Kapitel 24

Verwirrt folgten wir ihn in die Dunkelheit des Flurs. Unsere Schritte hallten von den Marmorfliesen. Vor uns erstreckte sich ein schier endlos scheinender Gang. Rechts und links waren mehrere große Holztüren genau wie die aus der wir gerade traten. Diffuses Mondlicht fiel durch die beiden einzigen Fenster an beiden Enden des Ganges.

Samuel strich sich nachdenklich über sein Kinn. „Ein richtiges Labyrinth dieses Gebäude.“

„Was habt ihr nur für ein Faible für schwere Holztüren. Nehmt doch Schwingtüren oder Glastüren. Sind viel leichter und man muss nicht jedes Mal beim Öffnen vorher ins Fitnessstudio,“ keuchte Hope als die Tür hinter ihr schwer ins Schloss viel.

„Ich glaube das würde den Charme des Gebäudes schaden, wenn alles so einfach wäre. Immerhin ist das eine Akademie wo Krieger ausgebildet werden,“ knurrte eine Stimme plötzlich neben uns.

Erschrocken wirbelten wir herum.

Als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten erkannte ich die Gestalt die lässig uns gegenüber an der Wand lehnte.

„Taylor,“ knurrte Ryder verärgert. „Solltest du nicht schon lang im Bett sein? Ist doch recht spät für dich kleiner,“ witzelte er.

Taylor lachte hohl und löste sich von der Mauer. „Wie witzig du doch bist, Ryder. Möchte wissen ob dir deine dämlichen Witze nicht im Hals stecken bleiben sobald ich Alarm schlage. Wie würde dir das gefallen, he? Ich hörte es soll wahnsinnig schmerzhaft sein, wenn das heiße Pech über die Flügel geschüttet wird und sich die Federn in raues Leder verwandeln. Das Geschrei der Verurteilten soll durch ganz Skyland dröhnen.“

Ryder schluckte vernehmlich. Mich schüttelte es bei dem Gedanken an die Schreie.

„Was willst du, Taylor?“ hörte ich Rose fragen.

Taylor trat näher. Ein Streifen Mondlicht fiel quer über sein Gesicht und offenbarte seine harten Züge. Was auch immer er vorhatte, er würde es durchziehen.

„Einen Platz bei eurer Mission,“ knurrte er und ich sah in seinem Gesicht das es sein vollkommener Ernst war.

Ich schnappte hörbar nach Luft. „Nein.“

„Das entscheidest nicht du, Raven.“

Ich trat aufgebracht nach vorne. Nun standen wir uns von Angesicht zu Angesicht.

„Doch, das Entscheide immer noch ich. Du könntest getötet werden oder noch schlimmer in Ungnade fallen. Du weißt gar nicht was wir gedenken zu tun. Das lasse ich nicht zu,“ fauchte ich und funkelte ihn wütend an. Für einen Moment starrten wir uns nur mit vor Wut und Stolz verzerrten Gesichtern an, dann erschien plötzlich ein Lächeln auf Taylors Gesicht.

„Erinnerst du dich an dein Versprechen?“ wollte er von mir wissen.

Verwirrt schüttelte ich den Kopf.

„Das Versprechen das du mir in Fallen City gegeben hast. Erinnerst du dich?“ hakte er nach.

Mein Blick wanderte über sein Gesicht das halb im Dunkeln lag. Langsam ließ ich meine Gedanken Stunden zurückwandern, bis ich auf eine Erinnerung stieß die mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Geschockt schnappte ich nach Luft.

„Nein,“ stieß ich hervor. „Ich wusste nicht…, das kannst du nicht gegen mich verwenden. Ich wusste damals nicht was ich verspreche. Das war eine Notsituation.“

„Du hast Versprochen mit mir Skyland zu verlassen. Und jetzt wirst du dich gefälligst an dieses Versprechen halten,“ knurrte Taylor verhalten und packte mich am Unterarm.

„Ich muss gar nichts. Lass mich gefälligst los,“ zischte ich und zerrte an meinem Arm doch Taylor hielt ihn fest wie in einem Schraubstock.

„Wenn er uns von nützen ist, kann er mitkommen,“ mischte sich nun Samuel ein. „Bist du von Nutzen, Junge?“

„Wir will das Wissen?“

Samuel lachte grob und trat ebenfalls näher. Ein Streifen Mondlicht viel nun auch quer über sein Gesicht und enthüllte funkelnde eisgraue stählerne Augen.

„Treib es nicht zu weit, Junge,“ zischte er kaum hörbar. „Lass sie los.“

Eine Zeitlang starrten sich die beiden zornfunkelnd an. Dann spürte ich wie sich Taylor’s Griff an meinem Arm langsam lockerte. Schnell entzog ich ihm meinem Arm der prickelte als der Blutfluss wiedereinsetzte. Verwirrt rieb ich meinen Arm während ich die beiden Streithähne beobachtete.

