Kapitel 27: Der erste Frieden

Wochen später öffnete Luzifer die Augen. Er lag in einem gemütlichen Doppelbett in einem in dunkelblau gehaltenem Schlafzimmer. Und neben ihm auf der Bettkante saß...
"Hallo, Liebling!. Na, endlich ausgeschlafen?!"
Luzifer antwortete nicht, er lächelte Asmodeus nur an und streckte ihr die Hand entgegen. Die Dämonin beugte sich über ihn und die beiden versanken in einem langen zärtlichen Kuss...

Als sie das Schlafzimmer endlich verließen, warteten bereits alle auf sie. Gefallene Engel und Dämonen hatten es sich im Wohnzimmer gemütlich gemacht, tranken Kaffee und plauderten. Als Luzifer und Asmodeus zu ihnen traten, sprangen sie auf und umarmten ihn. 
"Mann, Luzifer, ist das schön, dich zu sehen!"
"Wurde auch Zeit, dass du wieder zu dir kommst!"
"Hab nicht geglaubt, dass du es schaffst."
"Wie hast du das überhaupt überlebt?"
"Ist Eden wirklich weg?"
"Und was ist mit IHR?", so klangen ihre Stimmen durcheinander. Luzifer wehrte seine Freunde lachend ab.
"Nicht alle auf einmal, ich erzähl euch ja alles."
Er setzte sich aufs Sofa, zog Asmodeus neben sich und legte den Arm um sie. Auch die anderen setzten sich wieder hin und sahen ihn erwartungsvoll an. Luzifer machte es spannend.
"Alsooo... Seid ihr wirklich sicher, dass ihr das hören wollt?"
Mammon bewarf ihn mit einem Kissen.
"Jetzt red schon endlich."
"Okay, okay", lachte Luzifer, "also, erstmal ja, Eden ist weg. Vollkommen ausgelöscht, total futschikato."
"Dann hast du das Licht eingesetzt?"
"Ja. War ganz einfach."
"Aber wie kommt es, dass du immer noch da bist? Das Licht hätte dich eigentlich zerstören müssen.
Luzifer schüttelte den Kopf.
"Wisst ihr, ich war mit ziemlich sicher, dass es das nicht tun würde. Nicht diesesmal."
"Warum nicht?"
"Ganz einfach. Warum wurde ich überhaupt erschaffen? Warum wurde mir das Licht gegeben?"
"Weil du mit Hilfe des Lichts die Hölle zerstören solltest."
"Ganz genau!", sagte Luzifer und grinste. Er sah an den Gesichtern seiner Freunde, dass es ihnen langsam dämmerte. Plötzlich begann Avidar zu lachen.
"Du hast deinen Auftrag, um dessen Willen du erschaffen wurdest, noch nicht ausgeführt!"
"Und ich schätze, es kann noch dauern, bis du das tust, nicht wahr?" Auch Satan lachte laut.
Luzifers Grinsen wurde breiter, als er sagte:
"Oh ja, das kann noch sehr, sehr lange dauern!"
"Dann ist das Licht also immer noch in dir?", fragte Eleazar, nachdem das Gelächter verstummt war.
Luzifer nickte.
"Ja, nachdem Eden zerstört war, ist es in mich zurück gekehrt. Tief in mir wartet es jetzt, bis ich es erneut rufe."
"Und SIE?"
"Als ich SIE zuletzt gesehen habe, lag SIE ziemlich verdattert in dem Krater, der noch vor kurzem der Garten Eden war. Ich hab den Augenblick ihrer Verwirrung natürlich genutzt und bin so schnell wie möglich abgehauen. Ich hatte das Himmelstor gerade erreicht, als Raphael und Uriel auftauchten. Ich war durch die Freisetzung des Lichts ziemlich groggy, deshalb war ich nicht in Topform. Die beiden haben mich ganz schön fertig gemacht, aber letztendlich ist es mir doch gelungen, sie für einen Moment lang abzulenken, das Himmelstor zu öffnen und zu verschwinden. Ich habs gerade noch bis zum Felsendom geschafft, dann hat der Heilschlaf eingesetzt und mich lahm gelegt."
"Ja, und dort haben wir dich dann gefunden und hierher gebracht."
"Wie solls denn jetzt eigentlich weiter gehen?", fragte Gamaliel.
Luzifer zog Asmodeus enger an sich.
"Jetzt ruhen wir uns erstmal ein bisschen aus. In der nächsten Zeit dürfte SIE zu beschäftigt sein, um sich um uns zu kümmern. Die Engelstrompeten wurden vernichtet, bald werden die Seelen nicht mehr mit der Droge versorgt werden können und aus ihrem sedierten Zustand erwachen. Na, und dann dürfte im Himmel die Hölle los sein!"
Fröhliches Lachen hallte durch die Hölle.

Später machten Luzifer und Asmodeus einen kleinen Spaziergang. Die Dämonin führte ihn zu einem wunderschönen Park. Schmale Sandwege verliefen zwischen blühenden Bäumen, auf den radenflächen tummelten sich Kaninchen und in der Luft schwirrten farbenprächtige Schmetterlinge. Und über allem lag das Geräusch von Vogelgezwitscher. Luzifer sah sich um.
"Also, dafür, dass das hier die Hölle ist, ist es eigentlich recht hübsch hier."
"Ich hab dir ja gesagt, dass die Hölle mehr ist, als nur das Fegefeuer. Und jetzt komm, ich will dir was zeigen."
Asmodeus fasste nach Luzifers Hand und zog ihn mit sich fort. Sie liefen um eine schmale Kurve und standen vor einer großen Wiese, auf der die verschiedensten Spielgeräte aufgebaut waren. Kinder vergnügten sich hier, ihr Lachen und Jubeln schallte durch den Park. Und oben auf einer Rutsche stand...
Ein Leuchten glitt über Luzifers Gesicht, als er die kleine Kinderseele erkannte. Und auch er wurde erkannt. Die Kinderseele stieß einen lauten Freudenschrei aus, rutschte die Rutschbahn herunter und rannte auf Luzifer zu. Er ging schnell in die Hocke und fing die Seele in seinem Armen auf. Glücklich drückte er sie an sich. Asmodeus sah lächelnd auf die beiden herunter und die kleine Seele rief:
"Luzifer! Ich freu mich so, dass du hier bist. Ich hab dich so lieb!"
Luzifer strich ihr übers Haar und antwortete, mit Freudentränen in den Augen:
"Ich hab dich auch lieb, Ketzia!"


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    *u* schön, dass alles so ist. Jetzt weine ich erstmal ne Runde, weil sie sich wieder haben! Das ist ein wundervolles Kapitel! *u*

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