Kapitel 21

Eiskalt lief es mir über den Rücken. Was hatte das zu bedeuten? Was hatte es mit der Prophezeiung der Hüterin der Portale auf sich? Warum trug sie meinen Namen?

„Was steht in dieser Prophezeiung?“ wollte ich mit erstickter Stimme wissen.

Rose und Ryder tauschten einen vielsagenden Blick.

„Verdammt noch mal, sagt mir endlich was in dieser beschissenen Prophezeiung steht!“ fauchte ich angespannt.

„Also das ist so…“ begann Rose vorsichtig.

„Diese Prophezeiung stammt aus der Zeit vor deiner Geburt.“ warf Ryder ein.

„Halt die Klappe Ryder. Ich erzähle ihr die Geschichte,“ protestierte Rose zornig.

„Wir haben aber nicht die ganze Nacht Zeit,“ brummte er ungeduldig.

„Hört gefälligst auf zu streiten und sagt mir was in dieser verdammten Prophezeiung steht,“ fauchte ich aufgebracht. Vor Nervosität zitterten meine Hände. Neugierig drehten sich einige Köpfe in unsere Richtung. Ryder zog seine Kapuze weiter ins Gesicht.

„Sei ein wenig stiller. Neugierige Zuhörer können wir uns nicht leisten,“ zischte meine beste Freundin.

„Wir erzählen dir ja was darinsteht. Du musst dich nur ein wenig gedulden.“

„Sie soll sich gedulden? Ihr ganzes Leben ist auf eine Lüge aufgebaut und du sagst ihr sie soll sich gedulden?“ lachte Ryder tonlos.

Rose warf Ryder einen warnenden Blick zu.

„Na fein. Ich bin ja schon still. Aber versprich mir das du ihr die Wahrheit erzählst,“ grummelte Ryder und lehnte sich mit verschränkten Armen in seinem Stuhl zurück. Ungeduldig begann er mit seinem Stuhl zu wippen. Doch Rose schenkte ihm nur ein mildes Lächeln und wandte sich dann nervös zu mir.

„Die Hüterin der Portale ist eine ganz besondere Prophezeiung: Sie wurde von einer unbekannten Seherin gesprochen,“ begann sie nervös zu erzählen. „Niemand weiß wer sie war noch wohin sie verschwand nachdem sie diese Prophezeiung sprach. Und doch ist es die Wichtigste die in diesem Buch steht.“

„Warum?“ wollte ich wissen und beugte mich zu meiner besten Freundin.

„Sie berichtet über das Verschwinden des Schwertes des höchsten der Erzengel, deines Vaters,“ flüstert sie und blickte sich nervös um. Doch die Kneippengäste hatten sich alle wieder ihren Drinks zugewandt. Ryder schnalzte spöttisch mit seiner Zunge.

„So kannst du es natürlich auch sagen.“

„Was hast du jetzt wieder zu nörgeln?“ fauchte Rose ungehalten.

„Die Geschichte berichtet über die Person die über den Krieg entscheidet,“ verbesserte Ryder besserwisserisch. „Indem sie das hohe Gut wiederfindet.“

„Das stimmt nicht und das weißt du ganz genau. Auf keiner einzigen Seite steht wie der Krieg endet,“ Ihr Gesicht war wutverzerrt.

„Die Hüterin der Portale und der Krieger gesegnet mit den Gaben beider Welten werden über Aufstieg oder Fall entscheiden.“

„Und was soll das deiner Meinung nach bedeuten? Das sagt überhaupt nichts,“ gab sie spöttisch zurück.

„Das sagt uns, dass wir auf die Fähigkeiten von Raven vertrauen müssen und das tu ich auf jeden Fall,“ gab Ryder unbeeindruckt zurück.

„Aber ich habe keine besonderen Fähigkeiten,“ gab ich zu bedenken doch beide ignorierten mich.

„Und was ist mit dem ‚Zwei Welten Engel’ der zurück kommt um der Hüterin der Portale beizustehen? Bist du das? Gib doch zu, dass auch du den Text nicht vollkommen verstanden hast.“

Ryder schüttelte den Kopf. „Ich würde nie behaupten, dass ich den Text vollkommen verstanden habe. Den Teil mit dem Engel der aus Zwei Welten stammt verstehe ich bis heute nicht. Das müsste ja heißen, dass derjenige ein halber Todesengel wäre. Das hat es noch nie gegeben. Und was soll das bedeuten er kämme zurück? Von woher?“

„Vielleicht ist es Tristan?“

„Tristan ist ein Engel,“ knurrte Ryder.