„Gut. Nun du kannst mitkommen aber wenn du dich meinem Befehl wiedersetzt musst du selbst sehen wie du weiterkommst,“ erklärte Samuel in geschäftlichem Ton. „Kannst du das?“

Taylor starrte ihn einen Moment an, dann nickte er kaum wahrnehmbar.

„Gut. Willkommen im Team.“ Samuel nickte ihm zu und wandte sich wieder an Rose. „Nun Heilerin: Wie kommen wir nun am schnellsten und unbemerkt in den Krankenflügel?“

Rose räusperte sich und übernahm sofort die Führung. „Mir nach,“ zischte sie und eilte uns voraus. Sofort huschten ihr alle nach. Ich warf Taylor noch einen letzten Wütenden Blick zu bevor mich Hope am Arm packte und hinter sich herzog.

An der Hand von Hope schlitterte ich über den marmornen Boden durch das Geflecht von Gängen und Fluren das sich wie ein Spinnennetz durch das Institut zog. Nach der gefühlten zehnten Kurve standen wir schließlich vor einer blendend weißen Tür an der in roten Lettern stand ‚Zutritt nur für Heilpersonal‘. Auf der rechten Seite war ein Kartenleser angebracht.

Mit einem Blick zu Rose sah ich das diese wieder begann in ihrer übergroßen Handtasche zu stöbern und zu suchen. Sie schob Dinge zur Seite und fluchte leise. Schließlich nach wenigen Minuten die mir wie Stunden vor kamen hörte ich sie triumphierend jauchzen. Erfreut hob sie eine weiße Karte in die Luft und zog sie schnell durch den Kartenleser der zufrieden auf piepste.

Leise öffnete Rose die Tür und gab uns mit einer Geste zu verstehen das wir nun still sein müssen. Schnell huschten wir durch die Tür ins Innere eines schwach beleuchteten Raumes. Es war der Aufenthaltsraum der Heiler wie ich mit einem Blick feststellte. Ich ließ meinen Blick durch den Raum wandern. In der Mitte des Raumes stand ein weißer Tisch mit dünnen Füßen aus Edelstahl umringt von ebenso weißen Stühlen mit denselben Beinen die Kreuz und Quer standen. Auf dem Tisch stand eine Obstschale gefüllt mit Äpfeln, Kiwi und Orangen. Ein schmutziger Teller mit schmutzigem Besteck darauf ließ mich davon ausgehen, dass ein Heiler von der Nachtschicht schnell etwas gegessen und dann zurück zur Arbeit geeilt war. Ich ließ meinen Blick weiter in die Ecke wandern wo ein Flachbildschirm an der Wand angebracht war und leise vor sich her plärrte. Irgendjemand schien vergessen zu haben ihn auszumachen. Davor stand ein hellblaues Sofa in L-Form das ungefähr fünf oder sechs Personen Platz gab. Ich wunderte mich gerade über die seltsam geformten Sofakissen die sogar nicht zu den Hellfarbenen Sofa passen wollten als ich vor Schreck zusammenzuckte. Schnell hielt mir jemand den Mund zu so, dass ich die Person auf dem Sofa nicht mit meinem Schrei aufweckte. Rose winkte ab.

„Das ist die Alte Mina. Die kann niemand wecken,“ flüsterte sie verhalten und winkte uns weiter durch eine Tür.

Langsam und mit einem letzten Blick auf die Schlafende alte Frau nahm mir Taylor die Hand vom Mund. Doch die bunte Steppdecke die sogar nicht zum hellblauen Sofa passte hob und senkte sich im Rhythmus des Atems der Alten.

Ungeduldig schob mich Taylor durch die Tür. Man Herz klopfte immer noch wie wild.

„Jetzt reiß dich zusammen,“ raunte er mir ins Ohr.

Rose ließ ihren Blick durch den Flur wandern in dem wir zusammen gequetscht standen und winkte uns nach links in die Dunkelheit. Von weitem hörte ich Stimmen die leise lachten und quatschten.

„Das ist die vom Nachtdienst,“ hörte ich Rose flüstern. „Heute sind es Lydia und Corinna zusammen mit Mina. Also brauchen wir uns keine Sorgen machen solange niemand den Herzalarm auslöst.“

Plötzlich überkam mich Panik. Sie lähmte mich, machte mich Taub und Blind.

Auf leisen Sohlen hasteten wir so lautlos wie möglich den Gang entlang. Am Ende wandte sich Rose zur Linken Tür. „Da wären wir,“ las ich von ihren Lippen. In meinen Ohren rauschte es als wäre ich unter Wasser.

Langsam öffnete Rose die Tür einen Spalt und schlüpfte hinein. Ihr folgten sofort Ryder, Hope und Samuel. Ich zögerte.

