Kapitel 3

Trotzdessen, dass ich mich nicht besonders gut fühlte, ging ich wie gewohnt zur Schule. Alex und Alice warteten bereits auf mich und ihre ständigen Flirtversuche gingen ins Leere, doch das schien Alice nicht zu stören. Sie war sehr ehrgeizig und wusste nie wann schluss ist. Die beiden redeten unsinniges Zeug, zu dem ich nicht wirklich etwas sagen konnte.

Als wir nun endlich am Zimmer angekommen sind, ließ ich mich auf meinen Stuhl fallen und streckte den Rücken durch. Schon bald trafen auch die anderen Schüler ein und ich hörte ihre Stimmen klar und deutlich. Selbst vom anderen Ende des Raumes konnte ich hören, dass sie über Schminke sprachen. Ich versuchte mich auf etwas Anderes zu konzentrieren und begann mir ein Worträtsel auszudenken. Wenig später betrat der Lehrer den Raum und wir begrüßten ihn höflich.

Er nannte uns die Buchseite und wies uns darauf hin, dass bald eine wichtige Arbeit geschrieben wird. Ich konnte ihm nicht wirklich folgen, denn nun hörte ich auch die Stimmen der Schüler, die draußen auf dem Gang herumliefen. Was ziehst du auf der Party an? Ist der Typ nicht süß? Binde deine Haare doch nicht immer zusammen, lass sie mal locker herunterhängen! Mir liefen Schweißperlen übers Gesicht, weshalb ich mich von meinem Stuhl erhob und mich entschuldigte “Es tut mir leid, aber mir geht es nicht gut. Kann ich für eine Weile ins Krankenzimmer gehen?” Ohne auf die Antwort des Lehrers zu warten, rannte ich auf zittrigen Beinen aus dem Klassenzimmer.

Ich wollte schreien, alles zerstören. Die Schüler standen mir im Weg und warfen mir sehr fragwürdige Blicke zu, weshalb ich mich durch sie durchdrängelte. Natürlich war ich nicht lange allein, denn Alex schien mir zu folgen. Er zog mich ins Kopierzimmer und verschloss die Tür von innen.

Mein Atem verschnellerte sich und ich sah mich nervös im Raum um. Die elektronischen Geräusche der Geräte schwirrten mir im Kopf herum, woraufhin ich auf die Knie fiel und mir die Ohren zuhielt. Meine Augen wurden golden und meine Hände waren mit schwarzen pulsierenden Strichen übersäht. Alex ging ruhig an mir vorbei und schaltete die Geräte aus. Er kam auf mich zu und ich wollte ihn von mir wegschubsen, doch ich war nicht stark genug. Vorsichtig nahm er meinen Kopf zwischen seine Hände und zwang mich dazu ihn anzusehen. Seine Augen verfärbten sich ebenfalls gold, was mir ein wenig die Angst nahm.

Flüsternd stellte ich ihm eine Frage “Was passiert mit mir? Alles tut weh und ich höre jedes einzelne Geräusch klar und deutlich. Mach, dass es aufhört.. bitte!” Seine Hände strichen über meine Wange und ich schloss meine Augen für einen kurzen Augenblick. Als ich sie wieder öffnete, waren die Schmerzen vorbei und ich konnte wieder klar denken. Ich umarmte ihn und begann zu weinen. Hatte er doch Recht gehabt, mit dem was er sagte? Dass ich ein Wolfsblut bin? Wie kann das sein.. meine Eltern haben mir nie Etwas darüber erzählt.

Nach einer Weile löste ich die Umarmung und stand auf. “Was, wenn es wieder anfängt? Ich kann so niemals im Unterricht sitzen..” gab ich besorgt von mir. “Mach' dir darüber keine Sorgen, ich habe schon eine Idee.” beruhigte er mich.

Wir gingen aus dem Kopierzimmer und Alex stützte mich. Er nahm mich mit ins Sekretariat woraufhin er die Frau zu manipulieren schien “Frau Corren, Charlie geht es nicht so gut. Wir haben ihre Eltern schon angerufen und sie haben es mir erlaubt, ihre Tochter nach Hause zu bringen.”.

Er brachte mich zu seinem Auto und fuhr mich nicht zu mir nach Hause, sondern in sein Haus. Na ja, Haus ist wohl ein bisschen untertrieben. Es war eine Villa, welche den Hollywood-Filmen ähnelte. Ein weißer Anstrich ummantelte die Fassade und ein riesiger gepflegter Garten erstreckte sich vor dem Eingangsbereich. Ich bemerkte, wie mir der Mund offen stand und schloss ihn unbemerkt. Das habe ich jetzt nicht erwartet, was ein Luxus!