„Er ist ein Engel. Seine Flügel sind weiß und aus Federn,“ gab ich ihm recht.

Rose seufzte theatralisch. „Kennst du einen Todesengel?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Vielleicht kehrt jemand von der Totenwelt zurück?“

„Es heißt er stamme aus beiden Welten.“

„Wer sagt uns das damit die Totenwelt gemeint ist?“ warf Ryder nachdenklich ein.

Rose begann zu lachen. „Welche Welt den sonst? Ich meine, was denkst du von wo… Halt! Du glaubst… aber, ist das denn überhaupt möglich? Das gab es doch noch nie.“ Sprachlos schaute sie zu Ryder, vollkommen baff über ihre Entdeckung.

„Alles ist möglich,“ antwortete er nachdenklich.

„Das wäre noch der größere Eklat als ein halber Todesengel,“ gab Rose zu bedenken.

„Wovon sprecht ihr?“ warf ich verwirrt ein.

„Wir denken… oder besser gesagt sind wir uns sicher das der ‚Engel aus zwei Welten‘ ein halber Mensch ist,“ erklärte mir Rose.

Einen Moment starrte ich die beiden nur erstaunt an, dann brach ich in schallendes Gelächter aus.

„Ihr seid verrückt. Das ist nicht möglich.“

„Warum soll das nicht möglich sein?“ fragte mich Ryder während ich nach Luft schnappte.

„Ihr habt ein wichtiges Detail vergessen: Menschen können uns nicht sehen. Wie soll dann ein Mensch mit einem Engel ein Kind haben? Das geht nicht,“ antwortete ich immer noch nach Luft ringend.

„Das stimmt nicht,“ widersprach mir Ryder.

Verwirrt starrte ich zu ihm. „Was soll das heißen?“

„Das soll heißen, dass es durchaus Menschen gibt die uns sehen können,“ erklärte er mir langsam.

„Wie ist das möglich?“ wollte ich erstaunt wissen.

„Diese Menschen besitzen einen sogenannten sechsten Sinn,“ antwortete mir Rose.

„Und ihr denkt das aus einer dieser Verbindungen ein Kind entstammte?“

Rose und Ryder warfen sich einen Blick zu. „Wir glauben das es nicht nur eines gibt,“ seufzte sie schließlich.

„Ihr glaubt also, dass es noch weitere dieser Halbengelform gibt?“

„Ja.“ nickte Rose.

„Wie kommt ihr auf diese Schlussfolgerung?“ fragte ich die beiden skeptisch. Ich konnte dies immer noch nicht nachvollziehen. Was machte die beiden so sicher?

„Es ist so: Viele verbannte Engel, verlassen Skyland und gehen in das Reich der Menschen. Dort leben sie meistens auf der Straße, beginnen zu trinken und sterben dann einsam und allein. Doch manchmal treffen diese Engel jemanden der sie wahrnimmt, verlieben sich und tun eben was verliebte tun. Aus manchen dieser Verbindungen entspringen Kinder. Halb Engel, halb Mensch.“ erzählte Ryder mit gesenkter Stimme.

„Du warst also in der Menschenwelt,“ stellte ich nüchtern fest.

„Ja.“

„Du hast diese Kinder gesehen?“ fragte ich ihn.

„Ja.“

„Wie geht es weiter?“ wollte ich wissen und sah in die Runde. Verwirrte Gesichter blickten mir entgegen.

„Was meinst du?“

„Nun: Soviel ich verstanden habe geht es in der Prophezeiung um den Krieg der unweigerlich ausbrechen wird, um eine sogenannte Hüterin der Portale und einem Zwei Welten Engel der ein Halbwesen ist die den Krieg aufhalten oder anführen. Wie geht es weiter? War das alles?“ fragte ich unruhig nach.

„Nein,“ antwortete Ryder seufzend.