„Nun los. Nach dir,“ hörte ich Taylors Stimme nahe an meinem Ohr. Mit angehaltenem Atem schlüpfte ich in das Zimmer. Das nun hell erleuchtet war. Hinter mir hörte ich wie Taylor die Tür leise ins Schloss fallen ließ. Das Klacken hallte durch das gesamte Zimmer. Mein Blick wanderte unruhig durch den Raum. Das Zimmer wirkte unnatürlich steril. Alles war strahlend weiß. Die Wände, die Betten und Bettlacken. Rechts von mir viel das Mondlicht durch das Fenster gedämpft von den weißen Vorhängen. Am Fenster stand Samuel. Er hatte sein Blick auf etwas in die Ferne gerichtet und schien nicht wirklich an dem Interessiert das sich hier im Zimmer abspielte. Ich atmete tief durch. Der Geruch von Chlor und Desinfektionsmittel lag in der Luft und raubte mir den Atem. Krankheit. Das bedeutete dieser Geruch. Ich zwang mich meinen Blick wieder auf die Betten zu richten.

Auf dem rechten Bett lag im Halbdunkeln lag Magnus, angeschlossen an diversen Monitoren die leise piepsten. Er schlief. Einzig das monotone piepsen des Monitors und das ruhige Heben und Senken seiner bandagierten Brust beruhigte mich und gab mir die Gewissheit das er nur schlief. Erleichterung machte sich warm in mir breit. Magnus lebt. Er hatte es geschafft.

Beruhigt ließ ich meinen Blick weiter wandern. Zwischen den zwei Betten stand ein kleines Tischchen. Auf dem Stand eine Karaffe aus Glas gefüllt mit Wasser. Davor standen zwei Gläser. Eines war unberührt, das andere war leer. Wassertropfen rannen am glatten Glas entlang zu Boden. Mein Herz begann wieder wie verrückt zu Klopfen. In meinen Ohren rauschte das Blut. Ich nahm eine Bewegung in meinem Augenwinkel war.

Langsam drehte ich den Kopf zum Kopfende des zweiten Bettes. Verschwommen nahm ich eine Gestalt war die auf dem Bett lümmelte. Seine weiße Haut unterschied sich kaum von dem weißen Bettlacken. Mir wurde schummrig. Alles begann sich zu drehen.

Verzweifelt klammerte ich mich an den Arm der Person neben mir ohne zu wissen wer es ist. Meine Lungen fühlten sich an als bekäme ich keine Luft. Röchelnd schnappte ich nach Luft.

Ein Stimmen Gewirr erhob sich um mir. Dunkle Schatten standen plötzlich über mir.

„Raven?“ drang plötzlich eine männliche Stimme an mein Ohr. Benommen nahm ich war wie die Person vor mir von jemanden zur Seite geschoben wurde.

„Raven? Raven, hörst du mich?“ drang eine andere männliche Stimme an mein Ohr. Ich schluckte schwer. Mein Hals fühlte sich trocken an als wäre ich stundenlang durch die Wüste gerannt.

Schwach nickte ich.

„So was hatte sie gestern auch. Bei der Gruppeneinteilung,“ hörte ich eine weitere Stimme feststellen. „Was soll das heißen sie hatte das gestern schon? Warum hast du nichts gesagt?“ fauchte eine Frau.

„Mensch, Rose. Wie hätte er das Wissen sollen das Raven kaum das sie ein Krankenzimmer betritt wegkippt?“ zischte der Mann dessen Arm ich umklammert hielt. „Lieber suchen wir etwas was ihr hilft.“

Zwei Arme schoben sich unter meinen anderen Unterarm und stützte mich von der anderen Seite.

„Gut, bringen wir sie zum Fenster. Jemand soll das Fenster ganz öffnen. Damit sie wieder Luft bekommt,“ dirigierte jemand. Sogleich spürte ich wie mich die vier starke Arme aufrichteten und wir uns bewegten. Mit jedem Schritt schwappte mir mehr frische Luft entgegen die ich gierig einzog. Die kalte frische Luft erfüllte meine Lungen. Der Nebel in meinem Kopf lichtete sich. Ich öffnete meine Augen. Langsam klärte sich mein Blick. Gierig zog ich die Luft in meine Staubtrockene Lunge die sich freudig in meiner Brust plätte.

„Alles wieder in Ordnung?“ knurrte mir Ryder in mein Ohr. Dankbar drehte ich mich nach rechts zu ihm, meine Arme immer noch an seinem Unterarm geklammert.

„Danke,“ krächzte ich und lies mich an seine Brust sinken.

„Was war das?“ hörte ich Taylor links von mir fragen.

„Also wenn ihr mich fragt, war das schwarze Magie,“ stellte eine mir bekannte männliche Stimme fest. Ich hob meinen Kopf und drehte mich fieberhaft um. Da saß Tristan aufrecht im Bett und sah mich stirnrunzelt an. Sein Gesicht war immer noch bleich doch sein Blick war wach und konzentriert.

„Tristan,“ murmelte ich müde.

„Jemand hat versucht von ihr Besitz zu ergreifen, aber unser Mädchen hat sich mit Händen und Füßen gewehrt,“ stellte eine weiter Stimme krächzend fest. Mit Herzklopfen wanderte mein Blick zum nächsten Bett. Dort lag Magnus mit offenen Augen und zwinkerte mir aufmunternd zu. Mein Herz machte ein Salto. Er lebte wirklich.

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Fairy Dust

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