Kapitel 20

Ich befinde mich auf einem Feld. Es ist Nacht und ich zittere leicht. Etwas weiter weg ist die Silhouette eines großen Hauses zu sehen. Es ist etwas nebelig, weshalb ich das Haus nicht genauer erkennen kann. Ich stehe auf und schaue mich um.

Plötzlich blitzt etwas in der Nähe des Hauses auf und ich renne von meiner Neugierde getrieben auf das Haus zu. Ich sehe wie einige schwarze Gestalten um das Haus herum schleichen und verstecke mich blitzschnell hinter einer Mauer, sodass mich die Gestalten nicht sehen können.

Die Wolken werden vom Mond weg geschoben und ich kann die Gesichter der Personen erkennen. Sie haben dunkle Haare, schwarze Flügel und schwarze Augen. Ihre Haut ist bleich. Was sind das nur für Gestalten? Sie haben doch Flügel also müssen es Engel sein. Oder doch nicht? Es können keine Engel sein. Sie haben keine schwarzen Flügel und sehen auch nicht so aus. Dann müssen es wohl Dämonen sein.

Sie zücken glänzende Metallklingen und einer von ihnen zieht ein Feuerzeug heraus. Dann wirft er es ins Gras um das Haus herum. Das Gras beginnt zu brennen und in Sekundenschnelle ist fast das ganze Haus von Feuer umgeben.

Die Dämonen lachen hämisch. Das Licht in einigen Räumen geht an und drei Oros stürmen aus dem Haus. Plötzlich erscheinen noch mehr Dämonen und umzingeln das Haus. Ich will zu den Oros und sie unterstützen, bin jedoch unfähig mich zu bewegen. Was ist das hier? Wieso kann ich ihnen nicht helfen?

Die Dämonen kommen den Oros immer näher. Die Oros währen sich gegen die Angriffe der Dämonen, doch sie können es nicht mehr lange alleine schaffen. Noch mehr Oros kommen aus dem Haus geströmt und ich sehe auch den Uroro Valentin, dem ich bereits einmal begegnet bin. Er geht auf einen Dämon los und die anderen tun es ihm gleich. Ein Kampf entfacht. Auf beiden Seiten gehen Kämpfer zu Boden. Ich will helfen, kann aber nichts tun.

Das Feuer lodert immer höher und plötzlich sehe ich wie ein kleines blondes Mädchen in dunkler Kleidung, vom Schatten fast komplett verborgen, an einem Seil aus dem Fenster klettert. Es ist Rosé.

Als sie am Boden angekommen ist, wartet sie. Dann kommt eine Frau mit derselben Haarfarbe wie Rosé und grauen Augen aus dem Haus. Sie streichelt Rosé Wange und gibt ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann überreicht sie ihr einen Gegenstand, der in ein schwarzes Tuch eingewickelt ist. Sie sagt etwas und ich lausche ihrer Konversation. "Nimm das hier, mein Kind und lauf. Lauf so weit weg wie es geht. Such Luke, Mingun oder Freya und bringe es zu ihnen. Schau nicht hinein. Ich liebe dich, mein Kind", mit diesen Worten verabschiedet sich von ihr und zieht sie in eine Abschiedsumarmung. Dann löst sie sich wieder von ihr und das achtjährige Mädchen läuft los. Sie läuft so schnell wie sie kann. Keiner scheint sie zu bemerken, doch dann landet ein Dämon neben ihnen und wirbelt Staub auf. Er zuckt ein Messer und attackiert Rosé damit. Ihre Mutter stellt sich dem Dämon jedoch in den Weg und dieser rammt ihr das Messer ins Herz. Sie schreit schmerzerfüllt auf und fasst sich ans Herz. Rosé kreischt auf, doch innerhalb von Sekunden hat sie sich wieder gefangen und laut weg. Der Dämon scheint sie nicht allzu wichtig zu finden und wendet sich einem anderen Oro zu. Ich will zu der Frau am Boden gehen, kann mich aber trotzdem nicht bewegen.

Das ist doch unfair. Wieso kann ich ihnen nicht helfen. Da weiß ich plötzlich wieso ich nicht eingreifen kann und ein Satz den meine Mutter oft gesagt hatte, fällt mir ein. Was einmal geschehen ist, kann man nicht mehr ändern. Das hier ist bereits geschehen. Es ist nur eine Erinnerung. Die Erinnerung von Rosé. Was dieses kleine Mädchen mit acht Jahren schon erlebt hat ist schrecklich.

Auf einmal verschwimmt alles vor meinen Augen und meine Beine geben nach.

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Fairy Dust

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