„Dachte ich mir.“

„Wie gesagt: Die Prophezeiung wurde vor deiner Geburt aufgezeichnet. Das war die Zeit als die ersten Todesengel rebellierten. An der Grenze zur Unterwelt waren immer wieder kämpfe. Dein Vater Michael war immer wieder im Grenzgebiet und hat auch gekämpft. Sein Schwert ‚Gladius‘ war sein ständiger Begleiter. Eines Tages, er und seine Begleiter nächtigten in einer Gaststätte, war das Schwert verschwunden. Du musst wissen das ‚Gladius‘ kein normales Schwert ist. Der Träger von ‚Gladius‘ hat unglaubliche Macht. Aus jedem Kampf geht der Besitzer als Sieger hervor,“ fuhr Ryder seine Geschichte fort.

„Es wurde gestohlen,“ Warf ich ein. Ich kannte die Geschichte des Schwerts des Erzengels. „Vaters Schwert wurde gestohlen.“

„Aber von wem? Er hat natürlich sofort seinen Rivalen Luzifer beschuldigt. Doch dieser stritt alles ab. So machte sich Michael sofort wieder auf den Weg. In einem kleinen Dorf vor der Grenze zur Unterwelt traf er schließlich auf eine Seherin. Diese überbrachte ihm diese Prophezeiung,“ beendete er seine Erzählung.

„Das heißt die Prophezeiung wurde meinem Vater gemacht,“ entnahm ich seinen Worten.

„Exakt.“

„Die Seherin sagte deinem Vater eine erneute Schwangerschaft seiner Frau voraus. Dieses Mal soll es ein Mädchen werden die alle Eigenschaften der Elemente vereinte. Geschmückt mit Haaren so schwarz wie das Federkleid des Raben soll sie auch die außergewöhnliche Eigenschaft des Raben haben,“ fuhr Rose fort.

„Was ist die Eigenschaft des Raben?“ wollte ich wissen während ich gedankenverloren mit meinen Fingern durch meine samtschwarzen Haare fuhr.

„Die Macht des Raben ist es durch die Welten zu reisen,“ erklärte mir Ryder. „Außerdem sind sie die Wächter dieser Portale.“

„Weltenwandler,“ hauchte ich. „Die Macht des Raben ist es Portale zu öffnen. In alle Welten.“

Rose nickte. „Genau wie du.“

„Woher willst du das wissen?“ fragte ich sie.

„Du hast vor kurzer Zeit ein Portal quer durch das Land geöffnet,“ widersprach sie mir. „Ich glaube das ist Beweis genug.“

„Ich wusste nicht was ich tat,“ verteidigte ich mich.

„Der Rabe wird seine Flügel in der dunkelsten aller Stunden ausbreiten,“ rezitierte Ryder. „Und der Adler macht sich auf den Weg zu ihr.“

„Der Adler?“ fragte ich verwirrt.

„Der Zwei Welten Engel.“ erklärte mir Rose eifrig.

„Zusammen werden sie sich auf den Weg machen um des Erzengels Schwert zu finden, dass über  Sieg oder Niederlage entscheidet,“ rezitierte er weiter.

„Ich soll das Schwert suchen? Verdammt nochmal wo soll ich es finden? Das könnte überall sein,“ fluchte ich aufgebracht.

„Das ist das entscheidende,“ Rose nickte.

„Darum geht es. Wir brauchen das Schwert. Das entscheidet über Leben oder Tod,“ warf Ryder ein.

„Wo sollen wir das Schwert finden?“ fragte ich ein weiteres Mal.

„Wir?“ fragte mich meine beste Freundin.

„Ja, ihr… ihr helft mir doch oder?“ hilflos schaute ich von einem Gesicht zum anderen.

„Wir werden dir natürlich helfen. So gut wir können.“ versprach mir Ryder.

„Aber ihr werdet nicht mitkommen.“ Murmelte ich als ich das unausgesprochene zwischen uns verstand.

„Nein.“ Rose schüttelte den Kopf und senkte den Blick.

„Raven, ich würde dir überallhin folgen, wenn ich könnte, aber ich kann nicht.“ Erklärte Ryder mit zusammengebissenen Zähnen. „Ich bin ein Verstoßener.“

„Aber ich brauche eure Hilfe,“ flehte ich.

„Du schaffst das, Raven. Wir glauben an dich,“ Sprach mir meine beste Freundin Mut zu.

„Du bist nicht alleine,“ Warf Ryder ein und blickte über meine Schulter.

„Wie meinst du das?“ fragte ich verwundert.

„Weil ich dir helfe,“ antwortete eine knurrende männliche Stimme.

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