Er fuhr in eine Einfahrt und somit in die Garage. Das Tor wurde automatisch geöffnet und geschlossen. Mit einem lauten Knallen fiel die Tür ins Schloss und wir befanden uns in der Garage. Wie ein Gentlemen öffnete er mir die Tür und ich stieg aus. Er neckte mich “Nicht viele haben mein Haus gesehen, fühl' dich geehrt.” und führte mich zum offiziellen Eingang. Mit einem silbernen Schlüssel entriegelte er die Tür zum Luxus.

Vor mir breitete sich ein langer Gang mit einer breiten gräulichen Treppe, auf der ein roter Teppich lag aus. An den Wänden hingen unzählige Gemälde von  Landschaften und Personen, welche ich nicht kannte. Es führte auch eine Tür nach unten, wahrscheinlich zur Garage.

Aus einer dunklen Ecke kam eine weiße Gestalt auf mich zu gerannt. Instinktiv wich ich aus und das weiße Ding ließ nicht von mir ab. Letztendlich endete es damit, dass ich halb erdrückt am Boden lag und nicht aufstehen konnte. Alex pfiff den Flauschball zu sich und er saß ganz brav neben ihm auf dem Boden.

"Entschuldige bitte, Luna ist wohl ein bisschen aufgeregt wegen dir. Lass uns in die Küche gehen, hast du hunger?" entschuldigte er sich und wir liefen zur Küche.

Er kochte ein paar Pfannkuchen und wir aßen sie. Der Hund von ihm hörte nicht auf zu betteln, er knuffte mich die ganze Zeit ins Bein, deshalb schickte ihn Alex wenig später auf seine Matte. "Dieser Hund kann manchmal ganz schön anstrengend sein. Schmeckt's dir?” lachte er und sah mich an "Ist das Beste, das ich seit Langem gegessen habe, aber mach dir wegen mir keine Umstände.” lächelte ich ihn an.

Als wir fertig mit dem Essen waren, gingen wir ins Wohnzimmer, wo wir uns auf die Couch pflanzten. Alex schaltete den Fernseher ein und wir sahen uns einen Horrorfilm an. “Wenn du Angst hast, kannst du dich an meiner Schulter festklammern. Nur Spaß!” zwinkerte er mir zu und ich verdrehte die Augen. Selbst wenn Horrorfilme nicht so meins sind, tue ich ihm den Gefallen und schaue ihn mir gemeinsam mit ihm an. Ich bin schon wieder so müde und mein Schädel brummt.. warm ist mir auch. Seufzend zog ich meinen Pullover aus, woraufhin ich mit einem weißen T-Shirt da saß. Ich lehnte mich an der Rückenlehne der Couch an und döste ein wenig vor mich hin.

Ein lautes Poltern riss mich aus dem Schlaf und ich stand ruckartig auf beiden Beinen. Was war das für ein Geräusch? Wie lange habe ich geschlafen? Auf leisen Füßen schlich ich den Flur entlang, dort erkannte ich, dass die Tür zum Keller offen stand. Ist nur zur Sicherheit, ich schnüffle ja nicht herum oder so! Mit einem Deo bewaffnet lief ich zur Kellertür und stieg die Treppen herunter. Was mich dort erwartete, ließ mich nicht gerade kalt. Es schien so, als hätte sich Alex eingesperrt. Er verhielt sich irgendwe merkwürdig, wie ein Wolfsblut eben. Alex jaulte und atmete tief “Charlie, schließ die Tür hinter dir und komm dann herein.”. “Falls das irgendwelche kranken Fetishe sind, dann kannst du das gleich vergessen Alex. Viel wichtiger ist doch, wieso du dich so verhältst und..” nun bekam auch ich es mit der Hitze zu tun.

Alle meine Sinne spielten verrückt und ich schloss schnell die Tür, bevor es zu spät war. Meine Adern pulsierten und ich überschritt die eiserne Schwelle. Nun waren wir hier, Alex und ich gemeinsam im Keller.

“Was passiert hier?” fragte ich zögerlich “Du verwandelst dich! Immerhin ist Vollmond.” freute sich Alex, der anscheinend schon einige Verwandlungen hinter sich hatte. Er nahm meine Hände und hielt sie fest. Meine erste Verwandlung, eine schöne Erfahrung.

Zuerst brannte mein ganzer Körper, doch es dauerte nur wenige Sekunden bis ich meine Form änderte und zum Wolf wurde. Wir rannten die ganze Zeit in der Höhle umher und hatten einen riesen Spaß. Leider dauerte diese Verwandlung nur bis zur Morgendämmerung.

Am nächsten Morgen lagen wir hundemüde auf dem Boden und schliefen.

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