mein Blick zur Bar. Dahinter erkannte ich Joe, den netten Barkeeper mit dem Clary immer flirtete. Mir kam eine Idee.

„Hast du Joe gefragt? Hat er was mitbekommen?"

Clary seufzte.

„Ja, er sagte ich hätte mich nicht wohl gefühlt und wäre die Treppe förmlich hinuntergerannt. Er hatte schon die Befürchtung ich sei Schwanger."

„Ihm ist schon klar, dass das was er meint 'Morgenübelkeit' genannt wird und nicht 'Mitternachtsübelkeit'?" witzelte ich.

„Das habe ich ihm auch gesagt. Jetzt denkt er ich hätte hinter der Bar gesoffen. Auch nicht besser," seufzte Clary theatralisch.

„Er ist also sauer auf dich."

„Jep."

„Das heißt...?" fragte ich nach.

„Das heißt das ich für heute fertig habe. Offiziell."

Geschockt drehte ich mich zu ihr. „Das heißt aber nicht..."

„Nein, ich bin nicht gefeuert. Nur verwarnt. Wahrscheinlich nur eine Magenverstimmung. Das blöde ist nur das ich mit Lee hier bin," stellte sie betreten fest.

Entschlossen stand ich auf. „Ich fahre dich nachhause."

„Du bist die Beste," freute sich Clary und warf mir eine Kusshand zu.

„Komm bevor ich es mir anders überlege," lachte ich.

Clary sprang auf. „Sofort."

Lachend und witzelnd verließen wir den Club. Glücklich hob ich den Blick und sah zum Himmel an dessen Firmament groß und hell der Vollmond stand. Es würde eine schicksalhafte Nacht werden. Das wusste ich nur noch nicht.


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Fairy Dust

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